
Wie finanzieren Profis Immobilien? Ex-Bankvorstand Michael Schumann verrät die besten Strategien für Vermögensaufbau, Sanierung und Baukostensenkung.
Wer in der Immobilienwelt schnell wachsen möchte, stößt oft unerwartet an unsichtbare Grenzen. Ein klassisches Problem bei Einsteigern sind verlockende 115-Prozent-Finanzierungen, die von Vertriebsstrukturen angeboten werden. Was auf den ersten Blick komfortabel wirkt, entpuppt sich bei der Bank schnell als massiver Wachstumshemmer. Der Grund dafür ist der sogenannte Blankoanteil. Das ist der Teil des Darlehens, der nicht durch den realen Gegenwert der Immobilie abgesichert ist.
„Es gibt so Finanzierungsmodelle, da machst du vielleicht ein, zwei Deals von, aber dann bist du nicht mehr finanzierbar.“ — Michael Schumann
Die Bank bewertet diesen unbesicherten Anteil ähnlich wie einen Konsumkredit. Die Bonität wird stark belastet, da der Blankoanteil direkt aus der monatlichen Liquidität des Käufers bedient werden muss. Sobald diese Kapazität erschöpft ist, verhängt die Bank einen sofortigen Finanzierungsstopp. Erst nach jahrelanger Tilgung ist der Weg für neue Kredite wieder frei.
Blankoanteil reduzieren: Mit rollierendem Eigenkapital arbeiten, um eingesetzte Mittel nach einer Wertsteigerung schnell wieder freizusetzen.
Liquiditätsfokus: Stets die eigene Liquidität im Auge behalten und Finanzierungen strategisch aufbauen.
Der Kauf einer Immobilie wird von vielen Menschen mit erstaunlich wenig Vorbereitung angegangen. Während für Alltagsanschaffungen tagelang recherchiert wird, fehlt beim ersten großen Investment oft jeglicher Plan. Ohne eine klare Vision für die nächsten 10 bis 20 Jahre verkommt der Immobilienkauf jedoch zum reinen Glücksspiel. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, muss seine Ziele vor dem ersten Kauf präzise definieren.
„Die meisten beschäftigen sich mit dem neuen E-Bike länger als mit der ersten Immobilie.“ — Peter Burnickl
Ein durchdachter Fahrplan unterscheidet zwischen einmaligen Käufern und echten Bestandsaufbauern. Einsteiger sollten sich intensiv mit den verschiedenen Assetklassen auseinandersetzen. Erst wenn das finanzielle Grundwissen vorhanden ist, lassen sich Angebote von Banken und Vermittlern objektiv vergleichen und bewerten.
Zieldefinition: Vorab festlegen, ob das Portfolio der Altersvorsorge oder dem schnellen Cashflow dienen soll.
Wissensaufbau: Verschiedene Berater und Angebote einholen, um die eigene Verhandlungsposition zu stärken.
Wiederholbarkeit: Ein System wählen, das sich beliebig oft duplizieren lässt, ohne die Bonität zu gefährden.
Das Vorurteil, dass Bauen und Sanieren in der heutigen Zeit unbezahlbar sein müssen, hält sich hartnäckig. In der Realität treiben jedoch oft überzogene Standards und die Angst vor Fehlern die Preise in die Höhe. Besonders die Technische Gebäudeausstattung (TGA) hat sich in den letzten Jahren durch strenge Verordnungen zu einem massiven Preistreiber entwickelt. Dennoch sind Neubauten unter 3.000 Euro pro Quadratmeter und Sanierungen unter 1.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche realisierbar.
Der Schlüssel liegt in einer rigorosen Kostendisziplin und der Abkehr von der typischen Gürtel-und-Hosenträger-Mentalität. Bauherren müssen lernen, strikt zwischen gesetzlichen Mindestanforderungen und optionalem Luxus zu differenzieren. Schlechte Grundrisse, die wertvolle Bruttogeschossfläche an ungenutzte Flure und Treppenhäuser verschwenden, verteuern das Projekt unnötig, ohne den Wohnwert zu steigern.
Flächeneffizienz: Grundrisse konsequent auf maximale Nutzfläche optimieren.
Spezial-Know-how: TGA-Kosten durch intelligente Planung gezielt minimieren.
Standardisierung: Bewährte Materialien und Systeme statt teurer Sonderlösungen einsetzen.
