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    immo-inside · 21. Mai 2025

    Vom Multimillionär in die Insolvenz: Meine Learnings

    21. Mai 2025 26:10 6 Min. Lesezeit
    #039 - Vom Multimillionär in die Insolvenz: meine Geschichte

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Fachliche Expertise schützt ohne den passenden unternehmerischen Charakter und Fokus nicht vor schwerwiegenden Fehlern in Krisenzeiten.
    • In einer extremen Wachstumsphase wird unternehmerischer Erfolg oft als selbstverständlich wahrgenommen, was zu gefährlichem Übermut führen kann.
    • Wahre Freundschaften und verlässliche Partnerschaften zeigen sich erst dann, wenn der geschäftliche Erfolg wegbricht und eine Krise bewältigt werden muss.
    • Ein bewusster Neustart erfordert die Fokussierung auf die eigenen Kernkompetenzen und das Anbieten eines echten, messbaren Mehrwerts für Kunden.
    • Das über Jahre aufgebaute Fachwissen, die praktischen Erfahrungen und der eigene Charakter sind unzerstörbare Werte, die niemand durch eine Insolvenz nehmen kann.

    Dr. Peter Burnickl teilt seine ehrliche Geschichte: Vom 15-Millionen-Umsatz in die Insolvenz, den Neustart und wie er heute Bauherren berät.

    Vom Gipfel des Erfolgs in den tiefen Fall

    Vor nur fünf Jahren sah das Leben von Dr. Peter Burnickl völlig anders aus: Über 150 engagierte Mitarbeiter, mehr als 1.000 PS im Fuhrpark direkt vor der Tür, sechs Niederlassungen in Deutschland sowie eine Dependance in Spanien und ein beachtlicher Jahresumsatz von über 15 Millionen Euro. Doch vor knapp drei Jahren kam der abrupte, schmerzhafte Bruch – die Insolvenz traf die gesamte Firmengruppe wie ein Schlag. Die mühsam erarbeiteten Luxusautos wurden abgeholt, die Strukturen zerschlagen und alles wurde radikal auf null zurückgesetzt.

    In dieser Episode blickt der erfahrene Ingenieur und Unternehmer schonungslos sowie extrem offen auf seinen bisherigen Lebensweg zurück. Er beschreibt detailliert, wie aus großem unternehmerischen Erfolg schleichend Übermut wurde, welche strukturellen Fehler in der Führung passierten und wie er sich nach dem totalen Zusammenbruch völlig neu erfunden hat. Heute führt er ein deutlich kleineres, aber hochspezialisiertes Team und agiert mit einem klaren Wertefokus und neuer Lebensfreude in der traditionsreichen Baubranche.

    Die Anfänge: Vom Handwerk zu den ersten Großprojekten

    Der Lebensweg von Peter Burnickl begann klassisch im Handwerk und führte ihn über den bewährten zweiten Bildungsweg nach oben. Geprägt durch das elterliche Handwerksunternehmen, in dem Perfektionismus bis auf die Nachkommastelle großgeschrieben wurde, absolvierte er zunächst eine fundierte Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. Diese prägende Zeit schulte seinen Blick für technische Präzision und legte das Fundament für sein späteres ingenieurwissenschaftliches Verständnis.

    Der erste echte Kontakt mit faszinierenden Großbaustellen entstand schließlich bei der Installation von großen Satellitenantennenanlagen auf Truppenübungsplätzen der US-Streitkräfte in der Oberpfalz. Ein gigantisches Projekt mit 840 Wohneinheiten faszinierte ihn so nachhaltig, dass in ihm der feste Wunsch reifte, selbst als Projektleiter mit dem sprichwörtlichen "weißen Helm" große Bauvorhaben eigenverantwortlich zu steuern.

    • Zweiter Bildungsweg: Nachholen der Fachhochschulreife und anschließender prägender Zivildienst als Hausmeister in einem Altenheim.
    • Akademische Ausbildung: Studium der anspruchsvollen Elektrotechnik mit mehreren Auslandssemestern in Spanien und einer Diplomarbeit in den USA.
    • Zusatzqualifikationen: Ein rasanter MBA-Abschluss im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen sowie eine spätere berufsbegleitende Promotion als Egodocument.

    Der Schritt in die Selbständigkeit und das rasante Wachstum

    Nach ersten erfolgreichen Berufsjahren als angestellter Projektleiter in renommierten Ingenieurbüros wagte Burnickl im Jahr 2011 mit gerade einmal 30 Jahren den mutigen Schritt in die Selbständigkeit. Er gründete ein Einzelunternehmen in seinem Heimatort Freystadt und stattete sofort fünf modernste Arbeitsplätze aus, komplett finanziert durch einen Gründerkredit über 88.000 Euro – ein gewagter Schritt, der von vielen Beobachtern in der Region zunächst belächelt wurde.

