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    immo-inside · 4. Jun 2025

    60 Mio. € Immobilien & Cashflow-Mindset | Tobias Claessens

    4. Jun 2025 34:54 5 Min. Lesezeit
    #041 - 60 Mio.€ Immobestand und Festival mit 8.000 Personen: Wie bitte?

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG) erleichtert die Übertragung von Anteilen erheblich und steigert die Seriosität bei institutionellen Verkäufern.
    • Ein Advisory Board oder Aufsichtsrat fungiert bei einer Aktiengesellschaft wie ein kostenloses Premium-Coaching für das gesamte Unternehmen.
    • Umstrukturierungen und Umnutzungen im Sweet Spot von 5 bis 15 Millionen Euro bieten hohe Margen bei deutlich weniger Konkurrenz als im kleinteiligen Markt.
    • Das reine Fokussieren auf passiven Cashflow birgt das Risiko eines limitierten Mindsets, weshalb ab einem bestimmten Schwellenwert auf Wertentwicklung umgestellt werden sollte.
    • Frauen stellen im Immobilienbereich eine hochpräzise, extrem engagierte und bisher stark vernachlässigte Zielgruppe für Co-Investments dar.

    Tobias Claessens verrät, wie er ein 60 Mio. € Immobilienportfolio aufbaute, die Curly AG gründete und warum Cashflow-Jäger oft pleitebleiben.

    Vom Nachtclub auf die große Finanzbühne

    Tobias Claessens blickt auf einen ungewöhnlichen Werdegang zurück. Seine unternehmerische Reise begann in der Clubkultur, wo er bereits im Alter von 16 Jahren als DJ auflegte. Aus dieser Leidenschaft entstand später ein eigener Club mit einer Kapazität von 1.000 Gästen, der bis heute erfolgreich betrieben wird. Diese Zeit auf den Bühnen und im Entertainment-Sektor nahm ihm früh die Scheu vor großen Auftritten und legte den Grundstein für seine Event-Aktivitäten.

    Inspiriert vom Hamburger OMR Festival und dessen Gründer Philipp Westermeyer entschloss sich Claessens, eine eigene Plattform für die Finanzbranche zu schaffen. Die etablierten Events im Finanzbereich empfand er oft als verstaubt und unattraktiv für ein jüngeres, diverseres Publikum. Die Cashflow Conference wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, Finanzthemen modern, nahbar und mit hoher Event-Qualität zu präsentieren.

    „Ich habe einfach gedacht, jetzt mache ich meine eigene Bühne und ein Großevent.“ — Tobias Claessens

    Die Entstehung des Cashflow-Mindsets

    Die fundamentale Triebkraft hinter Claessens' Karriere liegt in seiner Kindheit begründet. Als er zehn Jahre alt war, schlitterte seine Familie nach der schweren Erkrankung und dem anschließenden Tod des Vaters in die Privatinsolvenz. Diese existenzielle Krise und der plötzliche Mangel an finanziellen Mitteln prägten seine Sichtweise auf Geld und Sicherheit nachhaltig. Er verstand früh, dass der kontinuierliche Zufluss von Liquidität weitaus wertvoller ist als ein einmaliger Kapitalberg.

    Diese Erfahrung führte zu seiner klaren Ausrichtung auf wiederkehrende Einnahmen. Aus dem klassischen Lehrsatz „Cash is King“ formte er sein persönliches Lebensmotto. Für ihn ist die regelmäßige Planbarkeit von Erträgen das wichtigste Instrument, um finanzielle Unabhängigkeit und unternehmerische Freiheit langfristig zu sichern.

    „Ich versuche immer, 'Cash ist King' mit 'Cashflow ist Kinger' zu kommentieren.“ — Tobias Claessens

    Vom ersten Flipping-Erfolg zur Systematisierung

    Durch das Buch des „Investment Punks“ Gerald Hörhan inspiriert, startete Claessens seine Immobilienreise mit dem Kauf von klassischen Einzimmerwohnungen. Der erste große Meilenstein im Handelsgeschäft gelang ihm jedoch gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Simon. Sie erwarben eine Wohnung für 80.000 Euro und verkauften sie nach nur sechs Wochen Sanierungs- und Optimierungsarbeit für 180.000 Euro weiter. Dieser erste erfolgreiche Flip verdeutlichte das enorme Potenzial des aktiven Immobilienhandels.

