Alle immo-inside Episoden
    immo-inside · 3. Jun 2026

    Mehrfamilienhaus: 25% Baukosten sparen mit 5 Tipps

    3. Jun 2026 17:31 5 Min. Lesezeit
    #093: Fatale Fehlkalkulationen beim MFH. 5 Tipps für 25% Kosteneinsparung!

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Baunebenkosten der Kostengruppe 700 sollten bei einem wirtschaftlichen Mehrfamilienhausprojekt idealerweise zwischen 10 % und 13 % liegen.
    • Ein Verzicht auf unnötig detaillierte Werkplanungen und HOAI-Leistungsphasen in frühen Abschnitten spart massive Planungskosten ein.
    • Die eigene Arbeitszeit ist ein kritischer Faktor, weshalb die Vergabe an Generalunternehmer oft gewinnbringender als die Koordination von Einzelgewerken ist.
    • Durch das konsequente Einfordern des normativen Minimums lassen sich kostentreibende Sicherheits- und Software-Puffer in der Planung eliminieren.
    • Eine Optimierung der Wohnflächeneffizienz auf über 80 % steigert die Verkaufs- oder Mieterträge eines Bauprojekts ohne zusätzliche Baukosten erheblich.

    Erfahre von Dr. Peter Burnickl, wie du beim Bau deines Mehrfamilienhauses bis zu 25 % Kosten einsparst. Echte Praxisbeispiele & konkrete Hebel!

    Das Einsparpotenzial bei den Baunebenkosten (Kostengruppe 700)

    Bei der Planung eines hocheffizienten Mehrfamilienhauses wird oft an den falschen Stellen gespart. Ein entscheidender Hebel liegt in den Baunebenkosten, die in der DIN 276 unter der Kostengruppe 700 erfasst werden. Viele Projektentwickler kalkulieren hier mit viel zu hohen Prozentsätzen.

    Für ein wirtschaftlich optimiertes Projekt sollten die Baunebenkosten einen klaren Rahmen einhalten:

    • Zielwert: Die Baunebenkosten sollten zwischen 10 % und 13 % der Gesamtinvestitionskosten liegen.
    • Best-Case-Szenario: In besonders schlanken Projekten lässt sich dieser Wert auf bis zu 9 % senken.
    • Branchenvergleich: Während öffentliche Bauherren oft 20 % bis 23 % benötigen, zeigt die Praxis, dass es deutlich günstiger geht.

    „Kostengruppe 700 nach DIN 276, Baunebenkosten prozentual von den Gesamtinvestitionskosten, sollte es bei einem hochwirtschaftlichen Mehrfamilienhausprojekt nicht mehr sein als 13 %.“ — Dr. Peter Burnickl

    Schlanke Planungsphasen statt bürokratischer Overkill

    Ein fataler Fehler vieler Bauherren ist der Glaube, für jedes Projekt alle HOAI-Leistungsphasen und extrem detaillierte Werkplanungen zu benötigen. Zu viel Detailtiefe in einer frühen Phase bläht die Kosten unnötig auf.

    Durch eine Reduzierung der Planungsleistungen lässt sich das Budget massiv entlasten, ohne dass die Qualität leidet.

    • Keine Detailplanung im Vorentwurf: CAD-Pläne oder Brandschutzschemata sind in frühen Phasen überflüssig. Einfache Handskizzen reichen aus.
    • Komplettpauschalen vereinbaren: Verträge mit Planern sollten immer als Pauschale vereinbart werden, die sich nicht nachträglich durch steigende Kostenberechnungen erhöht.
    • Partnerschaftliche Belohnung: Gute Ergebnisse dürfen belohnt werden. Ein Bonus für den Planer sorgt für Win-Win-Situationen.

    Ein Praxisbeispiel verdeutlicht diesen Hebel: Ein Bauträger konnte seine Planungskosten von ursprünglich 550.000 Euro auf beachtliche 320.000 Euro senken, indem er den Prozess radikal komprimierte.

    Skalierung und der wahre Wert der eigenen Zeit

    Die eigene Arbeitszeit ist ein oft unterschätzter Kostenfaktor. Wer sich im Mikromanagement von Einzelgewerken verliert, blockiert wertvolle Ressourcen, die besser in die Akquise und Skalierung neuer Projekte fließen sollten.

    Einzelgewerke wirken auf den ersten Blick günstiger, bergen aber enorme Schnittstellenrisiken.

