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    immo-inside · 25. Mrz 2026

    Handwerksbetrieb kaufen: M&A als Investment-Chance

    25. Mrz 2026 29:40 4 Min. Lesezeit

    Kapitel

    00:00Intro und Vorstellung Michael Polit
    02:13Bootstrap statt Erbschaft: Die erste Firma ohne Fremdkapital
    04:28Vom Handwerk zur Holding: Aufbau der Gruppe
    07:47Das Nachfolgeproblem im deutschen Mittelstand
    09:46Ablauf eines Firmenkaufs von der Ansprache bis zur Übernahme

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der deutsche Mittelstand steht vor einem massiven Nachfolgeproblem, da über ein Drittel der Inhaber älter als 60 Jahre ist und Nachfolger fehlen.
    • Der Kauf eines bestehenden Handwerksbetriebs lässt sich durch historische Zahlen und bestehenden Cashflow deutlich leichter finanzieren als eine Neugründung.
    • Handwerksbetriebe im kleineren Mittelstand werden oft zu sehr attraktiven EBIT-Multiples von Faktor 2,5 bis 4,5 gehandelt.
    • Durch intelligente Kaufpreismodelle wie Verkäuferdarlehen, Earn-Outs oder Beraterverträge lässt sich der Eigenkapitalbedarf beim Firmenkauf stark reduzieren.
    • Für Immobilieninvestoren bieten sich enorme Synergien durch den Zukauf von eigenen Baufirmen, Hausverwaltungen oder haushaltsnahen Dienstleistern.

    Wie kauft man Handwerksbetriebe mit wenig Eigenkapital? Michael Polit (26) erklärt EBIT-Multiples, Firmenkauf-Strukturen und Nachfolgelösungen.

    Der steile Aufstieg von Michael Polit

    Mit gerade einmal 26 Jahren hält Michael Polit bereits sieben bis acht Unternehmensbeteiligungen. Sein Weg begann im Jahr 2021 während seines dualen BWL-Studiums, als er gemeinsam mit zwei Partnern die Opta Heizung und Sanitärsysteme GmbH gründete.

    Die Gründung erfolgte komplett ohne Fremdkapital oder familiäre Erbschaften, also im klassischen Bootstrap-Verfahren. Heute beschäftigt der Betrieb rund 20 Mitarbeiter, darunter zahlreiche Gesellen, zwei Meister und vier Auszubildende, und verfügt über eine extrem starke digitale Arbeitgebermarke.

    „Es ist alles Bootstrap bei uns... also jetzt ohne irgendwelche Fremdfinanzierungen, egal ob familiär oder bankentechnisch gemacht.“ — Michael Polit

    Das drängende Nachfolgeproblem im Mittelstand

    Der deutsche Mittelstand steht vor einer demografischen Klippe, die gleichzeitig eine der größten Investitionschancen unserer Zeit darstellt. Über 36 Prozent der Firmeninhaber sind bereits älter als 60 Jahre, und mehr als die Hälfte hat das 55. Lebensjahr überschritten.

    Da oft die familiäre Nachfolge fehlt und immer weniger junge Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, droht vielen profitablen Betrieben die Schließung. Dieses Vakuum bietet M&A-Beratern und strategischen Käufern hervorragende Möglichkeiten, etablierte Betriebe zu übernehmen und fortzuführen.

    „Es gab sicherlich schon umkämpftere Phasen, wo viel mehr Leute da waren, die wirklich noch was machen wollten.“ — Michael Polit

    Warum Bestandsfirmen leichter finanzierbar sind als Neugründungen

    Im Gegensatz zu einer Neugründung, bei der Businesspläne oft einer Glaskugelleserei gleichen, bieten Bestandsunternehmen eine verlässliche Historie. Banken finanzieren solche Übernahmen wesentlich lieber, da belastbare Zahlen und ein bewährter Cashflow der letzten Jahre vorliegen.

