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    Real Estate Lounge · 25. Juli 2024

    Baukosten reduzieren: Dr. Peter Burnickl im Interview

    25. Juli 2024 57 Min. 5 Min. Lesezeit
    Der 30%-Baukostenreduzierer – Das Geschäft von Dr. Peter Burnickl

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Baukosten lassen sich durch den Abbau von überflüssigen Sicherheits- und Angstpuffern, die über gesetzliche Vorgaben hinausgehen, um 10 bis 30 Prozent reduzieren.
    • Viele deutsche Baunormen sind keine Gesetze, weshalb rechtssichere Abweichungen möglich sind, sofern der Käufer transparent aufgeklärt wird und im Vertrag zustimmt.
    • Um existenzbedrohende Liquiditätsengpässe im Bauwesen zu vermeiden, ist ein strenges Debitorenmanagement mit extrem kurzen Zahlungszielen essenziell.
    • Ein erfolgreicher Value-Engineering-Ansatz setzt bereits in der Vorentwurfs- und Entwurfsphase an, um weitreichenden Einfluss auf die Baurechtschaffung zu nehmen.
    • Ein gesundes partnerschaftliches Verhältnis zu allen Projektbeteiligten und faire, schlanke Verträge sichern den dauerhaften Projekterfolg im Bauwesen.
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    Erfahren Sie von Dr. Peter Burnickl, wie Sie Baukosten um 10 bis 30 % senken – durch rechtssichere Abweichungen von Normen und Value Engineering.

    Der Weg vom Handwerker zum promovierten Ingenieur

    Dr. Peter Burnickl blickt auf einen vielseitigen Lebenslauf zurück, der im elterlichen Installationsbetrieb im SAT-Antennenbau für US-Siedlungen begann. Geprägt von der praktischen Arbeit auf Baustellen, faszinierte ihn früh die Rolle der Planer mit ihren weißen Helmen, was ihn zu einer Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker bewegte.

    Nach einem Studium der Elektrotechnik erweiterte er seine akademische Laufbahn um einen Master im Wirtschaftsingenieurwesen. Seine anschließende Promotion befasste sich mit kooperativen Modellen und Lean-Management-Methoden, um die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Nachunternehmern in der Bauwirtschaft zu optimieren.

    „Eine Norm ist kein Gesetz. Das wissen viele. Aber du kannst von diesen Normen abweichen.“ — Peter Burnickl

    Wachstum, Krise und der harte Weg durch die Insolvenz

    Mit großem Fleiß und unermüdlichem Einsatz gründete Peter Burnickl sein erstes eigenes Ingenieurbüro in der Oberpfalz, das rasant an Fahrt aufnahm. Durch ambitionierte Projekte wie die ESO Supernova in Garching bewies er seine fachliche Expertise und zog schnell talentierte Nachwuchskräfte an.

    Innerhalb weniger Jahre wuchs das Unternehmen auf 160 Mitarbeitende an sieben Standorten im In- und Ausland an, getrieben von zahlreichen öffentlichen Ausschreibungen und Key-Accounts. Die rasche Expansion brachte jedoch administrative Herausforderungen mit sich, während externe Krisen wie die Corona-Pandemie und der plötzliche KfW-55-Förderstopp das Marktumfeld radikal erschwerten.

    Verzögerte Bauzeiten, explodierende Lieferkosten und ausbleibende Zahlungen von Auftraggebern führten schließlich zu einem massiven Liquiditätsengpass. Nach einem harten Kampf musste Burnickl schließlich die Insolvenz seines Lebenswerks anmelden, ein emotionaler und beruflicher Tiefschlag für alle Beteiligten.

    Die wichtigste Lektion im Unternehmertum: Cash is King

    Die wohl prägendste Erfahrung aus der Krise ist für Dr. Peter Burnickl die Erkenntnis, dass Liquidität die absolute Lebensader eines jeden Unternehmens darstellt. Ein fehlerhaftes Debitorenmanagement mit zu langen Zahlungszielen kann selbst erfolgreiche Betriebe innerhalb kürzester Zeit in die Knie zwingen.

    „Cash is King. Absolut, Cashflow ist das Allerwichtigste.“ — Peter Burnickl

    Heute setzt er auf kompromisslose Konsequenz bei der Rechnungsstellung und zieht Mahnprozesse straff und professionell wie ein Inkassounternehmen durch. Für angehende Gründer und etablierte Unternehmer hat er daher klare Ratschläge parat:

    • Wachstum bremsen: Langsameres, rein cash-basiertes Wachstum schützt vor unkontrollierbaren finanziellen Risiken.
    • Harte Verhandlungsführung: In der rauen Baubranche darf keine Naivität herrschen; Verträge müssen konsequent ausgehandelt werden.
    • Beratung annehmen: Die wertvollen Ratschläge erfahrener, älterer Branchenkollegen sollten frühzeitig aktiv gesucht und ernst genommen werden.

