
Wie Sie mit einem Sanierungsfahrplan bis zu 55 % Förderung sichern und den Wert Ihrer Immobilie steigern. Daniel Keller gibt exklusive Praxistipps.
Viele Privateigentümer, Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) und auch gewerbliche Akteure zögern notwendige energetische Sanierungen oft so weit wie möglich heraus. Meist wird erst dann eingegriffen, wenn Bauteile am Ende ihrer Lebensdauer angekommen sind oder gesetzliche Vorschriften unmittelbaren Zwang ausüben. Diese Taktik birgt jedoch erhebliche Gefahren wie den massiven Wertverlust der Immobilie oder die Entstehung eines unrentablen Objekts, welches im schlimmsten Fall zu einem unverkäuflichen „Stranded Asset“ wird.
Energetisch sanierte Gebäude weisen im direkten Vergleich eine deutliche Wertstabilität und erhebliche Wertsteigerungen auf. Laut aktuellen Marktuntersuchungen sind bei einer Sanierung von den schlechtesten Energieeffizienzklassen G oder H hin zu einem A-Plus-Standard Wertzuwächse von über 40 Prozent realisierbar. Gleichzeitig verpassen Eigentümer ohne ein durchdachtes Modernisierungskonzept derzeit historisch attraktive Fördermöglichkeiten, die einen erheblichen Teil der Investitionslast abfedern könnten.
„Energetisch sanierte Immobilien sind immer deutlich mehr wert als energetisch unsanierte Gebäude.“ — Daniel Keller
Als idealer Einstieg in jede wirtschaftlich kluge Gebäudemodernisierung empfiehlt sich die Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (ISFP). Dieses vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) geförderte Instrument liefert eine transparente Bestandsanalyse und zeigt Schritt für Schritt auf, wie ein bestehendes Gebäude über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren energetisch ertüchtigt werden kann. Der ISFP verpflichtet den Eigentümer zu keinerlei Umsetzung, verschafft ihm jedoch erhebliche finanzielle Vorteile und maximale planerische Flexibilität.
Mithilfe modernster digitaler Methoden, wie der Erstellung eines detaillierten virtuellen 3D-Zwillings des Gebäudes auf Basis alter Baupläne, berechnen die Energieberater exakt den energetischen IST-Zustand. Darauf aufbauend werden fünf maßgeschneiderte, physikalisch aufeinander abgestimmte Sanierungsetappen entwickelt.
„Man weiß nicht, wie die Förderlandschaft in 15 Jahren aussieht, aber wir haben auf jeden Fall die Info, dass man mit diesem Sanierungsfahrplan immer besser gestellt ist als ohne.“ — Daniel Keller
Die deutsche Förderlandschaft bietet verschiedene Säulen, um finanzielle Zuschüsse für Bestandsgebäude zu erhalten. Eigentümer können entweder einzelne Maßnahmen umsetzen oder das Gebäude in einem einzigen großen Zug zu einem KfW-Effizienzhaus sanieren. Ein koordinierter Fahrplan maximiert hierbei die staatliche Unterstützung massiv.
Bei Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle beträgt die standardmäßige Basisförderung ohne Energieberatung 15 Prozent der förderfähigen Kosten, die auf maximal 30.000 Euro je Wohneinheit gedeckelt sind. Liegt hingegen ein ISFP vor, verdoppelt sich das förderfähige Investitionsvolumen auf 60.000 Euro pro Wohneinheit, und der Fördersatz steigt durch den ISFP-Bonus auf 20 Prozent.
Ein weit verbreiteter Fehler in der Praxis ist der isolierte Tausch alter Fenster gegen moderne, dreifach verglaste Alternativen in einem ansonsten ungedämmten Haus. Was auf den ersten Blick wie eine einfache Energiesparmaßnahme wirkt, kann im Altbau verheerende baufysikalische Folgen nach sich ziehen. Wenn die Bauphysik des Gebäudes unbedacht verändert wird, droht unbemerkter Kondensatausfall an den nun kältesten Stellen der Außenwand.
Früher war das Fenster bewusst das schwächste Glied im Raum, an dem sich überschüssige Luftfeuchtigkeit niederschlug. Wird nun ein hochdichtes Fenster eingebaut, verschiebt sich die kälteste Oberfläche auf die umliegende Wand, was meist direkt zu Schimmelbildung führt.
In der öffentlichen und politischen Debatte halten sich harte Falschinformationen rund um moderne Heizungstechnologien. Einer der bekanntesten Mythen besagt, dass Wärmepumpen ausschließlich in Kombination mit einer Fußbodenheizung wirtschaftlich betrieben werden können. Dies entspricht nicht der Realität, da der effiziente Betrieb einer Wärmepumpe primär von den benötigten Vorlauftemperaturen des Gesamtsystems abhängt.
„Ein weiterer Mythos, den ich immer wieder höre, ist einfach nur die Heizung austauschen... Auch das kann ein sehr teurer Fehler werden.“ — Daniel Keller
Ein in der Praxis oft völlig übersehener Hebel zur Kosteneinsparung bei größeren Gebäuden und Mehrfamilienhäusern liegt in der Anpassung der Fernwärme-Anschlussleistung. Viele Bestandsobjekte wurden in der Vergangenheit mit pauschalen oder stark überdimensionierten Anschlusswerten angemeldet. Da sich der Fernwärmetarif zu einem erheblichen Teil aus einem fixen Grundpreis berechnet, zahlen Eigentümer jahrelang für ungenutzte Kapazitäten.