    Der Finanzierungsprozess wird dadurch transparenter und sicherer für alle Beteiligten. Folgende Faktoren erleichtern die Finanzierung eines bestehenden Betriebs erheblich:

    • Belastbare Historie: Vorhandene Bilanzen und betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWAs) der letzten Jahrzehnte belegen die Rentabilität.
    • Etablierter Kundenstamm: Es müssen keine neuen Kunden mühsam akquiriert werden, da die Umsätze ab Tag eins fließen.
    • Eingespieltes Team: Erfahrene Mitarbeiter und funktionierende Prozesse laufen direkt unter neuer Führung weiter.
    • Vorhandene Assets: Maschinen, Fuhrparks und Betriebsstätten dienen der Bank oft direkt als zusätzliche Sicherheiten.

    Die Strukturierung von Kaufpreismodellen und EBIT-Multiples

    Im kleineren Mittelstand und Handwerk bewegen sich die Kaufpreise meist in einem sehr attraktiven Rahmen. Betriebe werden oft zu EBIT-Multiples von Faktor 2,5 bis 4,5 gehandelt, was dem 2,5- bis 4,5-fachen des Jahresgewinns entspricht.

    Käufer müssen selten den vollen Kaufpreis sofort in bar auf den Tisch legen oder komplett über Bankkredite finanzieren. Es gibt hocheffektive Instrumente zur flexiblen Kaufpreisgestaltung:

    • Eigenkapitalquote: In der Praxis reicht oft ein Eigenkapitalanteil von 10 bis 20 Prozent aus, um die Finanzierung zu sichern.
    • Verkäuferdarlehen: Der Alt-Inhaber stundet einen Teil des Kaufpreises und erhält diesen über mehrere Jahre verzinst zurück.
    • Earn-Out-Modelle: Erfolgskomponenten, die idealerweise an den Umsatz statt an den Gewinn gekoppelt werden sollten, um Fristsetzungen zu vermeiden.
    • Beraterverträge: Der Alt-Inhaber bleibt dem Unternehmen für zwei bis drei Jahre beratend erhalten und stellt einen weichen Übergang sicher.

    „Wir wollen eine Firma, ein Unternehmen immer von einem motivierten Verkäufer kaufen.“ — Michael Polit

    Praxis-Case: Eine profitable Reinigungsfirma zum Schnäppchenpreis

    Ein konkretes Beispiel aus der Praxis von Otter Consult verdeutlicht das enorme Potenzial von KMU-Transaktionen. In Süddeutschland steht derzeit eine etablierte, KI-resistente Reinigungsfirma zum Verkauf, die eine steigende Nachfrage verzeichnet.

    Bei einem Jahresumsatz von rund 750.000 Euro erwirtschaftet der Betrieb einen Gewinn von fast 200.000 Euro. Aufgrund des dringenden Verkaufswunsches der Inhaber wird das Unternehmen voraussichtlich zu einem extrem günstigen Multiple von Faktor 2 veräußert.

    Dieses Beispiel zeigt, wie unvollkommen der Markt für Unternehmensnachfolgen ist. Wer entschlossen handelt und schnell entscheidet, kann extrem profitable Cashflow-Maschinen zu hervorragenden Konditionen erwerben.

    Synergien für Immobilieninvestoren durch Firmenkäufe

    Für Immobilieninvestoren, Bauträger und Projektentwickler ergeben sich durch den gezielten Zukauf von Handwerks- oder Dienstleistungsbetrieben gewaltige Synergieeffekte. Statt sich über mangelnde Handwerkerkapazitäten zu ärgern, sichert man sich die Ressourcen im eigenen Haus.

    Sowohl beim Neubau als auch bei Sanierungsprojekten lässt sich so die Wertschöpfungskette perfekt vertikal integrieren. Folgende Branchen eignen sich besonders gut für eine solche Kombination:

    • Sanierungs- und Baufirmen: Direkter Zugriff auf Handwerker für eigene Bau- und Fix-and-Flip-Projekte.
    • Hausverwaltungen: Sicherung von wiederkehrenden Einnahmen und direktem Zugang zu neuen Dealflows.
    • Haushaltsnahe Dienstleistungen: Synergien bei der Bewirtschaftung von größeren Mietobjekten oder Wohnungsbeständen.

