
Wie baut man ein Netzwerk mit 10.000 Branchen-Profis auf? Alexander Schmid (iRECC) verrät seine Erfolgsstrategie für die Immobilienbranche.
Alexander Schmid startete seine Selbstständigkeit im Jahr 2013 als Projektsteurer ohne einen einzigen Auftrag in der Tasche. Ohne etabliertes Netzwerk versuchte er sich zunächst an klassischer Kaltakquise und telefonierte in München eine Liste von Immobilieneigentümern ab. Da er jedoch ohne Skript und strategische Vorbereitung agierte, blieb der Erfolg vollständig aus. Er merkte schnell, dass unvorbereitete Anrufe oft zur falschen Zeit kommen und die Angerufenen misstrauisch zurücklassen.
Der Wendepunkt kam durch den wertvollen Ratschlag eines Freundes, der ihm empfahl, den persönlichen Kontakt bei gemeinsamen Mittagessen zu suchen. Da Schmid selbst als ehemaliger Angestellter kaum Kontakte hatte, vermittelte ihm der Freund die ersten fünf Ansprechpartner. Aus diesen informellen Treffen entstanden schließlich die ersten echten Aufträge für sein junges Unternehmen.
Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit durchlebte Alexander Schmid eine persönliche Lebenskrise, die ihn dazu bewog, seine Anstellung als Projektingenieur zu kündigen. Er verabschiedete sich mit einer provokanten E-Mail von seinen Kollegen, in der er sie als "Ameisen" bezeichnete – ein Fehler, für den er sich heute aufrichtig entschuldigt. Er begab sich auf eine einjährige Weltreise, um den Sinn des Lebens zu finden.
„Das Glück liegt nicht unter einem Stein in Ecuador, sondern das muss jeder eben in sich finden.“ — Alexander Schmid
Diese Erkenntnis führte dazu, dass Schmid nach seiner Rückkehr den Entschluss fasste, nie wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückzukehren. Die provokante Abschieds-E-Mail fungierte dabei als sein persönlicher "Point of no Return". Er musste den Weg der Selbstständigkeit erfolgreich bestreiten, da eine Rückkehr mental und gesellschaftlich ausgeschlossen war.
Um die Akquise für seine Projektsteuerung zu systematisieren, gründete Schmid einen ersten Immobilien-Stammtisch in München. Das erste Treffen verlief ernüchternd: Nur er, ein enger Freund und ein Immobilienmakler saßen am Tisch. Trotz des harten Feedbacks seines Freundes, das Projekt wegen Peinlichkeit abzubrechen, machte Schmid unbeirrt weiter.
Aus dem kleinen Stammtisch entwickelte sich im Laufe der Jahre ein riesiges Netzwerk, das heute als Real Estate Lounge in über 20 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv ist. Die Expansion basierte auf einem dezentralen Partnermodell:
Dieses Prinzip stellt sicher, dass alle Beteiligten voneinander profitieren und hochqualitative Kontakte in entspannter Atmosphäre knüpfen können.
Lange Zeit organisierte das Team der Real Estate Lounge seine Veranstaltungen und das gesamte Einladungsmanagement über die Plattform Xing. Als Xing vor rund zwei Jahren seine Event-Hosting-Funktionen und Gruppen schloss, brach dem Netzwerk von heute auf morgen das organisatorische Fundament weg. Anstatt zu kapitulieren, entschied sich Schmid für eine fundamentale, mutige Eigenentwicklung.
Daraus entstand die Plattform iRECC, ein maßgeschneidertes soziales Netzwerk für die Immobilienwirtschaft. Nutzer können dort eigene Profile anlegen, in Fachgruppen interagieren und sich für Events anmelden. Premium-Mitglieder profitieren zudem von exklusiven Funktionen wie dem direkten Download von Gästelisten, was eine gezielte Event-Vorbereitung ermöglicht.
Netzwerken wird laut Schmid von rund 90 Prozent der Akteure falsch betrieben, da sie unvorbereitet auftreten und sofort versuchen, ihre Dienstleistungen zu verkaufen. Erfolgreiches Netzwerken in der hochpreisigen Immobilienbranche erfordert hingegen einen systematischen, fünfstufigen Prozess:
Durch diesen strukturierten Ansatz wird echtes Vertrauen aufgebaut, welches das unverzichtbare Fundament für jedes hochvolumige Immobiliengeschäft darstellt.
