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    immo-inside · 9. Jul 2025

    Generalunternehmer Kosten: GU teurer als Einzelgewerke?

    9. Jul 2025 22:03 5 Min. Lesezeit
    #046 - Ist ein GU immer teurer? Experte enthüllt Mythos.

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Vergabe an Einzelgewerke führt durch den erhöhten Betreuungsbedarf der HOAI-Leistungsphasen zu deutlich höheren Planungskosten bei Architekten und Ingenieuren.
    • Bei Einzelgewerken schränken sehr detaillierte Ausschreibungen den potenziellen Bieterkreis massiv ein, was den Wettbewerb und somit bessere Preise verhindert.
    • Die Nutzung einer Funktionalen Leistungsbeschreibung (FLB) ermöglicht es, die Ausführungsplanung auf den Generalunternehmer zu übertragen und Planungsfehler-Nachträge zu eliminieren.
    • Ein GU-Vertrag bietet frühzeitige Preissicherheit, was die Bankenfinanzierung im Vergleich zu vagen Kostenberechnungen erheblich vereinfacht.
    • Einzelgewerkvergaben bedeuten einen extremen Koordinations- und Zeitaufwand sowie unkalkulierbare Risiken bei Insolvenzen oder Preiserhöhungen einzelner Firmen.

    Ist ein Generalunternehmer wirklich immer teurer? Dr. Peter Burnickl räumt mit dem Mythos auf und zeigt, wie Sie am Bau massiv Kosten sparen.

    Der Mythos der günstigen Einzelgewerke

    In der Bau- und Immobilienbranche hält sich hartnäckig die Annahme, dass die Vergabe von Einzelgewerken die wirtschaftlichste Methode für Bauherren und Investoren darstellt. Viele glauben, dass durch das gezielte Herauspicken der vermeintlich günstigsten Angebote für jedes Gewerk bares Geld gespart werden kann. Doch diese Denkweise greift oft zu kurz und vernachlässigt die komplexen Zusammenhänge einer professionellen Projektabwicklung.

    Dr. Peter Burnickl zeigt in dieser Episode auf, dass diese Rechnung in den meisten Fällen nicht aufgeht. Die Entscheidung für oder gegen einen Generalunternehmer (GU) sollte nicht auf Pauschalannahmen basieren, sondern auf einer detaillierten Analyse der Prozesskosten, der eigenen Zeitressourcen und der Risikobereitschaft des Investors.

    Warum Einzelvergaben die Planungskosten explodieren lassen

    Der erste große Hebel, der bei der Entscheidung für Einzelgewerke oft übersehen wird, sind die Honorarkosten für Architekten und Ingenieure. Diese rechnen üblicherweise nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ab. Je mehr Leistungsphasen beauftragt werden, desto höher steigen die Kosten in der sogenannten Kostengruppe 700.

    • Erhöhter Planungsaufwand: Bei einer Einzelvergabe müssen die Planer die Phasen 1 bis 8 fast vollständig durchlaufen, um detaillierte Leistungsverzeichnisse zu erstellen.
    • Abrechnung nach HOAI: Da Architekten und Planer am meisten verdienen, wenn sie das volle Leistungsspektrum anbieten, wird Bauherren die Einzelvergabe oft als die einzig wahre Methode verkauft.
    • Versteckte Kosten: Der erhebliche administrative Mehraufwand für die Koordinierung und Rechnungsprüfung der vielen Einzelgewerke treibt die Nebenkosten massiv in die Höhe.

    „Wenn ich mit Einzelgewerken arbeite, brauche ich viel mehr Leistungen der Architekten und Ingenieure, die nach Gebührenordnung abrechnen.“ — Peter Burnickl

    Wie detaillierte Ausschreibungen den Wettbewerb ersticken

    Ein weiteres, kaum bedachtes Problem von Einzelvergaben liegt in der übermäßigen Detailtiefe der Planung. Wer sich in einer frühen Phase zu stark auf bestimmte Fabrikate, Materialien oder Bauweisen festlegt, schränkt den Kreis der potenziellen Bieter drastisch ein. Der lokale Markt bietet oft nur eine begrenzte Anzahl an Handwerksbetrieben in einem bestimmten Umkreis.

    • Verlust von Wettbewerb: Wird beispielsweise starr auf eine Ziegelbauweise ausgeschrieben, scheiden alle Firmen aus, die auf Kalksandstein oder Holzbau spezialisiert sind.
    • Pseudoneutrale Leistungsverzeichnisse: Häufig lassen sich Planungsbüros die Ausschreibungen von Herstellern zuarbeiten, was die Neutralität gefährdet und den Bieterkreis künstlich verknappt.
    • Weniger Angebote: Anstatt der erhofften Auswahl stehen Investoren am Ende oft mit nur wenigen, überteuerten Angeboten da, weil der Markt für das hochspezifische Produkt gesättigt ist.

