
Wie bauen wir wieder günstig und einfach? David Jacob Huber (BfW) erklärt, warum weniger Technik und Normen zu bezahlbarem Wohnraum führen.
Der deutsche Wohnungsbau befindet sich in einer tiefen Krise, die vor allem durch überbordende Bürokratie und explodierende Baukosten angeheizt wird. David Jacob Huber, Geschäftsführer des BfW Niedersachsen-Bremen, fordert hier ein radikales Umdenken, um bezahlbaren Wohnraum wieder zu ermöglichen.
Die Anforderungen an Neubauten sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, ohne dass dadurch ein reeller Mehrwert für die Bewohner geschaffen wurde. Vielmehr führt die übertriebene Technisierung dazu, dass sich Normalverdiener keine neuen Wohnungen mehr leisten können.
Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick über die deutschen Landesgrenzen hinaus. Nachbarländer wie die Niederlande, Dänemark oder Österreich demonstrieren erfolgreich, wie ansprechender und gleichzeitig bezahlbarer Wohnungsbau funktioniert.
In Wien zeigt beispielsweise das Sonnenwendviertel, dass serieller Wohnungsbau nicht hässlich sein muss. Dort entstehen moderne Quartiere mit hohe Lebensqualität, die für breite Schichten der Bevölkerung erschwinglich bleiben.
Andere Länder fokussieren sich bei der Entwicklung auf den tatsächlichen Nutzen für den Menschen, anstatt sich in starren technischen Vorgaben zu verlieren. Die Gebäude dort stürzen weder schneller ein, noch brennen sie häufiger, trotz deutlich unkomplizierterer Bauweisen.
Ein wesentlicher Kostentreiber im deutschen Bauwesen ist der ausgeprägte Fetischismus rund um technische Normen und Richtlinien. Planer und Ingenieure neigen dazu, jeden Standard maximal auszulegen, um sich gegen jegliche Haftungsrisiken abzusichern.
Dabei haben Normen in Deutschland in den meisten Fällen keinen gesetzesähnlichen Status, sondern stellen lediglich Empfehlungen dar. Dennoch führt die Angst vor juristischen Auseinandersetzungen mit Mietervereinen zu einer massiven Überplanung.
Ein extremes Beispiel ist der Schallschutz, der mittlerweile so weit getrieben wird, dass er die Bewohner regelrecht isoliert. Studien zeigen bereits, dass der übertriebene Schallschutz in modernen Wohnungen zur Vereinsamung der Menschen beiträgt, da keinerlei Umgebungsgeräusche mehr wahrnehmbar sind.
Das aktuelle System der Architekten- und Planerhonorarordnung (HOAI) belohnt teures Bauen auf fundamentale Weise. Da sich das Honorar an den anrechenbaren Kosten des Gebäudes orientiert, sinkt der Verdienst des Planers, wenn er eine günstigere Lösung findet.
„Je höher die Bausumme, desto höher ist sein Honorar. Das ist der Tod für bezahlbares Bauen.“ — David Jacob Huber
Um diesen Systemfehler zu beheben, müssen Verträge völlig neu gedacht werden. Eine erfolgsbasierte Vergütung, bei der Architekten an den eingesparten Baukosten prozentual beteiligt werden, würde sofort zu pragmatischeren Entwürfen führen.
Viele private Bauherren und Investoren fühlen sich gezwungen, teure Zertifizierungen wie DGNB oder QNG anzustreben, um überhaupt noch an Förderungen zu gelangen. Diese bürokratischen Verfahren verteuern den Bauprozess jedoch massiv und schränken die Planungsfreiheit ein.
Dabei gibt es mittlerweile alternative, deutlich schlankere Zertifizierungsmethoden, die nur einen Bruchteil der DGNB-Gebühren kosten. Diese erfüllen die Förderkriterien ebenso zuverlässig, greifen aber weit weniger reglementierend in den Bauablauf ein.
Zudem sind nationale Zertifikate auf dem internationalen Markt oft gänzlich unbekannt. Ausländische Investoren können mit rein deutschen Standards wenig anfangen, was den vermeintlichen Mehrwert dieser teuren Label weiter schmälert.
