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    Real Estate Lounge · 9. November 2024

    Logistikimmobilien-Crashkurs: Technik, ESG & Trends

    9. November 2024 52 Min. 5 Min. Lesezeit
    Logistikimmobilien Crashkurs – Jörg Lachmann, Macher der Real Estate Lounge Bremen, erzählt

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ohne eine funktionierende Logistik und die dazugehörigen Immobilien würde die tägliche Versorgung mit Lebensmitteln und Konsumgütern im Einzelhandel kollabieren.
    • Der Standard für moderne Logistik- und Big-Box-Hallen definiert sich über eine Hallenhöhe von 10,50 bis 12 Metern, ein Stützenraster im Vielfachen von 6 Metern sowie mindestens ein Rampentor pro 1.000 Quadratmeter.
    • ESG-Richtlinien verändern den Hallenbau grundlegend, indem fossile Energieträger durch Wärmepumpen, Gründächer und Photovoltaikanlagen abgelöst werden.
    • Lokale Anbindungen an Autobahnen und Häfen entscheiden über den Erfolg einer Logistikimmobilie, da sie die Transportzeiten in der Wertschöpfungskette minimieren.
    • Eine erfolgreiche Karriere in der Immobilienwirtschaft basiert nicht auf reinem Gewinnstreben, sondern auf echter Leidenschaft für das Geschäft, Kundennähe und tiefer Demut.
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    Gewerbe-Experte Jörg Lachmann erklärt im Crashkurs wichtige Standards für Logistikimmobilien, neue ESG-Richtlinien und Trends wie Automatisierung.

    Die fundamentale Bedeutung von Logistikimmobilien

    Logistikimmobilien bilden das unsichtbare Rückgrat unserer modernen Gesellschaft. Ob Lebensmittel für den Supermarkt oder Kleidung für die Warenhäuser in den Innenstädten — fast jedes Konsumgut durchläuft auf seinem Weg zum Endverbraucher mehrere logistische Schnittstellen. Jörg Lachmann betont im Gespräch, dass den meisten Menschen die extreme Abhängigkeit unseres Alltags von diesen Spezialimmobilien gar nicht bewusst ist.

    Ohne eine lückenlose logistische Infrastruktur würde die Versorgung der Bevölkerung innerhalb kürzester Zeit zusammenbrechen. Die Anforderungen an diese Immobilien steigen stetig, da sowohl Eigennutzer als auch institutionelle Investoren hochgradig optimierte Flächen benötigen, um den reibungslosen Ablauf globaler Lieferketten zu garantieren.

    „Ohne Logistik würde unser Leben so nicht funktionieren wie es funktioniert. Also wir wären schon sehr aufgespiesen.“ — Jörg Lachmann

    Vom Musikproduzenten zum Immobilienexperten

    Der Karriereweg von Jörg Lachmann ist alles andere als gewöhnlich und zeigt, dass Quereinstiege in der Immobilienbranche extrem erfolgreich sein können. Ursprünglich absolvierte er zwei handwerkliche Ausbildungen als Elektriker und Heizungsbauer im Betrieb seines Vaters. Doch seine wahre Leidenschaft galt zunächst der Musik, was ihn dazu brachte, die Familienfirma zu verlassen und ein eigenes Plattenlabel sowie ein Tonstudio zu gründen.

    Fast 20 Jahre lang arbeitete Lachmann als Musikproduzent, DJ und Künstlerentwickler. Diese intensive Zeit prägte seine Fähigkeiten im Umgang mit Menschen nachhaltig. Der Umgang mit teils exzentrischen Künstlern lehrte ihn Verhandlungsgeschick, Empathie und Durchsetzungsvermögen — Eigenschaften, die ihm später beim Wechsel in die Immobilienwirtschaft zugutekamen.

    Der Einstieg ins Gewerbeimmobilien-Franchise

    Der Wechsel in die Immobilienbranche erfolgte im Jahr 2020 durch eine zufällige Begegnung mit einem Franchise-Nehmer von Engel & Völkers Commercial. Dieser suchte Unterstützung für den Aufbau der Industriesparte im Raum Bremen. Für Lachmann bot sich hier die ideale Gelegenheit, seine unternehmerische Vorerfahrung mit seinen handwerklichen Wurzeln zu verknüpfen.

