
Mehrfamilienhaus aufteilen & sanieren: Profi-Makler Peter Vogt spricht im Interview über Fallstricke, Sanierungskosten und den größten Irrglauben.
Peter Vogt startete im Jahr 2013 seine Laufbahn in der Immobilienbranche als Quereinsteiger. Durch die Übernahme einer Hausverwaltung und deren Skalierung von 500 auf 1000 Einheiten sammelte er tiefgehende Erfahrungen direkt an der Basis des Immobilienmarktes. Trotz des schnellen Wachstums zog er schließlich die Reißleine und verkaufte das Verwaltungsgeschäft, da die Margen dort extrem gering und der operative Aufwand enorm hoch sind.
Houte konzentriert sich Vogt mit der Vogt Immobilien GmbH voll auf das Makeln und die aktive Projektentwicklung von Mehrfamilienhäusern. Als leidenschaftlicher Entwickler treibt ihn vor allem die Transformation von renovierungsbedürftigen Objekten an. Sobald ein Projekt fertiggestellt und stabilisiert ist, verliert er bewusst das Interesse am Halten, weshalb er seinen Fokus komplett auf den gewerblichen Handel und die Aufteilung gelegt hat.
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der weit verbreitete Mythos des passiven Einkommens durch Immobilien. Viele unerfahrene Investoren glauben, dass der Kauf eines Mehrfamilienhauses automatisch zu stetigen, mühelosen Cashflows führt. Die Realität sieht oft anders aus: Ohne ein tiefes Verständnis für Instandhaltung, Mietrecht und aktive Verwaltung wird das vermeintliche Traum-Investment schnell zum Albtraum.
„Passives Einkommen durch Bestand? Größter Bullshit ever – wenn du keine Ahnung hast.“ — Peter Vogt
Vogt berichtet von Immobilienbesitzern, die jahrzehntelang keine einzige Mieterhöhung durchgeführt oder notwendige Modernisierungen verschleppt haben. In extremen Fällen wurden Mieten seit 1996 nicht mehr angepasst, was zu drastischen Ertragsausfällen führt. Die mangelnde Pflege führt letztlich dazu, dass die Objekte technisch veralten und die Substanz massiv leidet.
Im Maklergeschäft schätzt Peter Vogt vor allem die Zusammenarbeit mit professionellen Kapitalanlegern und Investoren. Im Vergleich zu privaten Einfamilienhauskäufern, bei denen jede Entscheidung hochgradig emotional geladen ist, agieren Investoren nüchtern und zahlenorientiert. Bei Privatkäufern scheitern Transaktionen oft an Kleinigkeiten wie der Wandfarbe, während Investoren pragmatisch nach Lösungen suchen.
„Wir reden über Sachargumente und selbst wenn mal Sachen nicht passen, da bist du natürlich mit einem Investor immer lösungsorientiert in die Richtung unterwegs.“ — Peter Vogt
Der B2B-Fokus erleichtert die Verhandlungen erheblich, da beide Parteien das gleiche wirtschaftliche Ziel verfolgen. Auch Dr. Peter Burnickl bestätigt, dass er am liebsten mit klaren Entscheidern arbeitet. Sachbearbeiter ohne Entscheidungskompetenz verzögern Prozesse und machen Großprojekte unnötig kompliziert.
Anhand eines aktuellen Großprojekts in Bamberg mit 30 Wohneinheiten veranschaulichen die beiden Experten, wie schwerwiegend Sanierungsstau bei geerbten Immobilien sein kann. Das Objekt, das in den 1970er-Jahren von einer Erbengemeinschaft übernommen wurde, zeigt typische Vernachlässigungsmuster:
Hier zeigt sich die absolute Notwendigkeit von Bauexperten. Ohne eine präzise technische Due Diligence drohen unerwartete Sanierungskosten im siebenstelligen Bereich, die jede Rendite vernichten.
Wer sein erstes Aufteilerprojekt im Bereich von sechs bis zehn Wohneinheiten plant, muss laut Vogt drei fundamentale Säulen akribisch prüfen, um teures Lehrgeld zu vermeiden:
Die rechtliche Aufteilung eines Mehrfamilienhauses in Eigentumswohnungen erfordert eine Abgeschlossenheitsbescheinigung vom Bauamt. Obwohl dieser Prüfvorgang rein technisch oft nur zwei Stunden dauert, sieht die Praxis in deutschen Behörden düster aus. Wartezeiten von mehreren Monaten sind keine Seltenheit.
