
Marc Friedrich erklärt, wie du durch Diversifikation dein Vermögen schützt und warum Bauträger in der Zinswende reihenweise scheitern mussten.
Der deutsche Immobilienmarkt blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die maßgeblich durch den Bauboom der Nachkriegszeit geprägt wurde. Bis in die 1980er-Jahre hinein boomte die Baubranche im Westen massiv, bevor mit der Wiedervereinigung ein spürbarer Knick einsetzte. Dennoch war der Wohnungsbedarf durchgehend hoch, da Deutschland über Jahrzehnte hinweg von kontinuierlichen Zuzugswellen geprägt war.
Mehrere historische Ereignisse sorgten für eine fortlaufend hohe Nachfrage nach Wohnraum, die vom Wohnungsbau kaum bewältigt werden konnte. Hierzu gehörten:
Diese massiven demografischen Veränderungen trafen schließlich auf ein historisch einmaliges finanzpolitisches Umfeld: die Nullzinsphase der Zentralbanken. Diese Kombination wirkte wie ein Brandbeschleuniger auf die Immobilienpreise.
Während der Nullzinsphase erlebte der deutsche Immobilienmarkt eine beispiellose Preisexplosion, die in dieser Dynamik historisch einzigartig war. Im Großraum Stuttgart führte dies in der Spitze zu einer jährlichen Wertsteigerung von unglaublichen 12,4 Prozent für Einfamilienhäuser. Für erfahrene Investoren, die den Markt über Generationen beobachtet hatten, war dieser plötzliche Sprung ein unübersehbares Alarmsignal.
Früher dauerte es oft zehn Jahre, um eine solche Rendite kumuliert zu erwirtschaften, da der jährliche Zuwachs im Schnitt bei etwa ein bis anderthalb Prozent lag. Ein derartiger Sprung innerhalb von nur zwölf Monaten signalisierte das bevorstehende Ende des Zyklus. Für Marc Friedrich stand fest, dass der Markt an diesem Punkt heißgelaufen war und Verkäufe zwingend notwendig wurden, um Gewinne steuerfrei zu sichern.
Die Nullzinsphase verleitete viele Marktteilnehmer zu extrem riskanten Spekulationen und scheinbar grenzenlosem Optimismus. Bauträger kauften Grundstücke und Objekte in großem Stil auf, oft finanziert über variable Ankaufsfinanzierungen auf Euribor-Basis zu einem Zinssatz von nur einem Prozent. Solange das Geld billig blieb, schien dieses Modell unschlagbar, doch die Zinswende brachte das Kartenhaus abrupt zum Einsturz.
Viele Akteure hatten keinerlei Puffer für steigende Zinsen eingeplant, was sich mit der schnellen Zinsanhebung der EZB bitter rächte.
„Das ist halt die Reise nach Jerusalem. Irgendwann stoppt die Musik und dann bleiben halt ein paar stehen und finden keinen Stuhl mehr.“ — Peter Burnickl
Besonders dramatisch zeigte sich dies im bayerischen Raum, wo selbst etablierte Bauträger mit Projektvolumina von 300 bis 400 Millionen Euro in die Insolvenz rutschten. Der Hauptfehler lag in der absoluten Selbstüberschätzung der Akteure, die ihr gesamtes Kapital ausschließlich in die eigenen Projekte steckten und andere Sachwerte komplett ignorierten. Ohne alternative Vermögenswerte blieb nach dem Zusammenbruch des Kerngeschäfts nichts mehr übrig.
Die wichtigste Lehre aus den vergangenen Immobilienzyklen ist die absolute Notwendigkeit einer breiten Streuung des eigenen Kapitals. Wer all sein Geld und womöglich noch zusätzliche Kreditschulden in ein einziges Projekt oder eine einzige Assetklasse steckt, handelt hochgradig riskant. In Krisenzeiten kann dieses Klumpenrisiko den vollständigen finanziellen Ruin bedeuten.
Erfolgreicher Vermögensaufbau erfordert Disziplin und die strikte Einhaltung von Allokationsregeln, um sich gegen unvorhersehbare Marktbewegungen abzusichern.
„Weise Investoren investieren nie mehr als ein Drittel des Gesamtvermögens in eine Assetklasse, weil sonst das Klumpenrisiko zu hoch ist.“ — Marc Friedrich
Ein stabiles finanzielles Fundament sollte idealerweise auf fünf bis sechs verschiedenen Säulen ruhen. Dazu gehören beispielsweise:
Eine Insolvenz ist in Deutschland noch immer mit einem starken gesellschaftlichen Makel behaftet, der Betroffene oft sozial und wirtschaftlich isoliert. Nach einer Pleite gilt man hierzulande schnell als kreditunwürdig und muss sich mühsam von null auf wieder hocharbeiten. Im angelsächsischen Raum hingegen wird Scheitern weitaus positiver als wertvoller Lernprozess und Beweis für unternehmerischen Mut bewertet.
