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    Real Estate Lounge · 27. April 2024

    Immobilienmakler werden: So wird man Platzhirsch

    27. April 2024 71 Min. 4 Min. Lesezeit
    Wie wird man Makler "Platzhirsch" in einer Stadt? Die Geschichte von Thomas Aigner aus München.

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Unabhängigkeit von Dritten durch ein stabiles organisatorisches Backoffice ermöglicht es Maklern, sich voll auf den Vertrieb und die Kundenakquise zu konzentrieren.
    • Kaltakquise bleibt auch in digitalisierten Zeiten ein zentrales Werkzeug, um verlässliche Eigentümerkontakte außerhalb teurer Portale aufzubauen.
    • Der Zukauf von Leads liefert oft minderwertige Kontakte mit geringer Beratungsaffinität, weshalb der Aufbau einer eigenen Marke und eigene Marktberichte nachhaltiger sind.
    • Schnelle und konsequente unternehmerische Entscheidungen – insbesondere im Personalbereich – entscheiden maßgeblich über das langfristige Wachstum.
    • Urbane Dichte nach historischem Vorbild (wie Schwabing) schafft attraktiveren und effizienteren Wohnraum als moderne, vorschriftenüberlastete Neubaugebiete.
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    Thomas Aigner verrät, wie er sein Maklerbüro in München zum inhabergeführten Marktführer mit 150 Mitarbeitern ausbaute. Seine Erfolgsgeheimnisse!

    Start mit Mut und minimalem Budget

    Thomas Aigner gründete sein Immobilienunternehmen im Jahr 1991 im Alter von gerade einmal 21 Jahren. Ohne großes Investorenkapital, dafür mit einer pragmatischen Herangehensweise, bezog er gemeinsam mit einem befreundeten Versicherungsvermittler ein erstes kleines Ladenlokal im Münchener Schlachthofviertel. Die damals überschaubare monatliche Miete von 900 D-Mark teilten sich die beiden Gründer hälftig auf.

    Um die erste Zeit finanziell zu überbrücken, übertrug ihm sein Vater die Verwaltung einer gewerblichen Immobilie. Die daraus resultierende Pauschale deckte exakt Aigners Mietanteil und bildete das sichere Fundament für den Aufstieg.

    Die Anfänge der analogen Immobilienakquise

    In einer Ära vor dem kommerziellen Internet basierte das Maklergeschäft auf gedruckten Medien und direkter Telefonie. Das wichtigste Arbeitswerkzeug war die Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung, welche Aigner bereits freitags nachts am Hauptbahnhof erwarb. Die Akquise konzentrierte sich vollkommen darauf, private Verkäufer schnellstmöglich zu kontaktieren und überzeugende Besichtigungstermine zu vereinbaren.

    Schon damals erkannte der Gründer den Nutzen technischer Hilfsmittel und setzte auf eine der ersten DOS-basierten Maklersoftwares. Über Funktionstasten statt Mausklicks strukturierte er frühzeitig Kundendaten und Objektkarteien, was dem jungen Büro einen technologischen Vorsprung verschaffte.

    „Man muss mehr gute und richtige Entscheidungen als falsche treffen, dann ist man als Unternehmer auf der sicheren Seite.“ — Thomas Aigner

    Aufstieg zum inhabergeführten Marktführer

    Aus der einstigen One-Man-Show entwickelte sich über drei Jahrzehnte ein Branchenschwergewicht mit rund 150 Mitarbeitern an neun Standorten in der Metropolregion München. Aigner positioniert sich bewusst als Universalmakler für jede Mandantengröße und verzichtet auf eine künstliche Einengung auf reines Luxussegment.

    Das Alleinstellungsmerkmal liegt in der direkten Erreichbarkeit und der operativen Verantwortung des Gründers.

    • Inhaberführung: Kunden erhalten eine verlässliche Ansprechperson außerhalb anonymer Franchise-Strukturen.
    • Kundennähe: Probleme werden direkt über ein unkompliziertes Beschwerdemanagement gelöst.
    • Nachhaltigkeit: Langfristige Marktpräsenz schafft hohes Vertrauen bei privaten und institutionellen Akteuren.

    Warum Online-Leads eine Sackgasse sind

    Trotz der eigenen, zwölfköpfigen Inhouse-Werbeagentur verzichtet Aigner vollständig auf den Zukauf externer Online-Leads. Das Unternehmen setzt stattdessen auf organische Kanäle, eigene Marktberichte, intensive Pressearbeit und ein weitreichendes Netzwerk aus Bankgeschäften, Insolvenzverwaltern sowie Testamentsvollstreckern.

    Der Verzicht auf gekaufte Leads basiert auf klaren Erfahrungswerten:

    • Geringe Abschlussquote: Gekaufte Kontakte erfordern einen hohen, oft unrentablen Qualifizierungsaufwand im Backoffice.
    • Fehlende Beratungsaffinität: Das über Portale generierte Klientel zeigt primär eine kostenbewusste Schnäppchen-Mentalität.
    • Mangelnde Qualität: Viele Adressdaten stammen aus automatisierten Online-Bewertungstools ohne echtes Verkaufsinteresse.

    „Ich habe gemerkt, dass uns gekaufte Leads nichts bringen, weil die Beratungsaffinität dieser Klientel oft sehr schlecht ist.“ — Thomas Aigner

    Das Geheimnis erfolgreicher Personalorganisation

    Ein entscheidender Wachstumsbeschleuniger des Unternehmens war die Erkenntnis, dass hochklassige Vertriebsorganisation eine strikte Arbeitsteilung benötigt. Makler werden von jeglicher Administration befreit, um ihre Energie vollständig beim Kunden vor Ort einbringen zu können.

