
Wie senken Immobilienfirmen Personalkosten ohne Gehaltseinbußen? Patrick Reininger teilt Strategien zu Weiterbildung, Recruiting & Büroflächen.
In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten stehen Unternehmen der Immobilien- und Baubranche unter enormem Druck. Viele Geschäftsführer greifen instinktiv zu drastischen Sparmaßnahmen und ziehen Gehaltskürzungen in Betracht. Patrick Reininger warnt jedoch eindringlich vor diesem Schritt. In Zeiten hoher Inflation und Fachkräftemangels zerstört dies die Mitarbeiterzufriedenheit und beschädigt die Arbeitgebermarke nachhaltig.
Anstatt an den Gehältern zu sparen, sollten Unternehmen versteckte Ineffizienzen und kollaterale Kosten in ihren Prozessen aufdecken. Durch den gezielten Einsatz digitaler Tools lassen sich administrative Abläufe automatisieren und verschlankte Strukturen schaffen. Auf diese Weise können Kosten drastisch gesenkt werden, während die Attraktivität für qualifizierte Mitarbeiter erhalten bleibt oder sogar steigt.
Ein besonders großer Hebel zur Reduzierung von Personalkosten liegt im Bereich der Mitarbeiterentwicklung. Traditionelle Präsenzveranstaltungen belasten das Budget von Unternehmen massiv. Hier setzt die Real Estate Academy (REA) an, die als eine Art „Netflix für die Immobilienwirtschaft“ konzipiert ist. Sie ermöglicht es Mitarbeitern, sich zeit- und ortsunabhängig fortzubilden.
„Mach nicht alle Fehler selber und sei nicht der Meinung, dass du alles alleine hinbekommst, hol dir sofort einen Mentor.“ — Patrick Reininger
Die finanziellen Vorteile einer solchen Online-Lösung werden im direkten Vergleich mit klassischen Formaten überdeutlich. Eine einzige Präsenzschulung summiert sich schnell auf mehrere Tausend Euro pro Mitarbeiter.
Ein wesentlicher Aspekt von Weiterbildung in der Immobilienbranche ist die gesetzliche Nachweispflicht. Für Immobilienmakler und Hausverwalter gelten strenge Vorgaben nach der Makler- und Bauträgerverordnung (MABV), die regelmäßige Schulungen vorschreiben. Die REA ist entsprechend zertifiziert, sodass die absolvierten Online-Stunden direkt für diese Pflichtstunden angerechnet werden können.
Damit Arbeitgeber den Überblick behalten, bietet die Plattform ein transparentes Reporting im Backend. Vorgesetzte können genau einsehen, welche Module erfolgreich abgeschlossen wurden. Dies lässt sich hervorragend für die HR-Planung nutzen:
Neben der Weiterbildung birgt die Personalgewinnung ein enormes Potenzial zur Kostenoptimierung. Die klassische Methode des „Post and Pray“ – also eine Stellenanzeige auf einem Jobportal hochzuladen und passiv auf Bewerbungen zu hoffen – ist in der heutigen Zeit wirkungslos geworden. Sie führt zu langen Vakanzzeiten, die den Unternehmen durch unbesetzte Stellen und entgangene Aufträge massiv Geld kosten.
„Das klassische 'Post and Pray' – eine Stellenanzeige hochladen und beten, dass sich jemand meldet – funktioniert heute einfach nicht mehr.“ — Patrick Reininger
Die moderne Personalgewinnung muss sich stattdessen darauf konzentrieren, den großen Markt der passiven Kandidaten zu erschließen. Dies sind Fachkräfte, die zwar nicht aktiv auf Jobsuche sind, aber bei einem passenden und professionell präsentierten Angebot durchaus wechselwillig wären.
Um junge Talente der Geburtsjahrgänge 1997 bis 2012 erfolgreich zu rekrutieren, müssen Arbeitgeber umdenken. Die Ansprüche dieser Generation haben sich im Vergleich zu früheren Dekaden drastisch verändert. Wer hier mit veralteten Methoden wirbt, verliert den Anschluss im Wettbewerb um die besten Köpfe.
Um passive Kandidaten zielgerichtet zu erreichen, spielen soziale Netzwerke eine entscheidende Rolle. Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok und LinkedIn bieten durch ausgefeilte Algorithmen und künstliche Intelligenz präzise Targeting-Möglichkeiten. Dadurch können Streuverluste im Vergleich zu klassischen Anzeigen minimiert werden.