    Als freier Mitarbeiter lernte er das Maklergeschäft von der Pike auf kennen. Das Franchise-System bot ihm dabei entscheidende Vorteile:

    • Markenbekanntheit: Ein etablierter Name erleichtert den Markteintritt und die Kundenakquise erheblich.
    • Marketing-Tools: Professionelle Marketing-Unterlagen und nationale Messestände stehen direkt zur Verfügung.
    • Schulungsprogramme: Standardisierte Ausbildungsprogramme erleichtern den theoretischen Wissensaufbau im Immobilienrecht und der Bewertung.

    Nach einigen erfolgreichen Jahren entschied sich Jörg Lachmann jedoch für den nächsten Schritt in die absolute Selbstständigkeit, um agiler und geografisch ungebundener agieren zu können.

    Technische Anforderungen und das Standardraster moderner Hallen

    Logistik ist nicht gleich Logistik, weshalb die baulichen Parameter einer Halle exakt auf die Nutzung abgestimmt sein müssen. Im so genannten "spekulativen Bau" — also dem Bau ohne festen Mieter bei Baubeginn — haben sich feste Industriestandards etabliert, die eine maximale Drittverwendbarkeit garantieren. Diese Standards sichern Investoren eine langfristige Vermietbarkeit und stabile Renditen.

    Ein klassischer Logistikneubau zeichnet sich im Kern durch folgende technische Parameter aus:

    • Hallenhöhe: Die lichte Höhe liegt standardmäßig zwischen 10,50 Metern Unterkante Binder und 12 Metern Gesamthöhe, um gängige Hochregalsysteme optimal zu nutzen.
    • Stützenraster: Die Hallenstützen werden in der Regel im Vielfachen von 6 Metern geplant — typische Innenraster betragen 12 mal 24 Meter oder 18 mal 18 Meter.
    • Andienung: Als Standard gilt ein Rampentor pro 1.000 Quadratmeter Lagerfläche sowie mindestens ein ebenerdiges Zufahrtstor pro Brandabschnitt.
    • Bodentraglast: Die Bodenpressung darf 5 Tonnen pro Quadratmeter nicht unterschreiten, um schwere Gabelstapler und Regalsysteme zu tragen.

    „Der Logistiker entlarvt dich sehr schnell, wenn du keine Grundkenntnis von Logistik hast und von der Immobilie.“ — Jörg Lachmann

    ESG-Kriterien und die neue Ära des nachhaltigen Hallenbaus

    Das Thema Nachhaltigkeit (ESG) hat die Logistikbranche in den letzten Jahren komplett revolutioniert. Moderne Neubauten verzichten heute fast vollständig auf fossile Energieträger wie Gas und setzen stattdessen auf zukunftssichere, grüne Technologien.

    Die wichtigsten Trends im nachhaltigen Hallenbau umfassen:

    • Energieversorgung: Der flächendeckende Einsatz von großflächigen Photovoltaikanlagen auf den Hallendächern in Kombination mit hocheffizienten Wärmepumpen.
    • Hallenheizung: Der Übergang von punktuellen Gas-Dunkelstrahlern hin zu weiträumigen Decken-Weitwurfdüsen oder modernen Industriefußbodenheizungen.
    • Ökologische Ausgleichsflächen: Die Integration von Gründächern, Fassadenbegrünungen und strengen Vorgaben zur Reduzierung der Bodenversiegelung.

    Die Real Estate Lounge Bremen als Netzwerk-Motor

    Neben seiner Maklertätigkeit hat sich Jörg Lachmann als Gründer und Organisator der Real Estate Lounge Bremen einen Namen gemacht. Was vor zweieinhalb Jahren als kleines Treffen mit 30 Personen in einer Hafen-Location begann, hat sich mittlerweile zu einem der bedeutendsten regionalen Immobilien-Netzwerke mit bis zu 190 Teilnehmern pro Event entwickelt.

    Das Erfolgsgeheimnis der Bremer Lounge liegt in ihrer lockeren und ungezwungenen Atmosphäre. Statt langatmiger Präsentationen setzt Lachmann auf kurze, knackige Impulse:

    • Strenge Pitch-Regeln: Maximal drei Pitches pro Abend, die auf jeweils 3 Minuten und eine einzige PowerPoint-Folie begrenzt sind.
    • Fokus aufs Netzwerken: Die Veranstaltung dient primär dem direkten Austausch auf Augenhöhe zwischen Projektentwicklern, Maklern, Investoren und Dienstleistern.
    • Regionale Strahlkraft: Die Events ziehen mittlerweile Branchenakteure aus Hamburg, Hannover, Berlin und sogar Saarbrücken an.

