
Wie Sie große Wohnblöcke energetisch und sozial sanieren. Benjamin Bartmann (Turning Blocks) zeigt, wie ESG in der Praxis gelingt.
Benjamin Bartmann bringt über 15 Jahre fundierte und vielseitige Erfahrung in der Immobilienbranche mit. Seine Karriere startete klassisch in der praktischen Bauleitung beim Branchenriesen Hochtief, wo er unter anderem die Errichtung von zwei komplexen Hochhäusern von der Pike auf begleitete. Diese intensive Zeit direkt auf der Baustelle bildet bis heute das unverzichtbare Fundament seiner Expertise, da er die Sprache der Handwerker, Ingenieure und Baupartner auf Augenhöhe spricht.
Nach weiteren Stationen in der Beratung von Kommunen und Ländern bei Ernst & Young im Bereich von Public-Private-Partnership-Projekten (PPP) zog es ihn in die Schweiz. Dort leitete er für den renommierten Versicherungsriesen AXA eines der größten Sanierungsprojekte des Landes mit über 580 Wohneinheiten im laufenden Betrieb. Zurück in seiner bayerischen Heimat München gründete er schließlich gemeinsam mit einem Partner das Unternehmen Turning Blocks, um große, oft vernachlässigte Wohnblöcke energetisch und sozial nachhaltig in die Zukunft zu führen.
Die ambitionierten Klimaziele bis 2045 erfordern eine drastische und sofortige Beschleunigung der Sanierungsquote in Deutschland. Doch der Markt stagniert seit Jahren, da viele private und institutionelle Bestandshalter vor den komplexen technischen und finanziellen Anforderungen der energetischen Transformation zurückschrecken. Genau hier setzen sogenannte Stranded Assets an – Bestandsimmobilien, die ohne zeitnahe, energetische Modernisierung massiv an Wert und Attraktivität verlieren.
Turning Blocks fokussiert sich bewusst auf große Häuserblöcke ab einer Größenordnung von etwa 30 bis 40 Wohnneinheiten. Diese Objekte bieten durch Skaleneffekte bei Einkauf, Logistik und Planung den mit Abstand größten Hebel, um signifikante CO2-Einsparungen und gleichzeitig wirtschaftlich attraktive Renditen zu erzielen. Das übergeordnete Ziel ist es, diese in die Jahre gekommenen Gebäude nicht nur energetisch zu optimieren, sondern sie als lebendige, zukunftsfähige Quartiere neu am Markt zu positionieren.
Eine der größten betrieblichen Herausforderungen bei großen Wohnanlagen ist die Modernisierung im bewohnten Zustand. Wenn hunderte Mieter während der staubigen und lärmintensiven Bauarbeiten in ihren Wohnungen verbleiben, ist das Konflikt- und Verzögerungspotenzial naturgemäß enorm hoch. Bartmann plädiert in solchen Fällen für eine radikale Transparenz und eine extrem frühzeitige Einbindung aller betroffenen Bewohner.
Statt die Mieter erst wenige Wochen vor dem Baustart mit einem unpersönlichen Infoschreiben zu konfrontieren, setzt sein ganzheitlicher Ansatz auf monatelange Vorbereitung und aktiven, persönlichen Dialog. Durch die Etablierung spezieller Mietercafés, regelmäßiger Sprechstunden oder den gezielten Einsatz von Sozialarbeitern können Ängste, Sorgen und individuelle Härtefälle direkt aufgefangen werden. Dies schafft Vertrauen, beugt langwierigen rechtlichen Konflikten vor und sichert letztlich einen reibungslosen, hocheffizienten Bauablauf auf der Baustelle.
„Die Bewohnerinnen fühlen sich viel mehr verantwortlich für das Gebäude, in dem sie wohnen, wenn sie mit einbezogen werden.“ — Benjamin Bartmann
Viele Bauherren begehen den gravierenden Fehler, komplexe Sanierungsprojekte viel zu schnell durch die Planungsphase zu peitschen, nur um rasch eine Baugenehmigung in den Händen zu halten. Dabei wird oft am völlig falschen Ende gespart. Eine tiefgehende, integrierte Due Diligence, die nicht nur die reine Bausubstanz, sondern auch die Mieterstruktur, die Nebenkostenströme und das politische Umfeld analysiert, bildet das Fundament jeder wirtschaftlich erfolgreichen Sanierung.
Es gilt, frühzeitig ein echtes, eingespieles Expertenteam zu formen, in dem Bauphysiker, Statiker, Architekten, Energieberater und Haustechniker ohne Silodenken auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Turning Blocks fungiert in diesem Gefüge als der verlängerte Arm des Bauherrn und schließt die oft beklagte Lücke zwischen den unterschiedlichen Fachdisziplinen und der strategischen Eigentümerseite.
