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    immo-inside · 12. Jun 2026

    Christoph Gröner Insolvenz: Fall des Immobilienmillionärs

    12. Jun 2026 27 Min. 6 Min. Lesezeit
    996 Millionen Schulden & Bauruinen: Fall eines Immobilienmillionärs (Bauexperte reagiert - Teil 2)

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die gezielte Verpflichtung ehemaliger Spitzenpolitiker dient in der Immobilienbranche oft als Türöffner und zur Vortäuschung von Bonität.
    • Politische Großspenden, die an inhaltliche Bedingungen geknüpft sind, verstoßen gegen das Parteienrecht, werden gerichtlich jedoch schwer sanktioniert.
    • Notarielle Schuldanerkenntnisse bieten Gläubigern keine absolute Sicherheit, wenn das ausstellende Unternehmen kurz darauf Insolvenz anmeldet.
    • Die Verschiebung von wertvollen Vermögenswerten auf Nachfolgegesellschaften kurz vor einer Insolvenz geht meist zulasten der Alt-Gläubiger.
    • Handwerker und Dienstleister müssen bei Zahlungsverzug sofort konsequent handeln, um nicht durch Hinhaltetaktiken in den Ruin getrieben zu werden.

    Dr. Peter Burnickl analysiert das Gröner-Beben: Millionenschulden, geprellte Handwerker und Bauruinen. Erfahre alles über den Fall Christoph Gröner.

    Die Verflechtung von Politik und Immobilienbranche

    Es ist eine bekannte Masche im großen wie im kleinen Immobiliengeschäft: Projektentwickler schmücken sich gerne mit namhaften Politikern und Funktionsträgern. So holte sich Christoph Gröner prominente Unterstützung ins Boot, darunter den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger für den Aufsichtsrat und Ronald Pofalla, den ehemaligen Kanzleramtsminister unter Angela Merkel, für die Geschäftsführung und den Vorstand.

    Laut dem Wirtschaftswissenschaftler Leonard Dusch hat diese politische Landschaftspflege klare strategische Gründe:

    • Das gefüllte Telefonbuch: Die Ex-Politiker verfügen über exzellente Kontakte in Politik und Verwaltung, um wichtige Türen für Bauprojekte zu öffnen.
    • Legitimation und Glaubwürdigkeit: Prominente Namen verleihen dem Unternehmen eine Aura von Sicherheit, die Banken und Investoren gleichermaßen blendet.
    • Parteiübergreifendes Netzwerk: Es geht meist gar nicht um eine bestimmte politische Gesinnung, sondern um das gezielte Einkaufen von Einfluss über Parteigrenzen hinweg.

    Die umstrittene 800.000-Euro-Spende an die CDU

    Die politische Kontaktpflege gipfelte im Jahr 2020 in einer Spende von 800.000 Euro an die Berliner CDU. Brisant wurde die Angelegenheit vor allem durch ein Radiointerview Gröners im Mai 2021, in dem er offen zugab, an diese Großspende Bedingungen geknüpft zu haben – konkret ging es um die Modifizierung oder Abschaffung des Berliner Mietendeckels. Dies rief Lobby Control auf den Plan.

    „Es ist ganz klar gesagt im Parteienrecht, wenn ein Spender eine Erwartung mit einer Spende verbindet, dann darf die Partei das nicht annehmen.“ — Aurel Eschmann

    • Verstoß gegen das Parteienrecht: Spenden, die erkennbar mit Erwartungen verknüpft sind, dürfen von Parteien nicht angenommen werden, um den Verdacht der Korruption zu vermeiden.
    • Der Rechtsstreit: Die Satirepartei „Die Partei“ klagte gegen die Annahme der Spende. Vor Gericht erklärte Gröner jedoch, er habe im Interview schlicht gelogen und sei ein impulsiver Mensch gewesen.
    • Das Urteil: Das Gericht glaubte Gröners Rechtfertigung, woraufhin die Berliner CDU die massive Geldspende behalten durfte.

    Bauruinen in München: Die Masche der Zahlungsverzögerung

    Am Beispiel eines Sanierungsprojekts in München-Johanneskirchen zeigt sich das ganze Drama der Krise. Hier sollten 77 Wohnungen, eine Arztpraxis und eine Sparkassenfiliale entstehen. Seit Jahren ruht die Baustelle nun schon, die Zäune verfallen und das einstige Viertelzentrum ist eine unfertige Bauruine.

    Betroffen davon ist auch das mittelständische Familienunternehmen Dobler aus Kaufbeuren, das als Generalunternehmer beauftragt wurde. Dobler-Chef Peter Leo Dobler berichtet, dass bereits ab der ersten Abschlagsrechnung Probleme auftraten:

    • Hinhaltetaktik: Trotz gegenteiliger Zusagen floss kein Geld. Stattdessen versuchte die Gröner-Seite, das Bauunternehmen mit Ausflüchten zu beschwichtigen.
    • Künstliche Konflikte: Je vehementer Dobler auf die Zahlung drängte, desto härter wurde die Konfrontation. Die Gegenseite kürzte Rechnungen willkürlich und erzeugte Papierberge, um Zeit zu schinden.
    • Konsequenz: Im Februar 2023 zog Dobler die Reißleine, kündigte den Vertrag und stellte eine Schlussrechnung über 2,2 Millionen Euro für bereits mangelfrei geleistete Arbeiten und entgangenen Gewinn.

