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    immo-inside · 9. Okt 2024

    Baukosten senken: 10 Tipps für den Geschosswohnungsbau

    9. Okt 2024 34:51 4 Min. Lesezeit
    #006 - Baukosten senken leicht gemacht: 10 Tipps für den Geschosswohnungsbau

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Treppenhaus-Leerrohre sollten durch intelligente Steigschächte komplett vermieden werden, um teure Fehler beim Betonieren und Planungsaufwand zu sparen.
    • Einsparungen von bis zu 56 Prozent bei der Elektroausstattung sind rechtssicher möglich, wenn man den Standard der DIN 18015 kritisch hinterfragt.
    • Wohnungstrennwände und Kelleraußenwände sollten aus Schall- und Brandschutzgründen strikt frei von technischen Installationen gehalten werden.
    • Prüfsachverständige für den Brandschutz müssen immer direkt vom Bauherrn beauftragt werden, anstatt diese Leistung im Paket des Handwerkers auszuschreiben.
    • Normen sind in Deutschland keine Gesetze, weshalb bewusste und rechtlich abgesicherte Abweichungen enorm hohe Baukosteneinsparungen ermöglichen.

    Wie Sie im Geschosswohnungsbau intelligent Baukosten senken. Dr. Peter Burnickl teilt 10 sofort umsetzbare Tipps von Elektro- bis Lüftungsplanung.

    Der verdeckte Interessenkonflikt am Bau

    Am Bau stehen die wirtschaftlichen Ziele des Bauherrn oft im Widerspruch zu den Sicherheitsinteressen der Planer. Architekten, Ingenieure und auch die eigenen Projektleiter tragen ein immenses Haftungsrisiko, das sie durch maximale Standards absichern wollen.

    Deshalb planen sie oft weitaus teurer, als es für ein erfolgreiches und renditestarkes Projekt notwendig wäre. Ohne die aktive Steuerung des Bauherrn bleibt die maximale Rendite auf der Strecke.

    Effiziente Treppenhausbeleuchtung ohne Zusatzkosten

    Im Treppenhaus wird bei der Beleuchtung regelmäßig viel Geld verschwendet. Die Lichtnorm DIN EN 12464 gibt zwar Helligkeits- und Kontrastwerte vor, wird in der Praxis aber oft um 30 Prozent übererfüllt.

    Durch eine präzise Auslegung lässt sich die Anzahl der Leuchten drastisch reduzieren, ohne die Normvorgaben zu verletzen.

    • Integrierte Sensorik: Der Einsatz von Leuchten mit bereits integrierten Bewegungsmeldern spart die teure Verkabelung separater Präsenzmelder.
    • Wartungsfreundlichkeit: Moderne LED-Systeme reduzieren die laufenden Betriebskosten im Facility Management erheblich.
    • Schalterverzicht: Klassische Zeitschaltuhren und manuelle Lichtschalter sind technisch veraltet und sollten vermieden werden.

    Das hohe Risiko von Leerrohren im Beton

    Leerrohre in Treppenhäusern und Betondecken stellen ein massives Kosten- und Schadensrisiko dar. Da die Rohbauarbeiter, die den Beton gießen, keine gelernten Elektriker sind, werden die Rohre beim Verdichten des Betons häufig gequetscht oder beschädigt.

    "Leerrohre sind Horror, also ich hasse Leerrohre total." — Dr. Peter Burnickl

    Die Behebung verstopfter Rohre im Nachhinein ist extrem aufwendig. Besser ist es, Leitungen über geschickt platzierte Steigschächte oder direkt im Fußbodenaufbau der Podeste zu verziehen.

    • Planungsaufwand: Die detaillierte Abstimmung der Rohrführung mit dem Fertigteilwerk entfällt komplett.
    • Materialersparnis: Tausende Meter teurer Kunststoffrohre müssen gar nicht erst eingekauft werden.
    • Schnittstellen: Der typische Streit zwischen Rohbauer und Elektriker auf der Baustelle wird von vornherein vermieden.

