
Erfahren Sie von Alexander Odin, warum die Delegation von Betreiberpflichten nicht vor Haftung schützt und Facility Management Chefsache sein muss.
Facility Management (FM) und der gesamte Gebäudebetrieb fristen in vielen Unternehmen ein Dasein als ungeliebtes Randthema. Da es sich in der Regel um eine Sekundär- oder Tertiärfunktion handelt, die nicht direkt zur Kernwertschöpfung beiträgt, wird der Bereich primär als reine Kostenstelle wahrgenommen. Diese extrem budgetgetriebene Sichtweise führt dazu, dass Verantwortliche zwar die Budgethoheit wahren müssen, das Budget selbst jedoch von oben diktiert bekommen. Dies hat weitreichende Konsequenzen für die operative Handlungsfähigkeit.
Die wesentlichen Probleme dieser Budgetlogik:
Im Schadensfall stellt sich für Geschäftsführer und Vorstände eine einzige, alles entscheidende Frage: Habe ich im Rahmen des Menschenmöglichen alles getan, um diesen Unfall zu verhindern? Die rechtlichen Konsequenzen bei Pflichtverletzungen im Gebäudebetrieb reichen von empfindlichen Ordnungswidrigkeiten bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung wegen Fahrlässigkeit. Viele Führungskräfte wiegen sich in einer gefährlichen Scheinsicherheit, da sie glauben, die Verantwortung vollständig ausgelagert zu haben.
„Man denkt als Geschäftsführermensch, ich habe eine Fachabteilung und ich bin safe in diesem Thema. Ja, das bin ich halt nicht...“ — Alexander Odin
Die rechtliche Realität sieht anders aus: Betreiberpflichten lassen sich zwar operativ delegieren, die Letztverantwortung verbleibt jedoch immer beim C-Level. Ein wirksamer Schutz vor persönlicher Haftung erfordert klare, prozessuale Strukturen.
Die drei Säulen der rechtssicheren Delegation:
In der strategischen Beratung von Großunternehmen kursiert seit Jahren der hartnäckige Mythos, dass sich komplexe Gebäudestrukturen mit minimalem Personalaufwand steuern lassen. Große Strategieberatungen proklamieren oft das Konzept des „One-FTE“ – der Vorstellung, dass eine einzige Vollzeitkraft den gesamten operativen Betrieb und die Steuerung der Dienstleister bewältigen kann. Diese Sichtweise ignoriert jedoch die tatsächliche Komplexität der Materie.
„Wir reden ganz gerne bei uns intern immer von dem bunten Blumenstrauß Facility Management, ja, weil der ist halt wirklich bunt...“ — Alexander Odin
Dieser bunte Blumenstrauß wächst kontinuierlich und umfasst eine Vielzahl an anspruchsvollen Einzelthemen:
Ein wesentliches Hemmnis für einen effizienten Gebäudebetrieb liegt in der Zersplitterung der Zuständigkeiten innerhalb von Konzernstrukturen. Facility Management ist eine klassische horizontale Managementdisziplin, die sich quer durch die gesamte Organisation zieht. Hier treffen unterschiedlichste Welten und Fachdisziplinen aufeinander, was die Kommunikation und Entscheidungsfindung massiv erschwert.
Die erfolgreiche Steuerung erfordert das Zusammenspiel zahlreicher interner Stakeholder:
Wer die Effizienz seines Facility Managements steigern möchte, scheut oft den vermeintlich gigantischen Aufwand einer Gesamtreform. Ein bewährter und hochgradig effizienter Einstieg führt über eine strukturierte Performance-Analyse. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Schuldige für historische Fehlentwicklungen zu suchen, sondern Potenziale objektiv sichtbar zu machen und eine positive Fehlerkultur zu etablieren.
Der methodische Einstieg basiert auf einem pragmatischen und datengestützten Vorgehen:
Das ultimative Ziel eines jeden zukunftsorientierten Gebäudebetriebs muss die Erlangung und Aufrechterhaltung der sogenannten Auftraggebersouveränität sein. Viele Unternehmen geraten durch unüberlegte Voll-Auslagerungen in eine gefährliche Abhängigkeitsspirale von ihren Dienstleistern. Dieser Zustand führt unweigerlich in den klassischen, extrem teuren Schweinezyklus der Branche.
„Wenn ich keine Auftraggebersouveränität habe, mich abhängig mache von Dienstleistern, dann stehe ich auch hin und wieder mal im kurzen Gras.“ — Alexander Odin
Dieser zerstörerische Zyklus läuft in immer gleichen Phasen ab:
Nur wer seine Rolle als aktiver, steuernder und souveräner Auftraggeber begreift, kann diesen Kreislauf durchbrechen und nachhaltige Synergien im Gebäudebetrieb realisieren.
Weil FM wesentliche Haftungsrisiken birgt und durch strategische Steuerung enorme Potenziale sowie Kosteneinsparungen realisiert werden können, die über reine Budgetkürzungen hinausgehen.
Nein. Die operative Ausführung kann delegiert werden, die Auswahl-, Einweisungs- und Kontrollverantwortung verbleibt jedoch immer bei der Geschäftsführung.
Neben empfindlichen Bußgeldern nach dem Ordnungswidrigkeitenrecht drohen bei Personenschäden durch Fahrlässigkeit schwerwiegende strafrechtliche Konsequenzen.
Er beschreibt die enorme Vielfalt und Komplexität der FM-Aufgaben, die von technischer Instandhaltung und Rechtssicherheit bis hin zu administrativen und infrastrukturellen Dienstleistungen reichen.
Die unrealistische Annahme einiger Strategieberater, dass ein einziges Vollzeit-Äquivalent (FTE) ausreicht, um den gesamten, komplexen Gebäudebetrieb eines Großunternehmens rechtssicher zu steuern.
Während die Wohnungswirtschaft direkt mit der Immobilie Geld verdient, dient das Gebäude im Industriesektor primär als notwendiger, unterstützender Rahmen für die eigentliche Produktion.
Idealerweise mit einer strukturierten Performance-Analyse, um Muster in fragmentierten Verträgen zu erkennen und ungenutzte Potenziale (Low Hanging Fruits) schnell freizulegen.
Die Fähigkeit des Auftraggebers, seine eigenen Bedarfe klar zu formulieren, Dienstleistungen fachlich kompetent einzukaufen und deren Erbringung eigenständig zu kontrollieren.
Ein wiederkehrender Kreislauf, bei dem blinde Delegation an Dienstleister zu Qualitätsverlusten und Unfällen führt, was wiederum teures, hektisches Nachsteuern erzwingt, bis das Spiel von vorn beginnt.
Sie bietet strategische Beratung, hilft bei der rechtssicheren Vertragsgestaltung, optimiert die Dienstleistersteuerung und befähigt Auftraggeber zur Souveränität.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.