    Der immense Verhandlungsaufwand für private Investoren

    Wer mit Einzelgewerken baut, unterschätzt meist die schiere Masse an Arbeit, die auf ihn als Bauherr zukommt. Bei einem typischen Bauprojekt müssen rund 30 bis 40 Gewerke koordiniert, verhandelt und abgerechnet werden. Um fundierte Entscheidungen zu treffen, benötigt man pro Gewerk mindestens drei bis fünf vergleichbare Angebote.

    • Hunderte Verhandlungsrunden: Ein Investor sieht sich schnell mit 150 oder mehr Vergabe- und Nachverhandlungsgesprächen konfrontiert.
    • Eigener Zeitaufwand: Diese Verhandlungen kosten extrem viel persönliche Zeit und Energie. Zeit, die der Investor nicht für neue Deals nutzen kann.
    • Verhandlungsgeschick: Niemand verhandelt so gut mit dem eigenen Geld wie der Bauherr selbst. Die Delegation dieses Prozesses an Planer führt selten zum besten wirtschaftlichen Ergebnis.

    Die GU-Alternative: Schlanke Prozesse und klare Zuständigkeiten

    Im Gegensatz zur kleinteiligen Einzelvergabe bietet die Beauftragung eines Generalunternehmers einen radikal vereinfachten Prozess. Hierbei zieht der Bauherr einen einzigen Vertragspartner heran, der für die schlüsselfertige Erstellung des gesamten Gebäudes verantwortlich ist.

    • Ein zentraler Ansprechpartner: Keine gegenseitigen Schuldzuweisungen der Gewerke bei Verzögerungen oder Mängeln. Der GU haftet für das Gesamtergebnis.
    • Kein Abrechnungsmarathon: Statt Dutzender einzelner Rechnungen, die mühsam geprüft werden müssen, erfolgt die Abrechnung beim GU meist über klare, pauschalierte Abschlagszahlungen.
    • Minimierter Koordinationsaufwand: Der gesamte Baustellenbetrieb, die Terminplanung und die Logistik liegen in den Händen des GUs, was den Bauherren massiv entlastet.

    „Die meisten Bauherren töten ihr Bauvorhaben durch die niemals endenden Änderungswünsche.“ — Peter Burnickl

    Die Funktionale Leistungsbeschreibung als strategisches Werkzeug

    Um die Vorteile eines Generalunternehmers voll auszuschöpfen, empfiehlt Peter Burnickl eine strategische Kehrtwende in der Planungsphase. Anstatt die Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung) komplett durch eigene Architekten fertigzustellen, sollte diese Aufgabe direkt auf den GU übertragen werden. Das entscheidende Werkzeug hierfür ist die Funktionale Leistungsbeschreibung (FLB).

    • Leistungsphase 3 optimieren: Investoren sollten die Vor- und Entwurfsplanung extrem intensiv prüfen und optimieren, um die eigenen Ziele klar zu definieren.
    • FLB statt Detailausschreibung: In der FLB werden die gewünschten Qualitäten, Standards und energetischen Ziele funktional beschrieben, anstatt feste Produkte vorzuschreiben.
    • Schnittstellenrisiko eliminieren: Da der GU die Ausführungsplanung selbst fertigstellt, kann er im Nachgang keine Nachträge wegen angeblicher Planungsfehler des Bauherrn-Architekten geltend machen.

    „Ich würde nie die Leistungsphase 5 fertig machen bei einem GU. Niemals. Der GU stellt die Planung fertig.“ — Peter Burnickl

    Frühzeitige Kostensicherheit für eine stressfreie Bankenfinanzierung

    Ein wesentlicher Vorteil des GU-Modells zeigt sich bei der Finanzierung des Projekts. Wer mit Einzelgewerken arbeitet, geht oft mit einer bloßen Kostenberechnung der Planer zur Bank. Diese Berechnungen sind jedoch keine echten Marktpreise und bergen das Risiko massiver Nachfinanzierungen.

    • Harte Marktpreise: Mit einem GU-Angebot hält der Investor bereits in einer sehr frühen Phase – oft noch während des Baugenehmigungsverfahrens – ein verbindliches Pauschalpreisangebot in den Händen.
    • Besseres Bankenrating: Banken schätzen die hohe Preissicherheit eines GU-Projekts, was die Kreditvergabe erleichtert und die Zinskonditionen verbessern kann.
    • Flexibilität bei Fehlplanungen: Sollte das GU-Angebot das Budget übersteigen, lässt sich das Projekt dank der noch nicht fortgeschrittenen Detailplanung kostengünstig umplanen.

