Alle immo-inside Episoden
    immo-inside · 13. Mai 2025

    Bauen in den USA: Hochhaus-Sanierung im US-Vergleich

    13. Mai 2025 8 Min. 5 Min. Lesezeit
    Bauschäden in Millionenhöhe? Mein Rundgang durch ein New Yorker Hochhaus

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die amerikanischen Baustandards fokussieren sich stark auf das sichtbare Endprodukt für den Kunden, während die dahinterliegende Technik oft veraltet wirkt.
    • In den USA werden Starkstromkabel standardmäßig metallisch ummantelt verlegt, was sich grundlegend von deutschen NYY- oder NYCWY-Leitungen unterscheidet.
    • Die Anforderungen an den Schallschutz und den baulichen Brandschutz sind in Deutschland im internationalen Vergleich deutlich strenger geregelt.
    • Vertragsstrafen bei Bauverzögerungen führen sowohl in den USA als auch in Deutschland zu massiven rechtlichen Auseinandersetzungen über Planungsänderungen.
    • Der US-amerikanische Investmentmarkt agiert pragmatischer und chancenorientierter als der deutsche Markt, der durch strenge bürokratische Hürden blockiert wird.

    Dr. Peter Burnickl vergleicht die Bautechnik in den USA und Deutschland direkt vor Ort bei einer Hochhaus-Sanierung in New York.

    Baustellenbegehung mitten in Downtown New York

    Ein 28-stöckiges Hochhaus mitten im Herzen von Downtown New York, unweit der legendären Wall Street, steht im Fokus dieser exklusiven Begehung. Für New Yorker Verhältnisse handelt es sich bei dem Gebäude zwar um ein eher kleineres Hochhaus, doch für deutsche Maßstäbe ist das Projekt ein echtes Großbauvorhaben. Das Gebäude wird derzeit einer umfassenden Kernsanierung unterzogen. Von außen ist auf den ersten Blick kaum etwas zu erkennen, da sich die gesamten Sanierungsarbeiten ausschließlich im Inneren des Gebäudes abspielen.

    Dr. Peter Burnickl nutzt diese Baustellenbegehung gemeinsam mit Architekten und Projektbeteiligten, um die Bauabläufe direkt vor Ort zu analysieren. Das Hauptziel dieser Begehung liegt darin, ungenutzte Einsparpotenziale zu identifizieren und die Sanierungskosten effizient zu senken. Dabei wird schnell deutlich, dass sich die amerikanische Herangehensweise an Großprojekte in fundamentalen Punkten von der deutschen Baupraxis unterscheidet.

    Baustandards und veraltete Technik im Härtetest

    Der gravierendste Unterschied zwischen den USA und Deutschland liegt in den gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandards. In den Vereinigten Staaten liegt der Fokus fast ausschließlich auf dem Endkunden und dessen sichtbaren Wünschen. Das bedeutet, dass der Schwerpunkt auf einer ansprechenden Ästhetik der Büros, der Raumaufteilung und einer hochwertigen Oberflächenausstattung liegt. Die dahinterliegende Technik gerät dabei oft völlig in den Hintergrund, da sie später ohnehin unsichtbar bleibt.

    Für deutsche Ingenieure bietet der Blick in die Technikräume allerdings einen echten Kulturschock. Die im Jahr 2025 verbaute Haustechnik erinnert in weiten Teilen an deutsche Standards aus den frühen 1980er-Jahren. Die Installationen wirken oft unorganisiert und provisorisch, was in Deutschland so kaum abnahmefähig wäre. Dennoch betont Peter Burnickl, dass auch auf deutschen Baustellen unter hohem Zeitdruck oft unschöne Installationen entstehen, die nach dem Schließen der Decken einfach unsichtbar werden.

    „Die Technik, die hier original im Jahr 2025 verbaut wird, gleicht mehr einer deutschen Technik aus den frühen 80ern.“ — Dr. Peter Burnickl

    Umgang mit Bauverzögerungen und Vertragsstrafen

    Genau wie in Deutschland sind auch auf amerikanischen Großbaustellen erhebliche Verzögerungen im Zeitplan an der Tagesordnung. Dies führt regelmäßig zu heftigen Konflikten zwischen den Bauherren und den ausführenden Unternehmen. Um dem entgegenzuwirken, werden in den Verträgen extrem harte finanzielle Sanktionen für den Verzug vereinbart.