    Das Geschäftsmodell ProBauherr: Kosten senken als Partner

    Nach der Insolvenz entstand aus dem Wunsch, Bauherren echten Mehrwert ohne haftungsintensive Werkverträge zu bieten, die Beratung ProBauherr. Das Unternehmen unterstützt professionelle Investoren und Projektentwickler ab einer Bausumme von zehn Millionen Euro dabei, erhebliche Bausummen einzusparen.

    Das Honorarmodell zeichnet sich durch eine besonders niedrige Einstiegsbarriere aus, um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu ermöglichen:

    • Monatsfixum: Eine überschaubare monatliche Gebühr deckt die laufende Betreuung ab und ist flexibel kündbar.
    • Erfolgsbeteiligung: Nur bei nachweislich realisierten und umgesetzten Einsparungen partizipiert ProBauherr prozentual am Erfolg.
    • Risikofreiheit: Sollten keine Einsparungen gefunden werden, hat der Bauherr zumindest die Gewissheit einer perfekt optimierten Planung.

    „Unser Business ist nichts für Softies. Unsere Geschäftswelt ist nichts für Weiche Eier, wirklich nicht.“ — Peter Burnickl

    Rechtssichere Normenunterschreitungen in der Praxis

    Ein zentraler Hebel zur Baukostensenkung um 10 bis 30 Prozent ist das bewusste und rechtssichere Abweichen von gängigen, aber unverbindlichen Baunormen. Da anerkannte Regeln der Technik oft durch Lobbyismus überfrachtet sind, treiben sie die Baukosten unnötig in die Höhe, ohne echten Nutzen zu stiften.

    Der Schlüssel zur rechtlichen Absicherung liegt in einer lückenlosen Transparenz gegenüber allen Vertragspartnern und Käufern:

    • Genaue Aufklärung: Der Käufer muss aktiv und verständlich über die konkreten Abweichungen und deren physische Konsequenzen informiert werden.
    • Schriftliche Bestätigung: Die Abweichungen müssen explizit und unmissverständlich im Kaufvertrag festgehalten und vom Käufer unterzeichnet werden.
    • Ausschlüsse beachten: Von öffentlich-rechtlichen Vorgaben wie der Baugenehmigung oder dem Brandschutzkonzept darf keinesfalls abgewichen werden.

    Value Engineering und der Pareto-Ansatz bei Kostengruppen

    Die Optimierung von komplexen Bauvorhaben erfolgt bei ProBauherr streng nach dem Pareto-Prinzip, um mit minimalem Aufwand die größtmöglichen Einsparungen zu erzielen. Anstatt sich in kleinteiligen Diskussionen über Wandfarben zu verlieren, analysiert das Team die wesentlichen Kostentreiber der Planung.

    Dabei stehen vor allem folgende Bereiche der Kostengruppen im Fokus der Untersuchungen:

    • Fassade und Dach: Optimierung von Detaillösungen und Materialstärken bei der Gebäudehülle.
    • Tiefgaragen und Gründung: Prüfung von statischen Angstpuffern und der konstruktiven Ausführung im Erdreich.
    • Technische Gebäudeausrüstung: Reduzierung überdimensionierter Anlagenkapazitäten in den Bereichen Heizung, Lüftung und Sanitär.

    Praxisbeispiele für überzogene Anforderungen im Wohnungsbau

    Wie absurd deutsche Baunormen in der Praxis sein können, verdeutlicht Dr. Peter Burnickl am Beispiel der Elektrotechnik-Norm DIN 18015. Diese schreibt detailliert vor, wie viele Steckdosen, Schalter und Stromkreise in einzelnen Räumen zwingend vorhanden sein müssen.

    Solche starren Vorgaben führen zu einer massiven Überdimensionierung der haustechnischen Anlagen, die den künftigen Bewohnern keinerlei praktischen Mehrwert bietet. Ebenso verhält es sich mit der geforderten 20-prozentigen Platzreserve in Unterverteilungen von kleinen Wohnungen, die in der Realität niemals genutzt wird und nur unnötig Geld kostet.

