
Wie Sie trotz restriktiver Banken Ihr Immobilienprojekt finanzieren. André Bodczian erklärt das anonyme Matching-Modell von FinEstHub.
Der Weg in die Immobilienbranche verläuft selten geradlinig. André Bodczian, Gründer von FinEstHub, blickt auf eine bewegte Biografie zurück. Er war nach eigenen Angaben weder ein Musterschüler noch ein Überflieger im Studium. Seine berufliche Laufbahn startete er als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, ohne anfangs tiefe Kenntnisse über Investments oder Vermögensaufbau zu besitzen.
Der Wendepunkt kam im Jahr 2016, als er begann, sich intensiv mit Immobilieninvestments zu beschäftigen. Nur ein Jahr später, im Alter von 31 Jahren, erwarb er sein erstes großes Objekt: ein Mehrfamilienhaus in Dortmund mit 17 Einheiten. Trotz zahlreicher Herausforderungen wie diverser Wasserschäden entwickelte sich dieses Projekt zu einem vollen Erfolg.
„Es gibt so ein Dreieck aus Zeit, Zugang und Geld.“ — André Bodczian
Dieses Dreieck beschreibt den Einstieg für viele junge Investoren. Wer kein Kapital besitzt, muss Zeit und den Aufbau von Netzwerken nutzen. André kaufte sich früh in Netzwerke ein und suchte den direkten Austausch mit den Entscheidungsträgern im Hintergrund, was den Grundstein für seine weiteren Deals legte.
Nach den ersten Erfolgen im Immobilienbereich folgte die Gründung des ersten Startups im Jahr 2020. Das Unternehmen startete extrem erfolgreich und generierte bereits vor dem eigentlichen Produkt-Launch sechsstellige Umsätze sowie signifikantes Investorenkapital. Doch die Zinswende und interne Unstimmigkeiten brachten das Projekt ins Wanken.
Das größte Learning aus dieser Phase betrifft die vertragliche Gestaltung unter den Gründern. Aufgrund unzureichend ausformulierter Gesellschafterverträge kam es bei strategischen Fragen zu einer Blockade des gesamten Unternehmens. Dies führte letztlich zu einem monatelangen Verhandlungsprozess und schließlich zur Abwicklung der Gesellschaft im Rahmen einer Insolvenz.
Dieses Scheitern war für André eine harte, aber lehrreiche Schule. Neben dem Verlust von Beziehungen lernte er, wie essenziell rechtliche Absicherungen und der ehrliche, transparente Umgang mit Mitarbeitern und Partnern in Krisenzeiten sind.
Aus den Trümmern des ersten Startups entstand mit der Unterstützung von Altinvestoren die Idee für FinEstHub. Die Plattform versteht sich nicht als klassischer Finanzierungsvermittler, sondern als digitaler Matching-Marktplatz für Immobilieninvestoren und Banken. Das Ziel ist es, den zeitaufwendigen Prozess der Bankensuche drastisch zu vereinfachen.
Die Plattform verzichtet auf klassische Beratungsleistungen und fokussiert sich rein auf die technische und qualitative Vermittlung. Das Modell ist für Investoren erfolgsbasiert, wodurch kein finanzielles Risiko im Vorfeld entsteht.
Ein zentrales Problem auf dem aktuellen Finanzierungsmarkt ist die unkoordinierte Flut an Kreditanfragen. Sobald Gerüchte über steigende Zinsen aufkommen, neigen Investoren dazu, eine Vielzahl von Banken gleichzeitig anzufragen. Dies führt jedoch zu einer massiven Überlastung der Kreditinstitute.
„Fragst du zehn Banken an, arbeiten im Worst Case neun umsonst.“ — André Bodczian
Diese Ineffizienz schadet dem gesamten Markt. Die Bearbeitungszeiten in den Banken steigen drastisch an. Bestandskunden werden verständlicherweise bevorzugt behandelt, während Neukundenanfragen bei der kleinsten Unklarheit sofort aussortiert werden. Anstatt auf Masse zu setzen, sollten Investoren gezielt die richtigen Bankpartner kontaktieren.
