Alle Real Estate Lounge Episoden
    Real Estate Lounge · 1. November 2024

    Immobilien-Markenanalyse: Markenstärke messen & steigern

    1. November 2024 44 Min. 5 Min. Lesezeit
    Entwicklung und Analyse von Marken im Immobilien-Business. Mit Harald Steiner

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die systematische Messung der Markenstärke deckt wertvolle Diskrepanzen zwischen der unternehmenseigenen Selbsteinschätzung und der tatsächlichen Fremdwahrnehmung im Markt auf.
    • Für institutionelle Investoren ist die Vertrauenswürdigkeit derzeit der maßgebliche Faktor bei der Markenbewertung, noch vor ESG-Kompetenz und Resilienz.
    • Erfolgreiches Branding bedarf einer langfristigen strategischen Kontinuität anstelle von kurzfristigem kosmetischen Aktionismus wie der reinen Änderung der Logofarbe.
    • Immobilienunternehmen stehen beim Employer-Branding heute im direkten Wettbewerb mit Tech- und Kreativfirmen um die besten Fachkräfte der Zukunft.
    • Eine kohärente Kombination aus überzeugendem Webauftritt und strategischer Social-Media-Kommunikation generiert im modernen Marketing den höchsten Return on Investment.
    SpotifyApple Podcasts

    Wie wird Ihre Immobilienmarke wahrgenommen? Harald Steiner erklärt, wie das Real Estate Brand Institute Markenstärke analysiert und steigert.

    Warum die eigene Immobilienmarke messbar sein muss

    In der Immobilienwirtschaft herrscht oft das Vorurteil vor, dass der Erfolg eines Unternehmens allein auf klassischen Faktoren wie der Mikrolage oder dem reinen Dealvolumen basiert. Harald Steiner, Gründer des Real Estate Brand Institutes, räumt mit diesem Glaubenssatz auf und zeigt, wie wichtig die systematische Erfassung der Markenstärke ist. Nur wer seine Position im direkten Wettbewerbsumfeld kennt, kann gezielte strategische Weichenstellungen vornehmen.

    Die Marke bildet das unverzichtbare Fundament für Transaktionssicherheit und langfristiges Vertrauen bei Investoren sowie Partnern. In Zeiten volatiler Märkte und steigender Anforderungen entscheidet die Markenstärke maßgeblich darüber, ob ein Akteur als resilient und zukunftssicher wahrgenommen wird.

    Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung

    Ein zentrales Problem in vielen Immobilienunternehmen ist der sogenannte "Gap", also die Diskrepanz zwischen dem unternehmenseigenen Selbstbild und der realen Wahrnehmung am Markt. Während Geschäftsführer und Marketingabteilungen oft überzeugt sind, in bestimmten Disziplinen wie Nachhaltigkeit oder Innovation führend zu sein, zeigt die Marktrealität häufig ein ganz anderes Bild.

    Das Real Estate Brand Institute schließt diese Lücke durch empirische Erhebungen. Mit einer wissenschaftlich gepflegten Datenbank von mittlerweile rund 120.000 Branchenexperten und der jährlichen Evaluation von rund 1.500 Marken liefert das Institut detaillierte Spiegelbilder, die auf harten Daten statt auf purem Bauchgefühl basieren.

    Die wichtigsten Parameter der Markenbewertung

    Die detaillierte Analyse der Markenstärke erfolgt anhand eines wissenschaftlichen Modells über ein sogenanntes Spinnendiagramm, das bis zu 20 unterschiedliche Beurteilungskriterien umfasst. Diese Kriterien werden je nach Zielgruppe und Marktsegment gewichtet. So verschieben sich die Prioritäten im Zeitverlauf kontinuierlich.

    Bei institutionellen Investoren stehen aktuell folgende Kernfaktoren im Vordergrund:

    • Vertrauenswürdigkeit: Der absolute Spitzenreiter der vergangenen Jahre, der die unumgängliche Basis für jede erfolgreiche Geschäftsbeziehung bildet.
    • ESG-Kompetenz: Ein starker Treiber, der zeitweise sogar vor der Vertrauenswürdigkeit lag und nach wie vor eine zentrale Rolle einnimmt.
    • Resilienz: In der aktuellen wirtschaftlichen Lage ein extrem wichtiges Kriterium für die Zukunftsfähigkeit eines Akteurs.
    • Transaktionssicherheit: Die Sicherheit, dass geplante Transaktionen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen erfolgreich abgeschlossen werden.
    • Klimaneutralität und soziale Verantwortung: Neuere Parameter, die für die ganzheitliche Bewertung an Relevanz gewinnen.
    • Persönliche Erfahrung: Die Summe aller direkten Berührungspunkte, die ein Entscheider mit der Marke gemacht hat.