    Das wertlose notarielle Schuldanerkenntnis

    Um die Wogen zu glätten, ließen sich Christoph Gröner und Ronald Pofalla im April 2024 auf einen bemerkenswerten Schritt ein. Sie unterschrieben vor einem Berliner Notar ein persönliches Schuldanerkenntnis mit Zwangsvollstreckungsunterwerfung über 1,7 Millionen Euro.

    „Irgendwo hat mir das doch Gefühl, wir leben in ein Land, wo ja gewisse Regeln und Gesetze irgendwo doch tragfähig sind...“ — Peter Leo Dobler

    Doch selbst diese scheinbar wasserdichte Zusage brachte kein Geld:

    • Ausrede Insolvenz: Die Gröner-Seite begründete die Nichtzahlung damit, dass durch einen Insolvenzantrag des Emerald Funds die Konten blockiert gewesen seien.
    • Prominente Namen als Blendwerk: Der Fall zeigt eindringlich, dass selbst die Unterschrift eines ehemaligen Kanzleramtsministers keine Garantie für die Liquidität eines kriselnden Immobilienkonzerns bietet.
    • Gefahr für Handwerker: Während Großinvestoren oft abgesichert sind, tragen die ausführenden Handwerksbetriebe das volle finanzielle Risiko und werden im Insolvenzfall meist mit winzigen Quoten abgespeist.

    Die Milliardenpleite und die Rolle des Emerald Funds

    Das endgültige Aus für die Gröner Group GmbH kam im Mai 2025, als das Amtsgericht Leipzig das Insolvenzverfahren eröffnete. Auslöser war ein Fremdinsolvenzantrag des Emerald Funds, der dem Unternehmen zuvor stolze 83 Millionen Euro geliehen hatte. Ein vertrauliches Gutachten des Insolvenzverwalters offenbart das gigantische Ausmaß des Zusammenbruchs.

    • 996 Millionen Euro Forderungen: Insgesamt 123 Gläubiger haben Forderungen in dieser astronomischen Höhe angemeldet.
    • Bestreiten der Summe: Gröners Anwalt hält diese Zahlen für falsch und verweist darauf, dass darin auch bloße Bürgschaften enthalten seien. Zudem behauptet die Verteidigung stur, dass zu keinem Zeitpunkt eine echte Zahlungsunfähigkeit vorgelegen habe.
    • Verdacht auf Insolvenzverschleppung: Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen intensiv gegen Gröner, Pofalla und weitere Verantwortliche wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und die Veruntreuung von Arbeitsentgeld.

    Umstrukturierungen kurz vor dem Crash

    Besonders brisant sind die Erkenntnisse des Insolvenzverwalters über die Firmenstruktur der Gröner-Gruppe kurz vor dem Zusammenbruch. Demnach war in der insolventen Muttergesellschaft kaum noch verwertbares Vermögen vorhanden.

    • Verschiebung von Vermögenswerten: Wenige Monate vor dem Insolvenzantrag wurden wesentliche wertvolle Anteile der Gröner Group direkt oder indirekt auf die neu gegründete CG Group übertragen.
    • Schädigung der Gläubiger: Der Insolvenzverwalter vermutet hinter diesen Umstrukturierungen eine gezielte Strategie zum Nachteil der Gläubiger, die nun auf den leeren Hüllen der Altgesellschaften sitzen bleiben.
    • Dreister Neustart: Während die Alt-Gläubiger in die Röhre schauen, führen Christoph Gröner und Ronald Pofalla die Geschäfte über die CG Group und die Ecobuilding AG einfach fort – gestützt auf Millionengelder von neuen österreichischen Investoren.

    Das Leiden der Mieter am Kölner Atelierhaus

    Die Auswirkungen der Pleite treffen jedoch nicht nur Banken und Bauunternehmen, sondern auch ganz normale Mieter im Kölner Atelierhaus, das zur Gröner-Tochter CG AG gehört. Dort herrscht seit Monaten nacktes Entsetzen.

    • Mietzahlung an die Allianz: Weil die Allianz als finanzierende Bank eine Grundschuld von 20 Millionen Euro auf das Gebäude eingetragen hatte, forderte sie die Mieter auf, die Kaltmieten direkt an sie zu überweisen.
    • Abdrehen der Heizung drohte: Da die vom Vermieter eingenommenen Nebenkosten nicht an den Versorger RheinEnergie weitergeleitet wurden, drohte dieser mitten im Winter mit der Sperrung von Heizung und Wasser.
    • Zwangsverwaltung: Erst durch die gerichtliche Anordnung einer Zwangsverwaltung stabilisierte sich die Lage für die Bewohner vorerst, während Gröner zeitgleich der Stadt Köln mit Schadensersatzklagen droht, weil Baugenehmigungen für Nachbarprojekte verzögert werden.