„Wir sehen uns eigentlich auf der Bauherrn-Seite als Partner vom Bauherrn. Wir schließen die Lücke zwischen Planern und Bauherr.“ — Benjamin Bartmann
Ein entscheidendes Learning aus Bartmanns langjähriger Praxis ist die gezielte Vergabe von Gewerken an kleinere, regionale Handwerksbetriebe anstelle von anonymen Großkonzernen. Während Großunternehmen oft starr und nachtragsorientiert agieren, bieten kleinere Betriebe hochgradig flexible, agile und innovative Detaillösungen für die spezifischen Überraschungen, die eine Sanierung im Bestand fast immer bereithält.
„Nur gemeinschaftlich kriegt man die Gebäude saniert. Das ist immer ganz wichtig. Man spricht einfach die gleiche Sprache.“ — Benjamin Bartmann
Während die energetische Sanierung (E) meist anhand von Verbrauchsdaten klar messbar ist, wird das S-Kriterium (Social) im ESG-Kontext von vielen Akteuren vernachlässigt oder als reiner, unproduktiver Kostenfaktor abgetan. Doch soziale Nachhaltigkeit hat einen direkten, messbaren Einfluss auf die langfristige Rendite und den Werterhalt einer Immobilie, da zufriedene Mieter sorgsamer mit der Substanz umgehen.
Unter dem Begriff Governance (G) versteht Turning Blocks eine verantwortungsvolle, zukunftsorientierte und transparente Gesamtsteuerung der Immobilie über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Das bedeutet in der modernen Praxis, digitale und hocheffiziente Verwaltungsabläufe mit echter menschlicher Nahbarkeit und Erreichbarkeit vor Ort zu verknüpfen.
Durch eine transparente Nebenkostenabrechnung und kurze, digitale Reaktionswege bei Schadensmeldungen wird das Vertrauen der Mieter nachhaltig gestärkt. Gleichzeitig müssen auch Vermarktungskonzepte neu gedacht werden. Statt freie Wohnungen in angespannten Märkten ausschließlich über vollautomatisierte, digitale Portale zu vergeben, sollten auch analoge, persönliche Zugangswege für ältere Generationen offengehalten werden. Dies sorgt für eine stabile, generationsübergreifende Mieterstruktur, verhindert eine hohe Fluktuation und minimiert somit die mit jedem Mieterwechsel verbundenen, kostspieligen Renovierungs- und Leerstandszeiten.
Damit ist die ganzheitliche energetische und sozialgerechte Sanierung großer, oft vernachlässigter Wohngebäude gemeint, um sie zukunftsfähig und wertstabil aufzustellen.
Bei größeren Objekten ab 30 bis 40 Wohneinheiten lassen sich durch Skaleneffekte und optimierte Prozesse deutlich größere Hebel bei der CO2-Einsparung und Wirtschaftlichkeit erzielen.
Der Schlüssel liegt in einer extrem frühzeitigen, transparenten Kommunikation und der Begleitung der Mieter durch feste Ansprechpartner oder sogar Sozialarbeiter vor Ort während der Bauphase.
Lokale Betriebe agieren oft flexibler, bringen innovative Detaillösungen in die Ausführungsplanung ein und identifizieren sich stärker mit dem Projekterfolg als Großkonzerne.
Er umfasst Maßnahmen wie die Schaffung von Gemeinschaftsflächen, barrierearme Anpassungen, Unterstützung bei Härtefällen und den Aufbau eines stabilen Quartiersnetzwerks.
Durch eine verantwortungsvolle Gesamtsteuerung, die digitale und transparente Prozesse bei der Nebenkostenabrechnung mit einer verlässlichen, persönlichen Ansprechbarkeit kombiniert.
Oft wird der Vorplanung zu wenig Zeit geschenkt, Schnittstellen zwischen den Planern fehlen, oder die betroffenen Mieter werden erst viel zu spät über die Maßnahmen informiert.
Es verbindet die strategische Beratung und Sanierungsbegleitung direkt mit einem engmaschigen Property- und Hausverwaltungs-Management vor Ort.
Ein Lösungsansatz ist es, neue Leitungsstränge und Haustechnikkomponenten über die Außenfassade zu führen, um den Dreck und Lärm in den Wohnungen drastisch zu reduzieren.
Eine umfassende ESG-Begleitung und Beratung, wie sie Turning Blocks anbietet, ist in der Regel ab einer Größenordnung von circa 30 bis 40 Wohneinheiten wirtschaftlich sinnvoll.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.