
Lohnen sich Immobilien in Deutschland noch? Marc Friedrich und Peter Burnickl über Bürokratie, Steuern, Bitcoin und Vermögensaufbau.
Marc Friedrich sieht die goldene Ära der deutschen Wohnimmobilie endgültig als beendet an. Nach Jahren einer extremen Niedrigzinsphase seit der Finanzkrise 2008 stehen private Investoren heute vor massiven strukturellen Hürden. Die Zeiten, in denen Immobilien zuverlässig hohe Renditen abwarfen, sind vorbei, da andere Assetklassen den traditionellen Sachwert Wohnraum zunehmend outperformen.
Besonders problematisch ist der unaufhaltsame Zugriff eines hochverschuldeten Staates, der händringend nach neuen Einnahmequellen sucht. Friedrich verweist auf die Grundsteuerreform und den Zensus als Instrumente, um zukünftige Abgaben vorzubereiten. Als warnendes Beispiel nennt er die Eurokrise, in der deutsche Finanzbeamte dem griechischen Staat halfen, eine temporäre Immobilienabgabe hocheffektiv über die Stromrechnung einzutreiben – eine Steuer, die bis heute besteht.
Für die breite Mittelschicht gilt das eigene Haus als die sicherste Säule der Altersvorsorge. Marc Friedrich und Peter Burnickl räumen mit dieser weitverbreiteten Illusion auf. Das selbstgenutzte Eigenheim ist in der Realität kein ertragreiches Investment, sondern stellt die größte Konsum- und Luxusausgabe im Leben eines Menschen dar.
Wer für den Traum vom Eigenheim eine Finanzierung von 110 Prozent aufnimmt, geht ein extremes Klumpenrisiko ein. Bei Lebenskrisen wie Scheidung, Jobverlust oder schwerer Krankheit droht der Totalverlust des eingesetzten Kapitals, während die Schulden bestehen bleiben. Zudem binden Eigentümer ihr gesamtes liquides Vermögen in einem unbeweglichen Stein.
„If you pay taxes, you don't own it.“ — Marc Friedrich
Über 7.300 Normen und Richtlinien regulieren das Bauen in Deutschland und treiben die Kosten ins Unermessliche. Peter Burnickl kritisiert, dass theoretische Initiativen wie das "Gebäude Typ E" in der Praxis völlig nutzlos sind, da kein vernünftiger Investor ein experimentelles Gebäude erwerben möchte. Die Angst vor Haftung und dem Abweichen von etablierten Normen lähmt die gesamte Branche.
Trotz dieser Hürden betont Burnickl, dass hochwirtschaftliches Bauen für unter 3.000 Euro pro Quadratmeter in Deutschland weiterhin möglich ist. Das Problem liegt meist an der mangelnden Umsetzungsstärke und der grassierenden Angst der Akteure vor bürokratischen Konsequenzen. Anstatt pragmatische Lösungen zu suchen, kapitulieren viele Entwickler vor den Behörden.
Die beiden Unternehmer sprechen offen über persönliche Rückschläge. Peter Burnickl berichtet von seiner Insolvenzzeit, die ihn zeitweise komplett kreditunwürdig machte. Diese schmerzhafte Erfahrung zwang ihn jedoch dazu, sein heutiges Business rein aus dem Cashflow aufzubauen und extreme finanzielle Resilienz zu entwickeln.
Marc Friedrich pflichtet bei, dass Scheitern der wichtigste evolutionäre Katalysator für Erfolg ist. In Deutschland herrscht im Vergleich zu den USA jedoch eine zerstörerische Neid- und Stigmatisierungskultur gegenüber gescheiterten Unternehmern, obwohl diese oft die wertvollsten Lektionen gelernt haben.
„Größten Lerneffekt hatte ich in den dunkelsten Stunden meines Lebens, wo wirklich alles da war.“ — Marc Friedrich
Der deutsche Staat erzielt Rekordeinnahmen von fast einer Billion Euro, leidet jedoch unter einem massiven Ausgabenproblem. Marc Friedrich warnt vor konkreten Plänen im Bundesfinanzministerium für eine progressive Vermögensabgabe, die ab der zweiten Immobilie greifen soll. Auch die bewährte steuerfreie Veräußerung nach einer zehnjährigen Haltefrist steht auf der politischen Abschussliste.
