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    immo-inside · 2. Apr 2025

    Immobilien-Investments: Mythen, Risiken & Steuervorteile

    2. Apr 2025 24:02 4 Min. Lesezeit
    #032 - Porsche & Rolex durch Immobilien: was steckt dahinter?

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Erfolgreiche Immobilieninvestments erfordern signifikanten zeitlichen Aufwand für den Netzwerkaufbau und die Sanierungsabwicklung, was von Social-Media-Influencern oft verschwiegen wird.
    • Die klassischen 'Bierdeckelrechnungen' vernachlässigen meist essenzielle Kostenfaktoren wie Zinsen für Fremdkapital und die anfallende Einkommensteuer auf Gewinne.
    • Der aktuelle Käufermarkt bietet zwar günstige Gelegenheiten im Einkauf, erschwert jedoch den schnellen und profitablen Wiederverkauf bei Fix-and-Flip-Projekten erheblich.
    • Durch gezielte Investitionen in Sanierungsgebieten oder Denkmalimmobilien lassen sich Sanierungskosten über Sonderabschreibungen innerhalb von 10 bis 12 Jahren steuerlich voll absetzen.
    • Ein solider Vermögensaufbau gelingt am besten durch den Hebeleffekt mit 20 bis 30 Prozent Eigenkapital anstelle einer riskanten 110-Prozent-Finanzierung.

    Dr. Peter Burnickl räumt mit Social-Media-Mythen auf. Erfahren Sie, warum Immobilien kein Selbstläufer sind und wie Sie Steuern clever nutzen.

    Der schöne Schein auf Social Media

    Wer heute auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder LinkedIn nach dem Begriff „Immobilien“ sucht, stößt unweigerlich auf eine Flut von Luxus-Symbolen. Junge Influencer präsentieren sich vor teuren Sportwagen, zeigen stolz ihre Rolex-Uhren und suggerieren, dass der Weg zum schnellen Reichtum über Immobilien kinderleicht sei. Dieses Phänomen des sogenannten „Flexens“ vermittelt Laien ein völlig verzerrtes Bild der Realität.

    In der Praxis führt dieser blinde Glaube an vermeintliche Experten oft zu fatalen Fehlentscheidungen. Immer wieder melden sich verzweifelte Bauherren und Investoren, bei denen bereits erhebliche finanzielle Schäden entstanden sind. Die Rettung solcher Projekte ist meist nur noch unter extrem hohem Aufwand und mit massiven Kosten möglich.

    Die Realität hinter geschönten Kalkulationen

    Die im Internet präsentierten Erfolgsgeschichten basieren häufig auf stark vereinfachten Rechnungen, die in der Realität keiner tieferen Prüfung standhalten. Wichtige Kostenfaktoren wie die steuerliche Betrachtung der Gewinne, anfallende Maklergebühren, Notarkosten und die Grunderwerbsteuer werden schlicht weggelassen. Auch die tatsächlichen Kosten für Sanierungen werden oft unrealistisch niedrig dargestellt.

    Zudem wird in diesen Darstellungen selten über die eigenen Fehlschläge gesprochen. Dabei gehören Rückschläge selbst für erfahrene Akteure zum Geschäft dazu.

    „Ich habe da ein altes Gebäude gekauft und saniert [...] war ein Verlustgeschäft ich habe da über 200 000 Euro verloren.“ — Peter Burnickl

    Der Käufermarkt und das Verkaufsrisiko

    Seit geraumer Zeit befindet sich der Immobilienmarkt in einer Phase, die als Käufermarkt definiert werden kann. Dies bringt sowohl Vor- als auch erhebliche Nachteile für Investoren mit sich:

    • Einkaufsvorteile: Durch wirtschaftliche Krisen und Verkaufsnotlagen lassen sich Immobilien derzeit oft verhältnismäßig günstig erwerben.
    • Verkaufsschwierigkeiten: Der anschließende Verkauf gestaltetet sich deutlich schwerer, da potenzielle Käufer sehr zögerlich agieren und Kapital zurückhalten.
    • Fehlende Liquidität: Wer auf einen schnellen Wiederverkauf angewiesen ist, gerät rasch in Liquiditätsengpässe, wenn sich die Vermarktung über Monate hinwegzieht.