    Das junge Büro wuchs jedoch extrem schnell, angetrieben von unermüdlichem Einsatz und dem bewussten Ausgleich fehlenden Know-hows durch schiere, exzessive Arbeitszeit. Der Bau eines eigenen, repräsentativen Bürogebäudes markierte schließlich den endgültigen Durchbruch zum etablierten Unternehmen mit rund 30 festen Mitarbeitern. Ab diesem Meilenstein kannte die Wachstumskurve für viele Jahre nur noch eine Richtung: steil nach oben.

    • Wachstumsspirale: Kontinuierliche Neugründungen von bundesweiten Niederlassungen und massive Einstellungen neuer Fachkräfte.
    • Diversifikation: Gründung einer zusätzlichen Projektsteuerungsgesellschaft mit einem Architekten und der schnelle Einstieg ins lukrative Bauträgergeschäft.
    • Finanzieller Höhepunkt: Ein siebenstelliges Betriebsergebnis in der absoluten Spitze und das Anwachsen der Belegschaft auf über 160 Mitarbeiter.

    Der Wendepunkt: Als der Markt einbrach

    Der langanhaltende Bauboom zwischen 2010 und 2021 suggerierte vielen Marktteilnehmern, dass geschäftlicher Erfolg ein dauerhafter Selbstläufer sei. Doch mit dem plötzlichen Ausbruch der Corona-Pandemie und den darauffolgenden politischen Entscheidungen, wie dem abrupten KfW-55-Förderstopp, änderte sich das Marktumfeld für Bauträger und Planer dramatisch. Der Markt brach ein, Projekte wurden reihenweise gestoppt und die gewohnten Umsätze blieben plötzlich vollständig aus.

    In dieser extremen Belastungssituation war von heute auf morgen nur noch hartes Krisenmanagement gefordert. Der verzweifelte Versuch, die drohende Insolvenz durch das Einbringen privater Immobilienwerte als zusätzliche Banken-Sicherheiten abzuwenden, scheiterte schließlich an der parallel einsetzenden, schweren Immobilienkrise. Banken bewerteten die Vermögenswerte deutlich geringer, wodurch die notwendige Liquidität nicht rechtzeitig gesichert werden konnte.

    „Nur weil du mal ein paar Millionönchen investiert hast, bist du noch lange kein Profi.“ — Peter Burnickl

    Die harte Realität des Scheiterns und wertvolle Lebenslektionen

    Die Insolvenz bedeutete nicht nur das geschäftliche Ende einer jahrelang mühsam aufgebauten Firmengruppe, sondern auch eine immense psychische Belastung für den Gründer selbst und seine gesamte Familie. In Deutschland ist das Scheitern von Unternehmern gesellschaftlich leider oft stigmatisiert und wenig akzeptiert. Burnickl erlebte hautnah, wie sich langjährige Kontakte und vermeintlich treue Geschäftspartner in der Not abrupt abwandten.

    Gleichzeitig bot die schwere Krise jedoch auch wertvollen Raum für tiefgreifende menschliche Erfahrungen. Wahre Freundschaften zeigten sich in den dunkelsten Momenten, als ein alter Jugendfreund mit einer Kiste Bier vor der Tür stand, um ihm beizustehen. Diese Erfahrung prägte seine persönliche Sichtweise auf zwischenmenschliche Beziehungen und unternehmerische Werte nachhaltig.

    „In einer echten Krise bleiben die wahren Freunde wirklich übrig.“ — Peter Burnickl

    Die Geburtsstunde von „pro bauherr“

    Mitten in der Phase der großen Existenzangst und des beruflichen Vakuums entstand gemeinsam mit seiner Ehefrau am heimischen Küchentisch die wegweisende Idee für einen radikalen Neustart. Die Leidenschaft für die Bau- und Immobilienbranche was trotz des verheerenden Rückschlags vollkommen ungebrochen. Der neue, prägnante Firmenname „pro bauherr“ wurde rasch zum neuen Leitbild für ein optimiertes, stressfreieres Geschäftsmodell.

    Burnickl entschied sich ganz bewusst gegen den erneuten Aufbau eines riesigen, unüberschaubaren Apparates mit hunderten Angestellten. Stattdessen konzentriert er sich heute mit einem schlagkräftigen, fokussierten Team von zehn Mitarbeitern auf drei klare Kernbereiche, um Bauherren und Investoren maximalen, messbaren Mehrwert zu bieten und Projekte wirtschaftlich abzusichern.

    • Spezialisierte TGA-Planung: Konzentration ausschließlich auf den hocheffizienten, hochgradig wirtschaftlichen Wohnungsbau.
    • Strategische Beratung: Agieren als erfahrener Bauherrenvertreter auf oberster Entscheidungsebene für anspruchsvolle Großprojekte ab 30 Millionen Euro.
    • Coaching für Investoren: Unterstützung von privaten Mehrfamilienhaus-Investoren bei der Umsetzung komplexer Sanierungen und ertragreicher Nachverdichtungen.

