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    immo-inside · 10. November 2025

    Baupfusch vermeiden: Experte analysiert Spiegel-TV-Fall

    10. November 2025 14 Min. 5 Min. Lesezeit
    Lebensgefährlicher Betrug beim Hausbau – Bauexperte reagiert auf Spiegel-TV-Fall

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ohne rechtliche und fachliche Begleitung riskieren Bauherren bei Mängeln existenzielle finanzielle und juristische Krisen.
    • Eigenmächtige Mängelbeseitigung vor einer formellen Rüge und Fristsetzung ist rechtlich hochriskant.
    • Die lückenlose und professionelle Dokumentation durch unabhängige Sachverständige ist für gerichtliche Auseinandersetzungen essenziell.
    • Der Einsatz von Subunternehmern sollte im Bauvertrag transparent geregelt und an strenge Qualitätskontrollen gekoppelt werden.
    • Bei Verdacht auf Unregelmäßigkeiten wie Scheinbestellungen oder Hehlerware ist der sofortige Einbezug eines Baurechtsanwalts unerlässlich.

    Bauexperte Dr. Peter Burnickl analysiert den Spiegel-TV-Fall um Familie Bötcher und zeigt, wie man sich vor existenzbedrohendem Baupfusch schützt.

    Der Albtraum vom Eigenheim: Ein realer Fall von massivem Baupfusch

    Im Schwarzwald wollte sich Familie Bötcher den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen. Sie bauten eine alte Schreinerei in Schopfloch zu einer modernen Wohnung um. Doch statt des ersehnten Familienglücks begann ein wahrer Albtraum, der auch zwei Jahre nach dem Einzug kein Ende gefunden hat.

    Die Bauausführung wurde der Firma Behome unter der Leitung des Geschäftsführers Tim Seidel übergeben. Was als schlüsselfertiges Projekt geplant war, endete in einer beispiellosen Katastrophe. Die Familie steht nun vor massiven Schäden, die sich im Nachhinein kaum noch wirtschaftlich beheben lassen.

    Lebensgefährliche Mängel: Wenn Pfusch am Bau zur Bedrohung wird

    Die Liste der Mängel auf der Baustelle ist lang und zeigt das ganze Ausmaß des Versagens. Ein schief gegossener Estrich sorgt dafür, dass Türen nicht mehr richtig schließen und kein Laminat verlegt werden kann. Zudem wurden wichtige Elektroinstallationen wie die Verkabelung der Raumthermostate für die Fußbodenheizung einfach einbetoniert.

    Besonders alarmierend sind jedoch die Mängel im Bereich der Elektrik und der Sicherheit. Im Sicherungskasten herrscht pures Chaos, wodurch Lichtschalter falsche Räume steuern oder gar nicht funktionieren. Da im Haushalt auch Kinder leben, stellen die offen liegenden Kabel und ungesicherten Stromkreise eine akute Lebensgefahr dar.

    • Schiefer Estrich: Der Boden wurde so uneben gegossen, dass er nicht bis an die Türen reicht und herkömmliche Bodenbeläge unbrauchbar macht.

    • Einbetonierte Technik: Schalter für die Rollläden und Kabel für die Heizungsthermostate wurden fest in den Beton eingegossen und sind unzugänglich.

    • Lebensgefährliche Elektrik: Stromkreise sind völlig durcheinander, Sicherungskästen stehen ohne Abdeckung offen und Kabel ragen ungeschützt aus den Wänden.

    • Fehlende Dämmung: Unter der Fußbodenheizung wurde die zwingend erforderliche Wärmedämmung komplett weggelassen.

    Der größte rechtliche Fehler: Eigenmächtige Ersatzvornahme ohne Anwalt

    Aus schierer Verzweiflung und um die unhaltbaren Zustände selbst zu beheben, nahm die Familie einen zusätzlichen Kredit über 50.000 Euro auf. Die Mutter muss nun Sonderschichten in der Altenpflege leisten, um diese finanzielle Last zu tragen. Doch das eigenmächtige Handeln birgt laut Bauexperte Dr. Peter Burnickl enorme rechtliche Gefahren.

    Wer eigenmächtig Reparaturen durchführt, bevor dem Bauträger rechtssicher Mängel angezeigt und angemessene Fristen gesetzt wurden, verliert im schlimmsten Fall jegliche Gewährleistungsansprüche. Juristisch gesehen handelt es sich um eine riskante Ersatzvornahme, die ohne anwaltliche Begleitung niemals durchgeführt werden sollte.

