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    immo-inside · 12. Mrz 2025

    Wirtschaftlich Bauen: Laurent Brückner über Flächeneffizienz

    12. Mrz 2025 48:59 4 Min. Lesezeit
    #029 - Architekt mit Kostenfokus. Warum Pragmatismus immer gewinnt und die Rendite maximiert.

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Reduktion von Planungsrisiken und Kostenschätzungen gelingt am besten durch eine konsequente Generalplanung aus einer Hand.
    • Jeder gewonnene Prozentpunkt an Flächeneffizienz kann bei größeren Projekten den Immobilienwert um Millionen Euro steigern.
    • Die energetische Optimierung der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) amortisiert sich über niedrigere Betriebskosten und steigert direkt den Objektwert.
    • Der Einsatz von Algorithmen und KI wie PropertyMax ermöglicht es, das Baurecht auf Grundstücken um 10 bis 20 Prozent besser auszuschöpfen als bei manueller Planung.
    • Ein wirtschaftlicher Pragmatismus bei der Planung schließt architektonischen Anspruch nicht aus, sondern sichert die tatsächliche Realisierbarkeit von Projekten.

    Wie steigert man die Rendite von Immobilien? Laurent Brückner erklärt, wie Flächeneffizienz und KI-Baurechtsoptimierung Millionenwerte schaffen.

    Von der Pike auf: Der Werdegang eines pragmatischen Architekten

    Laurent Brückner wurde die Architektur quasi in die Wiege gelegt. Bereits während seines Studiums an der FH München stieg er im 1973 gegründeten Architekturbüro seines Vaters ein. Durch die frühe Verantwortung für eigene Projektleitungen ab dem vierten Semester lernte er schnell, worauf es in der Praxis ankommt.

    Sein Vater setzte schon Anfang der 1980er Jahre auf innovative CAD-Systeme. Diese frühe Digitalisierung prägte Laurents Verständnis für effiziente und schnelle Planungsprozesse maßgeblich.

    • CAD-Pionierarbeit: Einsatz von 3D-Planungsmethoden bereits in den frühen 1980er Jahren.
    • Praxisnahe Ausbildung: Direkte Kundenkommunikation und Projektverantwortung statt reiner Theorie.
    • Akademischer Background: Solides Fundament durch das Studium an der FH München.

    Sondervorschläge als Hebel: Das Lehrstück der ICE-Wartungshalle

    Nach dem Studium sammelte Brückner wertvolle Erfahrungen bei Klaus Weißenfeld, dem Planer der Frachtanlagen am Münchner Flughafen. Ein prägendes Großprojekt war der Bau einer ICE-Wartungsanlage in Berlin.

    Durch einen cleveren Sondervorschlag gelang es Brückner und seinem Team, das geplante Betriebsgebäude massiv zu verschlanken. Unnötige Innenhöfe wurden eliminiert und die Flächen radikal auf das Wesentliche reduziert.

    „Ich mache nur Generalplanung. Weil der Jogi Löw ist auch noch nie zu einer WM gefahren mit einer wild zusammengewürfelten Mannschaft.“ — Laurent Brückner

    • Enormes Sparpotenzial: Reduzierung der Baukosten von 150 Millionen auf 130 Millionen D-Mark.
    • Pragmatismus im Fokus: Verzicht auf repräsentative, aber nutzlose Gebäudeteile zugunsten der Wirtschaftlichkeit.
    • Extreme Umsetzungsgeschwindigkeit: Nur neun Monate von der ersten Idee auf drei DIN-A3-Seiten bis zur Inbetriebnahme.

    Warum Generalplanung für den Projekterfolg unverzichtbar ist

    Für Brückner Architekten gibt es keine Alternative zur Generalplanung. Nur wenn alle Planungsdisziplinen unter einem Dach vereint sind, lässt sich ein Projekt ohne Reibungsverluste steuern.