Die Bankenwelt agiert heute extrem risikoavers. Dies liegt insbesondere an der massiven Überregulierung und den immer strenger werdenden Richtlinien im Bereich der Nachhaltigkeit (ESG). Ab November verschärfen sich die Vorgaben für die energetische Bewertung von Immobilienbeständen weiter.
Diese regulatorischen Hürden führen dazu, dass Banker heute mehr denn je auf absolut verlässliche Daten angewiesen sind, um Finanzierungen intern überhaupt noch genehmigt zu bekommen.
In einer von Zeitmangel geprägten Bankenlandschaft entscheidet die Qualität der eingereichten Unterlagen über Erfolg oder Misserfolg einer Finanzierung. Wer unvollständige Dokumente oder unscharfe Excel-Tabellen einreicht, wird im aktuellen Marktumfeld sofort abgelehnt.
„Die Grundlage, um heute Geschäft sauber zu platzieren, ist eine qualitativst hochwertige Aufbereitung.“ — André Bodczian
FinEstHub setzt an diesem Punkt an und nutzt moderne Algorithmen und europäische KI-Modelle, um die Aufbereitung der Unterlagen zu automatisieren. Dabei wird besonders darauf geachtet, sensible Mieterdaten oder persönliche Gehaltsnachweise datenschutzkonform zu verarbeiten, bevor sie an die Banken übermittelt werden. Ziel ist es, jeder Bank genau die Kennzahlen (KPIs) zu liefern, die sie für ihre spezifische Prüfung benötigt.
Eine erfolgreiche Immobilienfinanzierung basiert letztlich immer noch auf Vertrauen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Trotz fortschreitender Digitalisierung bleibt der persönliche Kontakt zum Banker unverzichtbar. Investoren müssen verstehen, dass auch Banken gewinnorientierte Unternehmen sind, die an einem Geschäft verdienen müssen.
Wer diese Grundregeln beherrscht und seine Projekte professionell vorbereitet, wird auch in einem restriktiven Marktumfeld ein verlässlicher Partner für die Kreditinstitute bleiben.
FinEstHub ist ein digitaler Matching-Marktplatz, der Immobilieninvestoren und Banken anonym und gezielt auf Basis von vordefinierten Kriterien zusammenbringt.
Aufgrund von hoher Überregulierung und massivem Personalmangel haben Banken keine Zeit für zeitaufwendige Rückfragen. Unvollständige Unterlagen führen daher meist zur sofortigen Ablehnung.
Wenn zu viele Banken parallel angefragt werden, führt das zu massiven Bearbeitungsstaus bei den Instituten. Im Worst Case wird ein Großteil der Prüfungsarbeit umsonst geleistet.
Investoren laden ihre Objektdaten in einen geschützten Datenraum hoch. Das Projekt wird anonymisiert an passende Banken ausgespielt, und erst bei beidseitigem Interesse werden die Kontaktdaten ausgetauscht.
Banken müssen ihren Bestand energetisch sauber halten. Ein schlechter energetischer Zustand im Portfolio (ESG-Risiko) kann zu Strafzahlungen für die Bank führen und erschwert die Finanzierung erheblich.
Junge Investoren ohne nennenswertes Eigenkapital können fehlende finanzielle Mittel durch Fleiß (Zeit) und den Aufbau von Netzwerken (Zugang) kompensieren, um lukrative Deals mit Partnern zu realisieren.
Aufgrund verschärfter Geldwäschegesetze und interner Revisionsprüfungen durchleuchten Banken die genaue Herkunft des Eigenkapitals, insbesondere bei Mezzanine-Kapital, immer restriktiver.
Die Nutzung der Plattform und des Datenraums ist für Investoren und Banken zunächst kostenfrei. Eine Vermittlungsgebühr fällt erst nach erfolgreichem Abschluss der Finanzierung an.
Eine hervorragende Datengrundlage ist für Banker essenziell, um ein Projekt auch bei internen Risikoprüfungen oder Abweichungen, wie etwa 100%-Finanzierungen, erfolgreich durchsetzen zu können.
Neben der präzisen und ausgeglichenen Gestaltung von Gesellschafterverträgen ist eine ehrliche, transparente und frühzeitige Kommunikation über die operative Führung des Unternehmens entscheidend.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.