    Professionelle Händler, die jährlich Dutzende Einheiten umsetzen, können diese Marktphasen durch hohe Cash-Bestände abfedern. Private Einsteiger, die auf Fremdkapital angewiesen sind, scheitern in diesem Marktumfeld dagegen sehr viel schneller.

    Der Faktor Zeit als limitierende Ressource

    Ein wesentlicher Aspekt, der bei der Planung von Immobilien-Investments vernachlässigt wird, ist der persönliche Zeitaufwand. Viele Einsteiger glauben, sie könnten ein solches Projekt problemlos neben ihrem regulären Hauptberuf abwickeln. Dies erweist sich jedoch schnell als Trugschluss.

    „Die Mutter aller Fragen ist nicht dein Eigenkapital [...] die Mutter aller Fragen ist wie viel Zeit hast du denn überhaupt.“ — Peter Burnickl

    Für den Aufbau eines verlässlichen Netzwerks aus Handwerkern, Maklern und Banken sowie für die kontinuierliche Objektakquise und Bauüberwachung müssen wöchentlich viele Stunden investiert werden. Wer diese Zeit nicht aufbringen kann, läuft Gefahr, die Kontrolle über seine Kosten und Termine komplett zu verlieren.

    Fix & Flip vs. Buy & Hold im Härtetest

    Je nach persönlicher Zielsetzung und Risikobereitschaft bieten sich unterschiedliche Strategien an. Zwei der bekanntesten Modelle stehen sich dabei oft direkt gegenüber:

    • Fix & Flip: Der Fokus liegt auf dem schnellen Handel. Immobilien werden günstig eingekauft, kurzfristig saniert und mit Gewinn wieder veräußert. In der aktuellen Marktphase ist dieses Modell aufgrund der hohen Zinsen und der Verkaufsunlust am Markt jedoch extrem anspruchsvoll geworden.
    • Buy & Hold (Neubau): Hierbei wird die Immobilie langfristig im Bestand gehalten. Häufig erwerben Investoren überteuerte Bauträgerwohnungen in Universitätsstädten. Dieses Modell bietet jedoch meist nur sehr geringe Cashflows, und die Amortisationszeiten liegen nicht selten bei über 30 Jahren, was aus wirtschaftlicher Sicht oft unrentabel ist.

    Steuerliche Hebelwirkung durch Sanierungsgebiete

    Ein weitaus cleverer Ansatz ist die gezielte Nutzung steuerlicher Abschreibungsmöglichkeiten. Durch den Einsatz staatlich geförderter Abschreibungen lässt sich die eigene Steuerlast massiv reduzieren.

    „Ziel Nummer eins muss immer sein von dir als Privatperson dass du die Steuern nah Null bekommst.“ — Peter Burnickl

    Besonders attraktiv sind hierbei Immobilien, die in staatlich ausgewiesenen Sanierungsgebieten liegen oder unter Denkmalschutz stehen. Bei diesen Objekten können Investoren bis zu 100 Prozent der reinen Sanierungskosten innerhalb von 10 bis 12 Jahren steuerlich voll absetzen. Das vom Finanzamt zurückerstattete Geld kann direkt wieder in die Tilgung oder in weitere Projekte investiert werden.

    Das Bauträgergeschäft als Profi-Disziplin

    Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, agiert als Bauträger. In dieser Rolle baut oder saniert man Immobilien, um sie zu einem fest vereinbarten Preis und Fertigstellungszeitpunkt an Endkunden zu verkaufen.

    Dieses Geschäftsfeld unterliegt in Deutschland strengen gesetzlichen Regelungen, insbesondere der Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV). Da man hierbei als professioneller Akteur mit privaten Laien verhandelt, sind die rechtlichen und finanziellen Haftungsrisiken enorm hoch. Für Anfänger ist dieses hochkomplexe Business daher absolut nicht zu empfehlen, da Fehler hier sehr schnell in die Insolvenz führen können.