    Ganzheitliche Markenstrategie statt "Greenwashing"

    Viele Unternehmen verfallen laut Harald Steiner in die Falle des kurzfristigen Aktionismus, wenn es um das Thema Branding geht. Das bloße Umfärben eines Logos in Grün oder das oberflächliche Storytelling ohne substanzielle Unterlegung wird vom Markt schnell als sogenanntes "Greenwashing" entlarvt. Ein echtes Markenversprechen muss im operativen Geschäft eingelöst oder im besten Fall sogar übererfüllt werden.

    „Die ganze Kommunikation bis hin zum Messestand muss stringent in die gesamte Unternehmenskommunikation passen.“ — Harald Steiner

    Erfolgreiche Markenführung zeichnet sich dadurch aus, dass alle kommunikativen und operativen Maßnahmen ineinandergreifen. Von der Website über die gedruckte Broschüre bis hin zum physischen Auftritt auf Messen wie der Expo Real muss ein einheitliches, glaubwürdiges Bild vermittelt werden, das zu den definierten Kernwerten des Unternehmens passt.

    Employer-Branding: Der Kampf um Fachkräfte aus anderen Branchen

    Die Relevanz einer starken Marke erstreckt sich längst nicht mehr nur auf die reine Kundengewinnung. Im Zuge des Fachkräftemangels hat sich das Employer Branding zu einer überlebenswichtigen Disziplin entwickelt. Immobilienunternehmen konkurrieren heute nicht mehr nur untereinander um qualifizierte Mitarbeiter, sondern stehen im direkten Wettbewerb mit anderen Wirtschaftszweigen.

    Folgende Entwicklungen prägen das moderne Human Resource Management im Immobiliensektor:

    • Abwerbung aus Tech- und Kreativbranchen: Um den digitalen Wandel zu meistern, müssen zunehmend Fachkräfte aus der Technologiebranche abgeworben werden.
    • Ansprüche der jüngeren Generationen: Die Generation Z und die Millennials legen exzessiven Wert auf Wertekonformität und soziale Verantwortung ihres Arbeitgebers.
    • Integrierte HR-Kompetenz: Ein authentischer Markenauftritt, der die soziale Verantwortung glaubhaft lebt, ist der Schlüssel, um Talente langfristig zu binden.

    Social Media und digitaler Auftritt als ROI-Treiber

    Bei der Frage nach dem höchsten Return on Investment (ROI) im Marketing hebt Steiner die Kombination aus einem starken Webauftritt und gezielter Social-Media-Kommunikation hervor. Hierbei geht es jedoch nicht um die bloße Frequenz von Beiträgen, sondern um eine strategische und inhaltlich fundierte Ausrichtung.

    Jeder Post und jede digitale Interaktion muss auf das Markenprofil einzahlen und ein klares Versprechen transportieren. Wenn der digitale Auftritt mit der tatsächlichen Performance im realen Geschäft übereinstimmt, sinken die Akquisitionskosten für neue Kunden und Investoren im Laufe der Zeit erheblich, da das Vertrauen bereits im Vorfeld aufgebaut wurde.

    Die Zukunft von Brand-Analysen im Zeichen künstlicher Intelligenz

    Das Real Estate Brand Institute entwickelt seine Methoden kontinuierlich weiter, um mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten. Für das erste Quartal des kommenden Jahres ist der Launch eines neuen Tools geplant, das künstliche Intelligenz nutzt, um sogenannte Sentimentanalysen durchzuführen.

    Mit diesem KI-gestützten Tool wird es möglich sein, in Echtzeit zu analysieren, wie über bestimmte Marken im digitalen Raum gesprochen wird und welche Tonalität die öffentliche Meinung prägt. Damit wird die klassische jährliche Erhebung um ein dynamisches, datengetriebenes Echtzeit-Instrument ergänzt, das Markenverantwortlichen noch schnellere Reaktionen im operativen Marketing erlaubt.

