
Erfahre von Prof. Dr. Claus Nesensohn, wie Lean Management und Integrierte Projektabwicklung (IPA) Zeit und Kosten im Bauwesen drastisch reduzieren.
Der Werdegang von Professor Dr. Claus Nesensohn zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll der zweite Bildungsweg in der Bauwirtschaft ist. Seine Reise begann mit einer Ausbildung zum Zimmermann, führte über die Bautechnikerschule und das Bauingenieurstudium bis zur Promotion in Liverpool und schließlich auf den Lehrstuhl für Lean Construction und IPA an der HFT Stuttgart.
Diese Kombination aus handwerklicher Praxis und akademischer Exzellenz ermöglicht ihm ein tiefes Verständnis für die Realität auf der Baustelle. Er betont, dass die wichtigste Grundlage für seinen heutigen Erfolg nicht akademische Titel sind, sondern die praktische Erfahrung und die Augenhöhe mit den ausführenden Handwerkern.
„Der Gesellenbrief ist heute eine wichtigere Währung für mich als ein Doktortitel oder ein Professorentitel, weil der bringt mir mehr.“ — Claus Nesensohn
Die Wertschöpfung am Bau wird maßgeblich von den gewerblichen Mitarbeitern erbracht. Ein tiefes Verständnis für deren Arbeitsprozesse ist der Schlüssel zur erfolgreichen Projektoptimierung.
In der Bauindustrie schlummert ein enormes Optimierungspotenzial, das in vielen traditionellen Projekten ungenutzt bleibt. Wissenschaftliche Studien und Praxisdaten belegen ein Produktivitätsdefizit von rund 50 Prozent im Vergleich zu anderen Industriezweigen.
Mit modernen Methoden lassen sich diese Defizite gezielt auflösen und signifikante Effizienzsteigerungen erzielen. Claus Nesensohn konnte in seinen Projekten nachweisen, dass drastische Verbesserungen bei Zeit und Kosten kein theoretischer Wunschtraum sind.
Dass die Integrierte Projektabwicklung (IPA) nicht nur bei Großprojekten im Milliardenbereich funktioniert, zeigt ein bemerkenswertes Referenzprojekt in Stuttgart. Mit einem Gesamtbudget von nur 400.000 Euro wurde dort das kleinste IPA-Projekt realisiert – ein hochmoderner Büroumbau unter extremen Rahmenbedingungen.
Trotz der Corona-Pandemie und globaler Materialengpässe wurde das Vorhaben in einer Rekordzeit von nur zwölf Wochen erfolgreich abgeschlossen. Der Schlüssel lag im kooperativen Mehrparteienvertrag, der alle Beteiligten finanziell an denselben Zielen ausrichtete.
Das traditionelle System aus sequenzieller Planung, Ausschreibung und Vergabe an den billigsten Bieter ist nachweislich fehleranfällig. Historisch wurde dieses Modell von Juristen entwickelt, um Risiken einseitig zu verschieben, statt partnerschaftliche Lösungen zu fördern.
Dieser starre Ansatz führt in der Praxis fast immer zu Zeitverzug, Nachträgen und Konflikten zwischen den Parteien. Die Trennung von Planenden und Ausführenden verhindert, dass das wertvolle Fachwissen der Handwerker rechtzeitig in die Planung einfließt.
„Planen und Bauen ist ein sozialer Prozess. Das ist ja nicht einfach zwei Lego-Steine, die ich aneinanderstecken kann.“ — Claus Nesensohn
Erfolgreiches Bauen erfordert eine kontinuierliche Kommunikation und enge Kollaboration aller Schlüsseldisziplinen von der ersten Minute an.
Ein erfolgreiches IPA-Projekt bricht mit den klassischen, starren Phasen der Honorarordnung und setzt auf ein partnerschaftliches Drei-Phasen-Modell.
„Wenn du keine Lean-Kultur hast, funktioniert auch kein IPA.“ — Claus Nesensohn
Die vertragliche Struktur von IPA benötigt zwingend ein einfaches Fundament aus kollaborativen Lean-Methoden, um die versprochenen Effizienzgewinne auf der Baustelle auch tatsächlich zu realisieren.
Moderne Bauherren stehen heute vor der Herausforderung, komplexe Anforderungen mit ambitionierten Klimazielen in Einklang zu bringen. Vor allem bei Spezialimmobilien wie Gigafactories oder verfahrenstechnischen Anlagen stößt das klassische Projektmanagement an seine Grenzen.
Hier bietet der Lean-Ansatz in Kombination mit IPA die notwendige Flexibilität, um auch während der Planungs- und Bauphase auf veränderte Anforderungen zu reagieren. Gleichzeitig liefert das System messbare Beiträge zum Umweltschutz.
Wer als Bauherr langfristig wirtschaftlich erfolgreich sein will, muss seine Herangehensweise grundlegend hinterfragen und tradierte Pfade verlassen. Es gilt, die Faktoren Zeit, Mensch und Nachhaltigkeit als die zentralen Werttreiber eines jeden Immobilienprojekts zu verstehen.
IPA ist ein kollaboratives Abwicklungsmodell, das wichtige Planer und ausführende Schlüsselgewerke frühzeitig in einem Mehrparteienvertrag zusammenbringt, um das Projekt gemeinsam zu optimieren.
Wissenschaftliche Untersuchungen und Praxisprojekte zeigen, dass durch Lean Construction die Durchlaufzeiten um bis zu 40 % verkürzt und die Produktivität um 50 % gesteigert werden können.
IPA macht bei fast jeder Projektgröße Sinn. Im Podcast wird ein erfolgreiches Büro-Umbauprojekt mit nur 400.000 Euro Projektvolumen als kleinstes IPA-Projekt Europas genannt.
Bei einer Budgetüberschreitung tragen der Bauherr und die Partner (Planer/Handwerker) das Risiko meist gemeinschaftlich, indem beispielsweise Gewinne gekürzt werden oder der Bauherr einen Teil zuschießt.
Es ist eine vorgeschaltete Phase, in der das Team das Projekt auf Machbarkeit und Kosten prüft. Passt die Planung nicht zum Budget, können alle Beteiligten über eine Exit-Option aussteigen.
Lean Construction liefert die Methoden und die kollaborative Kultur, während IPA den vertraglichen und organisatorischen Rahmen stellt. Ohne eine gelebte Lean-Kultur funktioniert IPA in der Praxis meist nicht.
Durch den Einsatz eines auf dem Last-Planner-System basierenden Produktionssystems kann der CO2-Fußabdruck bereits während der Gebäudeentstehung um bis zu 23 % reduziert werden.
Der klassische Ansatz trennt Planung, Ausschreibung und Bauen sequenziell, was zu Informationsverlusten führt. Risiken werden oft nur vertraglich verschoben, statt sie partnerschaftlich zu lösen.
Partner werden nicht primär über den billigsten Preis, sondern über ein Assessment-Center ausgewählt, bei dem Kompetenz, Kultur und die Bereitschaft zur echten Zusammenarbeit im Vordergrund stehen.
Absolventen mit handwerklicher Vorbildung (wie einem Gesellenbrief) können schneller eine Verbindung zu Handwerkern und Unternehmern auf Augenhöhe aufbauen, was die partnerschaftliche Zusammenarbeit enorm erleichtert.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.