    Peter Burnickls Rat an Handwerker und Dienstleister

    Als erfahrener Bauexperte, der in der Vergangenheit selbst eine schmerzhafte Firmeninsolvenz mit seinem Ingenieurbüro durchleben musste, fühlt Peter Burnickl intensiv mit den geprellten Handwerkern und Mietern. Er richtet daher einen dringenden Appell an alle Akteure der Baubranche.

    „Achtet auf eure Debitoren. Wenn ihr zu viel draußen habt, wird es immer gefährlich. Ihr müsst euer Geld hart eintreiben...“ — Peter Burnickl

    Um sich vor solchen existenzbedrohenden Zahlungsausfällen zu schützen, solltest du folgende Regeln eisern beherzigen:

    • Konsequentes Mahnwesen: Lass dich niemals mit faulen Ausreden hinhalten oder vertrösten. Sobald Zahlungsziele überschritten werden, muss das Geld mit allen rechtlichen Mitteln eingetrieben werden.
    • Doppelte Absicherungen verlangen: Bestehe bei Geschäften mit komplexen Holding-Konstrukten auf Garantien oder Mithaftungen von finanzstarken Muttergesellschaften.
    • Dingliche Besicherungen: Versuche immer, offene Werklohnansprüche dinglich abzusichern, beispielsweise durch die Eintragung einer Sicherungshypothek auf dem Baugrundstück.
    • Vertragspartner prüfen: Achte peinlich genau darauf, mit wem du den Vertrag abschließt. Oft sind die Auftraggeber reine Projektgesellschaften, die im Ernstfall sofort fallengelassen werden.

    Häufige Fragen

    Warum engagieren Immobilienunternehmen wie die Gröner Group ehemalige Politiker?

    Ehemalige Politiker bringen exzellente Kontakte in die Verwaltung mit, die als Türöffner dienen. Zudem verleihen sie kriselnden Unternehmen eine Aura von Glaubwürdigkeit und Legitimation gegenüber Banken.

    Was war der Hintergrund der 800.000-Euro-Spende von Christoph Gröner an die CDU?

    Gröner spendete 2020 eine hohe Summe an die Berliner CDU und verknüpfte diese in einem Radiointerview offen mit Bedingungen zur Abschaffung beziehungsweise Modifizierung des Berliner Mietendeckels.

    Warum durfte die CDU Berlin die Spende trotz angeknüpfter Bedingungen behalten?

    Vor Gericht erklärte Gröner, er habe im Interview schlicht gelogen und sei ein impulsiver Mensch gewesen. Das Gericht glaubte ihm, weshalb die Annahme der Spende rechtmäßig blieb.

    Welche Probleme gab es beim Münchner Bauprojekt in Johanneskirchen?

    Das Projekt steht seit Jahren still und verkommt zur Bauruine. Der beauftragte Generalunternehmer Dobler stellte die Arbeiten ein, da Abschlagsrechnungen systematisch nicht bezahlt wurden.

    Was passierte trotz des notariellen Schuldanerkenntnisses von Gröner und Pofalla?

    Obwohl beide Geschäftsführer 1,7 Millionen Euro Schulden notariell anerkannten, floss kein Geld an das Bauunternehmen Dobler, da kurz darauf das Insolvenzverfahren eingeleitet wurde.

    Wie hoch sind die angemeldeten Forderungen in der Insolvenz der Gröner Group?

    Laut einem vertraulichen Gutachten des Insolvenzverwalters haben 123 Gläubiger Forderungen in einer astronomischen Gesamthöhe von knapp 996 Millionen Euro angemeldet.

    Welche Vorwürfe erhebt die Staatsanwaltschaft gegen Christoph Gröner und Ronald Pofalla?

    Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung sowie wegen des Verdachts auf die Veruntreuung von Arbeitsentgelt.

    Wie waren die Mieter des Kölner Atelierhauses von der Insolvenz betroffen?

    Die Mieter mussten ihre Kaltmiete direkt an den Gläubiger Allianz zahlen. Zudem drohte das Abdrehen der Heizung, da der Vermieter die gezahlten Nebenkosten nicht an den Energieversorger weiterleitete.

    Welche fragwürdigen Umstrukturierungen gab es kurz vor der Insolvenz?

    Laut Insolvenzverwalter wurden wesentliche wertvolle Firmenanteile kurz vor dem Crash auf Nachfolgegesellschaften wie die CG Group übertragen, wodurch die Alt-Gläubiger leer auszugehen drohen.

    Wie können sich Handwerker vor unbezahlten Rechnungen im Bauwesen schützen?

    Handwerker sollten ihr Mahnwesen extrem konsequent führen, bei Zahlungsverzug sofort die Arbeit einstellen, dingliche Besicherungen (Grundschulden) fordern und die Bonität der Vertragspartner genau prüfen.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.