
Prof. Timo Leukefeld erklärt, wie energieautarke Mehrfamilienhäuser ohne CO2-Steuer und mit Infrarotheizung die Mietrendite drastisch steigern.
In der aktuellen Baukrise stehen Investoren und Bauträger vor immensen Herausforderungen. Steigende Zinsen und Baukosten machen traditionelle Konzepte oft unrentabel. Hier setzt Prof. Timo Leukefeld an, indem er die Perspektive wechselt: Weg von reinen technischen Wirkungsgraden, hin zur harten Mietrendite. Immobilieninvestoren interessieren sich nicht für Kennlinien, sondern für die wirtschaftliche Performance eines Gebäudes.
Der Schlüssel liegt darin, Energiekosten, die der Mieter normalerweise an externe Versorger zahlt, in die Kasse des Vermieters umzulenken. Dies gelingt durch ein ganzheitliches Konzept aus Solararchitektur, Speichertechnologie und innovativen Mietmodellen. Das Ziel ist ein hochgradig autarkes Gebäude, das nicht nur ökologisch, sondern vor allem ökonomisch überzeugt.
Eine hundertprozentige Energieautarkie ist wirtschaftlich unsinnig, da der Grenznutzen im letzten Drittel extrem abnimmt. Die ersten 60 Prozent Autarkie kosten genausoviel wie die verbleibenden 40 Prozent, weshalb das wirtschaftliche Optimum zwischen 50 und 60 Prozent Autarkie liegt. Dieser Wert bezieht sich ganzheitlich auf Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom.
„Die letzten 40 Prozent Energieautarkie sind genauso teuer wie die ersten 60.“ — Timo Leukefeld
Um diese Werte zu erreichen, werden Photovoltaikanlagen mit Batteriespeichern kombiniert. Der Batteriespeicher fängt die typischen Lastspitzen am Morgen und am Abend ab, wenn die Mieter zu Hause sind, aber keine Sonne scheint. Dadurch wird das Gebäude nicht nur autark, sondern schont auch die öffentlichen Stromnetze extrem.
Ein zentraler Pfeiler des Konzepts ist die Enttechnisierung. Angesichts des massiven Fachkräftemangels im Handwerk werden komplexe, flüssigkeitsbasierte Heizungssysteme zunehmend zum Risiko. Sie verursachen hohe Wartungskosten, sind anfällig für Fehler und haben eine begrenzte Lebensdauer.
Die Lösung ist der radikale Wechsel zu elektrischen Infrarotheizungen. Diese kosten im Mehrfamilienhaus nur etwa die Hälfte einer Wärmepumpen-Installation und sind für mindestens 30 Jahre praktisch wartungsfrei. Zudem sind moderne Gebäudehüllen so gut gedämmt, dass Heizen durch den Klimawandel ohnehin an Bedeutung verliert.
„Wir würden also nie wieder zu Flüssigkeitsheizsystemen zurückgehen. Wesentlich wirtschaftlicher, wesentlich ökologischer.“ — Timo Leukefeld
Die Vorteile dieses radikalen Low-Tech-Ansatzes im Vergleich zu wassergeführten Systemen:
Normalerweise zwingt die Heizkostenverordnung Vermieter zur genauen verbrauchsabhängigen Abrechnung. Durch das Erreichen einer hohen Autarkiequote greifen jedoch gesetzliche Ausnahmetatbestände. Dies ermöglicht es, eine Pauschalmiete inklusive Energieflatrate rechtssicher anzubieten.
Der Vermieter wird dadurch zum Energieversorger seiner eigenen Mieter. Die Flatrate deckt den gesamten Bedarf ab, ist jedoch durch kluge Sicherheitsmechanismen geschützt. Dazu gehören Fensterkontakte, die die Heizung bei geöffnetem Fenster sofort abschalten, sowie vertragliche Obergrenzen für den Fall von extremem Fehlverhalten (sogenannten Energienomaden).
Dieses Modell bietet erhebliche Vorteile für beide Parteien:
Eine große Herausforderung in Mehrfamilienhäusern ist die Einhaltung der Trinkwasserverordnung bezüglich Legionellen. Zentrale Warmwassersysteme erfordern eine ständige Zirkulation und hohe Temperaturen, was energetisch ineffizient und wartungsintensiv ist.
Das autarke Konzept setzt daher konsequent auf dezentrale Warmwasserbereitung. Jede Wohnung erhält einen eigenen elektrischen Autarkieboiler, der direkt im Badezimmer installiert wird. Dadurch wird die gesetzliche 3-Liter-Regel spielend eingehalten und die Legionellenmesspflicht entfällt komplett.
Der Boiler verfügt über ein intelligentes Zwei-Zonen-Heizsystem:
Obwohl Prof. Leukefeld eine Honorarprofessur für Solarthermie innehat, setzt er in seinen Projekten ausschließlich auf Photovoltaik. Solarthermie leidet stark unter den hohen Installations- und Wartungskosten für Rohrleitungen und Pumpen, während Photovoltaik in den letzten Jahren extrem günstig geworden ist.