    LinkedIn und die Bedeutung persönlicher Netzwerke

    Um neue Kunden und Partner in der Immobilienwirtschaft zu gewinnen, setzt Peter Burnickl erfolgreich auf eine durchdachte Social-Media-Strategie. Dabei nutzt er LinkedIn als digitale Bühne, um komplexe Fachthemen unterhaltsam aufzubereiten und Aufmerksamkeit zu generieren.

    Die rein digitale Sichtbarkeit reicht jedoch nicht aus, um tragfähige Geschäftsbeziehungen aufzubauen, weshalb der persönliche Kontakt unverzichtbar bleibt:

    • Virtueller Austausch: Wöchentlich führt Burnickl zahlreiche persönliche Gespräche über virtuelle Kaffeetermine mit seinen Kontakten.
    • Gemeinsame Publikationen: Die Zusammenarbeit mit renommierten Baurechtsanwälten stärkt die fachliche Glaubwürdigkeit im Markt.
    • Nischenfokus: Der Verzicht auf klassische Planungsleistungen schützt vor zeitraubenden Baustellenterminen und administrativen Schleifen.

    Tipps für eine zukunftsfähige und verbindliche Bauwirtschaft

    Für die Zukunft wünscht sich Dr. Peter Burnickl von allen Akteuren der Bau- und Immobilienbranche wieder deutlich mehr Verlässlichkeit und Handschlagqualität. Das verbreitete Ausnutzen von Vertragspartnern durch verzögerte Zahlungen schadet dem gesamten Ökosystem und gefährdet die Projektsicherheit.

    Nur wenn eine echte Interessensgleichheit zwischen Bauherren, Planern und Handwerkern herrscht, können anspruchsvolle Bauprojekte auch in Krisen erfolgreich realisiert werden. Faire Verträge, schnelle Zahlungsabwicklungen und ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe sind dafür das Fundament.

    Häufige Fragen

    Wie können Baukosten um 10 bis 30 Prozent reduziert werden?

    Durch die systematische Eliminierung überflüssiger Sicherheits- und Angstpuffer sowie rechtssichere Abweichungen von Normen, die über den gesetzlichen Mindeststandard hinausgehen.

    Ist jede Baunorm in Deutschland gesetzlich bindend?

    Nein, eine Norm ist kein Gesetz. Bindend sind in der Regel nur Anforderungen aus dem genehmigten Brandschutzkonzept, der Landesbauordnung oder der Baugenehmigung selbst.

    Was ist eine rechtssichere Normenunterschreitung?

    Eine vom Standard abweichende Planung, die dem Käufer im Vertrag transparent offengelegt und von diesem vorab schriftlich bestätigt und akzeptiert wird.

    Was versteht man unter Value Engineering am Bau?

    Eine zielgerichtete Planungsmethode, bei der alle Details auf ihren tatsächlichen Mehrwert und die Rendite geprüft werden, um unnötige Kosten ohne Qualitätsverlust einzusparen.

    Was besagt die Norm DIN 18015 beim Wohnungsbau?

    Sie regelt die elektrotechnische Mindestausstattung wie Schalter oder Steckdosen im Wohnungsbau, die in der Praxis oft unrealistisch hoch und teuer dimensioniert ist.

    Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Baukostenoptimierung?

    Idealerweise in der Vorentwurfs- oder Entwurfsphase, um frühzeitig und rechtssicher Einfluss auf die Baugenehmigung und das Brandschutzkonzept zu nehmen.

    Warum scheitern klassische Architekten oft an der Kostenreduktion?

    Weil sie im Werkvertrag haften und primär ihr eigenes Risiko minimieren wollen. Sie tendieren daher dazu, Normen überzuerfüllen und große Angstpuffer einzuplanen.

    Was war das wichtigste Learning aus Peter Burnickls Insolvenz?

    Dass Liquidität und ein konsequentes Debitorenmanagement überlebenswichtig sind ('Cash is King') und ein zu schnelles Wachstum erhebliche Risiken birgt.

    Wie funktioniert das Honorarmodell von ProBauherr?

    Kunden zahlen eine monatlich kündbare Fixgebühr für das laufende Sparring sowie eine prozentuale Beteiligung an den tatsächlich realisierten Kosteneinsparungen.

    Welche Rolle spielt LinkedIn für die Kundengewinnung im Baugewerbe?

    LinkedIn dient der Sichtbarkeit durch fachliche, leicht verständliche Beiträge, muss jedoch durch persönlichen Beziehungsaufbau wie virtuelle Kaffeetermine ergänzt werden.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.