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    Real Estate Lounge · 3. April 2025

    Wohnungsbau günstiger machen: Wege aus der Krise

    3. April 2025 28 Min. 5 Min. Lesezeit
    So könnte Wohnen in Deutschland endlich günstiger werden. Teil 2

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Eine bundesweite Befreiung von der Grunderwerbsteuer beim Ersterwerb selbstgenutzter Immobilien würde die dringend benötigte Eigenkapitalbildung junger Familien massiv erleichtern.
    • Der soziale Wohnungsbau sollte systematisch von der unflexiblen Objektförderung auf eine zielgerichtete, einkommensabhängige Subjektförderung umgestellt werden.
    • Der Staat sollte keinesfalls selbst als Bauherr auftreten, da die freie Bauwirtschaft Projekte nachweislich effizienter, schneller und kostengünstiger realisieren kann.
    • Die Digitalisierung der Bauplanung mithilfe vernetzter, digitaler Bauhöfe optimiert die Gerätenutzung und senkt dadurch die operativen Baustellenkosten signifikant.
    • Die Etablierung einer echten Kreislaufwirtschaft scheitert in Deutschland aktuell an starren DIN-Normen und fehlenden bürokratischen Zulassungen für hochwertige Ersatzbaustoffe.
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    Wie lässt sich der Wohnungsbau in Deutschland wieder ankurbeln? Thomas Reimann spricht über Digitalisierung, Bürokratieabbau und Kreislaufwirtschaft.

    Wahlprogramme auf dem Prüfstand

    Die aktuellen politischen Wahlprogramme der großen deutschen Parteien versprechen weitreichende Reformen, um den kriselnden Wohnungsbau wieder anzukurbeln. Während die CDU verstärkt auf steuerliche Anreize, den Abbau von Bauvorschriften sowie die Abzugsfähigkeit energetischer Sanierungen bei der Erbschaftsteuer setzt, sieht die SPD die Lösung in jährlich 100.000 neuen Sozialwohnungen und einer unbefristeten Verschärfung der Mietpreisbremse. In der Realität scheitern diese Vorhaben jedoch allzu oft an der mangelnden Umsetzungskraft nach den Wahlen.

    Wohnungspolitische Zwangsmaßnahmen wie eine starre Mietpreisbremse werden von Branchenexperten durchgehend negativ bewertet, da sie das Grundproblem des fehlenden Wohnraums nicht lösen, sondern Investoren abschrecken. Um den Markt nachhaltig zu entspannen, braucht es pragmatische und verlässliche Ansätze, die der Bauwirtschaft neuen Mut und private Investoren zurück an den Verhandlungstisch holen.

    Eigentumsförderung und Steuerentlastung

    Um junge Familien in Deutschland wieder den Traum von den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, müssen bürokratische und finanzielle Hürden drastisch gesenkt werden. Ein äußerst effektiver Hebel ist dabei eine Anpassung der Grunderwerbsteuer, die beim ersten Kauf einer selbstgenutzten Wohnimmobilie bundesweit bis zu einem festgelegten Freibetrag vollständig entfallen sollte.

    • Verbesserung der Eigenkapitalbasis: Ein Entfall der Steuer entlastet Käufer direkt beim Erwerb und verringert das benötigte Kreditvolumen bei Banken deutlich.

    • Reaktivierung bewährter Konzepte: Der ehemalige Paragraf 7b des Einkommensteuergesetzes (EStG) sollte neu belebt werden, um die steuerliche Abschreibung von Anschaffungskosten über die ersten acht Jahre zu ermöglichen.

    • Hebung der Eigentumsquote: Deutschland belegt im europäischen Vergleich einen der hintersten Plätze bei der Wohneigentumsquote, was durch gezielte Förderung aktiv korrigiert werden muss.

    Neue Wege im sozialen Wohnungsbau: Subjektförderung

    Der klassische soziale Wohnungsbau in Deutschland bedarf dringend einer strukturellen Neuausrichtung. Anstatt Millionenbeträge in die sogenannte Objektförderung – also die Subventionierung bestimmter Gebäude – zu leiten, muss künftig konsequent die Subjektförderung im Mittelpunkt stehen.