Für Einsteiger in den Immobilienmarkt stellt sich schnell die Frage nach dem optimalen Standort. Sogenannte C-Lagen locken zwar oft mit vermeintlich hohen Mietrenditen von zehn Prozent oder mehr, bergen aber enorme Risiken. Ein längerer Mietausfall oder eine schlechte Mieterstruktur können ein kleines Portfolio ohne finanzielles Polster sofort in die Knie zwingen. Solche riskanten Lagen gehören daher ausschließlich in die Hände erfahrener Profis, die diese Risiken durch Mischkalkulationen auffangen können.
Für Neulinge empfiehlt sich stattdessen der Fokus auf den Speckgürtel etablierter Metropolen. Hier ist die Nachfrage nach Wohnraum stabil, da die Haushalte statistisch belegt immer kleiner werden und bezahlbarer Wohnraum außerhalb der Zentren extrem gefragt ist. Einzimmer-Apartments und kleinere Wohneinheiten im Umland bieten ein hervorragendes Ertrags-Risiko-Verhältnis.
Risikominimierung: Stabile Erträge im Speckgürtel den unsicheren Renditeversprechungen der C-Lagen vorziehen.
Demografischer Wandel: Gezielt in kleinere Wohnungen investieren, da die Zahl der Einpersonenhaushalte kontinuierlich steigt.
Marktkenntnis: Niemals in Regionen investieren, deren lokale Gegebenheiten man nicht persönlich einschätzen kann.
Der deutsche Fiskus bietet Immobilieninvestoren hervorragende Möglichkeiten, die Steuerlast durch Sanierungsmaßnahmen drastisch zu senken. Besonders attraktiv ist die sogenannte 15-Prozent-Grenze in den ersten drei Jahren nach dem Kauf. Wer diese Grenze einhält, kann Renovierungskosten direkt als Werbungskosten geltend machen und mit anderen Einkunftsarten verrechnen.
Ein weiteres beliebtes Instrument zur Erhöhung der steuerlichen Abschreibung ist das Restnutzungsdauergutachten. Durch den Nachweis einer kürzeren tatsächlichen Restnutzungsdauer lässt sich die jährliche AfA massiv anheben. Doch hier ist äußerste Vorsicht im Umgang mit Kreditinstituten geboten. Reicht man dieses Gutachten unbedacht bei der finanzierenden Bank ein, kann dies zu einer Neubewertung der Immobilie führen. Der Banker sieht die verkürzte Nutzungsdauer und senkt im schlimmsten Fall den Beleihungswert, was Nachsicherungen fordern könnte.
15-Prozent-Regel: Renovierungskosten in den ersten drei Jahren exakt kalkulieren, um den Sofortabzug nicht zu gefährden.
Strategischer Aufschub: Größere Sanierungen bewusst erst ab dem vierten Jahr einplanen, um die Grenze zu umgehen.
Banken-Kommunikation: Steuerliche Gutachten nicht ungefiltert an den Finanzierungspartner weitergeben.
Altbausanierungen bieten nicht nur architektonischen Charme, sondern auch enorme finanzielle Vorteile, wenn man die richtigen Förderstrukturen kennt. Ein echter Geheimtipp ist die Klassifizierung als „erhaltenswerte Bausubstanz“ durch die lokale Kommune. Ein einfaches, formloses Schriftstück des zuständigen Bauamtes reicht oft aus, damit die KfW ein Gebäude wie ein offizielles Baudenkmal einstuft.
Dadurch erhalten Investoren Zugang zu den hochattraktiven Denkmal-Förderprogrammen der KfW, ohne die strengen und teuren Auflagen des echten Denkmalschutzes erfüllen zu müssen. Gekoppelt mit den steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für Sanierungsgebiete lassen sich so vermeintlich unrentable Altbauten in hochprofitable Renditeobjekte verwandeln.
Erhaltenswerte Substanz: Vor dem Kauf beim Bauamt den Status der Bausubstanz erfragen.
KfW-Förderung: Günstige Darlehen und Tilgungszuschüsse über Denkmal-Sonderprogramme sichern.
Sanierungsgebiete: Zusätzliche Abschreibungsmöglichkeiten in ausgewiesenen Sanierungsgebieten prüfen.
Da unbebautes Bauland in Ballungsräumen immer knapper und teurer wird, rückt die vertikale Nachverdichtung in den Fokus. Die Aufstockung bestehender Gebäude durch einen Dachgeschossausbau ist eine der effektivsten Methoden, um neuen Wohnraum ohne teuren Grundstückskauf zu schaffen. Hierbei bietet der moderne Modulbau immense Vorteile gegenüber der konventionellen Bauweise.