    Risikomanagement: Schutz vor Insolvenzen und Nachträgen

    Die letzten Jahre haben gezeigt, wie volatil die Baubranche sein kann. Materialknappheit, extreme Preissteigerungen und plötzliche Insolvenzen von Handwerksbetrieben haben viele Einzelgewerk-Projekte ins Straucheln gebracht. Ein GU fungiert hier als wichtiger Puffer.

    • Schutz vor Preiserpressung: Bei Einzelvergaben kann der Ausfall eines Schlüsselgewerks (z. B. Rohbau oder Heizung) das gesamte Projekt blockieren oder zu extremen Mehrkosten führen.
    • Verteilte Risiken: Der GU trägt das Risiko für die Teuerung von Materialien und den Ausfall von Subunternehmern. Er muss für Ersatz sorgen, ohne dass der Bauherr tiefer in die Tasche greifen muss.
    • Skalierbarkeit für Investoren: Dank des minimalen Zeitaufwands von unter drei Stunden pro Woche für ein Mehrfamilienhaus können Investoren mehrere Projekte parallel realisieren und ihr Portfolio erfolgreich skalieren.

    Häufige Fragen

    Ist ein Generalunternehmer (GU) immer teurer als Einzelgewerke?

    Nein, ein GU ist nicht zwangsläufig teurer. Zwar schlägt der GU eine Marge auf, dafür spart der Bauherr erhebliche Planungskosten, administrativen Aufwand und profitiert von einer besseren Verhandlungsposition.

    Was sind die Nachteile einer Einzelgewerkevergabe?

    Einzelvergaben bedeuten extrem hohen Planungsaufwand, unzählige Verhandlungsrunden mit Handwerkern und ein hohes Risiko für Nachträge oder Bauzeitverzögerungen bei Insolvenzen einzelner Firmen.

    Warum steigen die Planungskosten bei Einzelgewerken?

    Bei Einzelvergaben müssen Architekten und Ingenieure die HOAI-Leistungsphasen bis Phase 8 detailliert ausführen. Da sie nach Honorarordnung abrechnen, steigen die Kosten in der Kostengruppe 700 drastisch.

    Was ist eine Funktionale Leistungsbeschreibung (FLB)?

    Eine FLB beschreibt die gewünschten Qualitäten, Raumprogramme und energetischen Standards eines Bauprojekts funktional, anstatt feste Produkte vorzugeben. Sie dient als ideale Verhandlungsgrundlage mit einem GU.

    Warum sollte der GU die Leistungsphase 5 übernehmen?

    Wenn der GU die Ausführungsplanung (Phase 5) selbst fertigstellt, trägt er auch das volle Risiko für Planungsfehler. Nachtragsforderungen wegen mangelhafter Pläne des Bauherrn-Architekten werden so ausgeschlossen.

    Wie wirkt sich die Wahl eines GUs auf die Bankenfinanzierung aus?

    Ein GU bietet frühzeitig ein verbindliches Pauschalpreisangebot auf Marktbasis. Dies gibt der Bank echte Kostensicherheit, was die Kreditbewilligung im Vergleich zu bloßen Planer-Kalkulationen erleichtert.

    Wie viel Zeitaufwand hat ein Investor bei einem GU-Projekt?

    Durch die Auslagerung von Koordination und Bauleitung an den Generalunternehmer kann ein Investor ein mittleres Mehrfamilienhaus mit einem wöchentlichen Zeitaufwand von unter drei Stunden steuern.

    Was passiert bei Planungsänderungen während der Bauphase mit einem GU?

    Änderungen nach Vertragsabschluss sind bei einem GU in der Regel sehr teuer. Daher ist es essenziell, die Planung bis Leistungsphase 3 vollständig abzuschließen und danach keine Änderungen mehr vorzunehmen.

    Wie beeinflusst eine detaillierte Ausschreibung den Wettbewerb?

    Sehr detaillierte Ausschreibungen schränken den Bieterkreis stark ein, da sich Betriebe auf bestimmte Bauweisen oder Fabrikate festlegen müssen. Das reduziert den Wettbewerb und treibt die Preise hoch.

    Welche Risiken trägt der Bauherr bei der Koordinierung von Einzelgewerken?

    Der Bauherr trägt das volle Schnittstellenrisiko. Verzögert sich ein Gewerk, können nachfolgende Handwerker Behinderungsanzeigen stellen und Schadenersatz fordern, was beim GU-Modell ausgeschlossen ist.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.