    „Wir müssen mehr den Menschen oder die Familie sehen. Welche Einkommen hat er? Welche Personenzahl hat er?“ — Thomas Reimann

    Durch die direkte finanzielle Unterstützung bedürftiger Haushalte lässt sich eine gesunde soziale Durchmischung in Wohngebieten etablieren. Auf diese Weise können Menschen unterschiedlichster Einkommensklassen – von der Oberärztin im Schichtdienst bis zum Polizisten – harmonisch in einer modernen Wohnanlage zusammenleben, ohne dass stigmatisierte soziale Brennpunkte entstehen.

    Warum der Staat kein guter Bauherr ist

    Die im politischen Diskurs oft lautstark geäußerte Forderung, dass der Staat oder die Kommunen selbst als Wohnungsbauunternehmen aktiv werden sollten, wird von Fachleuten aus der Praxis entschieden zurückgewiesen. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen eindrücklich, dass staatlich geplante Bauvorhaben in der Regel weitaus teurer werden und deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

    „Der Staat ist nicht der Investor. Und der Staat ist auch nicht der Bauunternehmer, der hier Wohnungen bauen sollte.“ — Thomas Reimann

    Die deutsche Bauwirtschaft besitzt das notwendige Know-how und stünde bereit, jährlich bis zu 400.000 Wohnungen zu errichten. Damit das private Kapital jedoch wieder aktiviert wird, muss die Politik Vertrauen zurückgeben und bürokratische Restriktionen rasch abbauen, anstatt selbst als ineffizienter Bauherr aufzutreten.

    Digitalisierung und die Revolution der digitalen Bauhöfe

    Die Digitalisierung im Bauwesen darf sich nicht nur in der Theorie abspielen. Zwar ist die Einführung des digitalen Bauantrags ein wichtiger Schritt, doch in vielen Kommunen scheitert das Vorhaben an einer mangelhaften digitalen Infrastruktur der Ämter, was dazu führt, dass Dokumente für die manuelle Archivierung letztlich doch wieder ausgedruckt werden.

    • Ausbau der Infrastruktur: Erst eine leistungsfähige Netzanbindung in den Amtsstuben ermöglicht die Verarbeitung großer digitaler Datenmengen und Baupläne.

    • Einsatz digitaler Bauhöfe: Moderne Tracker an Baumaschinen erfassen Auslastung und Standzeiten, wodurch Fehlinvestitionen vermieden und Arbeitsprozesse optimiert werden.

    • Mobile Baustellensteuerung: Bauleiter koordinieren Projekte direkt vor Ort via Tablet und beschleunigen damit Abstimmungs- und Freigabeprozesse massiv.

    Nachhaltigkeit und Blockaden in der Kreislaufwirtschaft

    Nachhaltiges Bauen und wirtschaftliche Vernunft dürfen sich nicht ausschließen. Beim Thema Dämmung beispielsweise hat die deutsche Regulierungswut das wirtschaftlich vertretbare Maß längst überschritten. Anstatt Gebäude immer dicker zu dämmen, sollte der Fokus auf ein eigenverantwortliches und einfaches Heiz- und Lüftungsverhalten der Mieter gelegt werden.

    „Weniger wäre da manchmal mehr und ein vernünftigeres Lüftungs- und Heizungsverhalten...“ — Thomas Reimann

    Auch konstruktiv gibt es enormes Einsparpotenzial: Durch die Reduzierung von Geschossdecken von 30 Zentimetern auf bautechnisch vollkommen ausreichende 17 Zentimeter ließen sich immense Mengen CO2 und Material einsparen. Hindernisse zeigen sich jedoch vor allem in der Kreislaufwirtschaft, wo hervorragende Ersatzbaustoffe und Recyclingbeton oft aufgrund bürokratischer Hürden und fehlender staatlicher Zulassungen nicht für den Bau von Bundesstraßen oder Gebäuden genutzt werden dürfen. Das führt zu absurden Transportwegen von unbelastetem Erdaushub quer durch die gesamte Republik.

    Generationswechsel im Bauunternehmen

    Thomas Reimann, Präsident der hessischen Bauwirtschaft, hat den Generationswechsel in seinem traditionsreichen Familienbetrieb Alea Hochbau, der seine Wurzeln bis ins Jahr 1866 zurückverfolgt, frühzeitig geregelt. Das Unternehmen wurde erfolgreich in die Hände seines jüngsten Sohnes übergeben.

    • Fundierte Ausbildung: Der Nachfolger absolvierte nach seinem Betriebswirtschaftsstudium eine klassische Maurerlehre und hängte ein duales Ingenieurstudium an.

