
Wie nutzen Immobilienprofis LinkedIn und Instagram richtig? Carina Hahn erklärt funktionierende Strategien für Personal Branding und Reichweite.
Die Immobilien- und Bauwirtschaft bildet in Sachen Digitalisierung und moderner Kommunikation im Vergleich zu anderen Branchen häufig das Schlusslicht. Viele Unternehmen haben in den letzten zwanzig Jahren florierende Geschäfte gemacht, ohne jemals aktives Marketing betreiben zu müssen. In Zeiten von Fachkräftemangel und sich verändernden Marktdynamiken rächt sich dieses Versäumnis jedoch spürbar. Wer heute keine digitale Sichtbarkeit besitzt, verliert den Anschluss bei der Gewinnung von Talenten, künftigen Partnern und Kunden.
Social Media fungiert hierbei als mächtiger Hebel, um sich von klassischen, oft teuren Medienkanälen unabhängig zu machen und eine eigene, starke Marke aufzubauen. Durch den gezielten Einsatz von Plattformen wie LinkedIn und Instagram lässt sich nicht nur das verstaubte Image einer konservativen Branche aufpolieren, sondern eine direkte Verbindung zur Zielgruppe herstellen.
„Man ist plötzlich nicht mehr abhängig von den klassischen Medien, sondern man kann seine eigene Brand aufbauen.“ — Carina Hahn
Für Akteure in der Immobilienbranche stellt sich unmittelbar die Frage nach dem passenden Kanal. Jede Plattform bedient unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten, Zielgruppen und Konsummuster:
Bevor ein einziges Posting abgesetzt wird, muss Klarheit über die genaue Zielgruppe herstehen. Im Marketing wird dabei strikt zwischen zwei Kategorien von Daten unterschieden:
Erst wenn diese Faktoren hinreichend analysiert sind, lässt sich relevanter Content erstellen. Der gemeinsame Nenner in einer heterogenen Gruppe, wie beispielsweise bei den Veranstaltungen der "Real Estate Lounge", liegt meist im ausgeprägten Willen zum proaktiven Netzwerken und im Karrieredrang.
Ein fundamentales Prinzip der modernen sozialen Netzwerke lautet: "People follow People". Nutzer vernetzen sich lieber mit echten Persönlichkeiten als anonymen Firmenlogos zu folgen. Der exakt gleiche Beitrag erzielt auf einem privaten Profil nachweislich ein Vielfaches an Reichweite und Interaktion im Vergleich zu einer offiziellen Unternehmensseite.
Unternehmen sollten diese Dynamik nutzen, indem sie ihre eigenen Mitarbeiter gezielt zu Markenbotschaftern aufbauen. Wenn Beschäftigte authentische Einblicke in ihre tägliche Arbeit gewähren, stärkt das nicht nur das Employer Branding, sondern zahlt direkt auf das Vertrauen in die gesamte Firma ein.
„Die meisten Social Media Accounts der Immobilien- und Bauwirtschaft oder der Firmen sind total langweilig.“ — Carina Hahn
Damit die Belegschaft angstfrei und rechtssicher auf Plattformen agieren kann, bedarf es klarer Spielregeln. Zu restriktive Vorgaben hemmen jedoch die Kreativität. Ein pragmatischer Ansatz umfasst folgende Schritte:
Wer sich ambitionierte Wachstumsziele setzt, beispielsweise das Erreichen von 10.000 Followern innerhalb eines Jahres, muss auf Quantität und moderne Formate setzen. Die Plattform-Algorithmen pushen derzeit massiv Kurzvideo-Formate (Reels und Shorts). Die ideale Frequenz für solch ein dynamisches Wachstum sieht wie folgt aus:
Der größte Bremsklotz für diesen Weg ist oft das eigene Ego. Wer Angst davor hat, im Bekanntenkreis als "peinlich" oder "cringe" wahrgenommen zu werden, blockiert sich selbst. Authentizität im Netz verlangt Mut zu unperfekten Momenten.
Professioneller Video-Content erfordert heute kein teures Filmstudio mehr. Mit minimalem Equipment lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen:
Für die Postproduktion und Untertitelung haben sich Tools wie CapCut, Premiere Pro und die KI-gestützte App „Captions“ bewährt. Künstliche Intelligenz wie ChatGPT sollte jedoch nur als Assistenz zur Ideenfindung genutzt werden, da rein KI-generierte Floskeln von aufmerksamen Lesern schnell durchschaut werden.