    Die operative Personalstrategie ruht auf klaren Grundpfeilern:

    • Assistenz-Fokus: Das Backoffice wickelt Dokumentenbeschaffung, Exposé-Erstellung und Kundenpflege ab.
    • Eigene Ausbildung: Führungskräfte – inklusive einer heutigen Mitgeschäftsführerin – werden bevorzugt im eigenen Haus entwickelt.
    • Konsequente Führung: Unternehmer müssen lernen, toxische Verhaltensweisen im Team frühzeitig zu korrigieren.

    „Es ist einfacher eine gute Assistenz zu finden als einen guten Makler.“ — Thomas Aigner

    Entwicklungstrends auf dem Münchener Wohnungsmarkt

    Die Zinswende hat in den vergangenen anderthalb Jahren zu einer spürbaren Marktkorrektur geführt, die Aigner jedoch im Bestand als weitgehend abgeschlossen betrachtet. Während die Preise im Schnitt um zehn bis fünfzehn Prozent gesunken sind, verharren seltene Top-Münchner-Lagen bei Quadratmeterpreisen jenseits der 20.000 Euro stabil.

    Besonders dramatisch stellt sich die Lage im Neubaubereich dar, wo die Verkaufszahlen drastisch eingebrochen sind. Insolvenzen von Bauträgern haben zu massiver Verunsicherung auf Seiten der Endabnehmer geführt, weshalb Bestandsimmobilien aktuell stark bevorzugt werden.

    Visionen für den Wohnungsbau von morgen

    Im Hinblick auf die Wohnungsnot in Ballungsräumen sieht Aigner das größte Hindernis in der überbordenden Bürokratie und der blockierenden Haltung umliegender Kommunen. Die Metropolregion München müsse endlich großflächiger und über Gemeindegrenzen hinweg gedacht werden, wofür auch ein Aufbrechen kommunaler Planungsrechte notwendig wäre.

    Anstatt sterile Neubaugebiete oder extrem teure Hochbauten zu forcieren, empfiehlt der Experte den Blick auf historische Erfolgsmodelle:

    • Historische Dichte: Stadtteile wie Schwabing oder Heidhausen beweisen die Beliebtheit dicht bebauter Viertel.
    • Infrastruktur unter der Erde: Moderne Quartiere sollten Parkräume und Logistik unterirdisch anlegen, um Platz für oberirdische Grünflächen zu schaffen.
    • Vorschriften-Abbau: Starre Abstandsvorschriften und Bürokratie verhindern effiziente Nachverdichtung nach klassischem Vorbild.

    Tipps für die nächste Generation an Maklern

    Abschließend rät Thomas Aigner angehenden Gründern, sich frühzeitig der Doppelrolle aus Vertriebler und Unternehmer bewusst zu werden. Eine erfolgreiche Selbstständigkeit verlangt nicht nur verkäuferisches Geschick, sondern vor allem die Fähigkeit, Prozesse und Personal verlässlich zu organisieren.

    Fehlerhafte Entscheidungen gehören zum Wachstumsprozess und sollten Gründer nicht abschrecken. Der größte Fehler im Markt sei es nicht, falsche Entscheidungen zu treffen, sondern wichtige Schritte aus Angst komplett zu verschleppen.

    Häufige Fragen

    Wer ist Thomas Aigner?

    Thomas Aigner ist Gründer und Inhaber eines inhabergeführten Maklerunternehmens in München mit 150 Mitarbeitern an neun Standorten.

    Wann wurde Aigner Immobilien gegründet?

    Das Unternehmen wurde 1991 von Thomas Aigner im Alter von 21 Jahren im Münchner Schlachthofviertel gegründet.

    Wie finanzierte Thomas Aigner seinen Start als Makler?

    Er teilte sich ein Büro für 900 DM Miete mit einem Freund und finanzierte sich durch die Hausverwaltung einer Gewerbeimmobilie seines Vaters für 900 DM im Monat.

    Welche Rolle spielt Kaltakquise für Aigner Immobilien heute?

    Die Kaltakquise gehört nach wie vor zur DNA des Unternehmens, auch wenn heute starke Netzwerke, Empfehlungen und eigene Medienkanäle hinzukommen.

    Warum kauft das Unternehmen keine Online-Leads ein?

    Gekaufte Leads weisen laut Aigner eine schlechte Abschlussquote auf und ziehen oft Kunden an, die primär auf Schnäppchen aus sind und eine geringe Beratungsbereitschaft mitbringen.

    Wie filtert Thomas Aigner seine Personalentscheidungen?

    Er setzt auf eine klare Trennung von Vertrieb und Organisation und stellt seinen Maklern starke Backoffice-Assistenzen zur Seite.

    Was ist die „Brunnenseite-Theorie“ bei Aigner?

    Diese Theorie besagt, dass sich ein Unternehmer im Personalbereich sowohl von extremen Underperformern als auch von toxischen High-Performern, die dem Betriebsklima schaden, rechtzeitig trennen muss.

    Wie hat sich das Neubausegment in München zuletzt entwickelt?

    Der Neubau ist drastisch eingebrochen; statt der üblichen 2.000 bis 3.000 Einheiten im Jahr wurden zuletzt nur noch rund 600 Einheiten verkauft.

    Welchen Rat gibt Thomas Aigner angehenden Maklern?

    Er empfiehlt, Entscheidungen deutlich schneller zu treffen und frühzeitig zu lernen, wie man ein Unternehmen strukturiert, statt nur ein guter Verkäufer zu sein.

    Wie beurteilt Aigner das Thema Hochhäuser in München?

    Er hält Hochhäuser im Städtebau nicht für die beste Lösung, sondern plädiert für dichte, historische Baustrukturen mit hochwertigen öffentlichen Grünflächen.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.