    Aus dieser Erfahrung heraus bauten die Partner ein professionelles Handelsgeschäft auf. Was ursprünglich als Nebenerwerb mit wenigen Objekten pro Jahr geplant war, skalierte rasant. Im ersten Jahr wickelten sie sieben Projekte ab, im zweiten bereits 30. Das exponentielle Wachstum führte schnell zu einem größeren Team und eigenen Bürostrukturen. Doch trotz des finanziellen Erfolgs stellte sich bald eine Sinnkrise ein, die den Weg für ein neues, nachhaltigeres Geschäftsmodell ebnete.

    Warum die Rechtsform der Aktiengesellschaft strategische Vorteile bietet

    Um dem Immobiliengeschäft mehr Sinn und Struktur zu verleihen, gründeten die Unternehmer die Curly AG. Der Name leitet sich vom englischen Wort „recurring“ (wiederkehrend) ab und soll als Synonym für positive, passive Einnahmenüberschüsse etabliert werden. Die Entscheidung für die Rechtsform der Aktiengesellschaft (AG) anstelle einer klassischen GmbH basierte auf strategischen und operativen Vorteilen:

    • Anteilsübertragung: Anteile können bei einer AG unkompliziert und ohne ständige Notartermine direkt zwischen Aktionären übertragen werden.
    • Reputation: Große institutionelle Verkäufer wie Versicherungskonzerne bevorzugen Aktiengesellschaften als seriöse und strukturierte Verhandlungspartner.
    • Aufsichtsrat: Das Kontrollorgan dient gleichzeitig als hochkarätiges Coaching-Instrument zur Professionalisierung der Geschäftsführung.

    „Die Außenwirkung einer AG ist einfach eine ganz andere Liga als bei einer GmbH.“ — Tobias Claessens

    Tokenisierung: Digitale Beteiligungsmodelle ohne Liquiditätsfalle

    Die Curly AG setzt verstärkt auf innovative, digitale Beteiligungsmodelle, um Anlegern den Zugang zu Immobilien-Investments zu erleichtern. In einem erfolgreichen Testprojekt wurde eine Projekt-GmbH tokenisiert und darüber eine Million Euro digitales Kapital eingesammelt. Die Investoren zeichnen dabei digitale Token, die rechtlich wie eine Schuldverschreibung funktionieren. Dieses Modell soll zukünftig auch auf die Struktur der gesamten AG übertragen werden. Folgende Merkmale zeichnen dieses Beteiligungskonzept aus:

    • Gewinnbeteiligung statt Festzins: Anleger partizipieren direkt am Projekterfolg, was das Projekt vor Liquiditätsengpässen in der Bauphase schützt.
    • Tokenisierung: Die Abbildung von Beteiligungen über digitale Token ermöglicht einen einfachen und rund um die Uhr verfügbaren Handel.
    • Energetische Sanierung: Die eingeworbenen Mittel fließen direkt in wertsteigernde Maßnahmen wie die energetische Sanierung von Bestandsobjekten.

    Nischenstrategie und der Sweet Spot im Ankauf

    Im Laufe der Jahre hat sich das Portfolio der Curly AG auf ein Volumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich entwickelt. Die Strategie des Unternehmens basiert auf der gezielten Vermeidung von klassischen Kernsanierungen und dem Fokus auf Großobjekte. Der strategische Sweet Spot liegt bei Transaktionsvolumina zwischen 5 und 15 Millionen Euro. Diese Nische ist für private Investoren wie Ärzte oder Apotheker finanziell zu groß, für milliardenschwere institutionelle Fonds jedoch zu kleinteilig.

    Ein typischer Business Case ist die Umnutzung von leerstehenden Bürogebäuden in B-Lagen zu modernem Wohnraum oder Apartments. Da klassische Büros in Randlagen kaum noch nachgefragt werden, stoßen große Konzerne diese Objekte oft weit unter Wert ab. Durch die Umnutzung und energetische Optimierung hebt die Curly AG erhebliche Wertreserven, die anschließend im Portfolio verbleiben oder gewinnbringend veräußert werden.