    Das klassische Modell, bei dem der Bauherr sich einzelne Planer lose zusammensuche, führt laut Brückner oft zu Kommunikationsproblemen. Besonders die Schnittstelle zwischen Architektur und Technischer Gebäudeausrüstung (TGA) erfordert eine extrem enge Verzahnung.

    • Echte Teamarbeit: Langjährige Partnerschaften und ein hohes gegenseitiges Commitment statt wechselnder Projektteams.
    • Schnittstellenminimierung: Integration von Tragwerksplanung und TGA direkt in den kreativen Entwurfsprozess.
    • Volle Kostenkontrolle: Gewerkeübergreifende Abstimmung verhindert böse Überraschungen bei den Vergabekosten.

    TGA als Werttreiber: Das Praxisbeispiel Alpenwerk

    Dass sich hohe Anfangsinvestitionen in die Gebäudetechnik langfristig auszahlen, zeigt das Bürogebäude Alpenwerk in Raubling. Hier investierte Brückner bewusst einen siebenstelligen Betrag mehr in nachhaltige Energiesysteme.

    Durch die Kombination aus Geothermie, Wärmepumpen und Photovoltaik konnten die Nebenkosten für die Mieter auf ein Zehntel des Marktüblichen gesenkt werden. Dies führte zu einer extrem schnellen Vermietung und einer massiven Wertsteigerung der Immobilie.

    „Wir haben quasi mit einer Million Euro mehr Investitionen, drei Millionen Euro mehr Immobilienwert.“ — Laurent Brückner

    • Bodennahe Geothermie: Effiziente Beheizung im Winter und umweltfreundliche Kühlung im Sommer.
    • Regenerierung des Erdreichs: Rückspeisung von Raumwärme in den Boden sichert die langfristige Leistungsfähigkeit der Sonden.
    • Höhere Kaltmiete: Mieter akzeptieren aufgrund minimaler Nebenkosten bereitwillig eine höhere Kaltmiete, was den Verkaufswert steigert.

    Baurechtsoptimierung durch Algorithmen und künstliche Intelligenz

    Zusammen mit seinem Geschäftspartner Andreas Kohnle gründete Brückner das PropTech-Unternehmen PropertyMax. Ziel ist es, das Baurecht auf Grundstücken mithilfe mathematischer Algorithmen lückenlos zu analysieren.

    Die Software prüft Millionen von Varianten unter Berücksichtigung von Abstandsflächen, Höhen und Paragraph 34 BauGB. Das Ergebnis sind fundierte Planungsvarianten, die oft weit über dem liegen, was manuelle Entwürfe leisten können.

    • Mathematische Präzision: Algorithmen lösen komplexe geometrische Gleichungen mit über 30 Unbekannten.
    • Enormes Potenzial: In der Praxis werden regelmäßig 10 bis 20 Prozent mehr Baurecht aufgedeckt.
    • Inspirationsquelle für Architekten: Das Tool ersetzt nicht den Architekten, sondern liefert ihm optimierte Volumenmodelle für den Entwurf.

    Der Millionen-Hebel: Warum Flächeneffizienz über Rendite entscheidet

    Ein oft vernachlässigter Faktor im Wohnungsbau ist das Verhältnis von Wohnfläche zu Bruttogeschossfläche. Viele Projektentwickler geben sich mit einer Effizienz von 80 Prozent zufrieden – ein fataler Fehler.

    Brückner konnte bei eigenen Projekten eine Flächeneffizienz von fast 90 Prozent nachweisen. Jeder gewonnene Prozentpunkt reduziert die anteiligen Baukosten pro Quadratmeter Wohnfläche drastisch.

    „Wenn ich die Flächeneffizienz steigere, dann reduziere ich meine Baukosten pro Quadratmeter Wohnfläche. Und das ist unser Problem.“ — Laurent Brückner

    • Direkter Wertzuwachs: Bei größeren Projekten bringt jedes Prozent mehr Wohnfläche rund eine Million Euro zusätzlichen Immobilienwert.
    • Sozialer Aspekt: Effiziente Grundrisse senken den Grundstückskostenanteil pro Quadratmeter Wohnfläche für den späteren Nutzer.
    • Ungenutzte Reserven: Durch kluge Flur- und Erschließungsplanung lassen sich teure Verkehrsflächen minimieren.

