
Tobias Claessens (Currily AG) verrät im Interview, wie er vom Clubbesitzer mit Schulden zum Immobilienmillionär wurde und 7.000 Event-Gäste anzieht.
Der Weg von Tobias Claessens in die Immobilienbranche verlief alles andere als geradlinig. Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Steuerfachangestellten und einem ungeliebten Wirtschaftsstudium wagte er den Sprung in die Stuttgarter Nachtszene. Mit dem Betrieb des bekannten Nachtclubs „Wonders“ sammelte er erste unternehmerische Erfahrungen, stand jedoch bald vor massiven finanziellen Herausforderungen und Millionenschulden.
Der Wendepunkt kam mit dem Einstieg in den Immobilienmarkt. Nach einem holprigen Start mit einem unrentablen Tiefgaragenstellplatz und einer kleinen Einzimmerwohnung entdeckte Tobias das Potenzial des aktiven Immobilienhandels (Fix & Flip). Bereits sein erster Handelsdeal im Jahr 2014 brachte einen Gewinn von rund 70.000 Euro ein.
„Der Markt für Immobilien zwischen 5 und 15 Millionen Euro ist zu groß für Private und zu klein für die ganz großen Institutionellen.“ — Tobias Claessens
In den Folgejahren skalierte er dieses Geschäft rasant von sechs Einheiten im ersten Jahr auf rund 30 Einheiten im Folgejahr. Aus dem anfänglichen Hobby neben dem Clubbetrieb entwickelte sich ein hochprofessionelles Immobilienunternehmen.
Die Currily AG – deren Name sich von „Recurring Revenue“ (wiederkehrende Einnahmen) ableitet – verfolgt die Vision, den Immobilienmarkt digital neu zu denken. Ziel ist es, Anlegern eine Plattform zu bieten, über die sie ähnlich unkompliziert wie bei einer Dividendenaktie verlässliche Mieteinnahmen generieren können.
Das Unternehmen agiert in einer klar definierten Marktnische:
Ankaufsvolumen: Fokussierung auf Objekte im Wertbereich von 5 bis 15 Millionen Euro.
Marktvorteil: Diese Größenordnung ist für private Investoren zu groß und für institutionelle Family Offices oder Fonds noch zu klein, was den Wettbewerb stark reduziert.
Wertschöpfung: Aktive Sanierung, Entwicklung und Optimierung der erworbenen Bestände durch das eigene Team.
Zukunftsvision: Die Tokenisierung von Immobilienanlagen, um maximale Transparenz und Liquidität für Kleinanleger zu schaffen.
Durch die geplante Tokenisierung sollen Anleger in rechtlich eigenständige, digitale Anteile kleinerer Immobiliengesellschaften investieren können. Dieser Ansatz soll die Intransparenz des klassischen Immobilienmarktes aufbrechen und schnelle, unkomplizierte Transaktionen direkt per Smartphone-App ermöglichen.
Viele Einsteiger erliegen dem Mythos, dass der Kauf einer einzelnen Eigentumswohnung ein vollkommen passives Einkommen generiert. Die Realität sieht oft anders aus: Kleinstreparaturen, Mieterwechsel und bürokratischer Aufwand fressen wertvolle Zeit und schmälern die Rendite.
Tobias verdeutlicht dies an typischen Alltagsbeispielen, die jeder private Vermieter kennt:
Instandhaltungsaufwand: Defekte Haushaltsgeräte wie Spülmaschinen oder Backöfen erfordern die Koordination von Handwerkern und kosten oft wertvolle Arbeitszeit.
Opportunitätskosten: Wer einen hohen Stundenlohn in seinem Hauptberuf erzielt, verliert bares Geld, wenn er sich selbst um Verwaltungsdetails kümmert.
Fehlende Skaleneffekte: Einzelne Einheiten bieten kaum Spielraum für den wirtschaftlichen Einsatz professioneller Haus- und Mietverwaltungen.
