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    immo-inside · 15. Juni 2025

    Baufehler vermeiden: So sparen Bauherren über 100.000 €

    15. Juni 2025 8 Min. 5 Min. Lesezeit
    Die 5 größten Baufehler – So verbrennen Bauherren über 100.000 €!

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die frühzeitige Einbindung von Handwerkern in die Planungsphase verhindert Fehlplanungen und sorgt für echte Kostensicherheit.
    • Die technische Gebäudeausrüstung (TGA) macht oft 20 bis 40 Prozent der Baukosten aus und sollte durch gezielte Planervorgaben schlank gehalten werden.
    • Der Verzicht auf den teuren, „erhöhten Schallschutz“ nach DIN 4109-5 spart erhebliche Quadratmeterkosten, ohne die Wohnqualität spürbar zu beeinträchtigen.
    • Standardisierte Bauteile sind im Vergleich zu individuellen Sonderanfertigungen drastisch günstiger und sichern die Wirtschaftlichkeit des Projekts.
    • Private Bauherren und Investoren können rechtssicher von vielen der über 7.300 deutschen Baunormen abweichen, um unnötige Kosten zu vermeiden.

    Dr. Peter Burnickl zeigt die 5 größten Baufehler von TGA bis Schallschutz. Vermeiden Sie unnötige Kosten und sichern Sie sich maximale Rendite.

    Der blinde Start in das Bauprojekt

    Viele Bauherren begehen bereits in der allerersten Phase ihres Projekts einen entscheidenden Fehler. Sie sichern sich ein Grundstück oder eine Bestandsimmobilie und beauftragen sofort einen Architekten sowie Ingenieure. Anstatt klare Leitplanken und Budgetgrenzen zu definieren, lassen sie sich von der Euphorie des kreativen Prozesses treiben.

    Ohne feste Vorgaben entstehen Entwürfe, die zwar optisch ansprechend, aber oft wirtschaftlich unbrauchbar sind. Die erste böse Überraschung folgt meist bei der ersten detaillierten Kostenermittlung. Danach beginnt eine frustrierende Kette aus teuren Umplanungen.

    • Fehlende Leitplanken: Ohne klare Budgetgrenzen ufern die ersten Entwurfsplanungen schnell finanziell aus.
    • Nicht prüfbare Angebote: Verträge nach Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) werden oft ungeprüft unterschrieben.
    • Teure Umplanungen: Wenn die Kosten realisiert werden, muss das Projekt oft mehrfach umgeplant werden, was Zeit und Geld kostet.
    • Fehlende Marktkopplung: Die Finanzierung wird auf Basis theoretischer Zahlen beantragt, ohne reale Preise am Markt einzuholen.

    Kostensicherheit durch frühe Handwerker-Integration

    Ein fundamentaler Fehler im klassischen Bauprozess ist die strikte Trennung von Planung und Ausführung. Architekten planen oft im stillen Kämmerlein, während die ausführenden Betriebe erst viel zu spät einbezogen werden.

    „Ich verstehe überhaupt nicht, warum man nicht die Handwerker viel viel früher ins Boot nimmt und gemeinsam die Dinge entwickelt.“ — Peter Burnickl

    Wenn Handwerker und Bauunternehmen erst bei der Ausschreibung ins Boot geholt werden, sind teure Planungsfehler meist schon zementiert. Eine kooperative Planung im Vorfeld schafft von Anfang an verlässliche Kostensicherheit.

    • Praxiswissen nutzen: Handwerker wissen genau, welche Konstruktionen in der Praxis schnell und kostengünstig umsetzbar sind.
    • Gemeinsame Entwicklung: Die Zusammenarbeit von Architekten, Ingenieuren und Handwerkern minimiert das Risiko von Planungsfehlern.
    • Reale Preissicherheit: Angebote basieren auf tatsächlichen Marktbedingungen statt auf theoretischen Schätzungen.

    Die TGA als explodierende Kostenfalle

    Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) hat sich in den letzten Jahren zu einem der größten Kostentreiber im Bauwesen entwickelt. Durch strenge gesetzliche Vorgaben wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) oder KfW-Förderbedingungen steigen die Anforderungen kontinuierlich.

