
Wie verändern KI-Agenten und humanoide Roboter ab 2026 die Baustelle? Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky im Gespräch über die Zukunft des Bauens.
Sven Gábor Jánszky blickt auf eine ungewöhnliche und faszinierende Karriere zurück. Nach einer erfolgreichen Jugend im strategischen Schachsport, in der er sogar Vize-DDR-Meister wurde, zog es ihn nach dem Mauerfall in den Journalismus. Er arbeitete über zehn Jahre hinweg als ARD-Moderator, Prime-Time-Anchor und Korrespondent. Diese prägende Phase legte das Fundament für seinen heutigen Erfolg, da er schon früh den direkten, unvoreingenommenen Zugang zu den wichtigsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entscheidern suchte.
Mit gerade einmal 28 Jahren entschied er sich für einen radikalen Neuanfang ohne Netz und doppelten Boden. Er kündigte seine feste Anstellung bei der ARD und gründete das Zukunftsforschungsinstitut 2b AHEAD, das sich über die letzten 24 Jahre zum größten unabhängigen Institut seiner Art in Europa entwickelt hat. Heute arbeiten dort promovierte Zukunftsforscher mit wissenschaftlichen Methoden daran, technologische und wirtschaftliche Entwicklungen für die kommenden Jahre präzise zu prognostizieren und Großkonzerne strategisch zu begleiten.
Aus der fundierten wissenschaftlichen Vorausschau entwickelte sich bei 2b AHEAD rasch ein hochprofitabler Investmentzweig. Nachdem das Institut jahrelang nur Beratungsleistungen für andere Unternehmen erbracht hatte, begann man, mit eigenem Kapital und später über drei spezialisierte Investmentfonds in internationale Deep-Tech-Startups zu investieren. Die Schwerpunkte liegen dabei auf extremen Zukunftstechnologien wie Quantencomputing, Kernfusion, Genetik, Robotik und Cryopreservation.
Ein bitterer Wermutstropfen für den Standort Europa ist jedoch, dass diese zukunftsweisenden Investments fast vollständig an Deutschland vorbeigehen. Sven Gábor Jánszky berichtet, dass seine Fonds seit nunmehr drei Jahren kein Kapital mehr in deutsche Startups gelenkt haben. Die überbordende Bürokratie, mangelnde politische Planungssicherheit und eine generelle Risikoaversion im Land bremsen Innovationen massiv aus, weshalb das Kapital dorthin fließt, wo echte Zukunft aktiv gestaltet wird – etwa ins Silicon Valley, nach Israel oder Großbritannien.
„Wir prognostizieren in unseren Studien für die Bauwirtschaft wirklich enorme enorme Kosteneinsparungen.“ — Sven Gábor Jánszky
Die deutsche Baubranche leidet unter einer enormen Regulierungsdichte, die vom KfW-55-Standard bis hin zu KFW-40 und QNG-Zertifizierungen reicht. Diese Vorschriften machen das Bauen extrem komplex und teuer. Viele Bauherren verhalten sich wie ängstliche Beckenrandschwimmer und trauen sich kaum, die gesetzlichen Spielräume kreativ auszureizen. Doch die technologische Entwicklung bietet einen kraftvollen Ausweg aus dieser Kostenfalle.
Die Zukunft der Bauausführung liegt in einer konsequenten Digitalisierung und dem radikalen Wandel hin zu modularer Bauweise. Die traditionelle, fehleranfällige und zeitintensive Abfolge einzelner Handwerksgewerke direkt auf der Baustelle wird durch industrielle Prozesse ersetzt.
Ein zentraler technologischer Meilenstein steht unmittelbar bevor. Ab dem Jahr 2026 erwarten Zukunftsforscher den weltweiten kommerziellen Vertrieb von humanoiden Robotern. Weltweit arbeiten bereits etwa 80 spezialisierte Unternehmen an dieser Technologie, wobei die deutliche Mehrheit von rund 60 Firmen in China ansässig ist. Diese humanoiden Roboter sind mit hochentwickelter KI sowie beweglichen Gliedmaßen ausgestattet, um menschliche Tätigkeiten eins zu eins zu übernehmen.
Besonders auf Baustellen, wo schwere und gesundheitsschädigende körperliche Arbeiten den Alltag prägen, wird diese Technologie zu einem massiven Umbruch führen.
