
Nachträge und Kostenexplosionen am Bau verhindern: Dr. Peter Burnickl zeigt die 6 häufigsten Fehler und wie Bauherren ihr Budget sichern.
Die meisten Bauprojekte scheitern nicht an den Materialpreisen, sondern an mangelnder Disziplin in der Vorbereitungsphase. Viele Bauherren unterschätzen die Relevanz der ersten Leistungsphasen und beginnen mit ungenauen Vorgaben. Wer während der Bauphase noch Wände verschiebt oder Materialien anpasst, öffnet die Schleusen für unkontrollierte Mehrkosten.
Gerade in der frühen Planungsphase ist die Beeinflussbarkeit der Kosten am höchsten. Hier lässt sich mit minimalem finanziellem Aufwand die größte Hebelwirkung erzielen, um das Projekt wirtschaftlich zu optimieren.
Wer diese Grundregel ignoriert, verliert schnell die Kontrolle über sein Budget. Jede nachträgliche Änderung ist ein Freifahrtschein für ausführende Unternehmen, die Preise drastisch anzuheben.
„Jede Änderung ist gefundenes Fressen, egal ob GU oder Einzelgewerk. Die Nachträge werden über dich regnen.“ — Dr. Peter Burnickl
In der Praxis weisen unzählige Planungen von Architekten und Ingenieuren gravierende Mängel auf. Oftmals stimmen die Massenberechnungen nicht oder die technischen Planungen sind fehlerhaft aufgesetzt. Das führt unweigerlich zu erheblichen Nachträgen während der Ausführung, da die Realität nicht mit den Plänen übereinstimmt.
Um dieses Risiko zu minimieren, ist eine neutrale Zweitmeinung unerlässlich. Bauherren sollten nicht blind auf die Erstplanung vertrauen, sondern diese systematisch hinterfragen.
Viele Planer arbeiten unter erheblichem Zeitdruck, was die Fehlerquote zusätzlich erhöht. Eine detaillierte Prüfung vor dem offiziellen Baustart ist daher die beste Versicherung gegen unliebsame Überraschungen.
Ein massives Problem bei vielen Bauvorhaben ist die künstliche Aufblähung von Tragwerken und technischer Gebäudeausrüstung. Planer sichern sich häufig doppelt und dreifach ab, was zu massiven Überdimensionierungen führt. Weder ein Kubikmeter Beton noch ein Meter Kabel zu viel sollte in den finalen Plänen auftauchen.
Diese Überdimensionierung treibt bereits den ersten Angebotspreis unnötig in die Höhe. Wer hier nicht genau hinsieht, zahlt von Anfang an zu viel für ungenutzte Kapazitäten.
Erfahrene Bauherren wissen, dass eine schlanke Planung nicht nur Material spart, sondern auch die Montagezeiten auf der Baustelle erheblich verkürzt.
Bei der Einzelgewerksvergabe lauern erhebliche Gefahren in den Details der Leistungsverzeichnisse. Häufig kopieren Planungsbüros veraltete Textbausteine oder nutzen Vorlagen, die nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Dies führt zu Missverständnissen und berechtigten Nachtragsforderungen der ausführenden Firmen.
Besonders anfällig für solche Fehler sind komplexe Gewerke wie die Elektrotechnik oder der Innenausbau.
Durch den Einsatz veralteter Ausschreibungen verliert der Bauherr jegliche Vergleichbarkeit der Angebote. Zudem nutzen Handwerker diese Lücken gezielt, um teurere Alternativen anzubieten.
Komplexe, hunderte Seiten lange Bauverträge sind in der Praxis oft kontraproduktiv. Sie sind für die ausführenden Handwerker kaum verständlich und bergen durch interne Widersprüche hohes Konfliktpotenzial. Ein guter Vertrag zeichnet sich durch Klarheit, Einfachheit und unmissverständliche Regelungen aus.
Wenn Verträge nur noch von Juristen verstanden werden, leidet die partnerschaftliche Zusammenarbeit auf der Baustelle.
„Wenn du einen Vertrag liest und verstehst es nicht und musst deinen Anwalt fragen, dann ist eigentlich schon grundsätzlich irgendwas falsch.“ — Dr. Peter Burnickl
Ein transparenter Vertrag schützt beide Seiten und sorgt für eine reibungslose Abwicklung ohne ständige rechtliche Auseinandersetzungen. Vertrauen ist gut, aber ein klar strukturierter Vertrag ist die beste Basis für ein erfolgreiches Projekt.