    Praktische Tipps für Ihren Einstieg

    Für einen erfolgreichen und sicheren Start in die Immobilienwelt sollten Einsteiger einige grundlegende Prinzipien beherzigen:

    • Konservativ finanzieren: Vermeiden Sie riskante 100- oder 110-Prozent-Finanzierungen. Ein Eigenkapitalanteil von 20 bis 30 Prozent sorgt für Stabilität und bessere Konditionen bei den Banken.
    • Klein anfangen: Starten Sie mit kleineren, überschaubaren Projekten, um den Markt und die Abläufe ohne existenzbedrohende Risiken kennenzulernen.
    • Wissen aufbauen: Nutzen Sie Webinare, Fachliteratur und professionelle Coachings, um sich fundiertes Wissen über Bauabläufe und steuerliche Rahmenbedingungen anzueignen.
    • Kritisch hinterfragen: Lassen Sie sich nicht von Hochglanzbroschüren oder utopischen Renditeversprechen blenden, sondern kalkulieren Sie jedes Projekt stets konservativ und unabhängig.

    Häufige Fragen

    Warum warnen Experten vor Immobilien-Influencern auf Social Media?

    Influencer zeigen meist nur die absoluten Erfolgsgeschichten und blenden Risiken, Steuern, Finanzierungskosten sowie persönliche Fehlschläge komplett aus, um ein unrealistisch einfaches Bild zu vermitteln.

    Was sind die häufigsten Fehler bei sogenannten Bierdeckelrechnungen?

    In diesen vereinfachten Kalkulationen fehlen fast immer die anfallenden Steuern auf Gewinne, die Erwerbsnebenkosten sowie die laufenden Zinsen für das benötigte Fremdkapital.

    Warum ist der aktuelle Immobilienmarkt ein Käufermarkt?

    Durch die wirtschaftliche Lage gibt es derzeit viele Verkäufer in Not, wodurch man günstig einkaufen kann. Allerdings ist der anschließende Verkauf aufgrund der zurückhaltenden Käuferseite deutlich schwieriger.

    Warum ist Zeit wichtiger als Eigenkapital beim Immobilienstart?

    Eigenkapital lässt sich über Partner oder Banken beschaffen, aber der Aufbau eines Netzwerks, die Objektsuche und die Sanierungsbegleitung erfordern massiven persönlichen Zeitaufwand, der nicht delegiert werden kann.

    Was ist das größte Risiko bei der Fix-and-Flip-Strategie?

    Das größte Risiko liegt im stockenden Verkauf. Wenn eine sanierte Immobilie nicht zeitnah veräußert werden kann, fressen die laufenden Finanzierungskosten den kalkulierten Gewinn schnell auf.

    Warum lohnt sich die klassische Buy-and-Hold-Bauträgerwohnung oft nicht?

    Solche Wohnungen in Studentenstädten sind im Einkauf oft überteuert. Sie bieten kaum Cashflow, und die Amortisationszeiten von über 30 Jahren stehen in keinem gesunden Verhältnis zum Risiko.

    Wie kann man die eigene Steuerlast durch Immobilien drastisch senken?

    Durch die gezielte Nutzung von staatlich geförderten Abschreibungen (wie der degressiven AfA oder Sonder-AfA für Sanierungen) lässt sich die private Einkommensteuer legal bis nahe Null reduzieren.

    Was sind die Vorteile von Denkmal- und Sanierungsgebieten?

    In diesen Gebieten können Investoren 100 Prozent der reinen Sanierungskosten innerhalb von 10 bis 12 Jahren steuerlich voll absetzen, was zu enormen Steuererstattungen führt.

    Warum ist das Bauträgergeschäft für Einsteiger ungeeignet?

    Es handelt sich um ein hochreguliertes Profi-Business mit strengen Auflagen (MaBV) und immensen Haftungsrisiken bei Bauverzögerungen oder Mängeln gegenüber privaten Käufern.

    Wie viel Eigenkapital wird für ein sicheres Immobilieninvestment empfohlen?

    Es wird empfohlen, etwa 20 bis 30 Prozent Eigenkapital einzubringen, um solide Bankkonditionen zu sichern und das Risiko einer Überschuldung zu minimieren.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.