
Wie Sie im Geschosswohnungsbau intelligent Baukosten senken. Dr. Peter Burnickl teilt 10 sofort umsetzbare Tipps von Elektro- bis Lüftungsplanung.
Am Bau stehen die wirtschaftlichen Ziele des Bauherrn oft im Widerspruch zu den Sicherheitsinteressen der Planer. Architekten, Ingenieure und auch die eigenen Projektleiter tragen ein immenses Haftungsrisiko, das sie durch maximale Standards absichern wollen.
Deshalb planen sie oft weitaus teurer, als es für ein erfolgreiches und renditestarkes Projekt notwendig wäre. Ohne die aktive Steuerung des Bauherrn bleibt die maximale Rendite auf der Strecke.
Im Treppenhaus wird bei der Beleuchtung regelmäßig viel Geld verschwendet. Die Lichtnorm DIN EN 12464 gibt zwar Helligkeits- und Kontrastwerte vor, wird in der Praxis aber oft um 30 Prozent übererfüllt.
Durch eine präzise Auslegung lässt sich die Anzahl der Leuchten drastisch reduzieren, ohne die Normvorgaben zu verletzen.
Leerrohre in Treppenhäusern und Betondecken stellen ein massives Kosten- und Schadensrisiko dar. Da die Rohbauarbeiter, die den Beton gießen, keine gelernten Elektriker sind, werden die Rohre beim Verdichten des Betons häufig gequetscht oder beschädigt.
"Leerrohre sind Horror, also ich hasse Leerrohre total." — Dr. Peter Burnickl
Die Behebung verstopfter Rohre im Nachhinein ist extrem aufwendig. Besser ist es, Leitungen über geschickt platzierte Steigschächte oder direkt im Fußbodenaufbau der Podeste zu verziehen.
Die DIN 18015 regelt die Mindestausstattung im Wohnungsbau, wird jedoch durch Sonderwünsche und übertriebene Planungen oft ins Unermessliche aufgebläht. Wer hier blind jedem Standard folgt, baut am Ende gigantische, überteuerte Elektroverteiler selbst in kleinen Wohnungen.
Eine Reduktion auf ein sinnvolles, aber vollkommen rechtssicheres Maß schont das Budget nachhaltig.
"Wir haben hier Einsparungen von ungefähr 56 Prozent ausgerechnet – vom Stand der Technik hin zu Sinnvollem." — Dr. Peter Burnickl
Diese Einsparungen mindern die Wohnqualität der späteren Mieter in keiner Weise, verhindern jedoch unnötige Materialschlachten im Zählerschrank.
Der Schallschutz in Deutschland nach DIN 4109 ist im internationalen Vergleich extrem hoch, birgt jedoch immense Risiken für Mängelrügen. Ein einziger falsch gesetzter Schlitz in einer Wohnungstrennwand kann den erhöhten Schallschutz komplett ruinieren.
Deshalb gilt die goldene Regel, sensible Bauteile konsequent von Technik freizuhalten.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) erzwingt heute fast immer ein mechanisches Lüftungskonzept. Um die Kosten im Rahmen zu halten, sollte die Lüftung jedoch so minimalistisch wie möglich konzipiert werden.
Bäder und innenliegende Toiletten müssen zwingend entlüftet werden, während in den Wohnräumen einfache Fensterfalzlüfter oft ausreichen.
Niemand zahlt mehr Miete oder einen höheren Kaufpreis für ein aufwendig gemauertes Kellerabteil. Der Keller ist ein reiner Nutzraum, bei dem die Ästhetik für die Nutzer kaum eine Rolle spielt.
Hier sollte konsequent die günstigste und funktionalste Variante gewählt werden.
Brandschutzkonzepte werden oft von Architekten verfasst, die im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) zu wenig Detailwissen haben. Dies führt regelmäßig zu überdimensionierten und extrem teuren Sicherheitsanlagen im Treppenhaus.
Ein enges Sparring zwischen dem Brandschutzgutachter und dem TGA-Planer vor Einreichung des Bauantrags verhindert diese Kostenfallen.
Viele Akteure am Bau behandeln DIN-Normen wie unumstößliche Gesetze. In der Realität handelt es sich jedoch um private Regelwerke, die lediglich den Stand der Technik beschreiben.
"Die meisten Normen haben keinen rechtsgebenden Charakter, es sind quasi Hinweise, Richtlinien, Stand der Technik." — Dr. Peter Burnickl
Unter Hinzunahme von spezialisierten Baurechtsanwälten kann der Bauherr ganz bewusst und rechtssicher von unwirtschaftlichen Normen abweichen. Dies ist der Schlüssel, um die ausufernden Baukosten in Deutschland effektiv zu senken und die Wirtschaftlichkeit von Projekten im Geschosswohnungsbau wiederherzustellen.
Sie werden meist von ungeschulten Rohbauarbeitern verlegt und beim Betonieren oft beschädigt. Zudem ist die Detailplanung extrem aufwendig und fehleranfällig.
Durch eine exakte Lichtplanung nach DIN EN 12464 lässt sich die Leuchtenanzahl oft um 30 Prozent reduzieren. Zudem sparen integrierte Bewegungsmelder teure Verkabelungskosten.
Ja, DIN-Normen sind keine Gesetze, sondern Richtlinien. Durch gezielte, rechtlich und fachlich begleitete Abweichungen lassen sich Baukosten massiv senken, ohne die Qualität zu mindern.
Durch den Verzicht auf übertriebene Standards, die über die Mindestanforderungen der DIN 18015 hinausgehen, sind Kosteneinsparungen von bis zu 56 Prozent möglich.
Installationen in diesen sensiblen Bauteilen gefährden den Schallschutz nach DIN 4109 und den Brandschutz. Die nachträgliche Behebung von Mängeln ist extrem teuer.
Sanitärleitungen müssen vertikal exakt übereinander liegen und Bäder idealerweise Rücken an Rücken zur Küche angeordnet sein, um Komplexität und Rohrleitungslängen zu minimieren.
Kellerabteile sollten nicht gemauert, sondern mit einfachen Holz- oder Metallsystemtrennwänden abgetrennt werden. Das spart Material- und Montagekosten.
Der Bauherr sollte den Prüfsachverständigen immer direkt selbst beauftragen, idealerweise schon ab Leistungsphase 3. Eine Beauftragung über den Handwerker führt zu Interessenkonflikten.
Technikräume sollten so kompakt wie möglich geplant und nicht überdimensioniert werden. Kellerabteile können zudem bei Bedarf in den günstigeren Außenbereich verlagert werden.
Da Planer ein hohes Haftungsrisiko tragen, planen sie zur eigenen Absicherung oft maximale und überteuerte Standards ein, die über die tatsächlichen Anforderungen hinausgehen.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.