Vogt berichtet von einem Fall, bei dem die Freigabe des Bauamts neun Monate dauerte. Solche unvorhersehbaren Verzögerungen können für unerfahrene Entwickler existenzbedrohend sein. Wenn die Bank die Zwischenfinanzierung fällig stellt und noch keine Wohnungen verkauft werden können, droht das gesamte Projekt an der Liquidität zu scheitern.
Für Banken stellen Aufteiler- und Sanierungsprojekte ein erhebliches Risiko dar. Im Gegensatz zu klassischen Bestandshaltungen gibt es während der Entwicklungsphase keine gesicherten, stabilen Mieteinnahmen, sondern hohe laufende Kosten. Deshalb fordern Finanzinstitute in diesem Segment deutlich mehr Eigenkapital.
Ein entscheidender Fehler von Anfängern ist das Schönrechnen von Projekten. Eine kalkulierte Marge von nur 10 % bis 15 % vor Steuern bietet keinerlei Puffer für unvorhergesehene Ereignisse. Da beim Bauen im Bestand fast immer unerwartete Probleme auftreten, schmilzt dieser Gewinn extrem schnell dahin.
„Man darf nicht gierig werden und denken, ich mache jetzt hier schnelles Geld, weil es ist ein Lucky Buy.“ — Peter Burnickl
Ein solides Aufteilerprojekt erfordert daher bereits im Ankauf eine Sicherheitsmarge von mindestens 30 % bis 40 % in der Kalkulation. Nur so ist sichergestellt, dass das Projekt auch dann noch profitabel bleibt, wenn die Sanierung teurer wird oder sich der Verkauf der Einheiten verzögert. Am Ende gilt im Immobilienhandel: Der Gewinn liegt im Einkauf.
Bei einem Aufteilerprojekt wird ein bestehendes Mehrfamilienhaus gekauft, rechtlich über eine Abgeschlossenheitsbescheinigung in einzelne Eigentumswohnungen aufgeteilt, oft saniert und anschließend einzeln an Kapitalanleger oder Eigennutzer weiterverkauft.
Viele Investoren unterschätzen den Aufwand für Sanierungen, Verwaltung und Mietanpassungen. Ohne aktives Management und Fachwissen verfallen die Erträge, weshalb das Einkommen selten rein passiv ist.
Da Banken Aufteilerprojekte als Hochrisikogeschäft einshätzen, verlangen sie in der Regel einen Eigenkapitalanteil von 15 % bis 30 % des gesamten Finanzierungsvolumens.
Sie bestätigt dem Bauamt, dass die Wohnungen baulich voneinander getrennt sind. Der reine Prüfvorgang dauert nur wenige Stunden, die Bearbeitung durch die Behörden kann sich jedoch über mehrere Monate hinziehen.
Typische Risiken sind versteckter Sanierungsstau wie asbesthaltige Fassaden, undichte Tiefgaragen, veraltete Leitungsstränge und Flachdächer, die ihre Lebensdauer überschritten haben.
Entwickler sollten in ihrer Kalkulation von Anfang an einen Sicherheitspuffer von mindestens 30 % bis 40 % einplanen, um unvorhergesehene Kosten im Bestand abzufangen.
Die Margen in der WEG- und Mietverwaltung sind im Verhältnis zum hohen operativen Aufwand, der Haftung und dem Konfliktpotenzial mit Mietern und Eigentümern extrem gering.
Es muss geprüft werden, ob die realen Maße mit den Plänen übereinstimmen und ob Sonderflächen wie ausgebaute Dachböden baurechtlich überhaupt als Wohnfläche genehmigt wurden.
Es verteilt das hohe finanzielle Risiko und die Eigenkapitalanforderungen der Banken auf mehrere Schultern und bündelt verschiedene Kompetenzen in den Bereichen Bau, Vertrieb und Finanzen.
Private Käufer entscheiden stark emotional, was Verhandlungen oft wegen Kleinigkeiten erschwert. Investoren handeln rein zahlen- und lösungsorientiert auf Basis von Sachargumenten.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.