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    Real Estate Lounge · 13. März 2025

    Revitalisierung von Industriebrachen: Risiken beherrschen

    13. März 2025 81 Min. 4 Min. Lesezeit
    Revitalisierung von Industriebrachen - Roland Breuning erklärt wie man Risiken beherscht

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Das Einbeziehen von Politik und Denkmalbehörden in einer sehr frühen Phase minimiert behördliche Hürden und beschleunigt den Genehmigungsprozess.
    • Ein schrittweiser Abverkauf und Bau Haus für Haus reduziert das finanzielle Risiko bei der Entwicklung von Großarealen erheblich.
    • Die unvorhersehbaren Kosten für Altlasten im Boden und marode Entsorgungsleitungen gehören zu den größten finanziellen Risiken bei Revitalisierungsprojekten.
    • Echtes Storytelling, das auf der realen Historie des Gebäudes basiert, ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Vermarktung ohne klassische Makler.
    • Der Erhalt von grauer Energie im Altbestand ist ökologisch nachhaltiger als ein Neubau und schafft durch einzigartigen Charme einen langfristigen Vermietungsvorteil.
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    Wie saniert man eine alte Brauerei rentabel? Roland Breuning erklärt, wie du Risiken bei Denkmalschutz, Altlasten & Statik erfolgreich beherrschst.

    Mut zum Altbau: Warum sich die Revitalisierung von Brachen lohnt

    Das Bauen im Bestand wird in Zeiten des Klimawandels und schwindender Flächen immer wichtiger. Während viele Projektentwickler den scheinbar einfacheren Weg auf die grüne Wiese wählen, konzentriert sich Roland Breuning mit Leidenschaft auf vergessene historische Areale. Die Revitalisierung von Industriebrachen erfordert jedoch Mut, Durchhaltevermögen und eine hohe Begeisterungsfähigkeit.

    • Alleinstellungsmerkmal: Da viele Marktteilnehmer die unkalkulierbaren Risiken scheuen, sichern sich mutige Entwickler ein exklusives Marktsegment ohne breite Konkurrenz.
    • Unterbewusste Anziehungskraft: Historische Bausubstanz vermittelt eine eigene Ästhetik, die Mieter und Käufer emotional anspricht.
    • Langfristige Ertragssicherheit: Aufgrund des einzigartigen Charakters verzeichnen historische Quartiere selbst in wirtschaftlichen Krisenzeiten kaum Leerstände.

    Von der Idee zum Konzept: Der richtige Start in die Projektentwicklung

    Ein erfolgreiches Revitalisierungsprojekt beginnt immer mit einer kreativen Vision und nicht mit nackten Tabellen kalkulierender Kaufleute. Roland Breuning und seine Frau suchen den emotionalen Zugang zu einem neuen Areal und widmen sich als Erstes der historischen Erforschung der Liegenschaft.

    • Historische Detektivarbeit: Durch das Studium alter Pläne und Gespräche mit Zeitzeugen wird die wahre Geschichte des Objekts geborgen.
    • Bierdeckelkalkulation: Die ersten wirtschaftlichen Hochrechnungen erfolgen bewusst erst, nachdem ein tragfähiges Nutzungskonzept steht.
    • Frühzeitige Partnerwahl: Die Politik und lokale Behörden werden bereits in der Konzeptionsphase aktiv in die Überlegungen eingebunden.

    Risikomanagement und Due Diligence im Altbestand

    Im Gegensatz zum Neubau bleiben bei der Sanierung historischer Gebäude bis zum Schluss gewisse Restrisiken bestehen. Ein erfahrener Projektentwickler muss lernen, diese Risiken planvoll einzugrenzen, um finanzielle Desaster zu verhindern.

    „Du bist beim Bestandsgebäude erst dann bei 100 Prozent, wenn du es komplett durchentwickelt und durchgeplant hast.“ — Roland Breuning

    • Statische Vorprüfung: Die Tragfähigkeit der historischen Bausubstanz muss durch erfahrene Prüfstatiker abgeklärt werden.
    • Brandschutzkonzepte: Trotz Bestandsschutz erfordert die Nutzungsänderung moderne Brandschutznachweise, die frühzeitig konzipiert werden müssen.
    • Schadstoffkataster: Asbest, künstliche Mineralfasern oder belastete Böden müssen vor dem Ankauf systematisch beprobt werden.

