
Plant die Becken Group den Kauf des Hamburger Elbtowers? Prof. Dr. Michael Becken spricht exklusiv über das 1-Milliarde-Euro-Projekt.
Der Hamburger Elbtower gilt als eines der meistdiskutierten Bauprojekte Deutschlands. Nach der Insolvenz der Signa-Gruppe steht der Rohbau des Wolkenkratzers auf rund einem Drittel seiner Höhe still. Für Michael Becken und die Becken Group ist dieses unfertige Wahrzeichen an den Elbbrücken ein unhaltbarer Zustand für die Hansestadt.
„Es wäre eine Schande für die Stadt Hamburg, wenn wir den Elbtower als Bauruine stehen lassen würden.“ — Michael Becken
Das geplante Vorhaben ist gigantisch. Mit einer Zielhöhe von 245 Metern soll das Gebäude das dritthöchste Deutschlands werden. Die Becken Group bringt als lokaler Entwickler die Kompetenzen mit, um dieses technisch hochkomplexe Projekt zu übernehmen und zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.
Der Weg von Prof. Dr. Michael Becken in die Führungsetage verlief nicht geradlinig. Geboren in Polen, wanderte er 1988 als Spätaussiedler nach Hamburg aus. Nach einer intensiven Integrationsphase absolvierte er sein Abitur und ein anschließendes Jurastudium, das ihm eine solide analytische Basis verschaffte.
Nach dem Studium stieg er in das Familienunternehmen seines Schwiegervaters Dieter Becken ein. Um sein juristisches Fundament um Fachwissen zu ergänzen, absolvierte er berufsbegleitend ein Aufbaustudium zum Immobilienökonomen an der ADI. Diese doppelte Qualifikation aus Recht und Wirtschaft prägt bis heute seine strategische Herangehensweise.
Die Becken Group blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück, die 1978 mit Dieter Becken begann. In den ersten drei Jahrzehnten lag der Fokus auf dem Aufbau eines Bestandsportfolios, das nahezu vollständig bankenfinanziert war. Der große Wendepunkt folgte kurz vor der globalen Finanzkrise Ende 2006.
In einer strategischen Transaktion veräußerte Dieter Becken 38 gewerbliche Objekte an einen Fonds von Morgan Stanley für rund 670 bis 700 Millionen Euro. Dieses Geschäft brachte der Familie erstmals erhebliches Eigenkapital, das nach dem Neustart ab 2007 reinvestiert wurde. Seitdem agiert das Haus im Kern als Trader-Developer:
Durch das veränderte Bankenumfeld am Anfang der 2000er-Jahre wurde die klassische 100-Prozent-Finanzierung unmöglich. Um das eigene Wachstum nicht durch das limitierte Eigenkapital zu drosseln, öffnete sich die Becken Group für externes Kapital. Dies begann mit klassischen Joint Ventures und entwickelte sich rasch zu Club-Deals weiter.
Ein Club-Deal bündelt das Kapital mehrerer Investoren oder Family Offices für ein Projekt. Diese Finanzierungsform strukturierte Michael Becken über Jahre erfolgreich um, stieß dabei jedoch auch auf prozessuale Grenzen. Die wesentlichen Nachteile dieser Strukturen umfassen:
Um den strukturellen Nachteilen der Club-Deals zu begegnen, gründete das Unternehmen im Jahr 2017 die hauseigene Kapitalverwaltungsgesellschaft. Unter der Aufsicht der BaFin wurden Fondsstrukturen etabliert, die es institutionellen Anlegern wie Versicherungen ermöglichen, risikoadäquater zu investieren.
Die Becken Group differenziert ihr Fondsangebot heute in verschiedene strategische Produktfamilien:
Projektentwickler sind extremen Marktzyklen unterworfen. In Phasen des Abschwungs können Jahre vergehen, in denen keine nennenswerten Verkaufserlöse erzielt werden, während die Personal- und Betriebskosten weiterlaufen. Um diese Zyklen zu glätten, hat sich die Becken Group operativ extrem breit aufgestellt.
Über die Zeit wurden spezialisierte Gesellschaften gegründet, die die gesamte textile Wertschöpfungskette abbilden. Ein Meilenstein war die Übernahme des etablierten Asset- und Investmentmanagers Industria Wohnen im Jahr 2021. Dadurch verwaltet die Unternehmensgruppe dauerhaft ein Milliardenvermögen im Wohnungsbereich und sichert sich regelmäßige Dienstleistungserträge.
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ist Michael Becken seit 2017 als Professor für Real Estate Management an der Northern Business School (NBS) in Hamburg aktiv. Er schätzt den engen Austausch mit der Wissenschaft und nutzt seine Vorlesungen, um praxisorientierte Lehre mit realen Cases aus der Wirtschaft zu verbinden.
