
Dr. Peter Burnickl analysiert das Gröner-Beben: Millionenschulden, geprellte Handwerker und Bauruinen. Erfahre alles über den Fall Christoph Gröner.
Es ist eine bekannte Masche im großen wie im kleinen Immobiliengeschäft: Projektentwickler schmücken sich gerne mit namhaften Politikern und Funktionsträgern. So holte sich Christoph Gröner prominente Unterstützung ins Boot, darunter den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger für den Aufsichtsrat und Ronald Pofalla, den ehemaligen Kanzleramtsminister unter Angela Merkel, für die Geschäftsführung und den Vorstand.
Laut dem Wirtschaftswissenschaftler Leonard Dusch hat diese politische Landschaftspflege klare strategische Gründe:
Die politische Kontaktpflege gipfelte im Jahr 2020 in einer Spende von 800.000 Euro an die Berliner CDU. Brisant wurde die Angelegenheit vor allem durch ein Radiointerview Gröners im Mai 2021, in dem er offen zugab, an diese Großspende Bedingungen geknüpft zu haben – konkret ging es um die Modifizierung oder Abschaffung des Berliner Mietendeckels. Dies rief Lobby Control auf den Plan.
„Es ist ganz klar gesagt im Parteienrecht, wenn ein Spender eine Erwartung mit einer Spende verbindet, dann darf die Partei das nicht annehmen.“ — Aurel Eschmann
Am Beispiel eines Sanierungsprojekts in München-Johanneskirchen zeigt sich das ganze Drama der Krise. Hier sollten 77 Wohnungen, eine Arztpraxis und eine Sparkassenfiliale entstehen. Seit Jahren ruht die Baustelle nun schon, die Zäune verfallen und das einstige Viertelzentrum ist eine unfertige Bauruine.
Betroffen davon ist auch das mittelständische Familienunternehmen Dobler aus Kaufbeuren, das als Generalunternehmer beauftragt wurde. Dobler-Chef Peter Leo Dobler berichtet, dass bereits ab der ersten Abschlagsrechnung Probleme auftraten:
Um die Wogen zu glätten, ließen sich Christoph Gröner und Ronald Pofalla im April 2024 auf einen bemerkenswerten Schritt ein. Sie unterschrieben vor einem Berliner Notar ein persönliches Schuldanerkenntnis mit Zwangsvollstreckungsunterwerfung über 1,7 Millionen Euro.
„Irgendwo hat mir das doch Gefühl, wir leben in ein Land, wo ja gewisse Regeln und Gesetze irgendwo doch tragfähig sind...“ — Peter Leo Dobler
Doch selbst diese scheinbar wasserdichte Zusage brachte kein Geld:
Das endgültige Aus für die Gröner Group GmbH kam im Mai 2025, als das Amtsgericht Leipzig das Insolvenzverfahren eröffnete. Auslöser war ein Fremdinsolvenzantrag des Emerald Funds, der dem Unternehmen zuvor stolze 83 Millionen Euro geliehen hatte. Ein vertrauliches Gutachten des Insolvenzverwalters offenbart das gigantische Ausmaß des Zusammenbruchs.
Besonders brisant sind die Erkenntnisse des Insolvenzverwalters über die Firmenstruktur der Gröner-Gruppe kurz vor dem Zusammenbruch. Demnach war in der insolventen Muttergesellschaft kaum noch verwertbares Vermögen vorhanden.
Die Auswirkungen der Pleite treffen jedoch nicht nur Banken und Bauunternehmen, sondern auch ganz normale Mieter im Kölner Atelierhaus, das zur Gröner-Tochter CG AG gehört. Dort herrscht seit Monaten nacktes Entsetzen.
Als erfahrener Bauexperte, der in der Vergangenheit selbst eine schmerzhafte Firmeninsolvenz mit seinem Ingenieurbüro durchleben musste, fühlt Peter Burnickl intensiv mit den geprellten Handwerkern und Mietern. Er richtet daher einen dringenden Appell an alle Akteure der Baubranche.
„Achtet auf eure Debitoren. Wenn ihr zu viel draußen habt, wird es immer gefährlich. Ihr müsst euer Geld hart eintreiben...“ — Peter Burnickl
Um sich vor solchen existenzbedrohenden Zahlungsausfällen zu schützen, solltest du folgende Regeln eisern beherzigen:
Ehemalige Politiker bringen exzellente Kontakte in die Verwaltung mit, die als Türöffner dienen. Zudem verleihen sie kriselnden Unternehmen eine Aura von Glaubwürdigkeit und Legitimation gegenüber Banken.
Gröner spendete 2020 eine hohe Summe an die Berliner CDU und verknüpfte diese in einem Radiointerview offen mit Bedingungen zur Abschaffung beziehungsweise Modifizierung des Berliner Mietendeckels.
Vor Gericht erklärte Gröner, er habe im Interview schlicht gelogen und sei ein impulsiver Mensch gewesen. Das Gericht glaubte ihm, weshalb die Annahme der Spende rechtmäßig blieb.
Das Projekt steht seit Jahren still und verkommt zur Bauruine. Der beauftragte Generalunternehmer Dobler stellte die Arbeiten ein, da Abschlagsrechnungen systematisch nicht bezahlt wurden.
Obwohl beide Geschäftsführer 1,7 Millionen Euro Schulden notariell anerkannten, floss kein Geld an das Bauunternehmen Dobler, da kurz darauf das Insolvenzverfahren eingeleitet wurde.
Laut einem vertraulichen Gutachten des Insolvenzverwalters haben 123 Gläubiger Forderungen in einer astronomischen Gesamthöhe von knapp 996 Millionen Euro angemeldet.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung sowie wegen des Verdachts auf die Veruntreuung von Arbeitsentgelt.
Die Mieter mussten ihre Kaltmiete direkt an den Gläubiger Allianz zahlen. Zudem drohte das Abdrehen der Heizung, da der Vermieter die gezahlten Nebenkosten nicht an den Energieversorger weiterleitete.
Laut Insolvenzverwalter wurden wesentliche wertvolle Firmenanteile kurz vor dem Crash auf Nachfolgegesellschaften wie die CG Group übertragen, wodurch die Alt-Gläubiger leer auszugehen drohen.
Handwerker sollten ihr Mahnwesen extrem konsequent führen, bei Zahlungsverzug sofort die Arbeit einstellen, dingliche Besicherungen (Grundschulden) fordern und die Bonität der Vertragspartner genau prüfen.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.