    • Konsequentes Vertrauen: Der Seniorchef zieht sich bewusst aus dem operativen Tagesgeschäft zurück und agiert nur noch als beratender Ansprechpartner bei Unsicherheiten.

    • Zukunftsorientierte Aufstellung: Das Unternehmen deckt das gesamte Leistungsspektrum vom kleinen Rohbau bis zur Großwohnanlage ab und ist im Zuge der Energiewende auch im Tiefbau aktiv.

    Immotalk TV: Brücken zwischen Bau- und Immobilienwirtschaft

    Um das wechselseitige Verständnis zwischen den Akteuren der Immobilienwirtschaft und den ausführenden Bauunternehmen zu stärken, hat Thomas Reimann das erfolgreiche Event- und Medienformat Immotalk TV gegründet.

    • Branchenübergreifender Dialog: Das Format bringt Investoren, Bauunternehmer und Vertreter der Landespolitik an einen Tisch.

    • Professionelle Begleitung: Die Moderation der hochkarätigen Runden wird von bekannten Wirtschaftsjournalistinnen wie Astrid Franja von NTV übernommen.

    • Blick in die Zukunft: Die Veranstaltungen finden an wechselnden Orten statt und liefern konkrete, praxisnahe Lösungsansätze statt reiner Kritik.

    Häufige Fragen

    Wie kann der Staat den Kauf von Wohneigentum für Familien erleichtern?

    Durch eine bundesweite Befreiung von der Grunderwerbsteuer beim erstmaligen Kauf einer selbstgenutzten Immobilie bis zu einem bestimmten Freibetrag sowie die Reaktivierung steuerlicher Abschreibungsmodelle wie dem Paragrafen 7b EStG.

    Was unterscheidet die Objektförderung von der Subjektförderung?

    Bei der Objektförderung wird der Bau eines gesamten Gebäudes subventioniert, während die Subjektförderung finanzielle Unterstützung projektunabhängig direkt an einkommensschwächere Familien vergibt.

    Sollte der Staat selbst Wohnungen bauen?

    Nein. Der freie Markt und die Baupraxis zeigen, dass private Akteure Bauprojekte wesentlich effizienter, schneller und kostengünstiger abwickeln können als der Staat selbst.

    Was versteht man unter einem digitalen Bauhof?

    Hierbei werden alle eingesetzten Maschinen und Geräte über Tracker digital erfasst, um deren genaue Auslastung zu analysieren, Fehlinvestitionen zu vermeiden und Arbeitsabläufe zu optimieren.

    Welche Probleme blockieren die Digitalisierung der Bauämter?

    Häufig fehlt es an der notwendigen technischen Infrastruktur und stabilen Netzen in den Behörden, weswegen digital eingereichte Bauanträge oftmals am Ende für die physische Archivierung doch wieder ausgedruckt werden müssen.

    Wie lässt sich beim Geschossdeckenbau CO2 einsparen?

    Indem man die Stärke der Geschossdecken von 30 Zentimetern auf bautechnisch vollkommen ausreichende 17 Zentimeter verringert, was erhebliche Mengen an mineralischem Baumaterial einspart.

    Warum scheitert die Nutzung von Recycling-Baustoffen in Deutschland oft?

    Weil sie aufgrund strenger gesetzlicher Auflagen, fehlender Zulassungen und starrer DIN-Normen für viele öffentliche Bauvorhaben, wie etwa den Straßenunterbau, gar nicht zugelassen sind.

    Was ist Alea Hochbau?

    Ein traditionsreiches deutsches Bauunternehmen mit Wurzeln bis 1866, das von Thomas Reimann erfolgreich an die sechste Generation übergeben wurde.

    Worum geht es beim Medienformat Immotalk TV?

    Es handelt sich um ein von Thomas Reimann initiiertes Veranstaltungs- und Talkformat, das Entscheider aus Politik, Bauwirtschaft und Immobilienbranche für lösungsorientierte Diskussionen digital und physisch zusammenbringt.

    Wen empfiehlt Thomas Reimann als spannende Podcast-Gäste?

    Er empfiehlt Stefan Ehinger (Präsident des Elektroverbandes) für Fragen zur Energiewende sowie Daniel Imhäuser für vertiefende Konzepte der Kreislaufwirtschaft.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.