    Mittlerweile macht die TGA bei gewöhnlichen Wohngebäuden oft 20 bis 40 Prozent der gesamten Baukosten aus. In einigen extremen Fällen übersteigen die Kosten für Heizung, Lüftung und Sanitär sogar die Kosten für den eigentlichen Rohbau.

    • Steigende Komplexität: Die gesetzlichen Vorgaben zwingen Bauherren zu immer komplexeren technischen Lösungen.
    • Haftungsrisiko der Planer: Ingenieure dimensionieren Anlagen oft übermäßig groß, um jegliches Haftungsrisiko auszuschließen.
    • Mangelnde Kostensensibilität: Ohne explizite Vorgaben des Bauherrn wird oft das technisch Machbare statt des wirtschaftlich Sinnvollen geplant.

    Praxis-Tipps zur Optimierung der Gebäudetechnik

    Um die TGA-Kosten im Zaum zu halten, müssen Bauherren aktiv gegensteuern und die Planer in die Pflicht nehmen. Es gilt, die Systeme so schlank wie möglich zu dimensionieren und unnötigen Ballast abzuwerfen.

    Eine bewährte Methode ist es, den planenden Ingenieuren finanzielle Anreize für besonders kosteneffiziente Lösungen zu bieten. Anstatt teure Sicherheitsreserven einzubauen, sollte die Technik exakt auf den tatsächlichen Bedarf ausgelegt werden.

    • Planer inzentivieren: Belohnen Sie Ingenieure finanziell, wenn sie die Systeme hart an der Grenze des Erforderlichen planen.
    • Punktuell nachrüsten: Eventuelle Engpässe, etwa in extrem kalten Perioden, können kostengünstig durch einfache Infrarotheizungen ausgeglichen werden.
    • Sicherheitszuschläge reduzieren: Fordern Sie Ihre Planer aktiv dazu auf, das rechnerische Limit voll auszureizen.

    Der teure Irrtum des erhöhten Schallschutzes

    Das Thema Schallschutz wird in Deutschland besonders emotional diskutiert und führt regelmäßig zu massiven Mehrkosten. Die maßgebliche Norm DIN 4109 unterscheidet zwischen dem normalen Schallschutz und dem sogenannten erhöhten Schallschutz.

    Der Schritt vom normalen Schallschutz (Blatt 1 bis 4) zum erhöhten Schallschutz (Blatt 5) verursacht erhebliche Mehrkosten, die sich meist nicht auszahlen. Pro Quadratmeter Wohnfläche müssen Bauherren hier mit zusätzlichen Kosten von 100 bis 300 Euro rechnen.

    • Aufwendige Konstruktionen: Erhöhter Schallschutz erfordert extrem komplexe Anschlussdetails an Wänden und Fußböden.
    • Kein spürbarer Mehrwert: Der Unterschied ist im Alltag für die meisten Mieter oder Nutzer kaum wahrnehmbar.
    • Deutscher Sonderweg: Der deutsche Standard-Schallschutz ist im internationalen Vergleich bereits auf einem extrem hohen Niveau.

    Schönheit versus Rendite bei der Architektur

    Natürlich hat ästhetische Architektur ihren Wert und bereitet Freude, doch im investitionsorientierten Bauen muss die Wirtschaftlichkeit an erster Stelle stehen. Viele Bauherren verlieren sich in filigranen Details und Sonderanfertigungen, die keinen finanziellen Mehrwert bringen.

    Standardprodukte sind auf dem Markt drastisch günstiger als maßgeschneiderte Sonderlösungen. Jedes Detail sollte daher konsequent auf seinen Beitrag zur Rendite hinterfragt werden.

    „Wollen wir in Schönheit sterben oder wollen wir Geld verdienen?“ — Peter Burnickl

    • Rendite-Fokus: Fragen Sie sich bei jedem architektonischen Detail, ob ein Mieter oder Käufer bereit ist, dafür mehr zu bezahlen.
    • Standardprodukte bevorzugen: Nutzen Sie standardisierte Bauteile, die industriell gefertigt und unkompliziert zu montieren sind.
    • Optik vs. Funktion: Schöne Architektur ist fantastisch, darf aber nicht das wirtschaftliche Fundament des Projekts gefährden.

