
Tobias Claessens verrät, wie er ein 60 Mio. € Immobilienportfolio aufbaute, die Curly AG gründete und warum Cashflow-Jäger oft pleitebleiben.
Tobias Claessens blickt auf einen ungewöhnlichen Werdegang zurück. Seine unternehmerische Reise begann in der Clubkultur, wo er bereits im Alter von 16 Jahren als DJ auflegte. Aus dieser Leidenschaft entstand später ein eigener Club mit einer Kapazität von 1.000 Gästen, der bis heute erfolgreich betrieben wird. Diese Zeit auf den Bühnen und im Entertainment-Sektor nahm ihm früh die Scheu vor großen Auftritten und legte den Grundstein für seine Event-Aktivitäten.
Inspiriert vom Hamburger OMR Festival und dessen Gründer Philipp Westermeyer entschloss sich Claessens, eine eigene Plattform für die Finanzbranche zu schaffen. Die etablierten Events im Finanzbereich empfand er oft als verstaubt und unattraktiv für ein jüngeres, diverseres Publikum. Die Cashflow Conference wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, Finanzthemen modern, nahbar und mit hoher Event-Qualität zu präsentieren.
„Ich habe einfach gedacht, jetzt mache ich meine eigene Bühne und ein Großevent.“ — Tobias Claessens
Die fundamentale Triebkraft hinter Claessens' Karriere liegt in seiner Kindheit begründet. Als er zehn Jahre alt war, schlitterte seine Familie nach der schweren Erkrankung und dem anschließenden Tod des Vaters in die Privatinsolvenz. Diese existenzielle Krise und der plötzliche Mangel an finanziellen Mitteln prägten seine Sichtweise auf Geld und Sicherheit nachhaltig. Er verstand früh, dass der kontinuierliche Zufluss von Liquidität weitaus wertvoller ist als ein einmaliger Kapitalberg.
Diese Erfahrung führte zu seiner klaren Ausrichtung auf wiederkehrende Einnahmen. Aus dem klassischen Lehrsatz „Cash is King“ formte er sein persönliches Lebensmotto. Für ihn ist die regelmäßige Planbarkeit von Erträgen das wichtigste Instrument, um finanzielle Unabhängigkeit und unternehmerische Freiheit langfristig zu sichern.
„Ich versuche immer, 'Cash ist King' mit 'Cashflow ist Kinger' zu kommentieren.“ — Tobias Claessens
Durch das Buch des „Investment Punks“ Gerald Hörhan inspiriert, startete Claessens seine Immobilienreise mit dem Kauf von klassischen Einzimmerwohnungen. Der erste große Meilenstein im Handelsgeschäft gelang ihm jedoch gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Simon. Sie erwarben eine Wohnung für 80.000 Euro und verkauften sie nach nur sechs Wochen Sanierungs- und Optimierungsarbeit für 180.000 Euro weiter. Dieser erste erfolgreiche Flip verdeutlichte das enorme Potenzial des aktiven Immobilienhandels.
Aus dieser Erfahrung heraus bauten die Partner ein professionelles Handelsgeschäft auf. Was ursprünglich als Nebenerwerb mit wenigen Objekten pro Jahr geplant war, skalierte rasant. Im ersten Jahr wickelten sie sieben Projekte ab, im zweiten bereits 30. Das exponentielle Wachstum führte schnell zu einem größeren Team und eigenen Bürostrukturen. Doch trotz des finanziellen Erfolgs stellte sich bald eine Sinnkrise ein, die den Weg für ein neues, nachhaltigeres Geschäftsmodell ebnete.
Um dem Immobiliengeschäft mehr Sinn und Struktur zu verleihen, gründeten die Unternehmer die Curly AG. Der Name leitet sich vom englischen Wort „recurring“ (wiederkehrend) ab und soll als Synonym für positive, passive Einnahmenüberschüsse etabliert werden. Die Entscheidung für die Rechtsform der Aktiengesellschaft (AG) anstelle einer klassischen GmbH basierte auf strategischen und operativen Vorteilen:
„Die Außenwirkung einer AG ist einfach eine ganz andere Liga als bei einer GmbH.“ — Tobias Claessens
Die Curly AG setzt verstärkt auf innovative, digitale Beteiligungsmodelle, um Anlegern den Zugang zu Immobilien-Investments zu erleichtern. In einem erfolgreichen Testprojekt wurde eine Projekt-GmbH tokenisiert und darüber eine Million Euro digitales Kapital eingesammelt. Die Investoren zeichnen dabei digitale Token, die rechtlich wie eine Schuldverschreibung funktionieren. Dieses Modell soll zukünftig auch auf die Struktur der gesamten AG übertragen werden. Folgende Merkmale zeichnen dieses Beteiligungskonzept aus:
Im Laufe der Jahre hat sich das Portfolio der Curly AG auf ein Volumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich entwickelt. Die Strategie des Unternehmens basiert auf der gezielten Vermeidung von klassischen Kernsanierungen und dem Fokus auf Großobjekte. Der strategische Sweet Spot liegt bei Transaktionsvolumina zwischen 5 und 15 Millionen Euro. Diese Nische ist für private Investoren wie Ärzte oder Apotheker finanziell zu groß, für milliardenschwere institutionelle Fonds jedoch zu kleinteilig.