    Die Lücke im Markt schließen

    Besonders im Bereich der privaten Investoren, die beispielsweise ein Mehrfamilienhaus erben oder erstmalig erwerben, sieht Burnickl ein riesiges Defizit an praxisnahem Bauwissen. Während Großprojekte im Profi-Business hochprofessionell gesteuert werden, fehlt kleineren Akteuren oft die praktische Erfahrung, um Sanierungen, Aufstockungen oder Nachverdichtungen nebenberuflich und ohne immense finanzielle Risiken abzuwickeln.

    Mit seinem fundierten Coaching- und Schulungsprogramm schließt er genau diese gravierende Lücke am Markt. Er gibt seine geballten Erfahrungen aus über 1.000 erfolgreich betreuten Bauvorhaben und über 25 Millionen Euro an eigenen Immobilieninvestitionen eins zu eins weiter. Dabei scheut er sich auch nicht, über seine eigenen Fehler zu sprechen, um andere vor fatalen Fehlentscheidungen zu bewahren.

    „Das Know-how, dein Wissen, deinen Charakter kann dir niemand nehmen.“ — Peter Burnickl

    Fazit: Gestärkt aus der Krise hervorgehen

    Die bewegende Geschichte von Dr. Peter Burnickl zeigt eindrucksvoll, dass eine Insolvenz zwar das finanzielle Ende eines Lebensabschnitts bedeuten kann, aber keineswegs das Ende der unternehmerischen Reise sein muss. Mit einem geschärften Fokus, echten menschlichen Werten und der konsequenten Konzentration auf Kernkompetenzen lässt sich ein stabiles, erfüllendes und hochgradig spezialisiertes Business neu aufbauen.

    Sein wichtigster Rat an alle Unternehmer und Bauherren lautet daher, in jeder Lebenslage auf die eigene Expertise zu vertrauen, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen und den eigenen Charakter als das wertvollste, unzerstörbare Kapital zu betrachten.

    Häufige Fragen

    Warum musste Dr. Peter Burnickl Insolvenz anmelden?

    Der plötzliche Einbruch der Baubranche durch Corona, der abrupte KfW-Förderstopp unter Robert Habeck und die daraus resultierende Immobilienkrise führten zu massiven Umsatzeinbrüchen und unlösbaren Liquiditätsengpässen.

    Wie viele Mitarbeiter hatte die Firmengruppe vor der Insolvenz?

    Die Unternehmensgruppe war in ihrer Spitzenphase auf über 160 Mitarbeiter an sechs Standorten in Deutschland und einer Niederlassung in Spanien angewachsen.

    Was hat die Insolvenz für das persönliche Umfeld von Dr. Peter Burnickl bedeutet?

    Sie bedeutete eine extrem harte und belastende Zeit für seine Familie, zeigte ihm jedoch auch sehr deutlich, wer seine wahren, verlässlichen Freunde sind.

    Was ist das Kernkonzept des neuen Unternehmens „pro bauherr“?

    Das Unternehmen unterstützt Bauherren als strategischer Partner auf Augenhöhe dabei, Großprojekte und private Immobilieninvestitionen wirtschaftlich, stressfrei und erfolgreich umzusetzen.

    In welchen Bereichen ist „pro bauherr“ heute aktiv?

    Die drei Säulen sind die spezialisierte TGA-Gebäudetechnik-Planung für den Wohnungsbau, die strategische Kosten- und Strukturberatung für Großprojekte sowie ein Coaching-Programm für Mehrfamilienhaus-Investoren.

    Wie groß ist das Team von Dr. Peter Burnickl heute?

    Nach dem bewussten Neustart arbeitet er heute nicht mehr mit Hunderten von Angestellten, sondern mit einem hochfokussierten Team von etwa 10 Mitarbeitern.

    Welchen Fehler machte Burnickl bei seinen ersten eigenen Immobilieninvestitionen?

    Obwohl er sich bereits als Profi sah, unterschätzte er die Komplexität und vernichtete bei seinem ersten eigenen Immobilienprojekt rund 280.000 Euro.

    Für welche Projektgrößen bietet „pro bauherr“ seine strategische Beratung an?

    Die strategische Beratung betreut anspruchsvolle Bauvorhaben ab einem Volumen von 30 Millionen Euro aufwärts, teils bis zu 300 Millionen Euro.

    Warum scheiterte die Rettung der alten Firmengruppe über die Banken?

    Inmitten der einsetzenden Immobilienkrise bewerteten die Banken die als Sicherheiten angebotenen Immobilien deutlich niedriger, weshalb keine ausreichende Liquidität bereitgestellt wurde.

    Was rät Dr. Peter Burnickl anderen Unternehmern in einer Krise?

    Sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, sich eng an die Familie und echte Freunde zu halten und zu erkennen, dass das eigene Know-how und der eigene Charakter unzerstörbare Werte sind.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.