Der Weg zurück an die Spitze erfordert eine enorme Stehauf-Mentalität und die Bereitschaft, Fehler schonungslos zu analysieren.
„Der Mensch lernt durch Scheitern. Die Evolution der Menschheit ist geprägt durch Scheitern, und diese Krisen machen uns resilienter.“ — Marc Friedrich
Die schwersten Krisen und dunkelsten Stunden bieten oft das größte Potenzial für persönliche Weiterentwicklung und geschäftliche Reife. Wer nach einem Rückschlag diszipliniert aus dem eigenen Cashflow heraus neu gründet, baut ein deutlich krisenfesteres Fundament auf. Bonität und Vertrauen der Banken kehren mit der Zeit zurück, doch die gewonnene Resilienz bleibt ein Leben lang bestehen.
Auch wenn der Markt anspruchsvoller geworden ist, bietet die Immobilienbranche nach wie vor hervorragende Chancen für überdurchschnittliche Renditen. Der entscheidende Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch im Einkaufsprozess und einer kompromisslosen Analyse der Objekte. Investoren dürfen sich niemals emotional in eine Immobilie verlieben, sondern müssen rein zahlenbasiert agieren.
Ein professioneller Einkaufsprozess zeichnet sich durch extrem hohe Selektivität und eine gründliche Prüfung aller Rahmenbedingungen aus:
In der aktuellen Marktphase ist extreme Vorsicht geboten, da die makroökonomischen Rahmenbedingungen das Risiko für Immobilieninvestments massiv erhöht haben. In der Honorarberatung wird die Anlageklasse Immobilien daher bereits seit längerer Zeit mit den Warnfarben Orange und Rot bewertet. Das bedeutet für Anleger im Wesentlichen: Finger weg von überteuerten Standardinvestments.
Nur wenn sich die seltene Gelegenheit bietet, ein... Objekt weit unter seinem eigentlichen Marktwert einzukaufen, ist ein Einstieg derzeit noch ratsam. Ansonsten überwiegen die Risiken durch steigende Zinsen, strenge Sanierungsauflagen und mangelnde Liquidität bei weitem. Wer sein Kapital jetzt schützt und breit diversifiziert aufstellt, sichert sich die nötige Liquidität für die nächste Marktbereinigung.
Viele Bauträger nutzten variable Ankaufsfinanzierungen auf Euribor-Basis zu minimalen Zinsen. Als die Zinsen rasch stiegen, konnten die Projekte ohne ausreichende Puffer nicht mehr getragen werden.
Die wichtigste Regel lautet, niemals alles auf eine Karte zu setzen. Man sollte sein Kapital diversifizieren und auf mehrere Säulen aufteilen.
Weise Investoren begrenzen ihren Anteil an einer einzelnen Assetklasse auf maximal ein Drittel des Gesamtvermögens, um Klumpenrisiken zu vermeiden.
Der Gewinn wird stets beim Einkauf erzielt. Nur wer günstig einkauft, kann auch in schwierigen Marktphasen noch solide Renditen erwirtschaften.
Eine derart extreme Wertsteigerung in nur einem Jahr überstieg die historische Durchschnittsrendite um das Zehnfache. Dies signalisierte das Ende des Booms und ein heißgelaufenes Marktumfeld.
In der Praxis bleiben von 100 vorab geprüften Projekten nach einer gründlichen Due Diligence oft nur rund zehn tatsächliche Kaufkandidaten übrig.
In Deutschland ist Scheitern stark stigmatisiert und führt zu sozialem sowie finanziellem Ausschluss. In den USA wird ein gescheiterter Versuch oft als wertvolle unternehmerische Erfahrung respektiert.
Ein stabiles Vermögen sollte idealerweise auf fünf bis sechs verschiedenen Vermögensstandbeinen ruhen, um unempfindlich gegenüber Krisen zu sein.
Dabei handelt es sich um Immobilien, die aufgrund mangelhafter Energieeffizienz oder hoher Sanierungsauflagen an Wert verlieren und kaum noch wirtschaftlich betrieben werden können.
Die Ampel steht derzeit auf Orange bis Rot, was bedeutet, dass Anleger vom Kauf von Standardimmobilien ohne extremen Preisabschlag absehen sollten.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.