
Wie Projektsteuerung Kosten spart: Benjamin Buhlmann (RHO) erklärt Pre-Construction, HOAI-Anreize & Qualitätssicherung bei Großprojekten.
Ein erfolgreiches Bauprojekt steht und fällt mit der Erfahrung der handelnden Akteure. Dr. Peter Burnickl begrüßt in dieser Episode Benjamin Buhlmann, den Geschäftsführer der RHO Projekt- und Baumanagement, der auf über 25 Jahre Expertise im Großprojektgeschäft zurückblickt. Seine beruflichen Anfänge im konstruktiven Ingenieurbau führten ihn unter anderem in den Kernkraftwerksbau nach Kyoto. Seit 2019 leitet er gemeinsam mit Timo Knoche das interdisziplinäre Team von RHO, das mit über 20 Spezialisten wie Architekten, Ingenieuren und TGA-Fachplanern besetzt ist.
Das Unternehmen teilt sich strategisch in zwei wesentliche Geschäftsbereiche auf, um Kunden von der ersten Idee bis zur finalen Übergabe umfassend zu begleiten:
Besonders bei komplexen Bauvorhaben wie Flughäfen oder großen Wohnungsquartieren ist eine präzise Kostensteuerung unerlässlich. Buhlmann berichtet von einem aktuellen Großprojekt in Nordrhein-Westfalen mit rund 82.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche (BGF), aufgeteilt auf sechs Gebäudeblöcke. Um den typischen, massiven Kostensteigerungen beim Übergang von der Kostenschätzung zur Kostenberechnung entgegenzuwirken, setzt RHO bereits in Leistungsphase 2 auf eine außergewöhnliche Planungstiefe.
In Kooperation mit dem Bauherrn wurde eine vorgezogene Optimierungsphase unter Einbindung eines Generalunternehmers (GU) etabliert. Dieser analysierte direkt ab dem sogenannten Design-Freeze parallel die Planungen und gab fortlaufend eine fundierte Kostenindikation ab.
„Wir konnten teilweise Kosten bis zu 10 Millionen Euro dann pro Baufeld tatsächlich auch einsparen.“ — Benjamin Buhlmann
Die klassische Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) stößt in der modernen Projektpraxis zunehmend an ihre Grenzen. Da sich die Planerhonorare prozentual an den anrechenbaren Kosten orientieren, führt jede erfolgreiche Kosteneinsparung automatisch zu einer Reduzierung des Honorars für das Planungsbüro. Dieser systemische Webfehler demotiviert Planer, proaktiv nach günstigeren und effizienteren Alternativen zu suchen, da sie sich damit quasi selbst das wirtschaftliche Wasser abgraben.
Im privaten Sektor versucht RHO, diesem Fehlanreiz durch innovative, partnerschaftliche Vergütungsmodelle entgegenzuwirken. Hierbei werden Planungsbüros über Sonderhonorare oder Bonusvereinbarungen direkt an den erzielten Einsparungen beteiligt, was die Motivation zur Optimierung massiv steigert. Im öffentlichen Bereich hingegen verhindert das starre Korsett der Vergabevorschriften solche flexiblen Lösungen, was Buhlmann scharf kritisiert.
„Das Modell der HOAI ist einfach überholt. Man müsste sich hier generell mal was anderes überlegen.“ — Benjamin Buhlmann
Die Anforderungen an moderne Immobilienprojekte sind durch Nachhaltigkeitszertifikate wie das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) extrem gestiegen. Um die attraktiven Fördergelder der KfW (insbesondere das Programm KfW 40 NH) in Anspruch nehmen zu können, müssen strenge Grenzwerte für die CO2-Bilanzierung eingehalten werden. Konkret darf das Treibhausgas-Äquivalent einen Wert von 24 Kilogramm pro Quadratmeter Nutzfläche nicht überschreiten.
Um diese hochkomplexen Anforderungen wirtschaftlich abzubilden, wählte das Team von RHO einen pragmatischen, aber wissenschaftlich fundierten Ansatz:
Ein stetiges Hin und Her des Bauherrn und verzögerte Entscheidungen sind die größten Renditekiller bei Immobilienprojekten. Benjamin Buhlmann plädiert daher leidenschaftlich für eine extrem sorgfältige Vorbereitung in der sogenannten Leistungsphase 0. Bevor überhaupt der erste Planungsstrich gezogen wird, müssen die Rahmenbedingungen, die Nutzungkonzepte und die wirtschaftlichen Ziele felsenfest definiert sein.
Ein mangelhaftes Lastenheft führt im weiteren Projektverlauf unweigerlich zu unzähligen Rückfragen, Planungsänderungen und damit zu massiven Verzögerungen und Nachträgen. Erfahrene Projektentwickler zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine glasklare Linie vorgeben, schnelle Entscheidungen treffen und strategische Puffer in die Terminplanung integrieren.
