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    Real Estate Lounge · 20. November 2025

    Immobilienkrise im Real Talk mit Thomas Beyerle

    20. November 2025 28 Min. 5 Min. Lesezeit
    Thomas Beyerle: Die echte Lage der Immobilienbranche – ohne Schönreden

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Rund vier Fünftel des aktuellen Immobilienbestands stehen in den kommenden Jahren vor massiven energetischen und finanziellen Herausforderungen.
    • Bis zum Jahr 2030 droht der Immobilienbranche ein harter Anpassungsprozess unter dem Motto 'Survive till 25 – and it gets dirty till 30'.
    • Das Segment Parken stellt eine oft unterschätzte Assetklasse dar, die im europäischen Vergleich zweistellige Renditen erwirtschaften kann.
    • Die energetische Bestandssanierung privater Immobilien wird in den nächsten zehn Jahren der größte Wachstumstreiber für die Wirtschaft sein.
    • Die junge Generation (Gen Z) verändert den Wohnungsmarkt durch die Nachfrage nach flexiblen All-inclusive-Konzepten wie Service Apartments.
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    Prof. Dr. Thomas Beyerle spricht schonungslos ehrlich über die echte Lage der Immobilienbranche, versteckte Chancen und warum Bestandssanierung boomt.

    Der Schein trügt: Die Stimmung auf den Immobilienmessen

    Die Hallen der großen Immobilienmessen wie der Expo Real wirken oft voll und geschäftig. Doch dieser visuelle Eindruck täuscht über die harte wirtschaftliche Realität der Marktteilnehmer hinweg. Viele Akteure versuchen, die Krise durch Zweckoptimismus gesundzubeten, während im Hintergrund existenzielle Probleme lauern und die Zahl der echten Abschlüsse dramatisch sinkt.

    Die Zeit der lockeren Outfits und glitzernden Sneaker weicht langsam wieder einer geerdeten Demut. Nach Jahren des extremen Wachstums müssen Akteure nun erkennen, dass ein einfaches Weiterso nicht mehr möglich ist. Ohne Krawatte, aber dafür mit realistischen Zahlen, blickt die reife Riege der Banker und Investoren wieder besorgter auf die harten Fakten der Zinswende.

    Der Trianon-Referenzpunkt und die Angst vor den Abschlägen

    Der Markt blickt derzeit mit großer Anspannung auf prominente Problemfälle wie das Trianon-Hochhaus im Frankfurter Bankenviertel. Nach dem Auszug von Großmietern steht das Objekt leer und befindet sich in einem Insolvenzverfahren. Die anstehende Verwertung dieses Turms wird als fundamentaler Referenzpunkt für die gesamte deutsche Immobilienlandschaft dienen, da sie das tatsächliche Preisniveau im Markt offenlegen wird.

    Wenn Großtransaktionen dieser Größenordnung mit massiven Abschlägen im Bereich von 30 bis 40 Prozent abgewickelt werden, müssen viele Marktteilnehmer ihre Bilanzen korrigieren. Dies wird zu Kettenreaktionen bei Banken und Fonds führen, die ihre Vermögenswerte immer noch mit historischen Spitzenwerten bewerten.

    „Wir müssen anerkennen, dass wahrscheinlich vier Fünftel der Bestandsflächen die nächsten Jahre negativ formuliert darunterkrachen werden.“ — Thomas Beyerle

    Dies betrifft insbesondere ältere Gebäude, die ohne beträchtliche Neuinvestitionen (CapEx) am Markt schlichtweg nicht mehr vermittelbar sind. Wer heute keinen klaren Modernisierungsplan vorlegen kann, verliert sukzessive den Anschluss an solvente Mieter.

    Survive till 25 und die harte Realität bis 2030

    Die oft zitierte Branchen-Formel beschreibt sehr präzise, auf welchen steinigen Pfad sich die Immobilienwirtschaft in dieser Dekade eingestellt hat. Das Überleben bis zum Jahr 2025 ist für viele Marktteilnehmer die erste Hürde, doch danach beginnt erst die eigentliche Arbeit des Aufräumens und der Umpositionierung leerstehender Portfolios.