Unternehmen können potenzielle Bewerber exakt nach Branche, aktueller Position und Qualifikation filtern und direkt in ihrem gewohnten privaten Umfeld ansprechen. Dieser Ansatz verkürzt die Zeit bis zur Stellenbesetzung massiv. Die daraus resultierende Reduzierung der Vakanzzeit spart den Unternehmen unter dem Strich erhebliche Summen an Opportunitätskosten.
Ein weiterer physischer Hebel zur Einsparung von Betriebskosten is die Optimierung von Büroflächen. Bedingt durch den Wandel hin zu Remote Work und Homeoffice stellen viele Immobilienunternehmen fest, dass große Teile ihrer Büroflächen ungenutzt bleiben. Der Trend geht daher eindeutig hin zu einer Verkleinerung der angemieteten Flächen bei gleichzeitiger Aufwertung der Ausstattung.
Hybride Arbeitsmodelle, bei denen Mitarbeiter abwechselnd im Büro und von zu Hause aus arbeiten, werden sich langfristig als Standard etablieren. Eine vollständige Rückkehr zu einer 100-prozentigen Präsenzpflicht im Büro hält Patrick Reininger für unrealistisch, da dies im anhaltenden Fachkräftemangel die Gewinnung neuer Mitarbeiter massiv erschweren würde. Das Büro wird stattdessen zu einem Ort der Begegnung und des kreativen Austauschs.
Die deutsche Immobilienbranche belegt bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich oft die hinteren Plätze. Ein wesentlicher Grund dafür ist das deutsche Streben nach der perfekten, fehlerfreien Lösung vor dem Marktstart. Reininger plädiert hier dringend für ein Umdenken hin zu agileren Arbeitsweisen.
„Wir Deutsche neigen oft dazu, dass wir eine 108-Prozent-Lösung brauchen. Es würde uns guttun, mit einer 80-Prozent-Lösung in den Markt zu gehen.“ — Patrick Reininger
Anstatt Digitalisierungsprojekte jahrelang theoretisch zu planen und aufgrund von Perfektionismus gar nicht erst umzusetzen, sollten Unternehmen den Mut haben, mit soliden 80-Prozent-Lösungen in den Markt zu gehen. Durch diesen sogenannten MVP-Ansatz (Minimum Viable Product) können digitale Werkzeuge im echten Arbeitsalltag erprobt und iterativ Schritt für Schritt verbessert werden, um schnell messbare Kosteneinsparungen zu realisieren.
Dies gelingt vor allem durch die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen, die Implementierung digitaler statt teurer Präsenz-Weiterbildungen sowie die Verkürzung von Vakanzzeiten im Recruiting.
Eine Präsenz-Weiterbildung inklusive Tickets, Reisekosten und Arbeitsausfall summiert sich schnell auf 3.000 bis 4.000 Euro pro Person. Eine Online-Plattform wie die Real Estate Academy kostet hingegen nur einen dreistelligen Betrag (ca. 970 Euro) pro Mitarbeiter im Jahr.
Die REA ist eine Online-Weiterbildungsplattform („Netflix für die Immobilienbranche“), auf der sich Mitarbeiter zeit- und ortsunabhängig fortbilden können. Sie bietet praxisorientierte Lernpfade sowie eine Lernerfolgskontrolle für Arbeitgeber.
Ja, die Kurse der Real Estate Academy sind zertifiziert und voll anrechenbar auf die gesetzliche Nachweispflicht für Makler und Hausverwalter (20 Stunden in drei Jahren).
Klassische Stellenanzeigen erreichen meist nur aktiv Suchende. Da der Fachkräftemangel hoch ist, müssen stattdessen passive Kandidaten gezielt dort angesprochen werden, wo sie sich digital aufhalten.
Wichtig sind transparente, realistische Gehaltsangaben in Stellenanzeigen, kurze und visuell ansprechende Kommunikationswege sowie echte Benefits wie flexible Arbeitszeiten und Remote-Work-Optionen.
Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok und LinkedIn eignen sich hervorragend, da ihre Algorithmen und KI-Schnittstellen eine sehr präzise, zielgerichtete Ansprache passiver Kandidaten ermöglichen.
Durch die Etablierung von Homeoffice- und Remote-Modellen sinkt der physische Flächenbedarf. Unternehmen können kleinere, aber qualitativ hochwertigere Büroflächen anmieten und so Mietkosten sparen.
Deutsche Unternehmen neigen oft zu einem Perfektionismus, bei dem erst eine 108-Prozent-Lösung stehen muss, bevor etwas implementiert wird. Das bremst die agile Anpassung an digitale Marktstandards aus.
Sein wichtigster Rat lautet, nicht alle Fehler selbst zu machen und zu versuchen, alles allein zu lösen, sondern sich frühzeitig erfahrene Mentoren an die Seite zu holen.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.