    Die Befreiung aus dem deutschen Normen-Dschungel

    Deutschland ist weltweit führend, wenn es um die Regulierung des Bauwesens geht. Mit über 7.300 Normen und Richtlinien ist das Regelwerk für Laien und selbst für Profis kaum noch überschaubar.

    Viele dieser Normen spiegeln jedoch nicht den gesetzlichen Mindeststandard wider, sondern wurden von Lobbyverbänden in den Gremien platziert. Vor allem private Bauherren und Investoren haben das Recht, von vielen dieser Normen rechtssicher abzuweichen.

    „Wir haben in Deutschland 7300 Normen und Richtlinien nur in der Baubranche. Es ist ein totaler Wahnsinn.“ — Peter Burnickl

    • Rechtssichere Abweichung: Solange Sie nicht als gewerblicher Bauträger agieren, können Sie vertraglich vereinbaren, von bestimmten Normen abzuweichen.
    • Qualität vor Quantität: Konzentrieren Sie sich auf eine solide, funktionierende Bauqualität statt auf die Erfüllung überzogener Komfortnormen.
    • Überregulierung vermeiden: Sparen Sie Kosten bei übertriebenen Vorgaben, wie etwa der Anzahl an Steckdosen oder separaten Stromkreisen.

    Häufige Fragen

    Wie viel Geld geben Bauherren im Schnitt zu viel aus?

    Bei gewöhnlichen Bauvorhaben geben Bauherren oft über 100.000 Euro unnötig aus. Bei größeren Projekten kann sich diese Summe sogar auf über eine Million Euro belaufen.

    Warum sollten Handwerker schon in der Planungsphase beteiligt werden?

    Handwerker bringen praktische Erfahrung und Kostensicherheit in den Prozess ein. Werden sie frühzeitig integriert, lassen sich unvollständige Angebote und teure Umplanungen vermeiden.

    Was versteht man unter TGA beim Bauen?

    TGA steht für Technische Gebäudeausrüstung. Dazu gehören Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektroinstallationen, die heute einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen.

    Wie hoch ist der Kostenanteil der TGA an modernen Bauvorhaben?

    Der Anteil der TGA liegt heute bei Wohngebäuden meist bei 20 bis 40 Prozent. In extremen Fällen kann die Gebäudetechnik sogar teurer sein als das restliche Bauvorhaben.

    Wie kann man bei der Planung der Gebäudetechnik Kosten sparen?

    Bauherren sollten Planer explizit anweisen, Systeme knapp am Limit zu dimensionieren, statt übermäßige Sicherheitszuschläge einzuplanen. Zudem können finanzielle Anreize für kostenbewusstes Planen helfen.

    Was ist der Unterschied zwischen normalem und erhöhtem Schallschutz?

    Der normale Schallschutz wird über die DIN 4109 Blätter 1 bis 4 geregelt. Der erhöhte Schallschutz nach Blatt 5 ist hingegen eine teure Zusatzoption, die oft nicht zwingend notwendig ist.

    Wie viel teurer ist der erhöhte Schallschutz?

    Der Schritt zum erhöhten Schallschutz kostet den Bauherrn ca. 100 bis 300 Euro mehr pro Quadratmeter. Dies liegt an aufwendigen Details beim Fußbodenaufbau und den Wandanschlüssen.

    Wann lohnen sich aufwendige Architekturdetails?

    Besondere Architekturdetails lohnen sich nur dann, wenn sie nachweislich die Mieteinnahmen oder den Verkaufspreis erhöhen. Ist das nicht der Fall, sollte aus Renditegründen auf Standardprodukte zurückgegriffen werden.

    Wie viele Normen und Richtlinien gibt es in der deutschen Baubranche?

    Es gibt in Deutschland aktuell rund 7.300 Normen und Richtlinien im Baubereich, was international einen Spitzenwert darstellt.

    Müssen private Bauherren alle Baunormen zwingend einhalten?

    Nein, private Bauherren und Investoren, die keine Bauträger sind, können rechtssicher von einem Großteil dieser Normen abweichen. Das gilt besonders für überzogene Vorgaben zu Steckdosen oder Schaltkreisen.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.