    Operative Führung und zentralisiertes Backoffice

    Wer mehrere Beteiligungen hält, kann nicht in jeder Firma operativ als Geschäftsführer im Tagesgeschäft stecken. Michael Polit setzt daher konsequent auf starke Partner an seiner Seite und eine Holding-Struktur.

    Zentralisierte Dienste im Backoffice, wie eine gemeinsame Buchhaltung und geteilte administrative Ressourcen, sparen erhebliche Kosten. Ein professionelles Liquiditätsmanagement ist dabei das wichtigste Steuerungsinstrument, um stets den Überblick über alle Gesellschaften zu behalten.

    „Cash is King. Cash, Cash, Cash, Cash, Cash und Liquiditätsmanagement lässt mich ruhig schlafen.“ — Peter Burnikl

    Häufige Fragen

    Wie viele Unternehmen besitzt Michael Polit mit 26 Jahren?

    Michael Polit besitzt aktuell sieben bis acht Unternehmensbeteiligungen, darunter eine Heizungs- und Sanitärfirma, eine M&A-Beratung sowie Autowaschanlagen.

    Wie hat Michael Polit sein erstes Unternehmen finanziert?

    Seine erste Handwerksfirma wurde 2021 komplett bootstrapped, also ohne Fremdkapital oder Erbschaften, zusammen mit zwei Partnern gegründet.

    Warum ist das Nachfolgeproblem im deutschen Mittelstand eine Investitionschance?

    Da über 36 Prozent der Firmeninhaber über 60 Jahre alt sind und oft Nachfolger fehlen, stehen viele profitable Betriebe zu günstigen Preisen zum Verkauf.

    Warum lässt sich ein bestehendes Unternehmen leichter finanzieren als ein Startup?

    Banken bevorzugen Bestandsfirmen, da historische Zahlen, eingespielte Prozesse und ein stabiler, nachweisbarer Cashflow vorliegen.

    Wie hoch ist der typische Kaufpreis-Faktor für Handwerksbetriebe?

    Mechanische Gewerke im kleineren Mittelstand werden in der Regel zu EBIT-Multiples zwischen dem 2,5- und 4,5-fachen des Jahresgewinns gehandelt.

    Wie viel Eigenkapital benötigt man für einen Firmenkauf im Mittelstand?

    In der Praxis ist meist eine Eigenkapitalquote von 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises erforderlich, um eine Bankfinanzierung aufzustellen.

    Was versteht man unter einem Verkäuferdarlehen beim Unternehmenskauf?

    Beim Verkäuferdarlehen stundet der Verkäufer dem Käufer einen Teil des Kaufpreises, der dann aus dem laufenden Cashflow des Unternehmens abbezahlt wird.

    Warum sollte ein Earn-Out an den Umsatz statt an den Gewinn gekoppelt werden?

    Da der Gewinn durch den neuen Eigentümer leicht bilanztechnisch beeinflusst werden kann, ist die Kopplung an den Umsatz für beide Seiten fairer und sicherer.

    Welche Synergien haben Firmenkäufe für Immobilieninvestoren?

    Immobilieninvestoren können eigene Handwerksbetriebe, Hausverwaltungen oder Reinigungsfirmen kaufen, um ihre eigenen Projekte abzuwickeln und die Wertschöpfung im Haus zu halten.

    Wie sichert man die Liquidität bei mehreren Unternehmensbeteiligungen?

    Durch ein zentrales Liquiditätsmanagement-Tool und eine Holding-Struktur mit zentralen Backoffice-Diensten behält man täglich den tagesaktuellen Finanzstatus aller Firmen im Blick.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.