Erfahren Sie, wie Sie durch eine neutrale, funktionale Ausschreibung bis zu zehn statt nur zwei Angebote von regionalen Baufirmen erhalten.
Die Bau- und Immobilienbranche ist im Kern ein zutiefst regionales Geschäft. Für die meisten privaten und mittelständischen Projekte reisen Bauunternehmen in der Regel nicht weiter als 50 bis 100 Kilometer an. Daher ist der Pool an potenziellen Partnern von Natur aus räumlich begrenzt.
Bei der Auswahl der Unternehmen ist es entscheidend, die passende Projektgröße anzustreben. Ein kleiner Handwerksbetrieb mit wenigen Mitarbeitern ist mit einem Millionenprojekt überfordert, während ein internationaler Baukonzern kein Interesse an kleineren Vorhaben hat. Das Bauvorhaben muss für die angefragte Firma sowohl bewältigbar als auch wirtschaftlich attraktiv sein.
Wer sich bereits in der frühen Planungsphase auf eine bestimmte Bauweise wie etwa Kalksandstein festlegt, schränkt den Wettbewerb unbewusst massiv ein. Viele qualifizierte Unternehmen, die beispielsweise auf Holzständerbauweise, Ziegel oder Beton spezialisiert sind, scheiden dadurch sofort aus dem Bieterverfahren aus.
„Wenn du dich früh festlegst und alles sehr detailliert planst, dann scheidet schon mal eine signifikante Anzahl von Bietern schlicht aus.“ — Peter Burnickl
Durch diese vorschnelle Entscheidung reduziert sich die Zahl der potenziellen Angebote oft bereits vor dem eigentlichen Ausschreibungsstart um die Hälfte. Ein offenerer Ansatz hingegen hält alle regionalen Kapazitäten im Spiel und sichert eine breite Auswahl an Angeboten.
Eine extrem detaillierte Ausführungsplanung mit unzähligen Plänen und architektonischen Vorgaben kann auf Handwerker abschreckend wirken. Viele Betriebe scheuen den bürokratischen Aufwand und die strenge Überwachung durch ein großes Planungsteam.
„Weniger ist mehr. Ich fokussiere mich auf die Dinge, die wirklich relevant sind.“ — Peter Burnickl
Erfahrene Bauunternehmer besitzen ein hohes Maß an eigenem Fachwissen und bevorzugen oft pragmatische Lösungen. Zu starre Vorgaben nehmen ihnen den Raum für Optimierungen und führen nicht selten dazu, dass sie von einer Angebotsabgabe komplett absehen.
Anstatt jeden einzelnen Arbeitsschritt haarklein vorzuschreiben, sollten Bauherren auf eine funktionale Leistungsbeschreibung setzen. Hierbei werden die gewünschten Qualitäten, Standards und energetischen Ziele klar definiert, während der Weg dorthin flexibel bleibt.
Einige wesentliche Aspekte dieser Methode umfassen:
Viele Bauherren fürchten den bürokratischen Aufwand einer Tektur, falls sich die Bauweise während des Verfahrens ändert. Diese Sorge ist in den meisten Fällen jedoch unbegründet, da die Behörden primär formale Rahmenbedingungen prüfen.
Dem Bauamt sind die gewählten Materialien für die Wände meist völlig gleichgültig, solange folgende Kernfaktoren unverändert bleiben:
Ein häufiger Fehler bei der Ausschreibung von Einzelgewerken ist die unbewusste Bindung an bestimmte Hersteller. Oft arbeiten Planer eng mit Herstellern zusammen, wodurch deren spezifische Produkte direkt in den Ausschreibungstexten landen.
„Mir am Ende ist die Qualität wichtig, aber nicht die Bauweise.“ — Peter Burnickl
Dies lässt sich besonders leicht in Gewerken wie der Elektrotechnik beobachten, wenn beispielsweise extrem lange, detaillierte Produktbeschreibungen genutzt werden. Solche Texte engen den Markt ein, da Großhändler und Handwerker aus Bequemlichkeit nur die genannte Marke anbieten, was die Preise künstlich in die Höhe treibt.
Wer die Ausschreibung neutral und funktional gestaltet, erhält statt zwei oft zehn oder mehr Angebote. Diese lassen sich trotz unterschiedlicher Bauweisen hervorragend vergleichen, da die qualitativen Anforderungen identisch definiert sind.
Dieser Ansatz führt zu einer spürbaren Dynamik im Bieterverfahren. Die Unternehmen stehen in einem echten Wettbewerb und sind motiviert, durch eigene Optimierungsvorschläge das wirtschaftlichste und qualitativ beste Angebot abzugeben.
Für unerfahrene Bauherren ist es oft schwer zu erkennen, ob eine Ausschreibung wirklich neutral formuliert ist oder versteckte Hürden enthält. Hierbei hilft der Blick von außen durch spezialisierte Experten.
Die Überprüfung durch erfahrene Augen deckt folgende Schwachstellen sofort auf:
Die Praxis zeigt, dass die Kombination aus strengen Qualitätsvorgaben und maximaler planerischer Freiheit für den Bieter die besten Ergebnisse liefert. Bauherren erhalten dadurch nicht nur mehr Angebote, sondern profitieren auch vom praktischen Know-how der ausführenden Betriebe.
Wer sich von der starren Fixierung auf eine bestimmte Bauweise löst, öffnet die Tür für innovative, schnellerer und vor allem deutlich kostengünstigere Lösungen am Bau.
Wenn die Bauweise offenbleibt, können sich viel mehr regionale Firmen bewerben, da sie nicht durch die Festlegung auf ein bestimmtes Material (wie Kalksandstein) ausgeschlossen werden.
Dabei definiert der Bauherr nur qualitative Ziele und Standards, überlässt die konkrete technische Umsetzung und Materialwahl jedoch weitgehend dem anbietenden Bauunternehmen.
Zu viele Details und starre Vorgaben überfordern oft mittlere Betriebe oder signalisieren ihnen ein hohes Konfliktpotenzial mit dem Architekten, weshalb sie kein Angebot abgeben.
Nein, solange die äußere Kubatur, das Erscheinungsbild und die Abstandsflächen gleich bleiben, ist eine Tektur beim Bauamt in der Regel eine reine Formsache.
Wenn Beschreibungen einzelner Positionen länger als ein Drittel einer Seite sind, deutet das meist auf eine versteckte, vom Planer eingebaute Herstellerbindung hin.
Regionale Firmen haben kurze Anfahrtswege und funktionierende Netzwerke vor Ort. Ihr Angebot ist meist wirtschaftlicher als das von überregional agierenden Konzernen.
Sie zwingen Bieter und Großhändler oft dazu, nur eine ganz bestimmte, teure Marke anzubieten, anstatt preiswertere, gleichwertige Alternativen ins Spiel zu bringen.
Durch die exakte qualitative Beschreibung der wichtigsten Bauteile wie Fenster, Flachdach, Schallschutz oder Bodenbeläge in den Ausschreibungsunterlagen.
Die Größe des Projekts muss zur Kapazität des Bauunternehmens passen. Weder Überforderung noch Unterforderung führen zu einem wirtschaftlichen Angebot.
Sie unterstützt Bauherren dabei, Ausschreibungstexte auf Neutralität, unentgeltliche Nebenleistungen und versteckte Preistreiber hin zu prüfen.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.