    Werte, Demut und die Leidenschaft im Unternehmertum

    Zum Abschluss des Gesprächs teilt Jörg Lachmann fundamentale Einsichten über seinen persönlichen Führungs- und Arbeitsstil. Er plädiert dafür, den Beruf stets mit echter Leidenschaft auszuüben und den wirtschaftlichen Erfolg nicht über die menschlichen Beziehungen zu stellen. Nur wer für seine Arbeit brennt, kann langfristig produktiv und glücklich sein.

    Gleichzeitig warnt er vor der in der Immobilienbranche weit verbreiteten Arroganz und plädiert stattdessen für eine Haltung der Dankbarkeit. Kooperation und der offene Erfahrungsaustausch im Netzwerk bringen alle Beteiligten weiter als kaltes Einzelgängertum.

    „Seid mal ein bisschen dankbar für die Menschen. Ich nehme das Wort Demut. Ich bin sehr demütig für das, was ich bekommen habe.“ — Jörg Lachmann

    Erfolg entsteht laut Lachmann niemals im Alleingang, sondern ist immer das Resultat eines starken Teams im Hintergrund und eines verlässlichen Netzwerks, das sich über Jahre hinweg durch gegenseitige Unterstützung aufgebaut hat.

    Häufige Fragen

    Was sind die wichtigsten technischen Standardmaße einer klassischen Logistikimmobilie?

    Der Standard definiert sich durch eine lichte Hallenhöhe von 10,50 bis 12 Metern, ein Stützenraster von meist 12 x 24 Metern (ein Vielfaches von 6 Metern) sowie eine Bodentraglast von mindestens 5 Tonnen pro Quadratmeter.

    Wie viele Verladetore (Rampen) benötigt eine Standard-Logistikhalle?

    Als Faustregel beim spekulativen Hallenbau gilt ein Rampentor pro 1.000 Quadratmeter Lagerfläche, ergänzt durch mindestens ein ebenerdiges Zufahrtstor.

    Was ist der Unterschied zwischen Just-in-Time und Just-in-Sequence in der Logistik?

    Just-in-Time bedeutet die Lieferung von Waren exakt zum Bedarfszeitpunkt. Just-in-Sequence geht einen Schritt weiter und liefert die Bauteile (z. B. Autostoßstangen) zusätzlich in der genauen Reihenfolge, wie sie an der Produktionslinie verbaut werden.

    Welche Rolle spielt die Anbindung an Verkehrswege für eine Logistikimmobilie?

    Eine direkte Autobahnnähe (am besten ohne Ortsdurchfahrten) und die Erreichbarkeit von Häfen oder Schienenwegen sind essenziell, um Transportzeiten und -kosten in der Lieferkette zu minimieren.

    Wie verändern ESG-Richtlinien den Heizungsbau in modernen Logistikhallen?

    Traditionelle Gas-Dunkelstrahler werden zunehmend durch fossilfreie Wärmepumpen in Kombination mit PV-Anlagen auf dem Dach und Decken-Weitwurfdüsen oder Fußbodenheizungen ersetzt.

    Warum gewinnen Gründächer im Logistikbau an Bedeutung?

    In vielen neuen Baugebieten, wie beispielsweise in Bremen, schreiben Kommunen Gründächer oder eine Kombination aus Begrünung und Solarstromanlagen vor, um ökologische Ausgleichsflächen zu schaffen.

    Was versteht man unter einer Mezzanin-Fläche in einer Logistikhalle?

    Eine Mezzanin-Fläche ist eine Zwischenebene über der eigentlichen Kommissionier- oder Lagerfläche, die meist für Büros, Sozialräume oder die Lagerung leichter Konsumgüter genutzt wird.

    Wie hoch sind die typischen Baukosten für einen Quadratmeter Logistikfläche?

    Die reinen Baukosten für die Halle ohne das Grundstück und Nebenkosten belaufen sich im Durchschnitt auf ungefähr 700 Euro pro Quadratmeter.

    Welchen Einfluss hat das Bremer Daimlerwerk auf die lokale Logistikbranche?

    Das Daimler-Werk in Bremen ist eines der größten Werke weltweit, wodurch eine Vielzahl lokaler Gewerbegebiete und Logistikimmobilien speziell auf die Zulieferung und Sequenzierung für die Automobilbranche ausgerichtet ist.

    Was ist das Konzept hinter der Real Estate Lounge Bremen?

    Die Lounge ist ein von Jörg Lachmann gegründetes, quartalsweises Branchen-Netzwerktreffen für Immobilienakteure in Bremen, das durch kurze 3-Minuten-Pitches und eine lockere Netzwerk-Atmosphäre geprägt ist.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.