
Erfahren Sie, warum Immobilienhandel riskant ist, wie Restnutzungsdauer-Gutachten Steuern sparen und wie Social Media den Vertrieb revolutioniert.
Jasper Schouw, Gründer der GND-Gruppe und Host des erfolgreichen Podcasts „Ton Steine Steuern“, blickt auf einen vielseitigen Lebensweg in der Immobilienbranche zurück. Seine berufliche Reise zeigt, wie stark sich Marktbedingungen und persönliche Strategien über die Jahre verändern können.
Anfangs lag sein Fokus primär auf der steuerlichen Optimierung von Immobilienstrukturen. Er experimentierte intensiv mit vermögensverwaltenden GmbHs (VVG), Holdingmodellen und komplexen Konstrukten, um die Steuerlast zu senken. Er stellte jedoch fest, dass zu viel Komplexität oft vom operativen Erfolg ablenkt.
Ein zentrales Werkzeug in Jaspers Portfolio ist das sogenannte Restnutzungsdauer-Gutachten. Dieses Instrument hilft Investoren dabei, die Abschreibungsdauer einer Immobilie legal zu verkürzen und somit die jährliche steuerliche Entlastung massiv zu erhöhen.
Statt der üblichen 40 oder 50 Jahre lässt sich die Abschreibungszeit damit oft drastisch reduzieren. Das schafft hohe fiktive Kosten, die den steuerlichen Gewinn mindern, ohne dass liquides Kapital abfließt.
„Das Restnutzungsdauergutachten beschreibt, wie lange ohne wesentliche Modernisierung dein Objekt wahrscheinlich noch wirtschaftlich nutzbar sein wird.“ — Jasper Schouw
Die Teilnahme an einem früheren Podcast veränderte Jaspers Vertriebsansatz grundlegend. Zuvor setzte sein Unternehmen vor allem auf klassische Performance-Marketing-Kanäle wie Google-Werbung, bei denen Kunden primär Preise und harte Fakten vergleichen.
Nach der Podcast-Ausstrahlung verzeichnete er jedoch einen Ansturm völlig neuartiger Kundenanfragen. Die Anrufer suchten keine reinen Vergleichsangebote mehr, sondern wollten gezielt mit ihm als Person zusammenarbeiten.
Trotz seiner eigenen Aktivität im Markt steht Jasper dem reinen Immobilienhandel (Fix & Flip) äußerst kritisch gegenüber. Seiner Ansicht nach sind Immobilien aufgrund ihrer fundamentalen Eigenschaften für einen schnellen Handel ungeeignet.
Die Kombination aus mangelnder Flexibilität und immens hohen Transaktionsnebenkosten macht den Handel in volatilen Marktphasen zu einem unkalkulierbaren Risiko. Sein eigenes Chiemsee-Projekt, das aufgrund gestiegener Zinsen nicht wie geplant direkt verkauft werden konnte, dient ihm als warnendes Beispiel.
„Immobilien eignen sich ja gar nicht für den Handel, aus meiner Sicht, weil sie sind ja nicht beweglich, sie sind ja immobil.“ — Jasper Schouw
„Immobilien handeln bringt schnelles Geld. Aber ich glaub so richtig, Reichtum bringt tatsächlich Immobilien behalten.“ — Jasper Schouw
Obwohl Jasper den klassischen Handel kritisiert, sieht er aktuell eine erhebliche Marktchance, die durch die veränderten energetischen Anforderungen der Banken entsteht. Die zunehmende Regulierung schafft extreme Preisabschläge bei sanierungsbedürftigen Objekten.
Viele Banken, wie etwa die Sparkasse Bremen, verlangen bereits Zinsaufschläge für schlechte Energieklassen oder reduzieren die Beleihungsausläufe für solche Objekte drastisch. Dies schließt viele klassische Käufer vom Markt aus. Inspiriert von erfolgreichen Branchenkollegen wie Eike und Anke aus Weyhe, sieht er hier Potenzial für Spezialisten.
Im Neubausegment haben sich durch neue staatliche Förderprogramme enorme Hebel für Projektentwickler aufgetan. Insbesondere das KfW-Programm 296 für klimafreundlichen Wohnungsbau bietet extrem attraktive Zinssätze.
Diese staatlich gestützten Kredite ermöglichen es Entwicklern, auch in schwierigen Zeiten rentable Neubauprojekte aufzusetzen oder Bestandsentwicklungen profitabel zu realisieren. Ein Beispiel ist das eigene Projekt am Chiemsee, das nun in Eigenregie und mithilfe günstiger Förderung bebaut wird.
In der anschließenden Fragerunde widmet sich Jasper den praktischen Hürden bei der Anerkennung von Restnutzungsdauer-Gutachten durch die deutschen Finanzämter. Hier zeigt sich in der Praxis ein oft uneinheitliches Bild.
Obwohl das Gesetz die Verkürzung der Abschreibungsdauer explizit vorsieht, versuchen viele Finanzämter die Anerkennung mit teils schwachen Begründungen abzuwehren. Besonders Ballungszentren wie München gelten hierbei oft als restriktiv.
Es ermittelt die tatsächliche verbleibende wirtschaftliche Nutzungsdauer einer Immobilie ohne größere Modernisierungen. Dies kann genutzt werden, um die jährliche steuerliche Abschreibung (AfA) legal zu erhöhen.
Durch die kürzere angenommene Nutzungsdauer steigt der jährliche Abschreibungssatz. Dadurch entstehen höhere Papierkosten, die das zu versteuernde Einkommen senken.
Die Anerkennung ist uneinheitlich. Während das Gesetz es erlaubt, lehnen einige Finanzämter sie zunächst ab, weswegen oft ein Einspruch oder ein gerichtliches Vorgehen nötig ist.
Die extrem hohen Transaktionskosten von oft über 10 % beim An- und Verkauf, die langsame Abwicklung über das Grundbuch und die volle Besteuerung der Gewinne schmälern die Rendite massiv.
Beim Halten profitiert man von laufenden Mieteinnahmen, dem Inflationsschutz, dem Schuldenabbau und vor allem vom steuerfreien Verkauf nach einer Spekulationsfrist von zehn Jahren.
Durch Formate wie Podcasts oder authentische Video-Inhalte bauen Hörer über längere Zeit Vertrauen auf. Das führt zu qualitativ hochwertigen Anfragen und deutlich einfacheren Verkaufsgesprächen.
Da Banken schlechtere Energieklassen strenger finanzieren, sinken dort die Preise. Investoren mit Sanierungskompetenz können diese Objekte günstig einkaufen, aufwerten und gewinnbringend positionieren.
Es bietet hochattraktive, staatlich geförderte Darlehen für klimafreundlichen Neubau (Effizienzhaus 40) mit Zinssätzen, die temporär auf bis zu 0,01 % beziehungsweise rund 0,65 % sinken können.
Nein, eine Doppelförderung ist in der Regel ausgeschlossen. Man muss sich entscheiden, ob man die günstigen Zinsen oder die steuerliche Sonderabschreibung nutzen möchte.
Im betrieblichen Bereich ist es oft weniger vorteilhaft, da beim späteren Verkauf der Gewinn (Erlös minus Restbuchwert) voll versteuert werden muss. Es verschiebt die Steuerlast dort nur nach hinten.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.