Der TGA-Bereich (Technische Gebäudeausrüstung) hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem überkomplexen Monster entwickelt. David Jacob Huber plädiert leidenschaftlich dafür, die Haustechnik auf das absolute Minimum zurückzufahren.
Ein Schlüssel zur Kostenreduktion liegt im Verzicht auf wassergeführte Heizungssysteme. Durch den akuten Fachkräftemangel im Handwerk wird die Installation und Wartung dieser Systeme immer teurer und fehleranfälliger.
Die thermische Sanierung und Dämmung mittels Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) auf Styroporbasis steht zunehmend in der Kritik. Diese Systeme sperren das Gebäude wie eine Plastiktüte ab und verhindern jegliche natürliche Diffusion.
„WDVS hasse ich. Das ist der Sondermüll von morgen, den wir uns heute an die Häuser klemmen.“ — David Jacob Huber
Die ökologische Bilanz von synthetischen Dämmstoffen ist oft negativ, da die zu ihrer Herstellung benötigte Energie während ihrer Lebensdauer kaum eingespart werden kann. Zudem drohen nach Ablauf der Nutzungszeit immense Entsorgungskosten für diesen Sondermüll.
Eine Rückkehr zu traditionellen, baubiologisch wertvollen Materialien wie Holz oder massiven Ziegeln sorgt für ein gesundes Raumklima. Neue physikalische Innenanstriche können zudem Schimmel verhindern und die Wärme optimal im Raum verteilen, ohne dass teure Außendämmungen nötig sind.
Zum Abschluss der Folge fasst David Jacob Huber seine Kernempfehlungen für wirtschaftliches Bauen zusammen. Diese Ansätze richten sich an alle Investoren und Bauherren, die sich vom überbordenden Technikwahn befreien wollen.
Durch die Rückkehr zum gesunden Menschenverstand können hochwertige, langlebige und vor allem bezahlbare Wohngebäude entstehen, die dem Menschen dienen und nicht der Technikindustrie.
David Jacob Huber ist der Geschäftsführer des BfW Niedersachsen-Bremen, Wohnungsbauaktivist, Podcaster und Buchautor von „Wohnungsbau First“.
Er fordert eine radikale Reduzierung der Bauvorschriften, weniger überflüssige Technik und die Rückkehr zu pragmatischen, bezahlbaren Bauweisen.
Normen sind oft überdimensioniert und werden von Planern aus Angst vor Haftungsklagen zusätzlich mit hohen Sicherheitszuschlägen versehen, was die Kosten extrem in die Höhe treibt.
Die HOAI koppelt das Honorar an die Baukosten, wodurch Architekten finanziell belohnt werden, wenn sie teurer statt günstiger und einfacher planen.
Der Einsatz von elektrischen Direktheizungen wie Infrarot- oder elektrischen Fußbodenheizungen spart Installations- und Wartungskosten und vermeidet Bauschäden durch Wasser.
Er betrachtet sie als den Sondermüll von morgen, da sie Gebäude hermetisch absperren, ökologisch fragwürdig herzustellen sind und am Ende ihrer Lebensdauer teuer entsorgt werden müssen.
Sie sind wartungsintensiv, müssen nach etwa 15 Jahren komplett ausgetauscht werden und bergen das Risiko von Keim- und Pilzbildung in den Rohrleitungen.
Ein übertriebener Schallschutz führt laut aktuellen Studien zur Isolation und Vereinsamung der Bewohner, weshalb ein gesundes Maß an Umgebungsgeräuschen sinnvoll ist.
Nein, es gibt mittlerweile schlankere und weitaus günstigere Zertifizierungsverfahren, die ebenfalls die QNG-Kriterien für Förderungen erfüllen.
Er bietet kostenlose Live-Webinare und Erstgespräche an, um Bauvorhaben kostengünstig (unter 3.000 Euro pro Quadratmeter im Neubau) und stressfrei umzusetzen.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.