    „Hier direkt in eine Eigenmaßnahme, in eine Ersatzvornahme zu gehen, ist juristisch hochriskant und würde ich nie machen.“ — Peter Burnickl

    Fake-Firmen und Hehlerware auf der Baustelle: Wenn die Polizei anrückt

    Das Chaos auf der Baustelle nahm völlig neue Dimensionen an, als die Familie unerwartet Post und Rechnungen von fremden Lieferanten erhielt. Es stellte sich heraus, dass ein Subunternehmer unter falschem Namen Baumaterialien im Wert von über 30.000 Euro auf die Adresse der Bötchers bestellt hatte, ohne diese jemals zu bezahlen.

    Die Polizei schritt schließlich ein und konfiszierte unverbautes Material direkt vor Ort, da der Verdacht auf Hehlerware im Raum stand. Für die Familie bedeutete dies, dass bereits installierte Steckdosen und Abdeckungen wieder demontiert und mitgenommen wurden, was die Baustelle in einem noch desolateren Zustand zurückließ.

    „Ich spreche lieber grundsätzlich immer lieber ein zweimal zu oft mit Anwälten als auch nur ein einziges Mal, auch nur einen Tag zu spät.“ — Peter Burnickl

    • Scheinfirmen: Ein krimineller Subunternehmer nutzte die Identität und Adresse der Bauherren für betrügerische Materialbestellungen.

    • Polizeiliche Beschlagnahmung: Gelieferte, aber noch nicht fest eingebaute Elektrokomponenten wurden als Beweismittel und mutmaßliches Diebesgut konfisziert.

    • Rechtliche Grauzone: Bereits fest verbaute Materialien verbleiben oft im Haus, hinterlassen aber ein massives zivilrechtliches Risiko für die Eigentümer.

    Die Pflicht zur professionellen Beweissicherung durch Sachverständige

    Ein entscheidender Fehler der geschädigten Familie war der Verzicht auf ein offizielles, unabhängiges Gutachten. Aufgrund der extremen finanziellen Belastung sah sich die Familie außerstande, die Kosten für einen Sachverständigen zu tragen. Dr. Peter Burnickl betont jedoch, dass an dieser Stelle niemals gespart werden darf.

    Ohne ein gerichtsfestes Gutachten haben Bauherren im Falle eines Prozesses kaum Chancen, ihren Standpunkt erfolgreich zu untermauern. Unabhängige Baubegleiter dokumentieren Mängel rechtssicher und bewahren Bauherren davor, auf den Kosten für die Beseitigung von schwerem Baupfusch sitzenzubeiben.

    • Rechtssichere Dokumentation: Nur zertifizierte Sachverständige können Mängel so protokollieren, dass sie vor Gericht als stichhaltige Beweise zugelassen werden.

    • Prävention statt Schadensbegrenzung: Ein Baubegleiter erkennt Fehler bereits in der Entstehungsphase, lange bevor der Estrich gegossen oder Wände geschlossen werden.

    • Nutzung von Rechtsschutzversicherungen: Oftmals lassen sich die Kosten für Gutachten und rechtliche Schritte über entsprechende Versicherungen abfedern.

    Drohungen statt Schadensbegrenzung: Der Umgang unseriöser Bauträger mit Kritik

    Als die Geschädigte versuchte, sich mit anderen Opfern des Bauträgers zu vernetzen, reagierte der Geschäftsführer von Behome mit massiver Einschüchterung. In einer via WhatsApp gesendeten Sprachnachricht drohte er unverhohlen mit strafrechtlichen Konsequenzen und verwies auf seine vermeintlich überlegenen finanziellen Mittel.

    Ein solch aggressives Verhalten ist laut Dr. Peter Burnickl kein Einzelfall bei unseriösen Akteuren der Branche. Er berichtet von ähnlichen Vorfällen aus seiner eigenen Praxis, bei denen Pfuscher sogar Bilder der mangelhaften Baustellen unerlaubt zu Werbezwecken auf Social Media nutzten. In solchen Fällen hilft nur ein konsequentes Vorgehen mittels Unterlassungsklage.

    • Einschüchterungstaktiken: Unseriöse Bauträger versuchen häufig, berechtigte Kritik durch rechtliche Drohungen und finanzielle Machtdemonstrationen im Keim zu ersticken.

    • Unerlaubte Werbung: Trotz katastrophaler Ausführung warb das Unternehmen auf Instagram frech mit den Bildern der sanierten Wohnung der Familie Bötcher.

    • Sofortige Unterlassung: Bei Missbrauch von Bildrechten oder Rufschädigung sollten Bauherren umgehend über ihren Anwalt eine strafbewehrte Unterlassungserklärung einfordern.