    Die Vorvertrag-Strategie bei komplexen Liegenschaften

    Um die hohen Planungskosten in der Vorphase abzusichern, arbeitet Roland Breuning mit einer durchdachten Vorvertrag-Strategie. Bis zu drei Jahre können vergehen, bis ein Areal final erworben wird, nachdem alle wesentlichen Risiken minimiert wurden.

    „Ein bisschen wahnsinnig muss man sein, wenn man das macht. Oder ein bisschen zumindest leidenschafts- oder begeisterungsgetrieben.“ — Roland Breuning

    • Exklusivität sichern: Ein Letter of Intent (LOI) garantiert, dass während der intensiven Prüfungsphase keine Verhandlungen mit Dritten laufen.
    • Politischer Rückhalt: Erst nach einer fraktionsübergreifenden Vorstellung und breiten Zustimmung im Stadtrat wird der Ankauf besiegelt.
    • Schnittstellen absichern: Gesetzliche Zusagen und Besprechungsergebnisse mit Ämtern werden durch detaillierte Aktennotizen rechtssicher dokumentiert.

    Vorzeigeprojekt Bürgerbräu Würzburg: Vom Sanierungsfall zum Kreativquartier

    Das Bürgerbräu-Areal in Würzburg stand über 22 Jahre leer, bevor Roland Breuning die vier Hektar große Brauerei übernahm. Heute gilt das Projekt als ein Paradebeispiel für eine gelungene Quartiersentwicklung, die Historie und Moderne verbindet.

    „80% ist Unterbewusstsein, was der Mensch wahrnimmt, 20% ist Bewusstsein“ — Roland Breuning

    • Hausweise Aufteilung: Da die Finanzierung des Gesamtvolumens zu riskant war, wurde das Areal in einzelne Häuser aufgeteilt und sukzessive saniert.
    • Glaubwürdigkeit schaffen: Das eigene Architekturbüro zog direkt in ein unsaniertes Start-up-Büro auf dem Gelände, um Präsenz zu demonstrieren.
    • Emotionaler Eigenvertrieb: Da externe Makler die Vision nicht transportieren konnten, übernahmen die Projektentwickler den Vertrieb komplett in Eigenregie.

    Größte Kostenfallen: Entsorgung und unerwartete Infrastrukturdefizite

    Selbst intensivste Planungen können im Altbau Überraschungen nicht gänzlich ausschließen. Beim Bürgerbräu-Areal lauerten die größten Kostentreiber unter der Erdoberfläche und betrafen vor allem die bestehende Infrastruktur.

    • Marode Medientrassen: Keine einzige bestehende Versorgungsleitung im Boden war nach Jahrzehnten des Verfalls noch nutzbar.
    • Explodierende Abfallgebühren: Die Entsorgung von belastetem Erdaushub und Bauschutt hat sich in den letzten Jahren drastisch verteuert und erfordert striktes Controlling.
    • Kompensationseffekte: Unvorhergesehene Mehrkosten müssen durch positive Überraschungen, wie eine unerwartet gute Grundsubstanz der Statik, ausgeglichen werden.

    Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Denkmalschutzbehörden

    Der Denkmalschutz wird von vielen Akteuren der Immobilienwirtschaft als unüberwindbares Hindernis wahrgenommen. Breuning beweist, dass ein partnerschaftlicher Dialog und gegenseitiges Verständnis zu exzellenten wirtschaftlichen Lösungen führen.

    • Empathischer Dialog: Amtsvormünder und Denkmalschützer sollten als fachliche Partner verstanden und frühzeitig vor Ort eingebunden werden.
    • Fundierte Argumentation: Umbauten und energetische Optimierungen lassen sich leichter durchsetzen, wenn sie auf historischen Baualtersplänen beruhen.
    • Weiterbauen erlauben: Ein Denkmal hat langfristig nur dann eine Überlebenschance, wenn es an moderne Lebens- und Arbeitsbedingungen angepasst wird.

    Nachhaltigkeit (ESG) und moderne Energiekonzepte im Altbau

    Die Revitalisierung schont nicht nur die verbleibenden Freiflächen, sondern rettet auch die im Gebäude gebundene graue Energie. Dennoch stellt die Wärmeversorgung im unzureichend gedämmten Altbestand eine komplexe Herausforderung dar.