    • Schnittstellenminimierung: Jedes zusätzliche Gewerk bedeutet mehr Verträge, Rechnungsprüfungen und ein höheres Risiko für Verzögerungen.
    • Skalierungseffekt: Durch den Wechsel auf eine schlanke Vergabe mit Generalunternehmern können mehrere Projekte parallel realisiert werden.
    • Rendite-Hebel: Eine systematisierte Abwicklung ermöglicht die zeitgleiche Umsetzung von mehreren Objekten.

    „Einzelgewerke sind natürlich erstmal vermeintlich billiger. Der Nachteil ist, du brauchst viel mehr Architektenleistungen, viel mehr Ingenieursleistungen und drastisch mehr Eigenleistungen.“ — Dr. Peter Burnickl

    Selbst wenn die Marge pro Einzelprojekt durch die Vergabe minimal sinken sollte, vervielfacht sich der Gesamtprofit durch die schiere Anzahl der parallel realisierbaren Objekte.

    Die Freiheiten und das Know-how der Generalunternehmer nutzen

    Wer mit schlüsselfertigen Anbietern oder Generalunternehmern zusammenarbeitet, sollte deren spezifische Stärken gezielt für sich nutzen. Zu starre Vorgaben in der Detailplanung verhindern oft, dass der Unternehmer seine optimalen Prozesse einbringen kann.

    Die Lösung liegt in einer funktionalen Leistungsbeschreibung, die dem Bieter maximale Freiheit bei der Umsetzung lässt, während die Qualitätsstandards festgeschrieben bleiben.

    • Einkaufskonditionen nutzen: Generalunternehmer verfügen über etablierte Lieferantennetzwerke und Großkundenrabatte.
    • Materialeinkauf bündeln: Durch das gemeinsame Einkaufen über mehrere Objekte hinweg lassen sich echte Container-Preise erzielen.
    • Schnittstellen beim GU belassen: Die Verantwortung für die mangelfreie Koordination der Gewerke liegt vollständig beim Auftragnehmer.

    Der Teufelskreis aus Normen, Richtlinien und Software-Puffern

    In Deutschland existieren über 7.300 Normen und Richtlinien in der Baubranche. Diese Flut an Vorgaben führt in Kombination mit moderner Planungssoftware zu einer massiven Überdimensionierung von Bauteilen und Systemen.

    Jedes Glied in der Planungskette baut aus Haftungsgründen eigene Sicherheitsreserven ein, was die Kosten künstlich in die Höhe treibt.

    • Software-Puffer: Berechnungsprogramme der Ingenieure sind herstellerseitig auf maximale Sicherheit ausgelegt.
    • Planer-Sicherheit: Auch der Tragwerksplaner schlägt aus Haftungsgründen nochmals Puffer auf.
    • Kettenreaktion: Diese kumulierten Puffer summieren sich schnell auf 10 % bis 20 % der gesamten Baukosten auf.

    „Puffer 1, 2, 3 und 4 kostet dich in der Regel ganz, ganz schnell zwischen 10 und 20 Prozent. Daher ist es umso wichtiger, dass du genau weißt, wo ist das normative Minimum.“ — Dr. Peter Burnickl

    Der Schlüssel zur Kostenreduktion liegt darin, das normative Minimum konsequent einzufordern und unnötigen Zirkus zu vermeiden.

    Wohnflächeneffizienz als Schlüssel für maximale Rendite

    Ein oft übersehener Hebel zur Profitsteigerung ist die Optimierung der Grundrisse. Da Baufirmen ihre Preise auf Basis der Bruttogeschossfläche (BGF) kalkulieren, entscheidet das Verhältnis von Wohnfläche zu Gesamtfläche über die Wirtschaftlichkeit.

    Eine schlechte Flächeneffizienz bedeutet, dass teuer umbauter Raum bezahlt wird, der später keine Mieteinnahmen generiert.

    • Die Effizienzformel: Wohnfläche geteilt durch Gesamtfläche ergibt die Wohnflächeneffizienz in Prozent.
    • Der Zielkorridor: Ein wirtschaftliches Mehrfamilienhaus sollte eine Effizienz von 80 % bis 87 % aufweisen.
    • Die rote Linie: Werte unter 75 % sind als unterirdisch schlecht einzustufen.