Modulare Bauteile aus Holz oder Beton werden im Werk präzise vorgefertigt und vor Ort innerhalb weniger Tage per Autokran montiert. Dies minimiert die Lärm- und Schmutzbelastung für die Bestandsmieter im laufenden Betrieb dramatisch. Obwohl der Modulbau preislich oft auf einem ähnlichen Niveau wie der klassische Hochbau liegt, macht ihn die extreme Zeitersparnis und die hohe Planungspräzision zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Bestandshalter.
Kurze Bauzeit: Wochenlange Baustellen auf ein Minimum reduzieren.
Statische Vorteile: Modulare Holzbauweise schont die Statik des Bestandsgebäudes.
Fassadenintegration: Kombinierbar mit serieller Sanierung für eine energetische Aufwertung des gesamten Objekts.
Der Erfolg oder Misserfolg eines Bau- oder Sanierungsprojekts entscheidet sich lange vor dem ersten Baggereinsatz. Viele Bauherren neigen dazu, in der Anfangsphase an den falschen Stellen zu sparen und überstürzt Verträge abzuschließen. Wer einen Architekten direkt mit allen Leistungsphasen beauftragt, bevor das Projekt überhaupt final konzipiert ist, verbrennt leicht sechsstellige Summen an Honoraren.
„Ein Banker denkt ja doch manchmal durchaus anders als ein Immobilieninvestor.“ — Michael Schumann
Professionelle Projektentwickler setzen daher auf eine strikte Erhebungsphase. In dieser Phase wird ein exaktes Projekthandbuch erstellt, das als unumstößliche Leitplanke für alle Beteiligten dient. Erst wenn alle technischen, rechtlichen und finanziellen Parameter geklärt sind, erfolgen die gezielten Ausschreibungen und Vergaben an die passenden Partner.
Projekt-Leitplanken: Klare Budgets und Termine definieren, die als rote Linien für alle Planer gelten.
Expertise einkaufen: Spezialisierte Berater für die Konzeptionierung hinzuziehen, um Planungsfehler zu vermeiden.
Stufenweise Beauftragung: Planer und Architekten zunächst nur für die ersten Leistungsphasen unter Vertrag nehmen.
Der Blankoanteil bezeichnet den Teil des Darlehens, der von der Bank nicht durch reale Sachwerte besichert ist. Ein zu hoher Blankoanteil belastet die persönliche Bonität wie ein Konsumkredit und blockiert weitere Finanzierungen.
Investoren sollten mit rollierendem Eigenkapital arbeiten. Dabei wird eingesetztes Eigenkapital nach einer Wertsteigerung wieder aus der Immobilienfinanzierung herausgezogen, um es flexibel für das nächste Projekt einzusetzen.
Viele Einsteiger kaufen ohne klare Strategie und lassen sich durch unpassende 115%-Vertriebsfinanzierungen die Bonität für zukünftige Deals verbauen. Eine langfristige Vision über 10 bis 20 Jahre sollte immer vor dem ersten Kauf stehen.
Dies gelingt durch die strikte Unterscheidung von notwendigen und optionalen Standards, eine optimierte TGA-Planung sowie eine hohe Flächeneffizienz bei den Grundrissen.
Einsteiger sollten statt riskanter C-Lagen lieber auf solide Speckgürtel von Metropolen setzen. Dies sichert ein stabiles Ertragsverhältnis bei überschaubarem Risiko.
Innerhalb der ersten drei Jahre nach Kauf dürfen Renovierungskosten bis zu 15 Prozent des Gebäudewerts direkt als Werbungskosten steuerlich abgesetzt werden, was die laufende Steuerlast massiv senkt.
Ein solches Gutachten verkürzt zwar die steuerliche Nutzungsdauer für höhere Abschreibungen, kann aber bei der Bank zu einer Abwertung des Beleihungswerts führen, wenn der Banker die verkürzte Restnutzungsdauer in die Bewertung einbezieht.
Wenn die Kommune formlos bestätigt, dass es sich um eine besonders erhaltenswerte Bausubstanz handelt, stuft die KfW das Gebäude für Sanierungsförderungen wie ein Denkmal ein.
Modulbau verkürzt die Bauzeit drastisch und minimiert Störungen im laufenden Betrieb. Die Kosten sind jedoch oft ähnlich hoch wie beim konventionellen Bau, und es gibt weniger Flexibilität bei der Gewerkeausschreibung.
In der Erhebungsphase wird das exakte Projektziel definiert und die Expertise aller Berater gebündelt. Ohne diese vorbereitende Analyse drohen unkontrollierte Budgetüberschreitungen und Fehlplanungen.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.