    Persönliche Learnings und ein Appell an die Branche

    Harald Steiner blickt auf eine abwechslungsreiche Karriere zurück, die ihn von der Nachrichtentechnik über das Verlagswesen hin zur strategischen Markenanalyse geführt hat. Seine persönliche Philosophie basiert darauf, für die eigenen Themen eine echte Leidenschaft zu entwickeln, um in einem dynamischen Markt dauerhaft erfolgreich zu sein.

    „Alles, was ich bislang gemacht habe, dafür habe ich gebrannt. Sonst hätte ich es nicht gemacht.“ — Harald Steiner

    Abschließend richtet er einen klaren Appell an alle Akteure der Immobilienwirtschaft, die Bedeutung der eigenen Marke niemals zu unterschätzen. Die kontinuierliche Pflege der Corporate Brand ist keine kosmetische Maßnahme, sondern eine der rentabelsten strategischen Investitionen überhaupt.

    „Die Marke ist ihr wichtigstes Asset. Es gibt nichts, was wichtiger ist, als das tagtäglich zu pflegen.“ — Harald Steiner

    Häufige Fragen

    Was versteht man unter Markenstärke im Immobiliensektor?

    Die Markenstärke misst, wie widerstandsfähig, vertrauenswürdig und kompetent ein Unternehmen im Wettbewerbsumfeld wahrgenommen wird. Sie bestimmt maßgeblich das Vertrauen der Marktteilnehmer bei Transaktionen.

    Wie misst das Real Estate Brand Institute die Stärke einer Marke?

    Das Institut verwendet ein wissenschaftliches Modell mit bis zu 20 Kriterien, wie z. B. Vertrauenswürdigkeit und Resilienz. Diese Daten werden über eine jährliche Befragung von rund 120.000 Branchenexperten erhoben.

    Warum gibt es oft einen Gap zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung?

    Viele Unternehmenslenker betrachten ihr Unternehmen aus einer internen Blase heraus. Eine empirische Analyse deckt die Diskrepanz zur tatsächlichen Wahrnehmung der externen Stakeholder auf.

    Welche Kriterien sind für Immobilien-Investoren bei einer Marke am wichtigsten?

    Für Investoren stehen Vertrauenswürdigkeit, ESG-Kompetenz, Transaktionssicherheit, Resilienz, Klimaneutralität sowie die persönliche Erfahrung im Vordergrund.

    Was ist der Unterschied zwischen kurzfristiger Taktik und langfristiger Markenstrategie?

    Taktik umfasst kurzfristige Aktionen wie das bloße Ändern einer Logofarbe. Strategische Markenarbeit hingegen richtet die gesamte Unternehmenskommunikation und das operative Handeln langfristig an definierten Kernwerten aus.

    Wie beeinflusst das Thema ESG die Wahrnehmung einer Immobilienmarke?

    ESG-Kompetenz ist mittlerweile ein zentraler Markenwert, der eng mit der Zukunftsfähigkeit verknüpft ist. Sie darf jedoch kein bloßes Versprechen sein, sondern muss durch konkrete klimaneutrale und sozial verantwortliche Maßnahmen belegt werden.

    Warum ist Employer Branding für die Immobilienbranche heute so wichtig?

    Immobilienfirmen stehen im direkten Wettbewerb um Talente mit Tech- und Kreativbranchen. Eine starke Arbeitgebermarke, die soziale Verantwortung glaubhaft verkörpert, ist entscheidend, um qualifiziertes Personal anzuziehen und zu binden.

    Welches Marketing-Tool bringt laut Harald Steiner den höchsten Return on Investment?

    Der größte Hebel liegt in einer kohärenten Verknüpfung aus modernem Webauftritt und zielgerichtetem, strategischem Social-Media-Marketing. Dadurch wird die Markenbotschaft mit hoher Reichweite transportiert, was langfristig die Akquisitionskosten senkt.

    Kann ein Unternehmen seine Markenstärke selbst zuverlässig analysieren?

    Eine Selbstbefragung liefert selten objektive Ergebnisse, da die dafür notwendige, neutrale Datenbasis des Gesamtmarktes fehlt. Um valide Ergebnisse zu erzielen, sollte eine unabhängige Erhebung durch Spezialisten erfolgen.

    Wie wird künstliche Intelligenz die Markenanalyse in Zukunft verändern?

    Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz werden zukünftig Sentimentanalysen in Echtzeit möglich sein. Dadurch lässt sich unmittelbar erfassen und auswerten, in welcher Tonalität im Web über bestimmte Marken gesprochen wird.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.