    • Überlebenskampf bis 2025: Das bloße Durchhangeln und Lawieren prägt die nahe Zukunft.
    • Die Schmutzige Phase bis 2030: Die Bereinigung fauler Kredite und die Transformation unrentabler Flächen wird Jahre beanspruchen.
    • Verlust der Wachstumsgewohnheiten: Eine gesamte Generation von Managern hat nie zuvor eine echte, tiefe Krise erlebt und muss nun mühsam Sanierung statt Neubau lernen.

    „Survive till 25 – and it gets dirty till 30.“ — Thomas Beyerle

    Dieser Slogan verdeutlicht, dass kurzfristige Erholungen unwahrscheinlich sind und strukturelle Anpassungen die kommenden fünf Jahre dominieren werden. Wer jetzt nicht mit ausreichendem Eigenkapital ausgestattet ist, wird die Bereinigungswelle bis Ende des Jahrzehnts kaum überstehen.

    Büroflächen im Wandel: Ende des Neubaus und Fokus auf den Bestand

    Die Assetklasse Büro steht vor einem historischen Umbruch, auch wenn das Segment keineswegs totgesagt werden kann. Da die Finanzierungsbedingungen extrem restriktiv sind und Eigenkapitalanforderungen steigen, wird bis zum Jahr 2030 kaum noch neuer Büroraum entstehen.

    Dieses Ausbleiben des Neubaus führt paradoxerweise dazu, dass die Mieten für erstklassige, modernisierte Bestandsflächen in den Top-Lagen vorerst weiter steigen werden. Trotzdem bleibt die Leerstandsquote im Durchschnitt hoch, da viele ältere B- und C-Objekte von den Nutzern nicht mehr nachgefragt werden. Umnutzungen in sozialen Wohnraum scheitern dabei meist an den hohen Umbaukosten und baurechtlichen Hürden. Ohne signifikante Erleichterungen bei Grunderwerbsteuern und Bauvorschriften bleibt das Konvertieren von Büros ein reines Wunschdenken der Politik.

    Parken: Die unterschätzte Nische mit zweistelligen Renditen

    Während klassische Gewerbeimmobilien schwächeln, offenbart die oft übersehene Assetklasse Parken im europäischen Vergleich erstaunliche Ertragspotenziale. In Metropolen wie Oslo, Stockholm oder München lassen sich mit Parkraum zweistellige Renditen erzielen.

    • Hohe Zahlungsbereitschaft: Autofahrer akzeptieren in Ballungsräumen extrem hohe Stundensätze für gesicherten Parkraum.
    • Geringe operative Kosten: Im Vergleich zu Wohn- oder Büroflächen erfordern Parkgaragen deutlich weniger Verwaltungsaufwand und keine komplexen ESG-Sanierungen.
    • Flächenknappheit: Politisch gewollte Reduzierungen von oberirdischen Parkplätzen steigern den Wert unterirdischer Parkhäuser massiv.

    Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig Vorstellungskraft abseits der traditionellen Anlageklassen in der heutigen Marktphase geworden ist. Wer sich traut, unkonventionelle Nischen zu besetzen, kann sich dem allgemeinen Abwärtstrend entziehen.

    Die private Bestandssanierung als wahrer Wachstumsmotor

    Abseits glitzernder Bürotürme liegt der größte wirtschaftliche Hebel der nächsten zehn Jahre in der energetischen Sanierung des privaten Wohnungsbestands. Die Boomer-Generation, die in den 1960er und 70er Jahren Eigenheime baute, steht nun vor einem gewaltigen Modernisierungsstau.

    • Milliardeninvestitionen: Ein enormer Anteil des privaten Kapitals muss in Wärmepumpen, Dämmung und Solaranlagen fließen.
    • Durchschnittlicher Sanierungsbedarf: Die energetische Sanierung schlägt pro Wohneinheit im Schnitt mit rund 125.000 Euro zu Buche.
    • Trauma des Wertverlusts: Das jahrzehntelange Versprechen des sicheren Vermögensaufbaus durch Immobilien wackelt spürbar.