Der Kauf einer Ferienimmobilie im Ausland gilt für viele als romantischer Traum. In der Praxis entpuppt sich dieses Vorhaben jedoch meist als logistisches und finanzielles Desaster. Friedrich und Burnickl raten dringend davon ab, Kapital in ausländischen Ferienhäusern zu binden.
Um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wiederherzustellen, bedarf es laut Marc Friedrich drastischer struktureller Reformen. Der Staatssektor ist in den letzten Jahren als einziger Bereich kontinuierlich gewachsen und beschäftigt mittlerweile 12 Prozent der Erwerbstätigen. Das "Parkinsonsche Gesetz" beschreibt diese Tendenz, in der sich Behörden unaufhaltsam selbst verwalten und vergrößern.
Als finale Lösung zur Vermögenssicherung empfehlen die Experten eine konsequente Diversifikation in liquide Sachwerte. Bitcoin sticht dabei als einzigartiges Geldsystem hervor, da es durch seine dezentrale Struktur den unsichersten Faktor der Finanzgeschichte ausschließt: den fehleranfälligen und gierigen Menschen.
Im Gegensatz zu Immobilien erfordert ein Bitcoin-Portfolio keine Verwaltung, zahlt keine Grundsteuern und ruft den Besitzer niemals wegen eines defekten Wasserhahns am Wochenende an. Es bietet echten, unpfändbaren Schutz vor der schleichenden Entwertung durch die Inflation.
„Wenn ich Unternehmer bin oder innovativ bin, dann würde ich definitiv jedem empfehlen, nicht in Deutschland zu gründen.“ — Marc Friedrich
Aufgrund der Kombination aus steigenden Steuern (Grundsteuer), drohenden Vermögensabgaben, extremen Sanierungspflichten durch die EU sowie einer überregulierten und vermieterfeindlichen Politik.
Nein. Marc Friedrich und Peter Burnickl betonen, dass ein Eigenheim eine reine Luxusausgabe und ein Klumpenrisiko ist, da es ständig Kapital für Reparaturen verschlingt und keine Erträge abwirft.
Dieses Gesetz könnte Eigentümer älterer Immobilien zu extrem teuren Klimasanierungen zwingen. Wer sich diese nicht leisten kann, riskiert im schlimmsten Fall eine Enteignung.
Ja. Peter Burnickl erklärt, dass man weiterhin unter 3.000 Euro pro Quadratmeter bauen kann, wenn man pragmatisch plant und bereit ist, von nicht zwingenden Normen abzuweichen.
Es ist ein bürokratischer Vorschlag für experimentelles Bauen. Beide Experten halten es für praxisfern, da kein risikobewusster Investor ein experimentelles Gebäude kaufen würde.
Historisch griff der Staat in Krisen immer auf immobile Sachwerte zu, beispielsweise über die Hauszinssteuer im Jahr 1923 oder den Lastenausgleich im Jahr 1952.
Ferienimmobilien schränken die Flexibilität ein und binden unbemerkt viel Zeit für Instandhaltungsarbeiten. Zudem ist man im Ausland als ausländischer Eigentümer steuerlich schutzlos ausgeliefert.
Mit rund 5,4 Millionen Beschäftigten arbeitet etwa jeder achte Erwerbstätige (12 Prozent) direkt oder indirekt für den Staat, was zu einer unproduktiven Selbstverwaltung führt.
Das Parkinsonsche Gesetz besagt, dass sich Bürokratie und Staatsapparate durch die ständige Einstellung neuer Beamten immer weiter selbst vergrößern und verwalten.
Bitcoin birgt kein Drittparteienrisiko, muss nicht aufwendig instand gehalten werden und ist absolut liquide sowie unbeeinflussbar durch lokale deutsche Steuer- und Enteignungsideen.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.