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    immo-inside · 15. Okt 2025

    Airbnb & Co-Living: Rechtliche Fallstricke für Vermieter

    15. Okt 2025 29:48 5 Min. Lesezeit
    #060 - Airbnb, Co-Living & Co.: Was du als Vermieter jetzt rechtlich wissen musst

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die kurzzeitige Vermietung über Airbnb kann in Ballungsgebieten schnell gegen lokale Zweckentfremdungsverbotssatzungen verstoßen und hohe Bußgelder nach sich ziehen.
    • In Wohnungseigentümergemeinschaften schränkt die Teilungserklärung die gewerbliche Kurzzeitvermietung oft wirksam ein, selbst wenn das Gesetz es erlauben würde.
    • Eine Befristung wegen vorübergehenden Gebrauchs erfordert einen konkreten, zeitlich absehbaren Anlass, der zwingend aus der Lebenssituation des Mieters stammen muss.
    • Beim Co-Living mit kurzen Aufenthalten und Zusatzleistungen wie Reinigung liegt baurechtlich ein Beherbergungsbetrieb vor, der eine Nutzungsänderung erfordert.
    • Scheitert eine rechtlich fehlerhafte Befristung, droht dem Vermieter die rückwirkende Anwendung der Mietpreisbremse und eine aufwendige Nebenkostenabrechnung.

    Dr. Florian Hänle erklärt, wie Vermieter Airbnb, Co-Living und Wohnen auf Zeit rechtssicher gestalten und teure Abmahnungen vermeiden.

    Der Trend zu modernen Wohnformen und das rechtliche Minenfeld

    Die deutsche Immobilienlandschaft befindet sich im Wandel. Durch gestiegene Zinsen und Baukosten reichen klassische Vermietungsmodelle oft nicht mehr aus, um eine solide Rendite zu erwirtschaften. Viele Investoren weichen daher auf moderne Wohnformen wie Airbnb, Wohnen auf Zeit, Co-Living oder WG-Vermietungen aus. Diese versprechen deutlich höhere Quadratmeterpreise, bergen jedoch erhebliche rechtliche Risiken, wenn sie ohne fundiertes Fachwissen umgesetzt werden.

    Die Realität zeigt, dass ein Großteil der Akteure am Markt sich der juristischen Tragweite ihrer Verträge nicht bewusst ist. Während in der Theorie alles nach einem lukrativen Businessplan aussieht, bewegen sich viele Vermieter in der Praxis auf extrem dünnem Eis.

    „Sicherlich 80 Prozent. Ja, bestimmt. Das ist alles, was ich gesehen habe. Das ist der Unterschied zwischen Recht und Praxis.“ — Florian Hänle

    Airbnb und die Hürden der Zweckentfremdung

    Wer Wohnraum über Portale wie Airbnb kurzzeitig an Touristen vermieten möchte, stößt in fast allen deutschen Ballungsräumen auf strenge Grenzen. Die sogenannten Zweckentfremdungsverbotssatzungen sollen den regulären Wohnungsmarkt schützen und die Umwandlung von Wohnungen in Ferienunterkünfte verhindern. Diese Regelungen sind kommunal geregelt und weisen von Stadt zu Stadt erhebliche Unterschiede auf.

    Vermieter müssen hierbei folgende Aspekte beachten:

    • Satzungen analysieren: Jede Großstadt wie München, Berlin oder Hamburg hat eigene Regeln, die oft nur die halbe Wahrheit offenbaren.
    • Ausführungsbestimmungen prüfen: Die tatsächlichen Details und Ausnahmeregelungen stehen meist in untergeordneten Richtlinien wie Arbeitshilfen oder Fachanweisungen.
    • Mindestmietdauer einhalten: Um nicht als Zweckentfremdung eingestuft zu werden, fordern viele Städte eine bestimmte Mindestdauer der Überlassung.

    Die unsichtbare Bremse: Die Teilungserklärung der WEG

    Selbst wenn eine Stadt keine Zweckentfremdungssatzung erlassen hat, kann das Vorhaben an einer ganz anderen Stelle scheitern: der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG). Wer kein komplettes Mehrfamilienhaus besitzt, sondern nur einzelne Eigentumswohnungen erwerben möchte, muss zwingend einen Blick in die Teilungserklärung werfen.

    In modernen Teilungserklärungen ist die kurzzeitige Überlassung oder gewerbliche Nutzung von Wohnungen oft standardmäßig ausgeschlossen. Die Miteigentümer haben verständlicherweise meist wenig Interesse an ständig wechselnden Gästen und potenzieller Lärmbelästigung im Haus. Das Wohnungseigentumsgesetz erlaubt zwar grundsätzlich die freie Verfügung über das Sondereigentum, doch vertragliche Vereinbarungen in der Teilungserklärung schränken dieses Recht wirksam ein.