    Bereits die Optimierung um wenige Quadratmeter pro Etage kann beim späteren Verkauf einen Unterschied von 50.000 bis 100.000 Euro ausmachen.

    Praxisbeispiel: Wie Roman seine Flächenoptimierung meisterte

    Wie radikal diese Hebel wirken, zeigt das Beispiel von Roman, einem Teilnehmer aus dem Inner Circle. Durch gezielte Anpassungen der Planung konnte die Rentabilität seines Projekts massiv gesteigert werden.

    Im Zuge der Optimierung wurden mehrere strategische Entscheidungen getroffen:

    • Flächeneffizienz gesteigert: Die Wohnflächeneffizienz wurde von unzureichenden 73 % auf starke 81 % angehoben.
    • Flächenpotenziale ausgereizt: Die ursprüngliche Planung hatte das baurechtlich maximal Mögliche auf dem Grundstück nicht ansatzweise ausgenutzt.
    • Technikraum ausgelagert: Der Technikraum wurde aus dem Hauptgebäude nach außen verlagert, um im Inneren wertvolle Wohnfläche zu gewinnen.
    • Untergeschoss gestrichen: Das kostenintensive Kellergeschoss wurde ersatzlos gestrichen, was enorme Rohbaukosten einsparte.

    Dank dieser professionellen Zweitmeinung konnte Roman einen Mehrverdienst von mehreren hunderttausend Euro realisieren.

    Häufige Fragen

    Wie hoch sollten die Baunebenkosten (Kostengruppe 700) bei einem wirtschaftlichen Mehrfamilienhaus sein?

    Sie sollten sich idealerweise zwischen 10 % und 13 % der Gesamtinvestitionskosten bewegen. In manchen hochoptimierten Fällen können sie sogar auf bis zu 9 % gesenkt werden.

    Warum sind detaillierte Werkplanungen in frühen Phasen oft ein Fehler?

    Sie bläht die Planungskosten unnötig auf und schränkt die Flexibilität bei der späteren Ausführung ein. In frühen Phasen reichen oft einfache Handskizzen völlig aus.

    Welche Verträge sollte man mit Planern abschließen, um Kostensteigerungen zu vermeiden?

    Es sollten immer Komplettpauschalen vereinbart werden, die sich nicht nachträglich auf Basis einer veränderten Kostenberechnung erhöhen.

    Warum kann die Vergabe an einen Generalunternehmer wirtschaftlicher sein als Einzelgewerke?

    Obwohl Einzelgewerke vermeintlich günstiger wirken, verlangen sie massiv mehr Eigenleistung und Planungsaufwand. Mit einem GU spart man eigene Zeit und kann dadurch viel einfacher skalieren.

    Wie lässt sich das Know-how eines Generalunternehmers in der Planung nutzen?

    Indem man auf detaillierte Vorgaben verzichtet und stattdessen eine funktionale Leistungsbeschreibung nutzt, die dem GU die Freiheit gibt, seine optimalen Einkaufskonditionen einzubringen.

    Wie entstehen die kostentreibenden Puffer bei der Bauplanung?

    Software-Anbieter, Tragwerksplaner, Ingenieure und Hersteller bauen aus Haftungsgründen jeweils eigene Sicherheitsreserven ein. Diese Puffer summieren sich schnell auf 10 % bis 20 % der Baukosten auf.

    Was versteht man unter der Wohnflächeneffizienz?

    Die Wohnflächeneffizienz ist das prozentuale Verhältnis von der reinen Wohnfläche zur Gesamtfläche des Gebäudes.

    Welcher Prozentwert gilt bei der Wohnflächeneffizienz als ideal?

    Ein wirtschaftliches Mehrfamilienhaus sollte eine Wohnflächeneffizienz von 80 % bis 87 % aufweisen. Alles unter 75 % ist extrem ineffizient.

    Warum lohnt es sich oft, das Kellergeschoss bei einem Mehrfamilienhaus zu streichen?

    Ein Untergeschoss beziehungsweise Keller verursacht extrem hohe Rohbau- und Erdarbeitskosten, generiert jedoch im Verhältnis kaum wertvolle Wohnfläche oder Rendite.

    Welchen Vorteil bietet die Auslagerung des Technikraums nach außen?

    Durch die Auslagerung des Technikraums an die Außenseite des Gebäudes wird im Inneren wertvolle Fläche frei, die als renditestarke Wohnfläche genutzt werden kann.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.