Ein typischer Business Case ist die Umnutzung von leerstehenden Bürogebäuden in B-Lagen zu modernem Wohnraum oder Apartments. Da klassische Büros in Randlagen kaum noch nachgefragt werden, stoßen große Konzerne diese Objekte oft weit unter Wert ab. Durch die Umnutzung und energetische Optimierung hebt die Curly AG erhebliche Wertreserven, die anschließend im Portfolio verbleiben oder gewinnbringend veräußert werden.
Ein zweischneidiges Schwert im Denken vieler Privatanleger betrifft das Mindset. Claessens warnt vor einer extremen, dauerhaften Fixierung auf passiven Cashflow. Wer ausschließlich mit dem Ziel investiert, möglichst schnell nicht mehr arbeiten zu müssen, limitiert seine geistige Reichweite. Dieses „Armuts-Mindset“ verhindert oft den Blick auf die weitaus kraftvollere Säule des Vermögensaufbaus: die gezielte Wertentwicklung von Assets.
Er empfiehlt Investoren, sich klare Schwellenwerte zu setzen. Ist ein monatlicher Basis-Cashflow erreicht, sollte der Fokus konsequent auf die Steigerung des Portfoliowerts durch Entwicklung und Hebelung gelegt werden. Wahre finanzielle Freiheit entsteht nicht durch das passive Verwalten kleiner Cashflows, sondern durch die Freude am aktiven Schaffen von Werten, gepaart mit kontinuierlicher Weiterbildung an internationalen Elite-Universitäten wie dem MIT oder Harvard.
„Wer auf Cashflow aus ist, hat ein armen Mindset, und dieses Mindset führt dazu, dass sie niemals Cashflow haben werden.“ — Tobias Claessens
Tobias Claessens ist Immobilieninvestor, Großaktionär der Curly AG, Gründer des Investors Club und Veranstalter der Cashflow Conference.
Die Curly AG konzentriert sich auf wiederkehrende, positive Cashflows (genannt "Curry") durch den Erwerb und die Entwicklung von größeren Immobilienprojekten.
Die AG-Struktur ermöglicht den einfachen Handel von Anteilen, besitzt eine höhere Reputation bei institutionellen Verkäufern und bietet durch den Aufsichtsrat wertvolle Kontroll- und Beratungsstrukturen.
“Curry“ ist eine von ihm geprägte Wortschöpfung für positiven, wiederkehrenden passiven Einnahmenüberschuss (recurring cashflow).
Bei einem Testprojekt wurde eine Projekt-GmbH tokenisiert, wodurch Investoren über digitale Token ohne Fixverzinsung, aber mit einer Gewinnbeteiligung von ca. 13-15% p.a. investieren konnten.
Fixe Zahlungen belasten die Liquidität eines Projekts massiv, besonders in der mehrjährigen Entwicklungsphase ohne Mieteinnahmen, was Entwickler in die Insolvenz treiben kann.
Er fokussiert sich auf Objekte im Wert von 5 bis 15 Millionen Euro, da dieser Bereich für private Kleinanleger zu groß und für sehr große institutionelle Investoren zu kleinteilig ist.
Highperformance-Frauen, da diese im Markt oft ignoriert werden, jedoch extrem präzise analysieren, sehr engagiert sind und verlässliche Partnerinnen darstellen.
Laut Claessens fesselt eine reine Cashflow-Fixierung Investoren in einem „Armuts-Mindset“. Ab einer bestimmten Grenze sollte der Fokus auf die deutlich stärkere Hebelwirkung der Wertentwicklung verschoben werden.
Die Konferenz in Frankfurt soll mit bis zu 150.000 Plätzen zum führenden Finanzevent Deutschlands und ganz Europas aufgebaut werden.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.