    Wohnen auf Zeit und die Tücken der Befristung

    Als Alternative zur touristischen Kurzzeitvermietung wählen viele Investoren das Wohnen auf Zeit. Doch auch hier lauern immense rechtliche Fallstricke, insbesondere bei der Befristung von Mietverträgen. Das deutsche Mietrecht schützt den Mieter stark, weshalb eine Befristung nur unter sehr engen gesetzlichen Voraussetzungen wirksam ist.

    Für Investoren ist in der Regel nur die Vermietung zum sogenannten vorübergehenden Gebrauch relevant. Diese erfordert zwei wesentliche Komponenten:

    • Das Zeitmoment: Die Nutzungsdauer muss von vornherein zeitlich klar begrenzt und überschaubar sein.
    • Das Umstandsmoment: Der Grund für die Befristung muss zwingend aus der Lebenssituation des Mieters stammen, wie etwa ein zeitlich begrenztes Projekt, ein Gastsemester oder eine berufliche Abordnung.

    Liegt der Lebensmittelpunkt des Mieters jedoch dauerhaft in der Wohnung, weil er beispielsweise schlicht keine andere Unterkunft in der Stadt findet, ist das Umstandsmoment nicht erfüllt.

    „Wenn jemand länger als sieben Monate in einem Mietverhältnis ist, dann bin ich aus der wirksamen Befristung raus.“ — Florian Hänle

    Der finanzielles Albtraum bei unwirksamer Befristung

    Scheitert die Wirksamkeit einer Befristung vor Gericht, droht dem Vermieter ein finanzielles Desaster. Der Vertrag wandelt sich automatisch in ein unbefristetes Mietverhältnis mit vollem Mieterschutz um. Befindet sich die Immobilie in einem Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt, greift sofort die Mietpreisbremse.

    • Mietabsenkung: Die vereinbarte Pauschalmiete bricht in sich zusammen und muss auf die ortsübliche Vergleichsmiete abgesenkt werden.
    • Offenlegungspflicht: Der Vermieter muss die Pauschalmiete nachträglich detailliert aufschlüsseln in Kaltmiete, Möblierungszuschlag und Nebenkosten.
    • Abschreibung der Möbel: Der Möblierungszuschlag darf nicht dauerhaft hoch bleiben, sondern muss jährlich anhand des sinkenden Zeitwerts der Möbel neu berechnet werden.
    • Abrechnungschaos: Der Mieter kann rückwirkend eine detaillierte Nebenkostenabrechnung nach der Heizkostenverordnung verlangen, was bei einer ursprünglich kalkulierten Pauschale administrativ kaum zu bewältigen ist.

    Co-Living und die baurechtliche Abgrenzung zum Beherbergungsbetrieb

    Das Konzept Co-Living – oft beschrieben als Wohngemeinschaft für größere Geldbeutel – kombiniert privaten Wohnraum mit großzügigen Gemeinschaftsflächen. Baurechtlich bewegt sich dieses Modell jedoch auf einem schmalen Grat zwischen regulärem Wohnen und einem gewerblichen Beherbergungsbetrieb.

    Entscheidend für die Einstufung sind folgende Faktoren:

    • Nutzungsdauer: Sehr kurze Aufenthalte von wenigen Tagen bis Wochen sprechen baurechtlich gegen eine reine Wohnnutzung.
    • Dienstleistungen: Werden hotelähnliche Services wie ein Wäscheservice, regelmäßige Reinigung oder ein Concierge-Dienst angeboten, kippt die Einstufung schnell in den Beherbergungsbetrieb.
    • Nutzungsänderung: Liegt ein Beherbergungsbetrieb vor, is eine baurechtliche Nutzungsänderung zwingend erforderlich, andernfalls droht die behördliche Stilllegung.

    Wohngemeinschaften rechtssicher vermieten

    Wer klassischen Wohnraum an eine WG vermieten möchte, kann zwischen verschiedenen vertraglichen Modellen wählen. Jedes Modell hat spezifische Vor- und Nachteile hinsichtlich der Vermieterkontrolle und des Verwaltungsaufwands.

    Die drei gängigsten WG-Modelle im Überblick:

    • Hauptmieter mit Untermietern: Ein Mieter schließt den Hauptvertrag ab und vermietet einzelne Zimmer unter. Vorteil: Nur ein Ansprechpartner für den Vermieter. Nachteil: Zieht der Hauptmieter aus, muss die gesamte WG neu geordnet werden.
    • Alle Bewohner als Gesamtschuldner: Alle WG-Mitglieder unterschreiben den Hauptmietvertrag. Dies führt in der Praxis oft dazu, dass die Mieter bei Auszug einzelner Personen einen Anspruch auf Zustimmung zum Mieterwechsel haben, wodurch der Vermieter die Kontrolle verliert.
    • Einzelmietverträge pro Zimmer: Der Vermieter vermietet jedes Zimmer einzeln inklusive Mitbenutzungsrecht für Gemeinschaftsräume. Dies bietet die größte Flexibilität bei der Neuvermietung und erleichtert die Fluktuation, bedeutet aber auch den höchsten Verwaltungsaufwand.

