
Mark Fitz-Krugel erklärt, wie er den Telemoritz in Hannover ohne Eigenkapital vor dem Abriss bewahrte & Investoren per Storytelling gewann.
Der Fernsehturm in Hannover, auch bekannt als VW-Telemoritz, stand Anfang 2024 kurz vor dem Aus. Der 160 Meter hohe Gigant aus Sichtbeton diente jahrzehntelang als Werbeträger für Volkswagen. Doch der Zahn der Zeit nagte an dem brutalistischen Bauwerk. Da der Beton bröckelte und die Instandhaltung teuer wurde, plante VW Nutzfahrzeuge den kompletten Rückbau, was rund zehn Millionen Euro gekostet hätte.
In dieser kritischen Phase entstand eine Rettungsinitiative rund um den Kölner Immobilienmarketing-Experten Mark Fitz-Krugel, den Hannoveraner Kreativunternehmer Daniel Flieger und DJ Musti. Gemeinsam weigerten sie sich zu akzeptieren, dass diese städtische Ikone einfach abgerissen wird. Ihr Ziel war es, dem Betonkoloss neues Leben einzuhauchen, anstatt ihn der Abrissbirne zu überlassen.
Der Startschuss fiel über ein LinkedIn-Live-Event von Michael Fritz, dem Gründer von Viva con Agua. Mark Fitz-Krugel sah das Gespräch mit Daniel Flieger und bot spontan seine Expertise in der Immobilienbranche an. Es war die Geburtsstunde eines ungewöhnlichen Trios, das völlig ohne Eigenkapital antrat, um ein 50-Millionen-Euro-Projekt zu stemmen. Aus diesem Zusammenschluss entstand das Konzept „Der gute Turm“.
Mit einem Budget von null Euro musste das gesamte Marketing auf organische Reichweite setzen. Anstatt teure Agenturen zu buchen, nutzte das Team soziale Netzwerke und aktivierte die Bürgerschaft. Das Logo und die Grundidee wurden als offene Plattform geteilt, sodass Menschen das Projekt aktiv mitgestalten konnten.
„Wir hatten man muss sagen Null, Null Euro im Prinzip mussten wir uns Dinge überlegen...“ — Mark Fitz-Krugel
Die größte Hürde lag in den von VW geforderten Garantien. Um den Turm zu übernehmen, mussten die Initiatoren nachweisen, dass sie die Sanierung im Wert der veranschlagten Rückbaukosten von mindestens 10 bis 12 Millionen Euro bewältigen können. Ohne eigene Millionen bauten sie ein Netzwerk aus Unterstützern auf, die Garantien in Form von baulichen Sachleistungen abgaben.
Dieses Sponsoren-Modell sicherte dem Projekt schnell die nötige wirtschaftliche Basis. Zahlreiche regionale Akteure schlossen sich der Bewegung an:
„Der gute Turm“ sollte kein rein kommerzielles Spekulationsobjekt werden. Das ambitionierte Konzept beruhte auf einer starken sozialen Komponente, bei der bis zu 45 Prozent der Einnahmen an gemeinnützige und kreative Zwecke in Hannover sowie weltweit zurückfließen sollten. Um die Sanierungs- und Betriebskosten zu tragen, entwickelten die Initiatoren ein einzigartiges Nutzungskonzept:
In einer oft als konservativ geltenden Immobilienbranche ging das Projektteam unkonventionelle Wege. Die Einbindung von DJ Musti brachte eine Welle der Begeisterung mit sich. Als international tourender Künstler mit starken hannoverschen Wurzeln war er die ideale Brücke zwischen etablierten Akteuren und einer jungen Zielgruppe.
Viele Projektentwickler scheuen den Einsatz von Influencern, weil sie Kontrollverlust befürchten. Im Fall des Telemoritz bewies das Team jedoch, dass echter Mut belohnt wird. Zahlreiche lokale Kreative erstellten unbezahlten Content, bauten den Turm aus Legosteinen nach oder porträtierten ihn künstlerisch. Es entstand ein massiver öffentlicher Druck, dem sich schlussendlich auch Politik und Eigentümer anschließen mussten.
„Was nützt ein tolles Expose, wenn die Geschichte halt langweilig, austauschbar und generalistisch ist.“ — Mark Fitz-Krugel
Der Erfolg des Marketings war überwältigend. Innerhalb weniger Monate wurde erreicht, dass die Stadt Hannover den Turm offiziell unter Denkmalschutz stellte. Ein Abriss durch VW war damit vom Tisch – das wichtigste Etappenziel war erreicht. Die Verträge zur Übertragung des Bauwerks an die neu gegründete „Gute Turm GmbH“ lagen bereits unterschriftsreif bereit.
