
Wie Sie beim Bau eines Mehrfamilienhauses massiv Kosten sparen: Dr. Peter Burnickl zeigt die besten Hacks für Aufzüge, Grundrisse und Fenster.
Beim Bau von Mehrfamilienhäusern werden oft unbewusst enorme Summen verschenkt. Nach der erfolgreichen Kelleroptimierung im ersten Teil der Analyse stehen nun das Erdgeschoss und die oberen Stockwerke im Fokus. Durch gezielte Anpassungen an Aufzug, Grundrissen und Fenstern lässt sich eine Ersparnis von fast einer halben Million Euro realisieren.
Gleichzeitig können die Mieteinnahmen durch intelligente Flächennutzung um rund sieben Prozent gesteigert werden. Diese Optimierungen greifen bereits vor der eigentlichen Detailplanung oder Brandschutzprüfung und basieren auf einfachen, logischen Anpassungen.
Ein klassischer Aufzugsschacht zieht erhebliche Kosten nach sich, die oft durch teure Zusatzinstallationen weiter in die Höhe getrieben werden. Ein typisches Beispiel ist die Schachtentrauchung. Statt einer kostspieligen Entrauchungskuppel lässt sich das Problem über eine einfache Öffnung im unteren Bereich und ein sogenanntes RA-Fenster im oberen Bereich lösen.
Diese natürliche Entrauchung spart bereits beim Bau ein kleines Vermögen. Zudem muss bei der Positionierung des Aufzugs im Treppenhaus penibel auf den Schallschutz geachtet werden, um Lärmbelästigungen in angrenzenden Schlafräumen konsequent zu vermeiden.
Die wirtschaftliche Betrachtung eines Aufzugs im Mietwohnungsbau offenbart oft eine gravierende Disbalance. Mieter im Erdgeschoss oder im ersten Obergeschoss nutzen die Anlage im Alltag so gut wie nie. Dennoch tragen alle Mietparteien über die Nebenkosten die hohen jährlichen Wartungskosten von 1.500 bis 4.000 Euro.
„Dreiviertel aller Mieter haben durch den Aufzug keinen Vorteil, zahlen aber über die Nebenkosten die Wartung mit.“ — Peter Burnickl
Durch den bewussten Verzicht auf den Aufzug lässt sich nicht nur der teure Betonschacht einsparen. Es werden auch rund 24 Quadratmeter zusätzliche Wohnfläche gewonnen, die sich direkt vermieten oder verkaufen lassen. Die rechtliche Machbarkeit hängt dabei stark von der jeweiligen Landesbauordnung und den Vorgaben zur Barrierefreiheit ab.
„Wenn es geht, ich würde den Aufzug sofort rauswerfen. Ihr müsst das aber bitte mit eurem Architekten abstimmen.“ — Peter Burnickl
Sollte die Landesbauordnung einen Aufzug zwingend vorschreiben, gibt es eine hervorragende planerische Alternative zum klassischen Betonschacht im Gebäudeinneren. Durch das Verschieben von Technikräumen kann ein kostengünstiger Außenaufzug an der Fassade realisiert werden.
Diese Lösung bietet im Vergleich zum Innenaufzug klare finanzielle und planerische Vorteile:
Fenster prägen nicht nur das Erscheinungsbild eines Gebäudes, sondern sind auch ein massiver Kosten- und Platzfaktor. Bei großen Fensterfronten zu Terrassen oder Balkonen ist der Einbau von zu vielen beweglichen Elementen ein teurer Fehler. Eine clevere Kombination aus einer Balkontür und festverglasten Elementen senkt die Kosten drastisch.
Durch den Einsatz von Festverglasungen lassen sich schnell mehrere tausend Euro sparen. Gleichzeitig sollten Fenster im Obergeschoss bodentief geplant werden. Obwohl ein bodentiefes Fenster in der Anschaffung minimal teurer ist als eine gemauerte Brüstung, gewinnt der Raum dadurch optisch an Größe und gewinnt tatsächliche Stellfläche am Boden, was den Quadratmeterpreis steigert.