Für Investoren stellt sich daher die fundamentale Frage, ob sie Immobilien zur aktiven Einkommensgenerierung (als Job) oder als rein passive Vermögensanlage nutzen wollen. Wer Letzteres anstrebt, muss bereit sein, auf einen Teil der Bruttorendite zu verzichten und die Verwaltung vollständig an professionelle Dienstleister zu übertragen.
Anstatt mühsam ein Portfolio aus vielen verstreuten Eigentumswohnungen aufzubauen, rät Tobias Claessens fortgeschrittenen Investoren dazu, direkt in Mehrfamilienhäuser zu investieren. Obwohl dieses Vorgehen auf den ersten Blick einschüchternd wirkt, unterscheidet sich der Abwicklungsprozess kaum von Einzelkäufen.
„Ein Mehrfamilienhaus schützt dich besser vor Risiken und bringt steuerlich nach zehn Jahren einen weitaus größeren Hebel als eine kleine Eigentumswohnung.“ — Tobias Claessens
Die Vorteile eines Mehrfamilienhauses liegen auf der Hand:
Risikoverteilung: Der Leerstand einer einzelnen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus wird durch die Mieteinnahmen der übrigen Einheiten kompensiert. Bei einer Eigentumswohnung führt ein Leerstand sofort zu einer finanziellen Deckungslücke von 100 Prozent.
Steuerfreie Gewinne: Nach Ablauf der zehnjährigen Spekulationsfrist können die Wertzuwächse des gesamten Objekts steuerfrei realisiert werden.
Effizienz im Management: Die Verwaltung und Sanierung eines zusammenhängenden Gebäudes ist logistisch und finanziell weitaus effizienter als bei verstreuten Einheiten.
Ein weiteres zentrales Projekt von Tobias Claessens ist die Cashflow Conference, die sich in kürzester Zeit zu einem führenden Event für Finanzbildung im deutschsprachigen Raum entwickelt hat. Nach 3.000 Besuchern im ersten Jahr lockte die zweite Ausgabe bereits über 7.000 Teilnehmer nach Stuttgart.
Tobias betont, dass ein solches Großevent eine langfristige unternehmerische Perspektive erfordert:
Anlauffinanzierung: In den ersten zwei bis drei Jahren ist ein solches Event aufgrund der enormen Produktionskosten selten hochprofitabel.
Marketingmix: Der Erfolg basiert auf einer engen Verknüpfung von organischer Social-Media-Reichweite, bezahlter Werbung auf Meta-Plattformen und der Hebelwirkung bekannter Speaker.
Netzwerkeffekte: Die Konferenz dient als neutrale Plattform, auf der sich auch konkurrierende Immobilienunternehmen präsentieren können, um die gesamte Branche voranzubringen.
Mit einer kumulierten Reichweite von über 150.000 Followern nutzt Tobias Claessens seine Social-Media-Präsenz gezielt als Hebel für seine Unternehmen. Seine Erfahrungen mit den einzelnen Kanälen sind dabei sehr spezifisch:
Instagram: Mit Abstand der wichtigste Kanal für den geschäftlichen Erfolg. Instagram liefert die höchste Conversion-Rate und führt direkt zu relevanten Geschäftskontakten, Kooperationen und Kapitalgebern.
TikTok: Generiert zwar die höchsten Followerzahlen und virale Reichweiten, besitzt für den Aufbau seriöser B2B-Beziehungen im Immobiliensektor jedoch kaum Relevanz.
YouTube: Bietet durch das Long-Form-Format ideale Bedingungen, um komplexe Immobilienthemen verständlich und seriös zu erklären, erfordert jedoch den höchsten Produktionsaufwand.
LinkedIn: Wird von Tobias als derzeit leicht überbewertet wahrgenommen, da sich die Plattform in einer permanenten Selbsterfindungsphase befindet.