    Das Paradoxon der Cashflow-Fixierung und das wahre Vermögens-Mindset

    Ein zweischneidiges Schwert im Denken vieler Privatanleger betrifft das Mindset. Claessens warnt vor einer extremen, dauerhaften Fixierung auf passiven Cashflow. Wer ausschließlich mit dem Ziel investiert, möglichst schnell nicht mehr arbeiten zu müssen, limitiert seine geistige Reichweite. Dieses „Armuts-Mindset“ verhindert oft den Blick auf die weitaus kraftvollere Säule des Vermögensaufbaus: die gezielte Wertentwicklung von Assets.

    Er empfiehlt Investoren, sich klare Schwellenwerte zu setzen. Ist ein monatlicher Basis-Cashflow erreicht, sollte der Fokus konsequent auf die Steigerung des Portfoliowerts durch Entwicklung und Hebelung gelegt werden. Wahre finanzielle Freiheit entsteht nicht durch das passive Verwalten kleiner Cashflows, sondern durch die Freude am aktiven Schaffen von Werten, gepaart mit kontinuierlicher Weiterbildung an internationalen Elite-Universitäten wie dem MIT oder Harvard.

    „Wer auf Cashflow aus ist, hat ein armen Mindset, und dieses Mindset führt dazu, dass sie niemals Cashflow haben werden.“ — Tobias Claessens

    Häufige Fragen

    Wer ist Tobias Claessens?

    Tobias Claessens ist Immobilieninvestor, Großaktionär der Curly AG, Gründer des Investors Club und Veranstalter der Cashflow Conference.

    Was ist das Konzept hinter der Curly AG?

    Die Curly AG konzentriert sich auf wiederkehrende, positive Cashflows (genannt "Curry") durch den Erwerb und die Entwicklung von größeren Immobilienprojekten.

    Warum wählte Tobias Claessens die Rechtsform der AG statt einer GmbH?

    Die AG-Struktur ermöglicht den einfachen Handel von Anteilen, besitzt eine höhere Reputation bei institutionellen Verkäufern und bietet durch den Aufsichtsrat wertvolle Kontroll- und Beratungsstrukturen.

    Was versteht Tobias Claessens unter dem Begriff "Curry"?

    “Curry“ ist eine von ihm geprägte Wortschöpfung für positiven, wiederkehrenden passiven Einnahmenüberschuss (recurring cashflow).

    Wie funktioniert die Tokenisierung von Immobilien bei der Curly AG?

    Bei einem Testprojekt wurde eine Projekt-GmbH tokenisiert, wodurch Investoren über digitale Token ohne Fixverzinsung, aber mit einer Gewinnbeteiligung von ca. 13-15% p.a. investieren konnten.

    Warum sind fixe Zinszahlungen bei Immobilieninvestments gefährlich?

    Fixe Zahlungen belasten die Liquidität eines Projekts massiv, besonders in der mehrjährigen Entwicklungsphase ohne Mieteinnahmen, was Entwickler in die Insolvenz treiben kann.

    Welchen Sweet Spot im Immobilienmarkt nutzt Tobias Claessens?

    Er fokussiert sich auf Objekte im Wert von 5 bis 15 Millionen Euro, da dieser Bereich für private Kleinanleger zu groß und für sehr große institutionelle Investoren zu kleinteilig ist.

    Welche unkonventionelle Zielgruppe empfiehlt er für Co-Investments?

    Highperformance-Frauen, da diese im Markt oft ignoriert werden, jedoch extrem präzise analysieren, sehr engagiert sind und verlässliche Partnerinnen darstellen.

    Warum kann eine reine Fixierung auf Cashflow schädlich sein?

    Laut Claessens fesselt eine reine Cashflow-Fixierung Investoren in einem „Armuts-Mindset“. Ab einer bestimmten Grenze sollte der Fokus auf die deutlich stärkere Hebelwirkung der Wertentwicklung verschoben werden.

    Welches Ziel verfolgt die Cashflow Conference langfristig?

    Die Konferenz in Frankfurt soll mit bis zu 150.000 Plätzen zum führenden Finanzevent Deutschlands und ganz Europas aufgebaut werden.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.