    Wirtschaftliche Elektroplanung nach DIN 18015

    Die DIN 18015 regelt die Mindestausstattung im Wohnungsbau, wird jedoch durch Sonderwünsche und übertriebene Planungen oft ins Unermessliche aufgebläht. Wer hier blind jedem Standard folgt, baut am Ende gigantische, überteuerte Elektroverteiler selbst in kleinen Wohnungen.

    Eine Reduktion auf ein sinnvolles, aber vollkommen rechtssicheres Maß schont das Budget nachhaltig.

    "Wir haben hier Einsparungen von ungefähr 56 Prozent ausgerechnet – vom Stand der Technik hin zu Sinnvollem." — Dr. Peter Burnickl

    Diese Einsparungen mindern die Wohnqualität der späteren Mieter in keiner Weise, verhindern jedoch unnötige Materialschlachten im Zählerschrank.

    Baulicher Schallschutz und tabuierte Wände

    Der Schallschutz in Deutschland nach DIN 4109 ist im internationalen Vergleich extrem hoch, birgt jedoch immense Risiken für Mängelrügen. Ein einziger falsch gesetzter Schlitz in einer Wohnungstrennwand kann den erhöhten Schallschutz komplett ruinieren.

    Deshalb gilt die goldene Regel, sensible Bauteile konsequent von Technik freizuhalten.

    • Wohnungstrennwände: Keine Steckdosen, Schalter oder Leitungsführungen in den Wänden zwischen den Wohneinheiten vorsehen.
    • Kelleraußenwände: Um die Dichtigkeit von WU-Betonwänden nicht zu gefährden, sollten auch hier Bohrungen vermieden werden.
    • Spezialbauteile: Der Einsatz von teuren Schallschutz- und Brandschutzdosen sollte die absolute Ausnahme bleiben.

    Vereinfachte Lüftung und Sanitäranordnung

    Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) erzwingt heute fast immer ein mechanisches Lüftungskonzept. Um die Kosten im Rahmen zu halten, sollte die Lüftung jedoch so minimalistisch wie möglich konzipiert werden.

    Bäder und innenliegende Toiletten müssen zwingend entlüftet werden, während in den Wohnräumen einfache Fensterfalzlüfter oft ausreichen.

    • Vertikale Leitungsführung: Sanitärstränge müssen in jedem Stockwerk exakt übereinander liegen, um unnötige Verziehungen zu vermeiden.
    • Rücken-an-Rücken-Planung: Die Platzierung von Badezimmern direkt hinter der Küchenzeile halbiert die benötigten Leitungslängen.
    • Schachtoptimierung: Zu groß dimensionierte Steigschächte kosten wertvolle Wohnfläche und senken direkt die Verkaufsrendite.

    Kellerabteile und die Wahrheit über den Mietwert

    Niemand zahlt mehr Miete oder einen höheren Kaufpreis für ein aufwendig gemauertes Kellerabteil. Der Keller ist ein reiner Nutzraum, bei dem die Ästhetik für die Nutzer kaum eine Rolle spielt.

    Hier sollte konsequent die günstigste und funktionalste Variante gewählt werden.

    • Systemtrennwände: Gitterwände aus Metall oder einfache Holzkonstruktionen sind schnell montiert und extrem kostengünstig.
    • Flächenminimierung: Kellerabteile sollten nur so groß wie nötig geplant werden, um wertvollen Raum im Untergeschoss einzusparen.
    • Auslagerung: In manchen Projekten lassen sich Abstellräume auch kostengünstig in den Außenbereich verlagern.

    Strategische Brandschutzplanung und Prüfsachverständige

    Brandschutzkonzepte werden oft von Architekten verfasst, die im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) zu wenig Detailwissen haben. Dies führt regelmäßig zu überdimensionierten und extrem teuren Sicherheitsanlagen im Treppenhaus.

    Ein enges Sparring zwischen dem Brandschutzgutachter und dem TGA-Planer vor Einreichung des Bauantrags verhindert diese Kostenfallen.