    • Tägliche Strafzahlungen: Bei Überschreitungen der vertraglichen Fristen werden pro Woche oder sogar pro Tag empfindliche Vertragsstrafen fällig.
    • Schuldzuweisungen: Baufirmen versuchen oft, Verzögerungen auf nachträgliche Planungsänderungen des Bauherren (wie Änderungen bei der Teeküche oder den Decken) zu schieben.
    • Minderungszahlungen: Statt einer aufwendigen und langwierigen Mängelbeseitigung einigt man sich am Ende häufig auf pauschale finanzielle Abgeltungen.
    • Druckmittel: Sachverständige werden gezielt eingesetzt, um während Bankbegehungen Druck aufzubauen und den Baufortschritt aktiv zu erzwingen.

    Die Besonderheiten der US-Elektroinstallation

    Ein genauerer Blick auf die verbaute Elektrotechnik offenbart spannende technische Differenzen im direkten Vergleich. Schätzungsweise 800 Kilometer an Starkstrom- und Schwachstromkabeln werden in diesem 28-stöckigen Hochhaus verlegt. Während in Deutschland Kabeltypen wie NYY oder NYCWY zum Standard gehören, greifen amerikanische Elektriker auf ein völlig anderes, metallbasiertes System zurück.

    • Metallmantelkabel: In den USA besitzen alle Starkstromkabel eine robuste, metallische Schutzummantelung.
    • Einzellitzen: Innerhalb dieser flexiblen Metallrohre werden einzelne Litzen verlegt, was sich optisch stark von deutschen Kabeln unterscheidet.
    • Fokus auf Funktion: Die Verlegequalität ist optisch oft mangelhaft und wirkt chaotisch, erfüllt jedoch die reine elektrische Funktion.
    • Verdeckter Einbau: Da die Leitungen später hinter Trockenbauwänden und abgehängten Decken verschwinden, wird auf eine optisch saubere Verlegung verzichtet.

    Schallschutz und Brandschutz im internationalen Vergleich

    Beim Thema Schallschutz und baulicher Brandschutz zeigen sich die strengen deutschen Regularien besonders deutlich. In den USA sind die gesetzlichen Anforderungen an den Schallschutz, insbesondere bei Wandanschlüssen, spürbar geringer ausgeprägt. Dies führt zwar zu einer schnelleren und kostengünstigeren Bauweise, mindert jedoch auch den akustischen Komfort in den fertigen Räumen erheblich.

    Auch beim baulichen Brandschutz unterscheidet sich die Praxis. Zwar gibt es auch in New York klare Vorschriften und Zertifizierungen für die Durchführung von Leitungen durch Brandwände, die Einhaltung und Überprüfung gestaltet sich in Deutschland jedoch wesentlich strukturierter. Deutsche Sachverständige arbeiten hier mit präzisen Zulassungsdokumenten und exakten Abstandsmessungen direkt vor Ort, um die Einhaltung der Brandschutzregeln lückenlos zu belegen.

    Bürokratie-Frust in Deutschland als Investitionsbremse

    Die wirtschaftliche Krise im Jahr 2023 markierte für viele deutsche Unternehmer und Investoren einen harten Wendepunkt. Die überbordende Bürokratie und die extremen Hürden bei der Kreditvergabe lähmen den deutschen Markt zunehmend. Wer in Deutschland investieren oder ein Unternehmen skalieren möchte, scheitert oft an unrealistischen Dokumentationspflichten und langwierigen Genehmigungsverfahren.

    „In Deutschland waren alle noch mal fünf Zahlen, noch mal eine BWA, noch mal noch mal Business Plan ist eine ganz andere Nummer.“ — Markus

    Während deutsche Banken detaillierte CFO-Kalkulationen fordern, die sich junge Wachstumsunternehmen in der Frühphase kaum leisten können, geht die amerikanische Wirtschaft ganz andere Wege. Die Fokussierung auf starre Businesspläne und historische Daten verhindert in Deutschland viele innovative Projekte, während in den USA das unternehmerische Potenzial im Vordergrund steht. Ein CFO kostet schnell zwischen 8.000 und 15.000 Euro im Monat – Ausgaben, die junge Gründer oft nicht stemmen können.

