
Ist ein Generalunternehmer wirklich immer teurer? Dr. Peter Burnickl räumt mit dem Mythos auf und zeigt, wie Sie am Bau massiv Kosten sparen.
In der Bau- und Immobilienbranche hält sich hartnäckig die Annahme, dass die Vergabe von Einzelgewerken die wirtschaftlichste Methode für Bauherren und Investoren darstellt. Viele glauben, dass durch das gezielte Herauspicken der vermeintlich günstigsten Angebote für jedes Gewerk bares Geld gespart werden kann. Doch diese Denkweise greift oft zu kurz und vernachlässigt die komplexen Zusammenhänge einer professionellen Projektabwicklung.
Dr. Peter Burnickl zeigt in dieser Episode auf, dass diese Rechnung in den meisten Fällen nicht aufgeht. Die Entscheidung für oder gegen einen Generalunternehmer (GU) sollte nicht auf Pauschalannahmen basieren, sondern auf einer detaillierten Analyse der Prozesskosten, der eigenen Zeitressourcen und der Risikobereitschaft des Investors.
Der erste große Hebel, der bei der Entscheidung für Einzelgewerke oft übersehen wird, sind die Honorarkosten für Architekten und Ingenieure. Diese rechnen üblicherweise nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ab. Je mehr Leistungsphasen beauftragt werden, desto höher steigen die Kosten in der sogenannten Kostengruppe 700.
„Wenn ich mit Einzelgewerken arbeite, brauche ich viel mehr Leistungen der Architekten und Ingenieure, die nach Gebührenordnung abrechnen.“ — Peter Burnickl
Ein weiteres, kaum bedachtes Problem von Einzelvergaben liegt in der übermäßigen Detailtiefe der Planung. Wer sich in einer frühen Phase zu stark auf bestimmte Fabrikate, Materialien oder Bauweisen festlegt, schränkt den Kreis der potenziellen Bieter drastisch ein. Der lokale Markt bietet oft nur eine begrenzte Anzahl an Handwerksbetrieben in einem bestimmten Umkreis.
Wer mit Einzelgewerken baut, unterschätzt meist die schiere Masse an Arbeit, die auf ihn als Bauherr zukommt. Bei einem typischen Bauprojekt müssen rund 30 bis 40 Gewerke koordiniert, verhandelt und abgerechnet werden. Um fundierte Entscheidungen zu treffen, benötigt man pro Gewerk mindestens drei bis fünf vergleichbare Angebote.
Im Gegensatz zur kleinteiligen Einzelvergabe bietet die Beauftragung eines Generalunternehmers einen radikal vereinfachten Prozess. Hierbei zieht der Bauherr einen einzigen Vertragspartner heran, der für die schlüsselfertige Erstellung des gesamten Gebäudes verantwortlich ist.
„Die meisten Bauherren töten ihr Bauvorhaben durch die niemals endenden Änderungswünsche.“ — Peter Burnickl
Um die Vorteile eines Generalunternehmers voll auszuschöpfen, empfiehlt Peter Burnickl eine strategische Kehrtwende in der Planungsphase. Anstatt die Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung) komplett durch eigene Architekten fertigzustellen, sollte diese Aufgabe direkt auf den GU übertragen werden. Das entscheidende Werkzeug hierfür ist die Funktionale Leistungsbeschreibung (FLB).
„Ich würde nie die Leistungsphase 5 fertig machen bei einem GU. Niemals. Der GU stellt die Planung fertig.“ — Peter Burnickl
Ein wesentlicher Vorteil des GU-Modells zeigt sich bei der Finanzierung des Projekts. Wer mit Einzelgewerken arbeitet, geht oft mit einer bloßen Kostenberechnung der Planer zur Bank. Diese Berechnungen sind jedoch keine echten Marktpreise und bergen das Risiko massiver Nachfinanzierungen.
Die letzten Jahre haben gezeigt, wie volatil die Baubranche sein kann. Materialknappheit, extreme Preissteigerungen und plötzliche Insolvenzen von Handwerksbetrieben haben viele Einzelgewerk-Projekte ins Straucheln gebracht. Ein GU fungiert hier als wichtiger Puffer.
Nein, ein GU ist nicht zwangsläufig teurer. Zwar schlägt der GU eine Marge auf, dafür spart der Bauherr erhebliche Planungskosten, administrativen Aufwand und profitiert von einer besseren Verhandlungsposition.
Einzelvergaben bedeuten extrem hohen Planungsaufwand, unzählige Verhandlungsrunden mit Handwerkern und ein hohes Risiko für Nachträge oder Bauzeitverzögerungen bei Insolvenzen einzelner Firmen.
Bei Einzelvergaben müssen Architekten und Ingenieure die HOAI-Leistungsphasen bis Phase 8 detailliert ausführen. Da sie nach Honorarordnung abrechnen, steigen die Kosten in der Kostengruppe 700 drastisch.
Eine FLB beschreibt die gewünschten Qualitäten, Raumprogramme und energetischen Standards eines Bauprojekts funktional, anstatt feste Produkte vorzugeben. Sie dient als ideale Verhandlungsgrundlage mit einem GU.
Wenn der GU die Ausführungsplanung (Phase 5) selbst fertigstellt, trägt er auch das volle Risiko für Planungsfehler. Nachtragsforderungen wegen mangelhafter Pläne des Bauherrn-Architekten werden so ausgeschlossen.
Ein GU bietet frühzeitig ein verbindliches Pauschalpreisangebot auf Marktbasis. Dies gibt der Bank echte Kostensicherheit, was die Kreditbewilligung im Vergleich zu bloßen Planer-Kalkulationen erleichtert.
Durch die Auslagerung von Koordination und Bauleitung an den Generalunternehmer kann ein Investor ein mittleres Mehrfamilienhaus mit einem wöchentlichen Zeitaufwand von unter drei Stunden steuern.
Änderungen nach Vertragsabschluss sind bei einem GU in der Regel sehr teuer. Daher ist es essenziell, die Planung bis Leistungsphase 3 vollständig abzuschließen und danach keine Änderungen mehr vorzunehmen.
Sehr detaillierte Ausschreibungen schränken den Bieterkreis stark ein, da sich Betriebe auf bestimmte Bauweisen oder Fabrikate festlegen müssen. Das reduziert den Wettbewerb und treibt die Preise hoch.
Der Bauherr trägt das volle Schnittstellenrisiko. Verzögert sich ein Gewerk, können nachfolgende Handwerker Behinderungsanzeigen stellen und Schadenersatz fordern, was beim GU-Modell ausgeschlossen ist.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.