Die Digitalisierung und veränderte Gewohnheiten der Studierenden haben die Hochschullandschaft in den letzten Jahren fundamental gewandelt. Die NBS arbeitet heute mit hybriden Vorlesungsformaten, die zeitgleich im Hörsaal und online stattfinden. Für die Zukunft sieht Becken eine tiefgreifende Verschiebung der Dozentenrolle:
Für die erfolgreiche Fortführung des Elbtowers gilt es, eine komplexe Gemengelage aus Finanzierung, Strukturierung und Vermietung zu lösen. Die Becken Group strebt ein Konsortium an, um das Risiko des 1-Milliarde-Euro-Vorhabens zu verteilen. Im Gegensatz zur Signa-Ära soll das Projekt nicht auf spekulativer Basis, sondern mit hoher Vorvermietungsquote realisiert werden.
Der Schlüssel zur Bankenfinanzierung liegt in der Akquise großer Anker- und Hotelmieter. Ziel ist ein Vorvermietungsstand von über 50 bis 70 Prozent, um den klassischen Hebel an Fremdkapital zu sichern. Das Konsortium soll zudem so aufgestellt sein, dass kein Exit-Druck besteht und der Turm im Zweifelsfall langfristig im eigenen Bestand gehalten werden kann.
Der deutsche Wohnungsmarkt leidet unter einem drastischen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Ballungsräumen. Prof. Dr. Michael Becken äußert an dieser Stelle deutliche Kritik am politischen Handeln auf Landes- und Bundesebene. Die Kombination aus rasant gestiegenen Baukosten und immer komplexeren regulatorischen Vorgaben macht freien Wohnungsbau unrentabel.
Um aktiv an Lösungen mitzuarbeiten, engagiert sich Becken in der Hamburger CDU im Hinblick auf die kommenden Bürgerschaftswahlen. Er fordert verlässliche Rahmenbedingungen, Entbürokratisierung und gezielte Impulse für den Wohnungsbau. Die Krise sieht er als Phase, die mit Geduld und der richtigen strategischen Vorbereitung gemeistert werden muss.
„Aus unserer Sicht gibt es künftig zwei Kategorien von Büros: Das gute Büro in Top-Lage und das schlechte Büro.“ — Michael Becken
Mit diesem Blick auf die strukturellen Marktveränderungen bereitet sich die Becken Group darauf vor, gestärkt aus der aktuellen Bereinigungsphase hervorzugehen.
„Life is a rollercoaster – es geht in der Immobilienbranche abwärts, aber es wird auch wieder aufwärts gehen.“ — Michael Becken
Der Elbtower soll mit 245 Metern das höchste Gebäude Hamburgs werden und eine markante Landmarke bilden. Als Hamburger Projektentwickler möchte die Becken Group verhindern, dass das Projekt nach der Signa-Insolvenz als Bauruine stehen bleibt.
Das gesamte Projektvolumen für den Erwerb und die Fertigstellung des Elbtowers beläuft sich auf rund eine Milliarde Euro.
Klaus-Michael Kühne ist ein potenzieller Partner für das Konsortium. Es laufen Gespräche mit ihm, da er großes Interesse an einer Beteiligung signalisiert hat, selbst aber kein Projektentwickler ist.
Seit dem Portfolio-Verkauf im Jahr 2006 baut das Unternehmen Bestände nicht mehr primär zum Halten auf. Stattdessen entwickelt und baut die Becken Group Immobilien mit dem Ziel, diese gewinnbringend an Endinvestoren zu veräußern.
Bei einem Club-Deal schließen sich mehrere Investoren zusammen, um gemeinschaftlich in ein Projekt zu investieren. Dies ermöglicht die Realisierung von Großprojekten, birgt im Vergleich zu Fonds aber den Nachteil, dass Investoren für jedes Projekt neu überzeugt werden müssen.
Die Übernahme des Frankfurter Wohnungs-Spezialisten mit über 19.000 verwalteten Wohnungen dient der Diversifikation. Dadurch generiert die Gruppe stabile, zyklusunabhängige Einnahmen im Asset- und Property-Management.
Er glaubt, dass Homeoffice ein fester Bestandteil bleibt, das Büro als Ort der Kommunikation aber essenziell ist. Der Markt wird sich in hochattraktive, nachhaltige Büros einerseits und veraltete Bestandsbauten in Nebenlagen andererseits spalten.
Er besetzt eine 50-Prozent-Teilzeitprofessur für Real Estate Management an der Northern Business School (NBS) in Hamburg. Seine Vorlesungen legt er flexibel auf Randzeiten wie Montagfrüh oder Freitagabend, um an den anderen Tagen voll im Unternehmen tätig zu sein.
Er kritisiert, dass durch übermäßige Regulierung, hohe Auflagen und bürokratische Hürden bezahlbarer Wohnungsbau in Metropolregionen unmöglich gemacht wird. Er fordert aktivere politische Maßnahmen und engagiert sich dafür in der Hamburger CDU.
Er empfiehlt das Prinzip „Aussitzen, aussitzen, aussitzen“ und verweist darauf, dass die Branche ein „Rollercoaster“ ist, auf dessen Abschwung historisch immer wieder ein Aufschwung folgt.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.