Als studierter Architekt stellte Alexander Schmid im Laufe seiner Karriere fest, dass die klassische akademische Ausbildung gravierende Lücken aufweist. Das Thema Baukosten und die wirtschaftliche Perspektive der Bauherren werden im Architekturstudium nahezu vollständig ausgeblendet. Dies führt zu massiven Kommunikationsproblemen zwischen kreativen Planern und renditeorientierten Investoren.
Um diese Lücke zu schließen, absolvierte Schmid ein MBA-Studium im internationalen Immobilienmanagement in Biberach, Zürich und London. Erst dort lernte er fundamentale wirtschaftliche Zusammenhänge wie das Residualwertverfahren, Baukostenkalkulationen und die finanzielle Logik von Projektentwicklern kennen. Er rät jedem Planer, sich intensiv mit der Kostenseite zu beschäftigen, um als vollwertiger Partner auf Augenhöhe agieren zu können.
Heute teilt Alexander Schmid seine Arbeitszeit flexibel auf verschiedene Projekte auf. Während die iRECC-Plattform und die Real Estate Lounge etwa 20 bis 30 Prozent seiner Zeit in Anspruch nehmen, sichert die klassische Projektsteuerung seinen Hauptumsatz. Zusätzlich betreibt er mit Partnern die Real Estate Academy, um praxisnahes Branchenwissen digital zu vermitteln.
Für die Zukunft wünscht sich Schmid, dass mehr Menschen den Mut aufbringen, ihrer echten Leidenschaft zu folgen. Wer sich mit seiner Aufgabe identifiziert, arbeitet automatisch kreativer und erfolgreicher.
„Wenn du einmal über diese imaginäre Linie drüber bist, dann kannst du auch nicht mehr zurück.“ — Alexander Schmid
Der Schritt ins Ungewisse mag zwar Angst einflößen, doch im Prozess der Umsetzung entwickeln sich stets neue, ungeahnte Wege zum Erfolg. Schmid motiviert alle Zuhörer, den Sprung zu wagen und das eigene Netzwerk als Sicherheitsnetz für alle unternehmerischen Herausforderungen zu etablieren.
iRECC ist die digitale Plattform für Profile, Gruppen und Einladungsmanagement, während die Real Estate Lounge das physische Veranstaltungs- und Netzwerkformat vor Ort darstellt.
Alexander Schmid gründete das Format 2013 aus der Not heraus, um nach dem Start seiner Selbstständigkeit als Projektsteurer ohne Budget ein eigenes berufliches Netzwerk für die Akquise aufzubauen.
Er versuchte, ohne ein vorbereitetes Skript oder eine strategische Herangehensweise eine Liste von Immobilieneigentümern abzutelefonieren, was zu keinem einzigen Auftrag führte.
Der größte Fehler ist es, sich ohne Vorbereitung auf Events zu begeben und sofort den eigenen Verkaufs-Pitch zu platzieren, anstatt dem Gegenüber zuzuhören und Fragen zu stellen.
Man sollte sich vorab die Gästeliste herunterladen, relevante Kontakte identifizieren und diese bereits vor dem Event kontaktieren, um ein Treffen mit potenziellem Mehrwert zu vereinbaren.
Da Xing seine Event-Hosting- und Gruppen-Funktionen abschaltete, verlor die Real Estate Lounge ihre organisatorische Basis und programmierte iRECC als unabhängige Branchen-Alternative.
Lokale Partner organisieren die Events ehrenamtlich, um ihr eigenes Netzwerk auszubauen, während die iRECC-Zentrale das Marketing und die Reichweite über ihren Newsletter bereitstellt.
Im Architekturstudium wird das Thema Baukosten und Wirtschaftlichkeit oft komplett vernachlässigt, weshalb Planer die finanzielle Perspektive von Bauherren häufig nicht verstehen.
Es vermittelt Planern das Verständnis für Baukosten, Bauzeiten, Residualwertverfahren und die wirtschaftlichen Strategien von Bauherren und Entwicklern.
Man sollte keine Angst vor dem Ungewissen haben und den Schritt über die Linie wagen, da sich im Prozess der Selbstständigkeit immer Lösungen und Wege finden.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.