
Dr. Peter Burnickl zeigt 3 Hebel, wie Sie beim Bauen 10 % Kosten sparen: Flächenoptimierung, Low-Tech-TGA und das systematische Reduzieren von Puffern.
Viele Projektentwickler, Investoren und Bauträger begegnen der Behauptung, man könne bei Bauprojekten problemlos zehn Prozent der Kosten einsparen, mit großer Skepsis. Dr. Peter Burnickl zeigt jedoch, dass diese Skepsis unbegründet ist, wenn man die richtigen Stellschrauben kennt. Das Geheimnis liegt darin, sich systematisch von den großen Hebeln zu den kleinen Details vorzuarbeiten.
Je früher man in ein Bauvorhaben eingebunden wird, desto massiver sind die Hebel zur Kostenreduktion. In späten Planungsphasen schrumpfen die Spielräume extrem zusammen. Deshalb muss das Optimierungspotenzial direkt zu Beginn der Konzeption gehoben werden.
Der erste große Hebel betrifft die Bauweisen, die Konstruktionen und die gezielte Optimierung der Nutzflächen. Oft planen Architekten sehr konservativ, ohne die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen von Wandstärken oder Fassadendetails im Blick zu haben. Eine detaillierte Überprüfung dieser Faktoren kann jedoch zu enormen wirtschaftlichen Vorteilen führen.
Durch das geschickte Reduzieren von Konstruktionsflächen lässt sich wertvoller Raum gewinnen. Dies wirkt sich direkt auf die Verkaufs- oder Vermietbarkeit der Immobilie aus, ohne dass die äußere Hülle vergrößert werden muss.
„Wir konnten hier durch eine Optimierung der Fassade [...] durch eine Verschlankung der Konstruktion [...] eine unfassbare Fläche gewinnen.“ — Dr. Peter Burnickl
Die Anforderungen an die Gebäudetechnik haben in den letzten zehn Jahren eine regelrechte Explosion erfahren. Gesetzliche Vorgaben wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und Zertifizierungen wie KfW 40 QNG oder DGNB treiben Planer in die Komplexität. Die Gebäude werden immer dichter gedämmt, was wiederum neue Probleme mit sich bringt.
Durch die dichte Bauweise steigen die solaren Einträge durch große Fensterflächen enorm an. Die Abwärme der Bewohner tut ihr Übriges, sodass Gebäude künstlich gekühlt werden müssen, was die TGA-Kosten weiter in die Höhe treibt.
Als erklärter Verfechter des Low-Tech-Ansatzes warnt Dr. Peter Burnickl vor einer Überladung der Gebäude mit komplizierter Technik. Eine Immobilie hat eine Lebensdauer von 50 bis 100 Jahren, während die verbaute Elektronik oft nach wenigen Jahren veraltet ist oder Defekte aufweist. Technik sollte daher immer so minimalistisch wie möglich geplant werden.
Komplexe Bussysteme und vernetzte Steuerungen sind nicht nur teuer in der Anschaffung, sondern belasten auch den laufenden Betrieb über Jahrzehnte hinweg.
„Technik muss minimalistisch eingesetzt werden, wir müssen hier einen ganz nüchternen Blick haben [...] ich bin ein totaler Low-Tech-Fanatiker.“ — Dr. Peter Burnickl
Der dritte große Hebel liegt in der kritischen Hinterfragung von Sicherheitszuschlägen und Puffern. Im deutschen Planungs- und Bauwesen sichern sich alle Beteiligten aufgrund des strengen Werkvertragsrechts intensiv ab. Das führt dazu, dass jede Fachdisziplin ihre Berechnungen aufrundet.
Diese Puffer summieren sich im Laufe eines Projekts unbemerkt zu gigantischen Summen auf, die das Projekt unnötig verteuern.
Wichtig bei jeder Optimierung ist, dass die Qualität des Gebäudes absolut unberührt bleibt. Niemand möchte am Ende eine billige "Schrottimmobilie" besitzen, die nach wenigen Jahren verfällt. Deutschland, Österreich und Südtirol stehen für exzellente Bauqualität, und diese gilt es durch kluge Planung zu erhalten.
Die Reduzierung von Kosten bedeutet in diesem Zusammenhang, den überflüssigen "Nonsens" abzuschaffen und sich wieder auf bewährte, robuste Konstruktionsprinzipien zu besinnen.
Um die 10 % Einsparung in der Realität umzusetzen, müssen alle Projektbeteiligten motiviert werden. Es bringt nichts, Druck von oben auszuüben; vielmehr muss ein partnerschaftliches, wohlwollendes Arbeitsumfeld geschaffen werden. Das Ziel muss sein, dass Architekten, Planer und Baufirmen an einem wirtschaftlichen Erfolg interessiert sind.
Anreizsysteme und eine offene Fehlerkultur helfen dabei, dass ungenutzte Potenziale im Projekt von allen Beteiligten aktiv gesucht und eingebracht werden.
„Ich garantiere, wenn man allein diese drei Punkte beachtet, sind locker, locker fünf bis zehn Prozent möglich, wahrscheinlich eher mehr.“ — Dr. Peter Burnickl
Die Einsparung wird durch drei große Hebel realisiert: Gezielte Flächen- und Konstruktionsoptimierung, den konsequenten Einsatz von minimalistischer Low-Tech-Gebäudetechnik sowie die kritische Überprüfung kalkulatorischer Puffer.
Durch eine Verschlankung der Fassade um nur 22 bis 23 Zentimeter konnte bei einem Hochhausprojekt über alle Stockwerke hinweg ein Flächengewinn im Gegenwert von rund einer Million Euro erzielt werden.
Haupttreiber sind gestiegene gesetzliche Vorgaben wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG), KfW-Anforderungen und Nachhaltigkeitszertifikate, die hochgradig abgedichtete Hüllen und komplexe Lüftungsanlagen erzwingen.
Low-Tech bezeichnet die Reduktion von Haustechnik auf das Wesentliche. Einfachere Systeme sind kostengünstiger in der Anschaffung, weniger fehleranfällig im Betrieb und erleichtern Handwerkern die Installation.
Während die massive Bausubstanz 50 bis 100 Jahre hält, veraltet hochkomplexe Elektronik rasant. Sie muss viel früher ausgetauscht werden, was hohe Instandhaltungs- und Wartungskosten verursacht.
Aufgrund des deutschen Werkvertragsrechts und Haftungsrisiken neigt jede Planungsdisziplin und jeder Handwerker dazu, Werte bei Berechnungen und Aufmaßen vorsichtshalber aufzurunden.
Bauherren sollten Ausschreibungsunterlagen stichprobenartig prüfen, Massenberechnungen hinterfragen und darauf achten, dass technische Simulationen nicht auf völlig unrealistischen Extremszenarien basieren.
Nein. Ziel ist die Eliminierung von unnötigem Ballast und technischem Nonsens. Die Bauqualität wird beibehalten, während robustere Lösungen oft sogar langlebiger sind.
Da Planer im Rahmen des Werkvertragsrechts streng haften, sichern sie sich ab, indem sie bei allen Berechnungen und Dimensionierungen erhebliche Sicherheitsmargen aufschlagen.
Da es an qualifizierten Fachkräften mangelt, die hochkomplexe Haustechnik fehlerfrei installieren und in Betrieb nehmen können, minimieren einfache Low-Tech-Systeme das Risiko von Ausfällen und Fehlern.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.