    Wege aus der Baukrise: Innovationsgeist und Finanzierbarkeit

    Die Baubranche leidet aktuell unter gestiegenen Zinsen, unkalkulierbaren Genehmigungsfristen und verunsicherten Banken. Brückner sieht die Lösung in einer gesteigerten Ertragskraft der Projekte.

    Nur hochgradig rentable Projekte erhalten heute noch eine Bankenfinanzierung ohne massiven Eigenkapitaleinschuss. Dafür müssen Architekten und Entwickler mutig neue Wege gehen und die Digitalisierung vorantreiben.

    • Ertragskraft als Schlüssel: Eine hohe Wirtschaftlichkeit sichert die Finanzierbarkeit und schützt vor Abwertungen.
    • Automatisierung fordern: Manuelle Routineaufgaben wie das Bemaßen von Plänen müssen durch Software standardisiert werden.
    • Kreativer Pragmatismus: Herausragende Ästhetik muss immer Hand in Hand mit kaufmännischer Vernunft gehen.

    Häufige Fragen

    Wer ist Laurent Brückner?

    Laurent Brückner ist ein erfahrener Münchner Architekt, Unternehmer und Pionier für digitale Baurechtsoptimierung sowie Geschäftsführer von Brückner Architekten.

    Was versteht man unter Flächeneffizienz im Wohnungsbau?

    Die Flächeneffizienz beschreibt das Verhältnis von verkauf- oder vermietbarer Wohnfläche zur gesamten oberirdischen Bruttogeschossfläche (BGF).

    Wie viel mehr Immobilienwert bringt ein Prozent mehr Flächeneffizienz?

    Laut Laurent Brückner kann ein einziger Prozentpunkt mehr Flächeneffizienz bei größeren Projekten etwa eine Million Euro mehr Immobilienwert generieren.

    Was ist das Tool PropertyMax?

    PropertyMax ist ein softwaregestütztes Tool, das mithilfe von Algorithmen und KI das Baurecht auf Grundstücken analysiert und optimiert, um die maximale BGF herauszufinden.

    Warum ist die Generalplanung laut Brückner so wichtig?

    Sie verhindert Abstimmungsprobleme zwischen wild zusammengewürfelten Teams und sichert, dass alle Gewerke von Anfang an am selben wirtschaftlichen Ziel arbeiten.

    Wie wirkt sich eine moderne TGA auf den Objektwert aus?

    Durch kluge Energiesysteme sinken die Betriebskosten drastisch, was Mieter anzieht, höhere Kaltmieten ermöglicht und somit den Immobilienwert steigert.

    Welches Einsparpotenzial bot das ICE-Projekt in Berlin?

    Durch einen Sondervorschlag, der das Betriebsgebäude verschlankte, wurden die Kosten von 150 auf 130 Millionen D-Mark gesenkt.

    Wie lässt sich die Finanzierung von Bauprojekten in Krisenzeiten sichern?

    Banken finanzieren Projekte deutlich leichter, wenn deren Ertragskraft durch optimiertes Baurecht und hohe Flächeneffizienz nachweislich maximiert wurde.

    Welche Rolle spielt Geothermie beim Projekt Alpenwerk?

    Im Alpenwerk wird Erdwärme genutzt, um im Sommer Wärme in den Boden einzuspeisen und sie im Winter wieder herauszuholen, was die Nebenkosten auf ein Zehntel senkt.

    Welche drei großen Probleme bremsen die Baubranche aktuell?

    Die größten Hürden für Entwickler sind schwierige Finanzierungen, unkalkulierbar lange Genehmigungszeiträume und die unklare staatliche Förderlandschaft.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.