
Immobilien-Profi Oliver Fischer verrät im Interview, wie Fix & Flip wirklich funktioniert, wie Sie Steuern sparen und Fehler beim Einkauf vermeiden.
Oliver „Olli“ Fischer blickt auf eine beeindruckende Karriere in der Immobilienbranche zurück. Ursprünglich startete er mit einer klassischen Ausbildung als KFZ-Mechaniker bei Mercedes, bevor er durch den Impuls eines Freundes den Weg in die Immobilienwelt einschlug. Mittlerweile ist er seit über 39 Jahren im Geschäft, davon 36 Jahre in der Selbstständigkeit, und hat in dieser Zeit rund 4.000 Wohneinheiten erfolgreich gedreht.
Heute leitet er ein dynamisches Team von elf Mitarbeitern und teilt sein geballtes Wissen in Coachings. Seine Philosophie ist pragmatisch: Er verbringt zwei Stunden am Tag mit Coaching und 22 Stunden mit dem aktiven Immobiliengeschäft. Seine langjährige Präsenz im Markt hat dazu geführt, dass er Immobilien im Laufe der Jahrzehnte teilweise drei- oder viermal an- und wieder verkauft hat.
Die kontinuierliche Generierung von Angeboten ist der Treibstoff für jedes erfolgreiche Fix & Flip Business. Fischer verlässt sich hierbei nicht nur auf moderne Online-Kanäle, sondern setzt bewusst auch auf bewährte, traditionelle Methoden. Sein Team nutzt ein automatisiertes Filtersystem, um die eingehenden Anfragen effizient zu qualifizieren.
„Wir kaufen eigentlich nur das ein, wo wir schon wissen, wer wird mein Käufer sein.“ — Oliver Fischer
Beim Ankauf von Mehrfamilienhäusern liegt der größte Hebel oft in der sauberen Dokumentation und der kaufmännischen Aufbereitung. Häufig übergeben private Verkäufer unvollständige Unterlagen, veraltete Blaupausen oder nicht angepasste Mietverträge. Hier gilt es, Struktur in das Chaos zu bringen.
Fischers Ansatz zeichnet sich durch einen respektvollen Umgang mit den bestehenden Mietern aus. Statt auf harte Konfrontation oder Entmietung setzt er auf den partnerschaftlichen Dialog. Durch gezielte Investitionen in die Gemeinschaftsflächen wird der Wohnwert gesteigert, was eine faire Mietanpassung ermöglicht.
Ein zentrales Thema für jeden aktiven Immobilienhändler ist die Steuerlast. Wer reine Fix & Flip Geschäfte betreibt, muss seine Gewinne voll versteuern. Um dies zu optimieren, nutzt Fischer die Kombination aus gewinnbringendem Handel und reinvestierendem Bestandshalt – auch bekannt als Fix & Hold.
Der Kreislauf funktioniert so, dass die Gewinne aus den Verkäufen direkt in sanierungsbedürftige Bestandsobjekte fließen. Die anfallenden Sanierungskosten werden steuerlich voll geltend gemacht und mindern den Gewinn gegen Null. Nach Abschluss der Aufwertung wird das Objekt über eine Bank neu eingewertet und beliehen.
Ein häufiger Fehler von Einsteigern ist die emotionale Überrenovierung. Wer für den durchschnittlichen Markt saniert, benötigt keine Luxusausstattung. Fischer betont die Wichtigkeit, sich auf sogenannte Brot-und-Butter-Immobilien für Normalverdiener zu konzentrieren.
Hierbei geht es darum, die Wohnung hell, sauber und bezugsfertig zu gestalten. Der Käufer vergleicht das renovierte Objekt mit den oft unrenovierten Alternativen auf dem Markt. Ein übertriebener Standard, wie exzessive Steckdosen-Installationen oder teure Natursteinböden, bringt keinen proportionalen Mehrwert im Verkaufspreis.
Um im Immobilienhandel erfolgreich zu sein, ist eine tiefe Verwurzelung im lokalen Markt unerlässlich. Man muss die Dynamiken der einzelnen Stadtteile im Detail verstehen. Wer versucht, ganze Metropolen pauschal zu bespielen, übersieht oft mikro-lokale Risiken.
„Kenn deine Gegend wie ein Taxifahrer.“ — Oliver Fischer
Die Kenntnis über die Nachbarschaft, die dort lebenden Menschen und die Infrastruktur entscheidet darüber, ob ein eingekauftes Objekt schnell wieder veräußert werden kann. Dieses Wissen lässt sich nicht rein digital erwerben, sondern erfordert Präsenz vor Ort und Gespräche mit lokalen Akteuren.
Der Einstieg in den Immobilienmarkt scheitert bei vielen Menschen nicht am fehlenden Wissen, sondern an der mentalen Barriere vor dem ersten Kauf. Die Angst, einen Fehler zu machen, lähmt viele potenzielle Investoren. Fischer rät dringend dazu, diese Komfortzone zu verlassen und ins Handeln zu kommen.
„Der erste Deal ist nicht der beste, aber der wichtigste.“ — Oliver Fischer
Selbst wenn das erste Projekt finanziell kein herausragender Erfolg wird, ist der Lerneffekt unbezahlbar. Man durchläuft einmal den gesamten Prozess von der Akquise über die Finanzierung und Sanierung bis hin zum Verkauf. Dieses praktische Fundament nimmt die Angst vor den folgenden, größeren Projekten.
Fix & Flip ist eine Immobilienstrategie, bei der sanierungsbedürftige Objekte günstig eingekauft, renoviert und zeitnah mit Gewinn weiterverkauft werden.
Der Erfolg basiert auf lokaler Marktkenntnis, direktem Marketing wie Schildern oder Zeitungsanzeigen und einem starken Netzwerk aus Maklern und Verkäufern.
Bei Fix & Hold werden Gewinne aus Verkäufen direkt in sanierungsbedürftige Bestandsobjekte reinvestiert, um Steuern zu sparen und Vermögen aufzubauen.
Gewinne werden steuerlich durch sofort absetzbare Sanierungskosten bei Bestandsobjekten ausgeglichen. Über eine anschließende Refinanzierung der Bank wird das Geld steuerfrei als Liquidität entnommen.
Nur wer seine Käuferzielgruppe genau kennt, renoviert bedarfsgerecht. Das verhindert teure Überrenovierungen und beschleunigt den anschließenden Verkaufsprozess.
Zu viel emotionale Eigenleistung oder unnötiger Luxus wie Granitböden in Durchschnittslagen schmälern die Rendite. Es sollte stets bedarfsgerecht und standardisiert renoviert werden.
Ein standardisierter Durchlauf vom Ankauf über die Sanierung bis zum Verkauf dauert bei Oliver Fischer im Schnitt nur sechs bis acht Wochen.
Statt Konfrontation sucht man den fairen Dialog mit den Mietern, schafft durch gezielte Modernisierungen echten Mehrwert und passt die Mieten einvernehmlich an.
Der erste Deal baut die mentale Barriere und die Angst vor Fehlern ab. Er muss nicht der profitabelste sein, sondern dient primär dem Lerneffekt.
Das hängt von der Strategie ab. Oliver Fischer nutzt für den aktiven Handel keine GmbHs, sondern überführt Gewinne ins Privatvermögen, um sie steueroptimiert zu reinvestieren.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.