
Dr. Peter Burnickl räumt mit Social-Media-Mythen auf. Erfahren Sie, warum Immobilien kein Selbstläufer sind und wie Sie Steuern clever nutzen.
Wer heute auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder LinkedIn nach dem Begriff „Immobilien“ sucht, stößt unweigerlich auf eine Flut von Luxus-Symbolen. Junge Influencer präsentieren sich vor teuren Sportwagen, zeigen stolz ihre Rolex-Uhren und suggerieren, dass der Weg zum schnellen Reichtum über Immobilien kinderleicht sei. Dieses Phänomen des sogenannten „Flexens“ vermittelt Laien ein völlig verzerrtes Bild der Realität.
In der Praxis führt dieser blinde Glaube an vermeintliche Experten oft zu fatalen Fehlentscheidungen. Immer wieder melden sich verzweifelte Bauherren und Investoren, bei denen bereits erhebliche finanzielle Schäden entstanden sind. Die Rettung solcher Projekte ist meist nur noch unter extrem hohem Aufwand und mit massiven Kosten möglich.
Die im Internet präsentierten Erfolgsgeschichten basieren häufig auf stark vereinfachten Rechnungen, die in der Realität keiner tieferen Prüfung standhalten. Wichtige Kostenfaktoren wie die steuerliche Betrachtung der Gewinne, anfallende Maklergebühren, Notarkosten und die Grunderwerbsteuer werden schlicht weggelassen. Auch die tatsächlichen Kosten für Sanierungen werden oft unrealistisch niedrig dargestellt.
Zudem wird in diesen Darstellungen selten über die eigenen Fehlschläge gesprochen. Dabei gehören Rückschläge selbst für erfahrene Akteure zum Geschäft dazu.
„Ich habe da ein altes Gebäude gekauft und saniert [...] war ein Verlustgeschäft ich habe da über 200 000 Euro verloren.“ — Peter Burnickl
Seit geraumer Zeit befindet sich der Immobilienmarkt in einer Phase, die als Käufermarkt definiert werden kann. Dies bringt sowohl Vor- als auch erhebliche Nachteile für Investoren mit sich:
Professionelle Händler, die jährlich Dutzende Einheiten umsetzen, können diese Marktphasen durch hohe Cash-Bestände abfedern. Private Einsteiger, die auf Fremdkapital angewiesen sind, scheitern in diesem Marktumfeld dagegen sehr viel schneller.
Ein wesentlicher Aspekt, der bei der Planung von Immobilien-Investments vernachlässigt wird, ist der persönliche Zeitaufwand. Viele Einsteiger glauben, sie könnten ein solches Projekt problemlos neben ihrem regulären Hauptberuf abwickeln. Dies erweist sich jedoch schnell als Trugschluss.
„Die Mutter aller Fragen ist nicht dein Eigenkapital [...] die Mutter aller Fragen ist wie viel Zeit hast du denn überhaupt.“ — Peter Burnickl
Für den Aufbau eines verlässlichen Netzwerks aus Handwerkern, Maklern und Banken sowie für die kontinuierliche Objektakquise und Bauüberwachung müssen wöchentlich viele Stunden investiert werden. Wer diese Zeit nicht aufbringen kann, läuft Gefahr, die Kontrolle über seine Kosten und Termine komplett zu verlieren.
Je nach persönlicher Zielsetzung und Risikobereitschaft bieten sich unterschiedliche Strategien an. Zwei der bekanntesten Modelle stehen sich dabei oft direkt gegenüber:
Ein weitaus cleverer Ansatz ist die gezielte Nutzung steuerlicher Abschreibungsmöglichkeiten. Durch den Einsatz staatlich geförderter Abschreibungen lässt sich die eigene Steuerlast massiv reduzieren.
„Ziel Nummer eins muss immer sein von dir als Privatperson dass du die Steuern nah Null bekommst.“ — Peter Burnickl
Besonders attraktiv sind hierbei Immobilien, die in staatlich ausgewiesenen Sanierungsgebieten liegen oder unter Denkmalschutz stehen. Bei diesen Objekten können Investoren bis zu 100 Prozent der reinen Sanierungskosten innerhalb von 10 bis 12 Jahren steuerlich voll absetzen. Das vom Finanzamt zurückerstattete Geld kann direkt wieder in die Tilgung oder in weitere Projekte investiert werden.
Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, agiert als Bauträger. In dieser Rolle baut oder saniert man Immobilien, um sie zu einem fest vereinbarten Preis und Fertigstellungszeitpunkt an Endkunden zu verkaufen.
Dieses Geschäftsfeld unterliegt in Deutschland strengen gesetzlichen Regelungen, insbesondere der Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV). Da man hierbei als professioneller Akteur mit privaten Laien verhandelt, sind die rechtlichen und finanziellen Haftungsrisiken enorm hoch. Für Anfänger ist dieses hochkomplexe Business daher absolut nicht zu empfehlen, da Fehler hier sehr schnell in die Insolvenz führen können.
Für einen erfolgreichen und sicheren Start in die Immobilienwelt sollten Einsteiger einige grundlegende Prinzipien beherzigen:
Influencer zeigen meist nur die absoluten Erfolgsgeschichten und blenden Risiken, Steuern, Finanzierungskosten sowie persönliche Fehlschläge komplett aus, um ein unrealistisch einfaches Bild zu vermitteln.
In diesen vereinfachten Kalkulationen fehlen fast immer die anfallenden Steuern auf Gewinne, die Erwerbsnebenkosten sowie die laufenden Zinsen für das benötigte Fremdkapital.
Durch die wirtschaftliche Lage gibt es derzeit viele Verkäufer in Not, wodurch man günstig einkaufen kann. Allerdings ist der anschließende Verkauf aufgrund der zurückhaltenden Käuferseite deutlich schwieriger.
Eigenkapital lässt sich über Partner oder Banken beschaffen, aber der Aufbau eines Netzwerks, die Objektsuche und die Sanierungsbegleitung erfordern massiven persönlichen Zeitaufwand, der nicht delegiert werden kann.
Das größte Risiko liegt im stockenden Verkauf. Wenn eine sanierte Immobilie nicht zeitnah veräußert werden kann, fressen die laufenden Finanzierungskosten den kalkulierten Gewinn schnell auf.
Solche Wohnungen in Studentenstädten sind im Einkauf oft überteuert. Sie bieten kaum Cashflow, und die Amortisationszeiten von über 30 Jahren stehen in keinem gesunden Verhältnis zum Risiko.
Durch die gezielte Nutzung von staatlich geförderten Abschreibungen (wie der degressiven AfA oder Sonder-AfA für Sanierungen) lässt sich die private Einkommensteuer legal bis nahe Null reduzieren.
In diesen Gebieten können Investoren 100 Prozent der reinen Sanierungskosten innerhalb von 10 bis 12 Jahren steuerlich voll absetzen, was zu enormen Steuererstattungen führt.
Es handelt sich um ein hochreguliertes Profi-Business mit strengen Auflagen (MaBV) und immensen Haftungsrisiken bei Bauverzögerungen oder Mängeln gegenüber privaten Käufern.
Es wird empfohlen, etwa 20 bis 30 Prozent Eigenkapital einzubringen, um solide Bankkonditionen zu sichern und das Risiko einer Überschuldung zu minimieren.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.