
Wie revolutioniert der Holz-Modulbau die Baubranche? Stefan Stenzel von LiWooD im Interview über Kosten, Aufstockung und extreme Zeitersparnis.
Der Werdegang von Stefan Stenzel ist eng mit den Themen Kosten, Risiko und Bauabwicklung verknüpft. Nach Stationen im klassischen Industriebau und dem Kostenmanagement bei Großprojekten wie Stuttgart 21 sammelte er tiefgehende Erfahrungen im Risikomonitoring für Banken. Diese Perspektive prägt seine heutige Arbeit als Head of Development bei LiWooD entscheidend.
In der Finanz- und Beratungswelt stellte Stenzel schnell fest, dass die Zeit der größte Hebel zur Risikominimierung ist. Lange Bauzeiten setzen Projektentwickler unkontrollierbaren Marktschwankungen, Personalwechseln und steigenden Zinsen aus. Der Holz-Modulbau bietet hier einen radikalen Lösungsansatz, um diese Unsicherheiten zu minimieren.
„Wer schnell baut, der hat ganz, ganz viele Risiken nicht, die jemand einfach systemimmanent auf sich nimmt.“ — Stefan Stenzel
Die klassische Bauwirtschaft leidet seit Jahrzehnten unter stagnierender Effizienz. Ein konventionelles Bauvorhaben zieht sich oft über 18 Monate oder länger hin, was enorme Kapitalbindungskosten verursacht. Im Holz-Modulbau lässt sich diese Zeitspanne auf ein halbes Jahr reduzieren.
Diese enorme Beschleunigung verändert die wirtschaftliche Dynamik eines Projekts grundlegend:
Ein häufiger Fehler bei der Umsetzung von Modulbauprojekten ist der Zeitpunkt der Entscheidung. Viele Bauherren planen zunächst konventionell und versuchen erst in fortgeschrittenen Leistungsphasen, das Projekt auf Modulbau umzustellen. Dies führt meist zu Verzögerungen und Frustration.
Um das volle Potenzial der modularen Bauweise auszuschöpfen, sollte die Entscheidung extrem früh fallen:
LiWooD unterscheidet sich von klassischen Modulbauern durch ein einzigartiges Logistikkonzept: die Feldfabrik. Statt fertige, sperrige Raummodule über hunderte Kilometer auf Tiefladern zu transportieren, werden die flachen Bauteile erst nahe der Baustelle zusammengesetzt.
Dieses System vereint die Vorteile industrieller Präzision mit maximaler Flexibilität vor Ort:
„Bei uns sieht man am Schluss nicht mehr, dass es ein Modulbau war.“ — Stefan Stenzel
Viele Vorurteile gegenüber dem Modulbau stammen noch aus den Anfängen des Behelfsbaus. Heutige Holz-Modulbauten von LiWooD sind jedoch High-Tech-Produkte, die konventionellen Gebäuden in nichts nachstehen und oft sogar überlegen sind.
Die technischen Kernbereiche zeigen, wie ausgereift die Technologie mittlerweile ist:
In dicht besiedelten Ballungsräumen wie München ist Baugrund Mangelware. Hier bietet die Aufstockung bestehender Gebäude ein enormes Potenzial zur Schaffung von neuem Wohnraum. Holz eignet sich hierfür aufgrund seines geringen Eigengewichts ideal.
Besonders attraktiv ist dabei die soziale und logistische Komponente dieses Bauverfahrens:
Holz ist als nachhaltiger Rohstoff nicht der billigste Werkstoff am Markt. Daher sind die reinen Baukosten im Holz-Modulbau oft auf einem ähnlichen Niveau wie beim konventionellen Bauen. Der wahre wirtschaftliche Vorteil liegt in der Gesamtbetrachtung des Projektzyklus.
Stenzel betont, dass eine ehrliche und ganzheitliche Kalkulation entscheidend ist:
„Die Planung muss vollständig sein, sie muss abgestimmt sein, sie muss ein Ziel haben.“ — Stefan Stenzel
Für die kommenden Jahre sieht Stefan Stenzel trotz der aktuellen Krise im Wohnungsbau optimistisch in die Zukunft. Während der klassische Einfamilienhausmarkt unter den hohen Zinsen leidet, bieten Nischen wie die Bestandserweiterung und die Umnutzung von Büroflächen in Wohnraum weiterhin große Chancen.
Damit die innovative Bauweise jedoch flächendeckend erfolgreich sein kann, is auch die Politik gefragt:
Beim Holz-Modulbau werden dreidimensionale Raummodule aus Holz industriell vorgefertigt und auf der Baustelle in kürzester Zeit zusammengesetzt.
Die reine Bauzeit vor Ort kann von typischen 18 Monaten auf rund sechs Monate verkürzt werden.
Eine Feldfabrik ist eine Montagehalle nahe der Baustelle, in der die im Werk vorgefertigten Einzelteile final zu 3D-Modulen montiert werden.
Idealerweise erfolgt die Einbindung vor dem Abschluss der Leistungsphase 2, um die Planung optimal auf das Modulraster anzupassen.
Durch das doppelte Wand-an-Wand-System der aneinandergrenzenden Module sind die Räume schalltechnisch hervorragend entkoppelt und erfüllen erhöhte Schallschutzanforderungen.
Nein, moderne Holz-Modulbauten verfügen über geprüfte Brandschutzkonzepte und erfüllen alle behördlichen Sicherheitsanforderungen und Richtlinien.
Ja, durch das geringe Gewicht von Holz und die extrem schnelle Montage können Aufstockungen oft im laufenden Betrieb und ohne Auszug der Bewohner realisiert werden.
Nein, durch flexible Fassadengestaltungen und fugenlose Übergänge im Innenbereich lässt sich ein moderner Modulbau optisch nicht von konventionellen Gebäuden unterscheiden.
Die reinen Baukosten sind vergleichbar, jedoch entstehen erhebliche finanzielle Vorteile durch die verkürzte Bauzeit, geringere Finanzierungskosten und schnelleren Cashflow.
Während Außenwände oft schlanker ausfallen, sind tragende Innenwände manchmal etwas dicker. Eine geschickte Grundrissplanung gleicht diese Unterschiede jedoch problemlos aus.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.