    • Hackschnitzelheizungen: Große Biomasse-Anlagen haben sich in Breunings Projekten bewährt, da sie hohe Vorlauftemperaturen konstant liefern.
    • Fernwärmenutzung: Soweit ein städtisches Netz vorhanden ist, stellt Fernwärme die komfortabelste und nachhaltigste Lösung dar.
    • Ziegel-Recycling: Das Reinigen und Wiederauflegen historischer Ziegel spart Ressourcen und wird steuerlich im Rahmen der Denkmal-AfA gefördert.

    Neues Großprojekt und Ausblick: Kloster Kalvarienberg in Ahrweiler

    Nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 bewies Roland Breuning erneut strategischen Mut und erwarb das Kloster Kalvarienberg in Ahrweiler. Das Großprojekt bietet enorme Potenziale auf über 12.000 Quadratmetern Nutzfläche.

    • Baurecht erstritten: Nach langwierigen und komplexen Umweltprüfungen ist der Bebauungsplan für das gesamte Klostergelände rechtskräftig gesichert.
    • Multifunktionale Nutzung: Auf dem Berg direkt an den Weinbergen soll ein Mix aus Hotel, Wohnen und Freizeit entstehen.
    • Partner gesucht: Um das Investitionsvolumen zu stemmen, sucht Breuning aktive Co-Entwickler für die Neubauflächen sowie Investoren für das historische Kloster.

    Häufige Fragen

    Warum ist die Revitalisierung von Industriebrachen oft lukrativer als Neubau?

    Obwohl die Risiken höher sind, bietet der Altbestand einen einzigartigen Charakter (USP), der langfristig zu einer extrem hohen Vermietungssicherheit und minimalen Leerständen führt.

    Was sind die größten technischen Hürden bei historischen Gebäuden?

    Vor allem die unvorhersehbare Statik, veraltete Brandschutzanforderungen und unklare Schadstoffbelastungen in den Bestandsmaterialien.

    Wie lässt sich das finanzielle Risiko bei riesigen Arealen minimieren?

    Durch eine abschnittsweise, hausweise Entwicklung, bei der die einzelnen Gebäude sukzessive vermarktet und erst nach Erreichen einer Verkaufsquote saniert werden.

    Welche Fehler sollte man beim Ankauf einer Industriebrache unbedingt vermeiden?

    Man sollte niemals ohne vorherige, grundlegende Sondierungen (z. B. zu Altlasten oder Tragfähigkeit) kaufen oder ohne den planerischen Rückhalt der Politik zu kennen.

    Warum scheitern klassische Makler oft bei der Vermarktung von Revitalisierungsobjekten?

    Weil ihnen der tiefe Bezug zur Historie des Areals fehlt und sie die visionäre Story des zukünftigen Quartiers nicht mit der nötigen Begeisterung vermitteln können.

    Wie sieht ein idealer Vorvertrag mit dem Verkäufer oder der Kommune aus?

    Ein Letter of Intent (LOI) oder Notarvertrag mit langen Fristen sichert dem Entwickler die Exklusivität, während er in Ruhe bau- und denkmalrechtliche Vorprüfungen vornimmt.

    Welche Heizsysteme eignen sich am besten für historische Großbauten?

    Große Hackschnitzelanlagen (Biomasse) oder Fernwärme, da Wärmepumpen die für energetisch unzureichend gedämmte Altbauten nötigen hohen Vorlauftemperaturen im Winter kaum effizient leisten können.

    Wie profitiert eine Revitalisierung von ESG und Nachhaltigkeits-Hypes?

    Der Erhalt von Bestandsgebäuden spart immense graue Energie und reduziert den städtischen Flächenverbrauch – ökologische Faktoren, die heute für Banken und Investoren entscheidend sind.

    Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz reibungslos?

    Durch einen frühzeitigen, respektvollen Dialog auf Augenhöhe und einer tiefen Archivrecherche, um bauliche Veränderungen fundiert zu begründen.

    Welche Partner werden aktuell für das Projekt Kloster Kalvarienberg gesucht?

    Gesucht werden Kapitalgeber und Projektpartner aus der Region, die entweder Teile des historischen Klosters mitentwickeln oder die zugehörigen Neubauflächen realisieren möchten.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.