    Dieser Sanierungsdruck stützt einerseits das lokale Handwerk, entzieht dem Konsum jedoch gleichzeitig liquides Vermögen. Es entsteht eine neue ökonomische Realität, bei der energetische Modernisierungen die wichtigste Währung für Werterhalt darstellen.

    Neue Wohnkonzepte: Die Gen Z und der Boom der Service Apartments

    Die studentische Wohnrealität hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert und extrem professionalisiert. Junge Menschen suchen heute nach schlüsselfertigen All-inclusive-Lösungen, die den klassischen WG-Markt zunehmend verdrängen.

    • Service Apartments: Gefragt sind kompakte, vollmöblierte Apartments mit integrierten Dienstleistungen.
    • Wertschöpfung durch Zusatzleistungen: Kostenfreies WLAN, Fahrradkeller und wöchentliche Reinigungsdienste rechtfertigen hohe Quadratmeterpreise.
    • Demografischer Wandel: Eltern und Großeltern finanzieren diese modernen Unterkünfte oft gemeinschaftlich, um den Nachwuchs abzusichern.

    „Das Licht am Ende des Tunnels kann auch ein Entzug sein.“ — Thomas Beyerle

    Anstatt auf den schnellen Aufschwung zu hoffen, muss sich die Branche darauf einstellen, Produkte zu entwickeln, die genau dieser veränderten Nutzertypologie entsprechen und echte Mehrwerte bieten. Der Fokus verschiebt sich von purer Größe hin zu maximaler Effizienz auf kleinem Raum.

    Häufige Fragen

    Wie ist die aktuelle Stimmung in der Immobilienbranche?

    Die Stimmung ist von einer vorsichtigen, teils psychologisch herbeigeredeten Hoffnung geprägt, während im Hintergrund viele Unternehmen mit schweren Krisen kämpfen.

    Was bedeutet das Trianon-Szenario in Frankfurt für den Markt?

    Das insolvente Trianon-Gebäude dient als kritische Referenztransaktion. Ein massiver Preisabschlag dort könnte die Marktwerte in ganz Deutschland nach unten korrigieren.

    Ist der Markt für Büroimmobilien tot?

    Büro ist nicht tot, steht aber vor einer harten Transformation, da der Neubau bis ca. 2030 fast vollständig zum Erliegen kommt und Bestandsobjekte dringend saniert werden müssen.

    Was verbirgt sich hinter dem Spruch 'Survive till 25 – and it gets dirty till 30'?

    Der Slogan beschreibt die Erwartung, dass die Branche sich bis 2025 durchlavieren muss, die echte arbeitsintensive Marktbereinigung jedoch bis 2030 andauern wird.

    Warum ist Parken eine attraktive Assetklasse?

    Parkflächen in europäischen Metropolen ermöglichen durch hohe Nachfrage und steigende Gebühren zweitstellige Renditen (Double-Digit), die von Investoren oft übersehen werden.

    Woher kommt das künftige Wachstum in der Immobilienwirtschaft?

    Das Hauptwachstum der nächsten zehn Jahre liegt in der energetischen Sanierung des Bestands und nicht in spektakulären Neubauprojekten.

    Wie verändern Studenten und junge Erwachsene den Wohnungsmarkt?

    Die 'Gen Z' verlangt nach vollmoblierten Service Apartments mit All-Inclusive-Paketen (inkl. WLAN und Reinigung), wofür sie und ihre Familien bereit sind, hohe Quadratmeterpreise zu zahlen.

    Welche Rolle spielt die CO2-Bepreisung aktuell?

    Die CO2-Bepreisung ist laut Thomas Beyerle in der Breite der Branche und bei den Akteuren gedanklich noch nicht ansatzweise angekommen.

    Können alte Bürogebäude einfach in Wohnraum umgewandelt werden?

    Ökonomisch betrachtet ist die Umnutzung von alten Büroflächen in sozialen Wohnraum meist utopisch, es sei denn, die Objekte werden für einen symbolischen Euro übertragen.

    Welchen Sanierungsstau gibt es bei privaten Immobilien?

    Viele private Eigentümer, insbesondere die Generation der Babyboomer, stehen vor energetischen Sanierungskosten von durchschnittlich 125.000 Euro pro Objekt.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.