Ein funktionierender Vertrag nach VOB zwingt die Vertragsparteien zur Definition konkreter Start- und Fertigstellungstermine. Viele Bauherren vernachlässigen diese Termine oder setzen unrealistisch enge Fristen an, weil die Planungsphase zuvor verschleppt wurde. Dies eröffnet Handwerkern ein leichtes Spiel, um Bauzeitverzögerungen geltend zu machen.
Bauzeitverlängerungen und Annahmeverzüge gehören zu den lukrativsten Einnahmequellen für Bauunternehmen.
Wer Termine nicht im Griff hat, verliert die Kontrolle über das gesamte Projekt. Ein strukturierter Bauzeitenplan ist daher kein optionales Extra, sondern ein absolutes Muss.
„Du kannst dir als Handwerker dein Geld nicht leichter verdienen als mit Bauzeitverlängerungen, Bauzeitverzögerungen, Annahmeverzügen.“ — Dr. Peter Burnickl
Um all diese Fehler systematisch auszuschließen, ist ein professionelles Controlling unerlässlich. Bauherren, die ein hohes Bauvolumen bewegen, sollten auf die Expertise von Sachverständigen und spezialisierten Ingenieuren zurückgreifen. Ein externes Auge sieht oft Fehler, die im stressigen Projektalltag untergehen.
Die Investition in eine unabhängige Prüfung amortisiert sich in der Regel bereits durch die erste verhinderte Kostenüberschreitung.
Wer langfristig erfolgreich am Markt agieren möchte, muss seine Prozesse professionalisieren. Das Outsourcing der Qualitätskontrolle an erfahrene Experten ist dafür der erste Schritt.
Nachträgliche Änderungen auf der Baustelle führen zu extrem überteuerten Nachträgen (oft 20 bis 150 % über Marktpreis), da der Bauherr in einer schlechten Verhandlungsposition ist und meist keine alternativen Anbieter wählen kann.
Es handelt sich um die finale Abnahme der Entwurfsplanung. Hierbei zeichnet der Bauherr jeden Plan physisch ab, um festzulegen, dass ab diesem Zeitpunkt keinerlei Änderungen mehr vorgenommen werden dürfen.
Da fast jedes Leistungsverzeichnis um 10 bis 15 % überzogene Massen oder unnötige Positionen enthält, lassen sich bereits vor der Verhandlung erhebliche Summen im sechs- oder siebenstelligen Bereich einsparen.
Planungsbüros und Ingenieure wollen Haftungsrisiken minimieren und planen deshalb oft übermäßige Sicherheitspuffer bei Beton, Stahl oder Haustechnik ein, deren Kosten am Ende der Bauherr trägt.
Wenn Planer veraltete Ausschreibungstexte oder herstellerspezifische Vorlagen nutzen, passen diese oft nicht zur Realität oder sind nicht mehr lieferbar, was Handwerker für teure Nachträge nutzen.
Ohne exakt definierte Termine funktioniert die VOB nicht rechtssicher. Unpräzise Bauzeitenpläne führen schnell zu teuren Ansprüchen wegen Bauzeitverlängerung oder Annahmeverzug.
Zu lange und unverständliche Verträge bergen das Risiko von Widersprüchen. Einfache Verträge sorgen dafür, dass sowohl der Handwerker als auch der Bauherr die Vereinbarungen zweifelsfrei verstehen.
Das Verhältnis von Wohnfläche zur Bruttogrundfläche (BGF) muss im Sinne einer maximalen Wirtschaftlichkeit und Rendite bereits am Anfang der Planung vollkommen optimiert werden.
Obwohl neutral ausgeschrieben werden muss, kopieren Planer oft Texte von Herstellern. Der Großhandel erkennt das Ursprungsprodukt sofort und bietet dieses gezielt an, was den echten Wettbewerb verhindert.
Durch einen realistisch getakteten Bauzeitenplan, klare vertragliche Fristen und das konsequente Vermeiden von Verzögerungen bei eigenen Planungsfreigaben oder Beistellungen.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.