
Warum Banken blockieren und wie Sie mit der richtigen Strategie trotzdem Ihre Immobilienfinanzierung sichern. Tipps von Dr. Peter Burnickl.
Der Immobilienmarkt bietet derzeit ein faszinierendes Paradoxon. Auf der einen Seite existieren hervorragende Ankaufsmöglichkeiten, hohe Renditen und spannende Projekte, die Investoren anlocken. Auf der anderen Seite agieren die finanzierenden Banken restriktiver denn je, was den Zugang zu Kapital massiv erschwert.
Wer in der aktuellen Marktphase ein Immobilienprojekt realisieren möchte, steht vor der Herausforderung, trotz exzellenter Objektdaten oft monatelang um eine Finanzierungszusage kämpfen zu müssen. Dr. Peter Burnickl berichtet aus seiner Praxis von einem regelrechten Shopping-Fieber bei der Prüfung von Objekten, dem jedoch eine harte Realität am Finanzierungsmarkt gegenübersteht.
Ein zentrales Problem in der Zusammenarbeit mit Finanzinstituten ist deren zyklisches Verhalten. Anstatt in schwierigen Phasen antizyklisch zu agieren und gute Gelegenheiten zu finanzieren, ziehen sich die Banken genau dann zurück, wenn die Risiken am geringsten sind.
In der zurückliegenden Boomphase wurden Kredite oft unkompliziert und schnell vergeben, was im Nachgang zu einer Welle von Insolvenzen und geplatzten Projekten führte. Diese Erfahrungen prägen das heutige Handeln der Marktfolge in den Bankhäusern nachhaltig.
„Banken sind halt leider nicht antizyklisch, sondern superzyklisch unterwegs.“ — Peter Burnickl
Die Institute haben in den letzten Jahren viel Geld verloren und sich, metaphorisch gesprochen, eine blutige Nase geholt. Als Konsequenz daraus sichern sie sich nun gegen jedes noch so kleine Risiko ab und rechnen Projekte im Zweifel extrem vorsichtig und pessimistisch kalkuliert tot.
Investoren werden heute von den Banken extrem schnell in vordefinierte Risikoklassen einsortiert. Besonders die Einstufung als Bauträger oder Projektentwickler kommt oft einem Todesurteil für die Finanzierungsanfrage gleich, selbst wenn die tatsächliche Struktur des Vorhabens eine ganz andere ist.
Selbst private Aufteiler, die lediglich ein Mehrfamilienhaus erwerben und sanieren möchten, landen ohne Vorwarnung in dieser Schublade. Viele Banken haben das Bauträgergeschäft aufgrund der veränderten Marktbedingungen komplett aus ihrem Portfolio gestrichen und lehnen solche Anfragen sofort ab.
Wer die erste Hürde der Einwertung überspringt, sieht sich mit drastisch gestiegenen Anforderungen an das einzubringende Eigenkapital konfrontiert. Wo früher geringe Beträge ausreichten, verlangen Institute heute Summen, die viele Akteure schachmatt setzen.
Zusätzlich erschwert die Marktfolge die Kalkulation, indem sie Einnahmen systematisch kleinrechnet. Fördergelder, Steuererstattungen oder die höheren Erträge aus möblierter Vermietung werden oft gar nicht oder nur zu einem Buchteil anerkannt, während fiktive Bewirtschaftungskosten abgezogen werden.
Da kaum ein Investor Millionenbeträge an freiem Eigenkapital auf dem Konto hält, weichen viele auf Mezzanin-Kapital oder Rangrücktrittsdarlehen aus. Doch auch dieser Markt hat sich drastisch verteuert und stellt extrem hohe Anforderungen an die Projektqualität.
Family Offices und private Geldgeber werden mit Anfragen überschwemmt und können sich die besten Projekte aussuchen. Wer hier finanzieren möchte, muss nicht nur ein exzellentes Projekt vorweisen, sondern auch bereit sein, extrem hohe Zinsen und Erfolgsbeteiligungen zu zahlen.
„Cash ist King. Und genau deshalb spreche ich heute über eines der wichtigsten Themen überhaupt: Immobilienfinanzierung.“ — Peter Burnickl
Die Konditionen am Mezzanin-Markt sind mittlerweile im zweistelligen Bereich verankert. Zinssätze unter 15 Prozent sind kaum noch zu finden, und durch zusätzliche gewinnabhängige Kicker erwarten Kapitalgeber häufig Gesamtrenditen zwischen 23 und 35 Prozent.