    • Direkte Beauftragung: Der Bauherr sollte den Prüfsachverständigen immer selbst unter Vertrag nehmen, niemals über den ausführenden Handwerker.
    • Frühzeitige Einbindung: Eine Prüfung in Leistungsphase 3 und 5 spart spätere, teure Umplanungen während der Bauphase.
    • Sicherheitsniveau: Qualität und Personenschutz müssen oberste Priorität behalten, ohne in lobbygetriebene Luxuslösungen zu verfallen.

    Warum Normen keine Gesetze sind

    Viele Akteure am Bau behandeln DIN-Normen wie unumstößliche Gesetze. In der Realität handelt es sich jedoch um private Regelwerke, die lediglich den Stand der Technik beschreiben.

    "Die meisten Normen haben keinen rechtsgebenden Charakter, es sind quasi Hinweise, Richtlinien, Stand der Technik." — Dr. Peter Burnickl

    Unter Hinzunahme von spezialisierten Baurechtsanwälten kann der Bauherr ganz bewusst und rechtssicher von unwirtschaftlichen Normen abweichen. Dies ist der Schlüssel, um die ausufernden Baukosten in Deutschland effektiv zu senken und die Wirtschaftlichkeit von Projekten im Geschosswohnungsbau wiederherzustellen.

    Häufige Fragen

    Warum sind Leerrohre im Treppenhaus problematisch?

    Sie werden meist von ungeschulten Rohbauarbeitern verlegt und beim Betonieren oft beschädigt. Zudem ist die Detailplanung extrem aufwendig und fehleranfällig.

    Wie lässt sich bei der Treppenhausbeleuchtung sparen?

    Durch eine exakte Lichtplanung nach DIN EN 12464 lässt sich die Leuchtenanzahl oft um 30 Prozent reduzieren. Zudem sparen integrierte Bewegungsmelder teure Verkabelungskosten.

    Sind Abweichungen von Baunormen legal?

    Ja, DIN-Normen sind keine Gesetze, sondern Richtlinien. Durch gezielte, rechtlich und fachlich begleitete Abweichungen lassen sich Baukosten massiv senken, ohne die Qualität zu mindern.

    Wie viel lässt sich bei Elektroverteilern einsparen?

    Durch den Verzicht auf übertriebene Standards, die über die Mindestanforderungen der DIN 18015 hinausgehen, sind Kosteneinsparungen von bis zu 56 Prozent möglich.

    Warum gehören keine Installationen in Wohnungstrennwände?

    Installationen in diesen sensiblen Bauteilen gefährden den Schallschutz nach DIN 4109 und den Brandschutz. Die nachträgliche Behebung von Mängeln ist extrem teuer.

    Wie sollten Sanitärleitungen im Geschosswohnungsbau angeordnet sein?

    Sanitärleitungen müssen vertikal exakt übereinander liegen und Bäder idealerweise Rücken an Rücken zur Küche angeordnet sein, um Komplexität und Rohrleitungslängen zu minimieren.

    Was ist der kostengünstigste Standard für Kellerabteile?

    Kellerabteile sollten nicht gemauert, sondern mit einfachen Holz- oder Metallsystemtrennwänden abgetrennt werden. Das spart Material- und Montagekosten.

    Wer sollte den Prüfsachverständigen für Brandschutz beauftragen?

    Der Bauherr sollte den Prüfsachverständigen immer direkt selbst beauftragen, idealerweise schon ab Leistungsphase 3. Eine Beauftragung über den Handwerker führt zu Interessenkonflikten.

    Wie lassen sich Kosten bei Untergeschossen und Technikräumen senken?

    Technikräume sollten so kompakt wie möglich geplant und nicht überdimensioniert werden. Kellerabteile können zudem bei Bedarf in den günstigeren Außenbereich verlagert werden.

    Welchen Interessenkonflikt gibt es bei Planern und Architekten?

    Da Planer ein hohes Haftungsrisiko tragen, planen sie zur eigenen Absicherung oft maximale und überteuerte Standards ein, die über die tatsächlichen Anforderungen hinausgehen.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.