Zudem ist elektrischer Strom die universellere Energieform. Während Solarthermie nur Wärme erzeugen kann, lässt sich Solarstrom flexibel für Haushaltsgeräte, die Infrarotheizung, die dezentrale Warmwasserbereitung sowie die Elektromobilität nutzen. Das Prinzip „Kabel statt Rohre“ setzt sich aufgrund der überlegenen Wirtschaftlichkeit und Einfachheit am Markt durch.
Dass das Konzept nicht nur im Neubau funktioniert, zeigt das Pionierprojekt in Aschersleben. Hier wurden alte DDR-Plattenbauten, die in der Immobilienwirtschaft oft als schwer sanierbar gelten, zu hochgradig energieautarken Gebäuden umgebaut.
Trotz eines Leerstands von zehn Prozent in der Region gab es für die sanierten, barrierefreien Wohnungen über 50 Bewerbungen pro Einheit. Die Mieter zahlen eine feste Flatrate-Miete von 11,50 Euro pro Quadratmeter für fünf Jahre. Da die bisherigen Nebenkosten für Heizung, Haushaltsstrom und Kraftstoff komplett entfallen, entspricht dies exakt der früheren Warmmiete – bei drastisch gestiegener Lebensqualität.
Kontrollierte Wohnraumlüftungen mit Wärmerückgewinnung werden im GEG oft als energetisches Muss dargestellt. In der Praxis und im wissenschaftlichen Monitoring zeigt sich jedoch, dass sie energetisch kaum messbare Vorteile gegenüber der Fensterlüftung bringen. Zudem bergen sie hohe Anschaffungs-, Wartungs- und potenzielle Hygieneprobleme in den Kanälen.
„Die Zukunft ist voll elektrisch.“ — Timo Leukefeld
Der Trend in der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) geht unaufhaltsam in Richtung Vollelektrifizierung und Vereinfachung. Planer und Handwerker müssen umdenken und sich auf Strahlungsheizungen, Batteriespeicher und Lastmanagement spezialisieren, um zukunftsfähige und bezahlbare Immobilien zu realisieren.
Es handelt sich um ein Enttechnisierungskonzept, das auf einfache, langlebige Systeme wie Infrarotheizungen statt komplexer flüssigkeitsbasierter Haustechnik setzt. Dies senkt Anschaffungs- und Wartungskosten drastisch und schützt vor dem Fachkräftemangel.
Das wirtschaftliche Optimum liegt zwischen 50 und 60 Prozent Autarkie bezogen auf Heizung, Warmwasser und Strom. Höhere Quoten sind wegen des abnehmenden Grenznutzens extrem teuer und unwirtschaftlich.
Durch das Erreichen einer hohen Autarkiequote erfüllt das Gebäude gesetzliche Ausnahmetatbestände der Heizkostenverordnung. Dadurch kann rechtssicher eine Pauschalmiete vereinbart werden, die alle Energiekosten abdeckt.
Im Neubau kosten Infrarotheizungen nur die Hälfte bis ein Drittel einer Wärmepumpen-Installation und halten etwa doppelt so lange. Sie sind für 30 Jahre wartungsfrei, da sie keine beweglichen Teile oder Flüssigkeiten enthalten.
Durch den Einsatz dezentraler, elektrischer Autarkieboiler direkt in den Badezimmern der Wohnungen wird die gesetzliche 3-Liter-Regel eingehalten. Damit entfällt die Pflicht zur Legionellenprüfung komplett.
Photovoltaik ist im Vergleich zur Solarthermie extrem im Preis gesunken und lässt sich dank des Prinzips „Kabel statt Rohre“ einfacher installieren. Zudem liefert sie universell nutzbaren Strom statt reiner Wärme.
Ja, das Projekt in Aschersleben beweist, dass sich DDR-Plattenbauten erfolgreich zu hochgradig autarken Wohnhäusern mit Pauschalmiete und Energieflatrate sanieren lassen.
Durch Fensterkontakte, die die Infrarotheizung bei offenem Fenster sofort abschalten, sowie im Mietvertrag festgelegte, großzügige Obergrenzen für den maximalen Jahresverbrauch.
Die E-Mobilität wird separat betrachtet oder über Sharing-Konzepte gelöst. Im Projekt Aschersleben nutzen die Mieter zwei gemeinschaftliche E-Autos, was viele dazu bewegt, ihr eigenes Auto abzuschaffen.
Wissenschaftliche Monitorings zeigen keinen energetischen Unterschied zwischen Lüftungsanlagen und intelligenter Fensterlüftung. Sie werden meist nur zur Erfüllung von GEG-Vorgaben verbaut, bringen aber hohe Wartungskosten mit sich.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.