„Auf Social Media sollte man nicht irgendjemandem sagen, dass man nur noch siezen darf, das ist das falsche Medium.“ — Carina Hahn
Carina Hahn hat mit ihrer Agentur Olymp Consulting eine klare Mission: Sie möchte die Pioniere der Bau- und Immobilienwirtschaft sichtbar machen. Ihr Fokus liegt auf Social-Media-Betreuung, Content-Marketing und strategischem Personal Branding. Neben ihrer Agenturarbeit betreibt sie gemeinsam mit Lars von den Green Engineers den erfolgreichen wöchentlichen Podcast "38% – Städte neu denken".
Der Titel des Podcasts leitet sich vom erschreckenden Umstand ab, dass die Immobilien- und Bauwirtschaft für stolze 38 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist. Der Podcast beleuchtet innovative Lösungsansätze, wie Städte durch Digitalisierung und Nachhaltigkeit zukunftsfähig gestaltet werden können. Für Branchenakteure gilt es nun, diese Innovationsfreude auch in der eigenen Kommunikation mutig umzusetzen.
LinkedIn ist die klare Nummer eins für das B2B-Geschäft und Personal Branding in der Immobilienwirtschaft. Instagram und TikTok eignen sich hervorragend für visuellen Video-Content und den Aufbau einer breiten Marktfanschar, während YouTube anspruchsvoll in der Produktion ist und mehr Budget erfordert.
Viele Betriebe haben jahrzehntelang kein aktives Marketing benötigt und pflegen eine konservative Firmenkultur. Zudem besteht oft die unbegründete Angst, auf Plattformen wie TikTok tanzen oder sich peinlich präsentieren zu müssen.
Menschen folgen lieber Menschen als anonymen Logos. Beiträge auf persönlichen Profilen (Personal Branding) erzielen auf Plattformen wie LinkedIn nachweislich deutlich mehr organische Reichweite und Engagement als der exakt gleiche Post auf einer echten Unternehmensseite.
Unternehmen sollten mit einem gemeinsamen Workshop starten, um die Mitarbeiter abzuholen und bestehende Unsicherheiten abzubauen. Mit schlanken Guidelines und Freigabeprozessen, beispielsweise für sensible Projektdaten, wird den Beschäftigten die nötige Freiheit zum Posten gegeben.
Ein pauschales Crossposten aller Inhalte auf allen Plattformen sollte vermieden werden, da Instagram, LinkedIn und TikTok unterschiedliche Zielgruppen und Kontexte bedienen. Lediglich bei universellen Kurzvideo-Formaten wie Reels, TikToks und YouTube Shorts ist ein paralleles Veröffentlichen zeiteffizient und sinnvoll.
Um ein ambitioniertes Ziel wie 10.000 Follower in einem Jahr zu erreichen, empfiehlt sich eine Frequenz von fast täglich, also etwa fünf Reels pro Woche. Ergänzend sollten täglich drei bis fünf kurze Storys aus dem Alltag geteilt werden.
Zwar haben informative Carousels und Textbeiträge ihre Berechtigung, doch Videos werden von den Algorithmen der Social-Media-Kanäle derzeit extrem gepusht. Authentische Insights, Teamfotos und spontane Alltagssituationen performen in puncto Engagement meist weitaus besser als reine Infografiken.
Ein modernes Smartphone reicht für den Einstieg völlig aus. Wichtig sind ein hochwertiges Ansteckmikrofon für klaren Ton, ein einfaches Stativ und eine gute Lichtquelle. Für dynamische Aufnahmen auf Events oder Baustellen kann ein Gimbal Erschütterungen ausgleichen.
Anzeigen auf LinkedIn sind im Vergleich zu Meta-Plattformen verhältnismäßig teuer. Sie machen vor allem dann Sinn, wenn man die Zielgruppe in einen konkreten Lead-Funnel leitet, beispielsweise für die Anmeldung zu einem gefragten Webinar, statt direkt eine hochpreisige Dienstleistung zu bewerben.
Tools wie ChatGPT eignen sich hervorragend als Ideengeber, zur Strukturierung oder zum Lektorieren von Inhalten. Für hochwertige, authentische Social-Media-Beiträge müssen die Texte jedoch persönlich nachbearbeitet werden, da Leser standardmäßig optimierte KI-Floskeln schnell durchschaut werden.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.