    Die amerikanische Macher-Mentalität als Erfolgsfaktor

    Der direkte Vergleich der Wirtschaftskulturen zeigt, warum die USA für Kapitalanleger und Gründer nach wie vor eine enorme Anziehungskraft besitzen. In New York zählt vor allem der unbedingte Wille zum Erfolg und die harte Arbeit. Wer Leistung zeigt und eine klare Vision verfolgt, dem stehen die Türen im US-Markt weit offen. Dies erfuhren die beiden Unternehmer Ende 2023 am eigenen Leib, als sie kurzerhand den Flug über den Atlantik antraten.

    • Schneller Zugang: Investoren und Partner treffen sich ohne bürokratische Vorbehalte mit Gründern und bieten tatkräftige Unterstützung an.
    • Chancenorientierung: Das Potenzial der handelnden Personen wird höher bewertet als lückenlose historische Finanzdaten.
    • Pragmatismus: Probleme werden lösungsorientiert und schnell gelöst, anstatt Prozesse durch endlose bürokratische Prüfungen zu blockieren.
    • Wachstumsfokus: Der Fokus liegt ganz klar auf dem Schaffen von Werten, dem Netzwerken und dem Generieren von Umsätzen.

    „Hier drüben haben die das Potenzial gesehen, haben gesehen, da sind Leute, die arbeiten hart.“ — Markus

    Dieser pragmatische Ansatz ermöglichte es dem Team um Dr. Peter Burnickl, innerhalb kürzester Zeit eine eigene Niederlassung in den USA aufzubauen. Während in Deutschland noch über Businesspläne diskutiert worden wäre, arbeiten in der New Yorker Niederlassung bereits im Jahr 2025 drei Mitarbeiter erfolgreich am Marktwachstum.

    Häufige Fragen

    Wie unterscheiden sich die Mindeststandards im Bauwesen zwischen den USA und Deutschland?

    In den USA stehen die optischen Kundenwünsche im Vordergrund, während technische Standards hinter den Wänden oft deutlich geringer ausfallen als die strengen deutschen Mindestnormen.

    Welche Unterschiede gibt es bei der Elektroinstallation?

    Während in Deutschland meist NYY- oder NYCWY-Kabel genutzt werden, kommen in den USA häufig einzeln eingezogene Litzen in metallummantelten Kabeln zum Einsatz.

    Wie ist der Brandschutz in New York geregelt?

    Es gibt zwar auch in den USA Zertifizierungen für Brandschutzdurchführungen, in Deutschland sind die Abstands- und Prüfregeln im Detail jedoch oft strenger reglementiert und leichter nachprüfbar.

    Gibt es beim Schallschutz in den USA weniger Vorgaben?

    Ja, der Schallschutz an Wandanschlüssen hat in den USA spürbar geringere Anforderungen als die strengen deutschen Normen.

    Wie wird mit Mängeln bei der Bauabnahme in den USA umgegangen?

    Häufig wird nach langem Streit eine pauschale Ausgleichszahlung vereinbart, anstatt den Mangel vollständig zurückzubauen und neu zu installieren.

    Welche Konsequenzen haben Bauverzögerungen in den USA?

    Wie in Deutschland gibt es vertragliche Strafzahlungen pro Tag oder Woche, was oft zu Konflikten führt, da Baufirmen die Schuld auf nachträgliche Planungsänderungen schieben.

    Warum ist das Investieren in den USA unbürokratischer als in Deutschland?

    In den USA zählen vor allem Tatendrang und das Potenzial der Gründer, während deutsche Banken und Investoren oft extrem detaillierte Businesspläne, BWAs und CFO-Unterlagen verlangen.

    Welches Gebäude in New York wird im Video erwähnt?

    Ein 28-stöckiges Hochhaus in Downtown New York, das aktuell kernsaniert wird, sowie ein Luxus-Apartment am Central Park für rund 300 Millionen Dollar.

    Wie bewerten Ingenieure die amerikanische Gebäudetechnik?

    Die verbaute Technik im Jahr 2025 erinnert deutsche Ingenieure oft an den Standard der frühen 1980er-Jahre in Deutschland und wirkt ungeordnet.

    Warum wurde 2023 als Wendepunkt für Investitionen genannt?

    Wegen der wirtschaftlichen Krise 2023 in Deutschland entschieden sich die Unternehmer, kein Kapital mehr in Deutschland zu investieren, sondern in die USA zu expandieren.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.