Fällt der Keller oder ein separater Waschkeller aus Kostengründen weg, müssen Waschmaschine und Trockner in die Wohnungen integriert werden. Der beste Ort hierfür ist das Badezimmer. Da Bäder ohnehin Feuchträume sind, lässt sich die Feuchtigkeit über dezentrale Einzellüfter mit Nachlauf direkt und kontrolliert nach außen abführen.
Ein weiterer schwerer Fehler in vielen Grundrissen betrifft die Raumgrößen von Arbeits- oder Kinderzimmern.
„Räume unter 10 Quadratmetern sind per Definition halbe Räume. Daher empfehle ich hier immer einfach mal drüber nachzudenken.“ — Peter Burnickl
Sehr große Penthouses mit über 100 Quadratmetern Wohnfläche und umlaufenden Dachterrassen sind auf dem freien Mietmarkt oft schwer zu vermitteln. Die extrem hohe Miete schränkt den Kreis potenzieller Mieter stark ein, während die riesigen Terrassenflächen nur zu 50 Prozent als Wohnfläche angerechnet werden dürfen.
Die Lösung liegt in der horizontalen Teilung der Etage:
Die gezeigten Optimierungen an Aufzug, Fenstern und Grundrissen demonstrieren eindrucksvoll, wie viel Potenzial in einer frühen Planungsphase steckt. Werden diese Stellschrauben intelligent gedreht, sinken die Baukosten signifikant, während der Cashflow durch höhere Mieteinnahmen steigt.
Dies ist jedoch nur der Anfang. In der anschließenden Planung der Gebäudetechnik, die meist 20 bis 30 Prozent der Gesamtbaukosten ausmacht, lassen sich durch professionelle Planung oft nochmals 10 bis 20 Prozent der Kosten einsparen, ohne dass die Wohnqualität darunter leidet.
Ein Standard-Personenaufzug kostet jährlich zwischen 1.500 und 4.000 Euro an Wartung und Betriebskosten, die auf die Mieter umgelegt werden müssen.
Statt einer teuren, automatischen Entrauchungskuppel kann eine untere Zuluftöffnung und ein einfaches Rauchabzugs-Fenster (RA-Fenster) im Schachtkopf eingeplant werden.
Weil sie den Aufzug nicht nutzen, aber über die Nebenkostenabrechnung (Warmmiete) an den hohen Wartungskosten beteiligt werden, was die Attraktivität der Wohnung senkt.
Das hängt von der jeweiligen Landesbauordnung (LBO) des Bundeslandes und den Anforderungen an die Barrierefreiheit ab, was vorab mit dem Architekten geklärt werden muss.
Ein Außenaufzug spart den teuren Betonschacht im Gebäudeinneren, erhält wertvolle Wohnfläche und ist in der Anschaffung oft 10 bis 30 Prozent günstiger.
Durch den Verzicht auf Dreh- und Kippbeschläge bei Terrassenfenstern lassen sich über ein gesamtes Bauvorhaben schnell mehrere tausend Euro (im Beispiel ca. 2.400 Euro) einsparen.
Bodentiefe Fenster vergrößern den Raum optisch und generieren durch den Wegfall der gemauerten Brüstung effektiv mehr nutzbare und somit vermietbare Bodenfläche.
Räume unter 10 Quadratmetern gelten baurechtlich als halbe Zimmer. Das mindert den Vermarktungswert der Wohnung (z. B. 2,5 statt 3 Zimmer).
Sie sollten im Badezimmer platziert werden, da dort die Feuchtigkeit direkt über dezentrale Einzellüfter nach draußen abgeführt werden kann.
Kleinere Wohneinheiten lassen sich zu einem höheren Quadratmeterpreis vermieten, sprechen eine breitere Mieterzielgruppe an und senken das Leerstandsrisiko.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.