Doch in letzter Sekunde änderte sich das Blatt. Ein privater Bauunternehmer tauchte mit einem Alternativkonzept für Apartments am Turm auf. Ausgestattet mit deutlich mehr liquiden Mitteln erhielt dieser Bieter den Vorzug von Volkswagen. Für das engagierte Team um Fitz-Krugel war das ein herber Rückschlag, doch die Rettung des Bauwerks bleibt ihr unbestreitbarer Verdienst.
„Am Ende ohne uns wäre da jetzt ein großes Loch gewesen, wo der Turm gestanden hat...“ — Mark Fitz-Krugel
Auch wenn die Initiatoren das Projekt am Ende nicht selbst realisieren durften, liefert die Rettung des Telemoritz wertvolle Lehren. Traditionelle Bauträger unterschätzen oft den Wert einer Bestandsimmobilie und deren emotionale Verankerung in der Bevölkerung. Marketing darf nicht erst einsetzen, wenn der Beton bereits gegossen ist, sondern muss als strategisches Instrument von Anfang an die Planung leiten.
Einzigartige Geschichten, Transparenz und die aktive Beteiligung von Bürgern schaffen eine unschätzbare Community. Bedenkenträger verblassen, wenn Hunderte begeisterte Unterstützer die Vision mitgestalten und freiwillig verbreiten. So entstehen zukunftsfähige Quartiere mit echter Identität statt steriler Spekulationsobjekte.
Das Abenteuer Telemoritz hat das kreative Feuer der Beteiligten erst richtig entfacht. Mark Fitz-Krugel und Daniel Flieger blicken bereits auf das nächste Projekt: das "Event-Klo" in Hannover. Sie wollen ungeliebte öffentliche Toiletten, die oft als Angsträume wahrgenommen werden, in kunstvoll designte Wohlfühl- und Erlebnisorte verwandeln.
Auch hier wird wieder die bekannte Symbiose aus gehobenem Design, modernem Entertainment, digitaler Interaktion und einem integrierten Spendenmodell zum Einsatz kommen. Hierbei wird erneut bewiesen, dass kreatives Immobilienmarketing keine Grenzen kennt und selbst aus den ungemütlichsten Winkeln einer Stadt echte, gemeinschaftliche Erlebnisse formieren kann.
Die Erhaltung des 160 Meter hohen Betonturms war für VW Nutzfahrzeuge zu teuer, da bereits Betonteile abbröckelten und Sicherheitsrisiken entstanden. Ein Abriss hätte das Unternehmen rund zehn Millionen Euro gekostet.
Die Kampagne wurde von einem Trio ins Leben gerufen: dem Immobilienmarketing-Experten Mark Fitz-Krugel, dem Kreativunternehmer Daniel Flieger und dem bekannten Hannoveraner DJ Musti.
Die Initiatoren starteten ohne eigenes Kapital. Sie sammelten Verträge über 10 bis 12 Millionen Euro in Form von Bausachleistungen von lokalen Handwerkern, Architekten und Bauunternehmern ein, um VW eine Alternative zum Abriss zu bieten.
Geplant waren intime Wohnzimmerkonzerte (ähnlich MTV Unplugged) für rund 200 Personen an der Turmspitze, exklusive VIP-Lounges, eine riesige 360-Grad-Lichtwerbefläche an der Außenseite und eine Netflix-Dokumentation.
Da Eintrittskarten regulär zehntausende Euros gekostet hätten, wurde eine Lotterie konzipiert. Tickets sollten über Lose im Wert eines Cappuccinos verlost werden, um soziale Teilhabe zu garantieren.
Der involvierte DJ Musti nutzte seine Bekanntheit als starkes Zugpferd in Hannover, um Türen zum Oberbürgermeister und großen Projektpartnern zu öffnen. Auch lokale Mikro-Influencer teilten die Inhalte unbezahlt aus eigener Überzeugung.
Obwohl der gute Turm unter Denkmalschutz gestellt wurde, entschied sich VW kurz vor Vertragsunterzeichnung für ein Konkurrenzkonzept eines Wohnungsbauunternehmens, das Mikro-Apartments realisieren und mehr liquide Mittel vorweisen konnte.
Die Initiatoren gewannen den ICG Award in der Sonderpreiskategorie. Dieser renommierte Preis würdigte das herausragende Engagement und die nachhaltige soziale Vision des Projekts 'Der gute Turm'.
Projektentwickler sollten Bestandsimmobilien nicht sofort abreißen, sondern emotionales Storytelling nutzen. Ein Gebäude braucht eine Seele und soziale Relevanz, um die Community und Kommunen für sich zu gewinnen.
Das Team plant das sogenannte „Event-Klo“ – die Aufwertung und Umgestaltung einer ungemütlichen öffentlichen Toilette in Hannover in einen hochästhetischen, kunstvoll beleuchteten und unterhaltsamen Erlebnisort mit sozialem Zweck.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.