    Vertragliche Absicherung gegen unqualifizierte Subunternehmer

    Ein weiteres Kernproblem des Falls liegt in der Struktur der beauftragten Firmen. Der Bauträger Behome vergab die anspruchsvollen Facharbeiten an unqualifizierte, billige Subunternehmer aus dem Ausland, die weder über die nötigen Fachkenntnisse noch über deutsche Zulassungen verfügten.

    Um solche Missstände zu verhindern, müssen Bauverträge von Anfang an präzise formuliert werden. Bauherren sollten vertraglich festlegen, dass alle eingesetzten Subunternehmer offengelegt und vom Auftraggeber freigegeben werden müssen. Nur so lässt sich eine lückenlose Qualitätskontrolle garantieren.

    „Es kann nicht sein, dass Fachgewerke von fachfremden Personen ausgeführt werden. Das geht einfach nicht und das kann man eigentlich vertraglich wunderbar regeln.“ — Peter Burnickl

    • Offenlegungspflicht: Der Generalunternehmer muss vertraglich dazu verpflichtet werden, alle Subunternehmer vor deren Einsatz namentlich und mit Qualifikationsnachweis zu benennen.

    • Zustimmungsvorbehalt: Bauherren sollten sich das Recht vorbehalten, unqualifizierte oder unzuverlässige Nachunternehmer abzulehnen.

    • Qualitätskontrolle vor Ort: Regelmäßige Begehungen durch den eigenen Bauherrenvertreter stellen sicher, dass nur zertifizierte Fachkräfte am Werk sind.

    Häufige Fragen

    Was war das Hauptproblem beim Bauvorhaben der Familie Bötcher?

    Die beauftragte Firma Behome lieferte massiven Baupfusch ab, darunter schiefe Estriche, einbetonierte Kabel und lebensgefährliche Elektroinstallationen, und weigerte sich, die Mängel ordnungsgemäß zu beheben.

    Warum ist eine eigenmächtige Mängelbeseitigung (Ersatzvornahme) gefährlich?

    Ohne vorherige schriftliche Mängelanzeige und das Setzen einer angemessenen Frist verlieren Bauherren durch eigenmächtige Reparaturen ihre Gewährleistungsansprüche und handeln juristisch auf extrem dünnem Eis.

    Was sollten Bauherren tun, wenn sie Mängel auf der Baustelle entdecken?

    Mängel müssen sofort schriftlich dokumentiert, dem Bauträger offiziell angezeigt und mit einer realistischen Frist zur Behebung versehen werden, idealerweise begleitet von einem Baurechtsanwalt.

    Warum ist ein unabhängiger Bausachverständiger so wichtig?

    Ein Sachverständiger dokumentiert Mängel rechtssicher und fachlich fundiert. Ohne ein solches Gutachten haben Bauherren im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung kaum Beweiskraft.

    Wie kam es im Fall der Bötchers zu Hehlerware auf der Baustelle?

    Ein Subunternehmer bestellte unter Angabe einer Scheinfirma und der Adresse der Familie Baumaterialien im Wert von über 30.000 Euro, ohne diese zu bezahlen, woraufhin die Polizei unverbautes Material beschlagnahmte.

    Was kann man tun, wenn der Bauträger mit rechtlichen Schritten droht?

    Bauherren sollten sich nicht einschüchtern lassen, jegliche Kommunikation schriftlich festhalten und umgehend einen spezialisierten Baurechtsanwalt einschalten, um die eigenen Interessen zu wahren.

    Darf ein Bauträger Bilder einer mangelhaften Baustelle für Werbung nutzen?

    Nein, das ist rechtlich unzulässig. Bauherren können über einen Anwalt eine sofortige Unterlassungserklärung einfordern und die Löschung der Bilder erzwingen.

    Wie kann man sich vor unqualifizierten Subunternehmern schützen?

    Im Bauvertrag sollte eine Offenlegungspflicht und ein Zustimmungsvorbehalt für alle Subunternehmer vereinbart werden, sodass nur qualifizierte Fachfirmen zugelassen sind.

    Welche Rolle spielt eine Rechtsschutzversicherung beim Hausbau?

    Eine passende Bauherren-Rechtsschutzversicherung kann die hohen Kosten für Anwälte, Gutachter und Gerichtsverfahren im Streitfall abdecken und existenzielle Risiken minimieren.

    Was zeichnet ein sicheres GU- oder Gü-Modell beim Hausbau aus?

    Ein sicheres Modell zeichnet sich durch transparente Verträge, unabhängige Baubegleitung, klare Regelungen zu Subunternehmern und eine stufenweise Zahlung nach tatsächlichem Baufortschritt aus.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.