    Fazit und Handlungsempfehlungen für Immobilieninvestoren

    Moderne Wohnkonzepte bieten hervorragende Renditechancen in einem schwierigen Marktumfeld, dürfen aber niemals blauäugig umgesetzt werden. Das Risiko, durch fehlerhafte Verträge oder mangelnde baurechtliche Genehmigungen den gesamten Investment Case zu zerstören, ist extrem hoch.

    „Durch Regulierung wird halt nichts gebaut.“ — Peter Burnikl

    Investoren sollten sich vor dem Kauf oder der Umstrukturierung einer Immobilie intensiv mit den lokalen Satzungen, der Teilungserklärung und dem Baurecht auseinandersetzen. Ein einmal sauber ausgearbeitetes, rechtlich geprüftes Konzept ist der beste Hebel, um langfristig und sicher von den attraktiven Renditen moderner Wohnformen zu profitieren.

    Häufige Fragen

    Wann gilt die Vermietung über Airbnb als Zweckentfremdung?

    In Ballungsräumen mit angespannten Wohnmärkten verbieten lokale Satzungen oft die tageweise Vermietung von Wohnraum zu touristischen Zwecken. Eine Zweckentfremdung liegt meist vor, wenn die Wohnung ohne Genehmigung regelmäßig kurzzeitig überlassen wird.

    Darf eine Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) Airbnb-Vermietung verbieten?

    Ja, in modernen Teilungserklärungen ist die kurzzeitige Überlassung oder gewerbliche Nutzung von Sondereigentum oft explizit ausgeschlossen. Dies schränkt das Nutzungsrecht des Eigentümers wirksam ein.

    Was ist der Unterschied zwischen 'Wohnen auf Zeit' und dauerhaftem Wohnen?

    Wohnen auf Zeit basiert auf einem vorübergehenden Gebrauch, bei dem der Mieter von Anfang an einen zeitlich begrenzten Bedarf hat. Dauerhaftes Wohnen begründet hingegen einen dauerhaften Lebensmittelpunkt mit vollem Mieterschutz.

    Welche Befristungsgründe sind für Investoren rechtssicher?

    Klassische Vermietergründe wie Eigenbedarf oder Umbau funktionieren für Investment-Modelle meist nur einmalig. Daher muss der Grund für den vorübergehenden Gebrauch zwingend in der Sphäre des Mieters liegen, wie z. B. ein zeitlich begrenztes Projekt oder ein Auslandssemester.

    Ab welcher Mietdauer gilt eine Befristung nicht mehr als vorübergehend?

    Es gibt keine starre gesetzliche Grenze, aber die Rechtsprechung sieht oft Zeiträume ab sieben Monaten kritisch. In solchen Fällen wird ein dauerhafter Wohnbedarf vermutet, was die Befristung unwirksam machen kann.

    Was passiert, wenn eine Befristung rechtlich unwirksam ist?

    Das Mietverhältnis wandelt sich automatisch in ein unbefristetes Standardmietverhältnis um. Der Mieter genießt vollen Kündigungsschutz und kann verlangen, dass die Miete an die Mietpreisbremse angepasst wird.

    Wie muss ein Möblierungszuschlag bei Befristungsausfall berechnet werden?

    Bei einem unbefristeten Vertrag muss die Pauschalmiete in Kaltmiete, Möblierungszuschlag und Nebenkosten aufgeschlüsselt werden. Der Möblierungszuschlag orientiert sich am Zeitwert der Möbel, welcher sich jedes Jahr verringert.

    Benötigt Co-Living eine baurechtliche Nutzungsänderung?

    Ja, wenn die Verweildauer sehr kurz ist (Tage bis Wochen) und hotelähnliche Dienstleistungen wie ein Reinigungsservice angeboten werden, handelt es sich baurechtlich um einen Beherbergungsbetrieb, der genehmigt werden muss.

    Welches Mietmodell ist bei Wohngemeinschaften (WGs) für Vermieter am besten?

    Der Abschluss einzelner Zimmer-Mietverträge ist oft vorteilhafter als ein Gesamtvertrag mit allen Bewohnern als Hauptmieter. Bei Einzelverträgen behält der Vermieter die Kontrolle über die Neuvermietung frei werdender Zimmer.

    Warum scheitern viele Vermieter mit der WG-Hauptmieter-Konstellation?

    Wenn alle WG-Mitglieder als Hauptmieter im Vertrag stehen, haben sie bei Auszug einzelner Personen oft einen rechtlichen Anspruch darauf, dass der Vermieter einem Mieterwechsel zustimmt. Dadurch kann der Vermieter das Mietverhältnis kaum kündigen oder anpassen.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.