Um in diesem anspruchsvollen Umfeld überhaupt eine Chance auf Gehör zu finden, ist eine professionelle und lückenlose Aufbereitung aller Unterlagen unumgänglich. Eine unvollständige oder formlose Anfrage wird von den Banken in der aktuellen Phase sofort aussortiert.
Investoren müssen zwei unterschiedliche Versionen ihrer Unterlagen bereithalten: ein Banken-Pitch-Deck und ein Investoren-Pitch-Deck. Beide Dokumente müssen die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Zielgruppe exakt bedienen und alle relevanten Kennzahlen transparent darstellen.
Die Suche nach dem passenden Finanzierungspartner sollte als strukturierter Prozess verstanden werden. Da die Immobilienbranche ein sehr lokales Geschäft ist, empfiehlt sich eine gezielte Recherche im regionalen Umfeld des Projektstandorts.
Es ist ratsam, eine Shortlist von etwa zehn potenziellen Banken zu erstellen. Anstatt jedoch alle Institute gleichzeitig zu kontaktieren, sollte die Ansprache in kontrollierten, aufeinanderfolgenden Phasen erfolgen.
Neben der fachlichen Vorbereitung ist der Faktor Zeit die wichtigste Ressource bei einer modernen Immobilienfinanzierung. Wer unter Zeitdruck agieren muss und als Bittsteller auftritt, verschlechtert seine Verhandlungsposition dramatisch.
Aufgrund von Personalengpässen, Urlaubszeiten und komplexen Entscheidungswegen über mehrere Vorstandsebenen hinweg ziehen sich die Prüfungen extrem in die Länge. Investoren sollten sich darauf einstellen und diesen Puffer fest in ihre Kaufvertragsverhandlungen einplanen.
„Wer heute Finanzierung kann, wird in Zukunft einen riesigen Wettbewerbsvorteil haben.“ — Peter Burnickl
Aktuell müssen für eine solide Finanzierungszusage im Schnitt 12 bis 14 Wochen eingeplant werden. Wer diese Geduld aufbringt, seine Hausaufgaben macht und sich ein starkes Netzwerk aufbaut, sichert sich in der heutigen Marktphase einen unschlagbaren Wettbewerbsvorteil für die Zukunft.
Banken agieren superzyklisch und haben sich in der jüngsten Hochphase durch Insolvenzen von Bauträgern eine blutige Nase geholt, weshalb sie nun extrem vorsichtig agieren.
Banken ordnen selbst kleinere Aufteiler oder Sanierer oft fälschlicherweise als Bauträger oder Projektentwickler ein und lehnen die Finanzierung daraufhin pauschal ab.
Aktuell fordern Banken extrem hohe Eigenkapitalanteile, die häufig bei mindestens 20 Prozent liegen und teilweise sogar 30 bis 40 Prozent erreichen.
Mezzanin-Kapital ist teuer geworden. Die Zinsen liegen selten unter 15 Prozent und erreichen mit zusätzlichen Gewinnbeteiligungen (Kicker) oft Renditen von 23 bis 35 Prozent.
Bei Bauträgermaßnahmen wird in der aktuellen Marktphase in der Regel eine Vorverkaufsquote von mindestens 50 Prozent, teilweise sogar bis zu 70 Prozent verlangt.
Aufgrund bürokratischer Hürden und langer Prüfprozesse sollten Investoren aktuell 12 bis 14 Wochen Bearbeitungszeit für eine feste Finanzierungszusage einplanen.
Er empfiehlt eine Mindestrendite von über 25 Prozent nach allen Kosten, einschließlich Vertriebs- und Finanzierungskosten, um Risiken abzufedern.
Es wird empfohlen, eine Shortlist von etwa zehn lokalen Banken zu erstellen und diese schrittweise in Dreiergruppen mit professionellen Unterlagen anzusprechen.
Neben einem professionellen Investment Teaser gehören ein strukturierter Bankenspiegel, eine Vermögensauskunft, Firmendaten sowie Jahresabschlüsse in die Vorbereitung.
Fehlendes Eigenkapital kann über Mezzanin-Kapital, Rangrücktrittsdarlehen oder Kooperationen mit Family Offices ausgeglichen werden, sofern das Projekt hochwirtschaftlich ist.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.