Der akute Fachkräftemangel auf den deutschen Baustellen ist längst kein theoretisches Problem mehr, sondern tägliche Realität. Buhlmann beobachtet einen spürbaren Rückgang des handwerklichen Know-hows bei den ausführenden Firmen sowie eine mangelhafte Ausbildung und Führung junger Bauleiter. Um folgenschwere Baumängel zu vermeiden, wird eine engmaschige, baubegleitende Qualitätssicherung (QS) durch unabhängige Experten immer wichtiger.
Als bewährtes Werkzeug im Baumanagement empfiehlt Buhlmann die obligatorische Erstellung von Musterflächen direkt vor Ort. So können komplexe Details – wie beispielsweise Hohlkehlen an Balkonanschlüssen oder anspruchsvolle Spachtelarbeiten im Trockenbau – vorab gemeinsam bemustert, freigegeben und als Qualitätsstandard für die gesamte Baustelle definiert werden. Dies spart im Nachgang langwierige und teure Mängelbeseitigungsverfahren.
Zum Abschluss werfen Dr. Peter Burnickl und Benjamin Buhlmann einen Blick auf die Zukunft der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft. Angesichts der aktuellen Krise, gestiegener Zinsen und strenger Regulatorik fordern beide einen grundlegenden Wandel in der Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten. Die Branche muss weg von einer von Misstrauen und juristischen Abwehrschlachten geprägten Kultur, hin zu echter Partnerschaftlichkeit auf Augenhöhe.
Gleichzeitig formuliert Buhlmann einen deutlichen politischen Appell. Die deutsche Bauwirtschaft war in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Industriezweigen viel zu leise. Angesichts überbordender Normen, widersprüchlicher Richtlinien und unrealistischer Vorgaben müssen Unternehmer, Verbände und Planer gemeinsam viel lauter gegenüber der Politik auftreten, um praxistaugliche Rahmenbedingungen einzufordern.
„Wir müssen wieder mehr aneinander vertrauen. Wir müssen wieder enger zusammenrücken, auch mit den Baufirmen.“ — Benjamin Buhlmann
Benjamin Buhlmann ist Bauingenieur und seit 2019 Geschäftsführer der RHO Baumanagement GmbH und der RHO Consulting GmbH. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Steuerung komplexer Großprojekte wie Flughäfen, Infrastrukturbauten und Wohnquartieren.
Die RHO Consulting betreut die Leistungsphasen 1 bis 5 sowie 9 des Projektmanagements von der Projektidee bis zum Abschluss. Die RHO Baumanagement deckt die klassischen Leistungsphasen 6 bis 8 ab und bietet zusätzliche baubegleitende Qualitätssicherung.
Dies ist eine frühe Phase in der Projektplanung (oft ab Leistungsphase 2), in der ein Generalunternehmer parallel zur Planung Kostenindikationen abgibt. Dadurch können Einsparpotenziale und Optimierungen frühzeitig erkannt werden, bevor hohe Planungskosten entstehen.
Bei einem Großprojekt in Nordrhein-Westfalen mit 82.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche konnten durch die frühe GU-Einbindung bis zu 10 Millionen Euro pro Baufeld eingespart werden.
Da die Honorare von Planern an die anrechenbaren Kosten gekoppelt sind, sinken ihre Einnahmen, wenn sie kostensparend planen. Dies schafft einen falschen Anreiz, da ein höherer Planungsaufwand zur Einsparung mit Honorarkürzungen bestraft wird.
Im privaten Sektor können alternative Vergütungsmodelle wie Pauschalhonorare, Sonderhonorare für Optimierungen oder Bonusbeteiligungen an den eingesparten Baukosten vereinbart werden.
Um das QNG-Siegel für die KfW-Förderung (KfW 40 NH) zu erhalten, darf die Treibhausgas-Bilanz maximal 24 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Quadratmeter Nutzfläche betragen.
RHO optimiert zunächst einen repräsentativen Referenzblock des Quartiers hinsichtlich Bauweise, PV-Anlage und TGA. Die dort erarbeiteten und zertifizierten Lösungen werden anschließend auf alle weiteren Blöcke übertragen.
In dieser Phase werden die Grundlagen, Nutzungskonzepte und das Lastenheft definiert. Ein unklares Lastenheft führt zu zeitaufwendigen Rückfragen, Fehlplanungen und teuren Nachträgen im späteren Bauverlauf.
Musterflächen definieren vorab verbindlich den geforderten Qualitätsstandard für anspruchsvolle Gewerke wie Trockenbau oder Abdichtungen. Sie verhindern Missverständnisse mit Handwerkern und reduzieren das Risiko teurer Mängelbeseitigungen.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.