Nicht nur auf der physischen Baustelle, sondern auch im Planungsbüro steht kein Stein mehr auf dem anderen. Der aktuelle Einsatz einfacher KI-Tools wie ChatGPT ist erst der Anfang. Die wahre Revolution im Bereich der Architektur und des Ingenieurwesens wird durch sogenannte AI Agents (Künstliche Intelligenz-Agenten) getragen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Assistenten-Tools, bei denen der Mensch jeden Schritt manuell anstoßen muss, arbeiten bei AI Agents ganze Netzwerke aus hochspezialisierten KIs autonom zusammen.
Die physikalische und energetische Simulation von Gebäuden ist heute oft noch ein ungenauer und extrem teurer Prozess. Das wird sich zwischen den Jahren 2028 und 2030 durch den Durchbruch des Quantencomputings drastisch ändern. Das von Jánszkys Fonds unterstützte Startup „Universal Quantum“ an der University of Sussex zeigt das immense Potenzial: Die Bewertung des Startups verhundertfachte sich innerhalb von nur fünf Jahren von 20 Millionen auf 2 Milliarden Pfund.
Sobald diese Technologie massentauglich wird, können komplexe physikalische Prozesse in Echtzeit simuliert werden.
Die drängenden Probleme des modernen Immobilienmarktes – wie der massive Leerstand von Büroflächen bei gleichzeitiger Wohnungsnot – erfordern völlig neue bauliche Konzepte. Gebäude dürfen nicht mehr als starre, unveränderliche Monumente gedacht werden.
Sie müssen eine hohe Adaptivität aufweisen. Das bedeutet, dass sie sich flexibel an veränderte Lebensumstände, neue technologische Standards oder alternative Nutzungsarten anpassen lassen müssen. Ein intelligenten Mix aus wartungsarmen Lowtech-Konstruktionen für die Langlebigkeit und adaptiver Gebäudetechnik sichert den dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg und die Nachhaltigkeit einer Immobilie.
Der wichtigste Rat des Zukunftsforschers an alle Bauherren, Planer und Investoren ist ein mentaler Appell. Deutschland verharrt zu oft in der Nostalgie und versucht, die Zukunft mit den Rezepten der Vergangenheit zu lösen. Doch echter Fortschritt entsteht niemals aus alten Erfahrungen, sondern aus dem mutigen Ergreifen neuer technologischer Möglichkeiten.
„Vertraut den Möglichkeiten der Zukunft mehr als euren Erfahrungen aus der Vergangenheit.“ — Sven Gábor Jánszky
Es gilt, die Ängste vor Veränderung abzulegen und die gigantischen Chancen von KI, Robotik und neuer Energieeffizienz aktiv in die eigenen Geschäftsmodelle zu integrieren. Wer sich jetzt mit diesen Technologien auseinandersetzt, sichert sich den entscheidenden Vorsprung für die kommenden Jahrzehnte.
Sven Gábor Jánszky ist ein renommierter deutscher Zukunftsforscher, Investor, Bestsellerautor und Chairman des größten unabhängigen europäischen Zukunftsforschungsinstituts 2b AHEAD.
Das 2b AHEAD ThinkTank ist das größte unabhängige Zukunftsforschungsinstitut in Europa, das mit wissenschaftlichen Methoden die technologische und wirtschaftliche Zukunft der nächsten 5 bis 10 Jahre prognostiziert.
Erste humanoide Roboter werden voraussichtlich ab dem Jahr 2026 kommerziell verkauft und einsatzbereit sein.
Die Preise werden laut führenden Herstellern in der Anfangsphase voraussichtlich zwischen 10.000 und 30.000 US-Dollar pro Stück liegen.
Während ein KI-Tool als Assistent auf direkte menschliche Anweisungen reagiert, arbeiten AI Agents in koordinierten Netzwerken vollkommen autonom zusammen und übergeben sich gegenseitig Arbeitsschritte.
AI Agents können komplexe Planungsentwürfe, Berechnungen und Simulationen autonom erstellen, sodass Architekten primär eine überwachende und steuernde Rolle einnehmen.
Quantencomputer werden voraussichtlich zwischen 2028 und 2030 so weit entwickelt und erschwinglich sein, dass auch mittelständische Unternehmen sie nutzen können.
Wegen der hohen bürokratischen Hürden, der mangelnden Dynamik und der langsameren Innovationsgeschwindigkeit in Deutschland investieren seine Fonds seit drei Jahren nur noch international.
Adaptive Gebäude sind so konzipiert, dass sie sich flexibel an veränderte Nutzungen, technologische Standards und gesellschaftliche Anforderungen anpassen lassen.
Sie sollten sich frühzeitig mit neuen Technologien wie KI und modularer Bauweise beschäftigen und den zukünftigen technologischen Möglichkeiten mehr vertrauen als den Erfahrungen der Vergangenheit.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.