Durch eine detaillierte, raumweise Heizlastberechnung lässt sich die tatsächlich benötigte Spitzenleistung des Gebäudes unter realistischen Bedingungen ermitteln. Nach energetischen Sanierungsmaßnahmen, wie einem Fenstertausch oder einer Dachdämmung, sinkt der Wärmebedarf des Gebäudes massiv, woraufhin die Anschlussleistung vertraglich angepasst werden sollte.
Daniel Keller, der Gründer und Geschäftsführer der Energie-Spezialisten GmbH, blickt auf einen bemerkenswerten Werdegang zurück. Vom gelernten Anlagenmechaniker für Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik über ein berufsbeleitendes Studium der Energie- und Gebäudetechnik bis hin zur mehrjährigen Projekterfahrung in ausführenden Fachbetrieben vereint er tiefes handwerkliches Wissen mit wissenschaftlichem Know-how. Zusammen mit seinen Partnern gründete er Ende 2022 das Unternehmen, um dem fragmentierten Markt mit klaren Standards zu begegnen.
Inzwischen betreut sein Team aus rund 20 festangestellten Fachleuten Kunden im gesamten Bundesgebiet. Das interdisziplinäre Team deckt mit Experten aus der Elektro- und Bauingenieurtechnik sowie der Architektur alle relevanten Fachgebiete ab. Neben den klassischen Sanierungsfahrplänen berät das Unternehmen auch zu hochgradig komplexen Themen wie solarem Mieterstrom und der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung unter dem aktuellen Solarpaket 1.
Damit die in Aussicht gestellten Fördergelder von bis zu 55 Prozent reibungslos fließen, ist die strikte Einhaltung des korrekten administrativen Ablaufs obligatorisch. Eine der folgenschwersten Fehlentscheidungen ist es, Handwerker voreilig zu beauftragen, bevor sämtliche Anträge offiziell bei den Fördergebern eingereicht und bestätigt wurden.
Seit Anfang 2024 gilt eine neue Vorgehensweise: Verträge mit Handwerkern müssen bereits vor der Antragstellung abgeschlossen werden. Diese müssen jedoch zwingend eine rechtlich geprüfte „aufschiebende Bedingung“ enthalten. Diese Klausel besagt, dass der Vertrag erst mit Erhalt des staatlichen Zuwendungsbescheides rechtskräftig wird. Ein erfahrener Energieberater übernimmt mittels Vollmacht diese bürokratischen Hürden und sichert das maximale Fördervolumen ab.
Grundsätzlich sind alle Eigentümer von Bestandsgebäuden berechtigt, darunter Einzeleigentümer von Einfamilienhäusern, Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs), Unternehmen (KMUs) sowie Betreiber von Gewerbeimmobilien wie Büros, Logistikzentren oder Hotels.
Der ISFP ist ein staatlich geförderter Stufenplan für Bestandsgebäude, die älter als zehn Jahre sind. Er zeigt konkrete Maßnahmenpakete für die energetische Sanierung inklusive einer Kostenschätzung und berechneten Energieeinsparungen über einen Zeitraum von 15 Jahren auf.
Nein, der Sanierungsfahrplan ist vollkommen unverbindlich. Es besteht weder eine Pflicht zur Umsetzung noch eine Bindung an die vorgeschlagene Reihenfolge der Maßnahmen, um die erhöhte Förderung für bereits umgesetzte Schritte zu erhalten.
Ohne Sanierungsfahrplan beträgt die Basisförderung 15 Prozent bei maximal 30.000 Euro förderfähigen Kosten pro Wohneinheit. Mit einem ISFP steigt die Förderung auf 20 Prozent (inklusive 5 Prozent Bonus) bei maximal 60.000 Euro förderfähigen Kosten pro Wohneinheit.
Durch die Kombination von Bundesförderung (KfW) und kommunalen Bonusprogrammen wie dem FKG in München können Eigentümer bei einer Komplettsanierung zum Effizienzhaus bis zu 55 Prozent der Kosten erstattet bekommen.
Der Bund bezuschusst die Energieberatung mit 650 Euro für Einfamilienhäuser und 850 Euro für Mehrfamilienhäuser. Der verbleibende Eigenanteil für Eigentümer liegt bei Mehrfamilienhäusern meist nur zwischen 100 und 300 Euro pro Wohneinheit.
Moderne, dichte Dreifach-Fenster verschieben den bauphysikalischen Taupunkt an die ungedämmten Außenwände. Wenn kein durchdachtes Lüftungskonzept vorliegt, kondensiert dort Feuchtigkeit und es entsteht Schimmel.
Ja, Wärmepumpen können problemlos mit herkömmlichen Heizkörpern betrieben werden. Voraussetzung ist eine genaue Auslegung der Systemtemperaturen sowie gegebenenfalls der gezielte Austausch einzelner, zu klein dimensionierter Heizkörper.
Mit dem Solarpaket 1 wurde die "gemeinschaftliche Gebäudeversorgung" eingeführt. Dieses vereinfachte Betreibermodell ermöglicht es, selbst produzierten Solarstrom unkompliziert und bürokratiearm an die Bewohner des Hauses zu verkaufen.
Durch eine raumweise Heizlastberechnung kann die oft zu hoch deklarierte Anschlussleistung exakt ermittelt und vertraglich reduziert werden, was den fixen Grundpreis senkt und jährlich über 1.000 Euro sparen kann.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.