„Wenn du einfach deine Geschichte erzählst, funktioniert es sehr gut. Die Menschen interessieren sich ja für Menschen und nicht für eine Rolle.“ — Tobias Claessens
Für den erfolgreichen Aufbau eines Kanals empfiehlt er absolute Authentizität. Gekünsteltes Auftreten, das durch zu intensives Coaching entsteht, schreckt Zuschauer langfristig ab.
Im Blick auf seinen eigenen Bildungsweg zeichnet Tobias ein kritisches Bild des klassischen Schulsystems. Dieses sei unflexibel und fördere selten die individuellen Stärken angehender Unternehmer.
Dennoch erkennt er den Wert akademischer Titel in der Geschäftswelt an:
Vertrauensbonus (Priming): Bankvorstände und institutionelle Partner reagieren nach wie vor positiv auf akademische Stempel, was den Zugang zu Kapital erleichtert.
Netzwerkzugang: Hochschulen und Executive-Programme bieten hervorragende Möglichkeiten, um Kontakte zu gleichgesinnten, ambitionierten Persönlichkeiten zu knüpfen.
Die Sicherheitsfalle: Gut bezahlte Einstiegsjobs nach dem Master- oder MBA-Abschluss bieten oft eine vermeintliche Sicherheit, die Gründer davon abhält, das notwendige unternehmerische Risiko einzugehen.
Als extrem leistungsorientierter Mensch bewegt sich Tobias Claessens oft am Rande der Überarbeitung. Um langfristig leistungsfähig zu bleiben, hat er feste Routinen in seinen Alltag integriert.
Dazu gehört an erster Stelle der Ausgleich durch ambitionierten Sport. Als Triathlet nutzt er das intensive Training gezielt, um das Stresshormon Cortisol im Körper abzubauen und den Kopf für neue unternehmerische Entscheidungen freizubekommen. Parallel dazu setzt er im Büro auf kurze, regenerative Powernaps von 20 Minuten auf seinem Sofa, um die Energiereserven im Laufe des Tages wieder aufzuladen.
Tobias Claessens ist ein deutscher Unternehmer, Buchautor („Immogame“), Gründer und CEO der Currily AG sowie Initiator der Cashflow Conference in Stuttgart.
Die Currily AG ist ein aktives Immobilienunternehmen, das Objekte im Wert von 5 bis 15 Millionen Euro ankauft, saniert, entwickelt und im Bestand hält oder weiterverkauft.
In Zukunft sollen einzelne, kleinere Immobiliengesellschaften tokenisiert werden, um Anlegern über digitale Anteile transparente, liquide und passive Mieteinnahmen zu ermöglichen.
Ein Mehrfamilienhaus verteilt das Mietausfallrisiko besser und bietet nach Ende der Spekulationsfrist bei einem steuerfreien Verkauf einen ungleich größeren Vermögenshebel.
Nein, die Verwaltung kleiner Eigentumswohnungen erfordert oft aktiven Aufwand für Reparaturen und Mietersuchen, weshalb Tobias für echte Passivität professionelle Verwaltungen empfiehlt.
Die zweite Ausgabe der Cashflow Conference verzeichnete über 7.000 Teilnehmer und etablierte sich als Plattform für Finanzen und Immobilien.
Instagram ist laut Tobias Claessens die mit Abstand stärkste Plattform für geschäftliche Kontakte, während TikTok zwar hohe Followerzahlen, aber kaum geschäftliche Relevanz bietet.
Das Buch ist ein praxisorientierter Einsteiger-Leitfaden, der zeigt, wie man von null an die ersten Immobilieninvestments tätigt und Vermögen aufbaut.
Tobias kritisiert das starre Schulsystem scharf, da es individuelle Stärken oft unterdrückt und wenig praxisrelevantes Finanz- und Unternehmerwissen vermittelt.
Er setzt auf regelmäßiges Triathlon-Training zum Abbau des Stresshormons Cortisol sowie auf gezielte Powernaps (Mittagsbubu) von etwa 20 Minuten auf seinem Büro-Sofa.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.