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    Real Estate Lounge · 11. Mai 2024

    Brand-Building in der Immobilienwirtschaft – Prof. Beyerle

    11. Mai 2024 68 Min. 7 Min. Lesezeit
    Branding in der Immobilienwirtschaft - Mit B2B Real-Estate-Superstar Influencer Prof. Dr. Beyerle

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein nachhaltiger B2B-Markenaufbau erfordert absolute Kontinuität und basiert idealerweise auf exklusiven Marktdaten aus dem eigenen Haus.
    • Kommunikationskampagnen benötigen Zeit und sollten intern wie extern mit einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren geplant werden.
    • Glaubwürdigkeit im Bereich Personal Branding verlangt eine klare Abgrenzung zwischen geschäftlichen Inhalten und dem privaten Lebensbereich.
    • Der demografische Wandel wird die Immobiliennachfrage durch den massiven Vermögensübertrag der Babyboomer langfristig positiv beeinflussen.
    • Erfolgreiche Immobilienakteure der Zukunft müssen die Fähigkeit zum Storytelling ausbauen, um komplexe Geschäftsmodelle verständlich zu transportieren.
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    Wie gelingt starkes Branding in der Immobilienbranche? B2B-Influencer Prof. Dr. Thomas Beyerle teilt seine besten Kommunikationsstrategien.

    Ein unkonventioneller Einstieg in das Immobilien-Research

    Prof. Dr. Thomas Beyerle gehört heute zu den bekanntesten Gesichtern der deutschen B2B-Immobilienszene. Doch sein Weg in die Branche verlief keineswegs geradlinig. Nach seinem Studium der Geografie und BWL an der Universität Mannheim promovierte er in Stuttgart über den Finanzplatz Frankfurt im internationalen Vergleich. Der Einstieg in die Immobilienpraxis gelang ihm als Student über den Plötz-Immobilienführer. Dort bewertete er Wohnlagen mit Sternen – eine damals noch sehr subjektive Methode, die sich jedoch hervorragend bezahlt machte. Dadurch knüpfte er früh wertvolle Kontakte zu Vorständen und Branchenentscheidern.

    Beyerle betont, wie wichtig diese prägende Phase im unregulierten Markt der Nachwendezeit war:

    • Geografischer Fokus: Die Kartierung von Standorten schuf ein tiefes Verständnis für städtische Entwicklungen.
    • Subjektive Bewertung: Der Kontrast zwischen datengetriebenem Research und Bauchgefühl war damals stark ausgeprägt.
    • Frühe Netzwerke: Der direkte Draht zu namhaften Vorständen legte das Fundament für seine spätere Kommunikationsstärke.

    Lektionen aus der Praxis: Stationen von der Dresdner Bank bis Aberdeen

    Seine erste feste Anstellung fand Beyerle bei Dr. Lübcke Immobilien in Stuttgart als Leiter des neu geschaffenen Referats für Wohnimmobilien-Research. In den frühen 1990er-Jahren war der Begriff "Research" in Deutschland kaum geläufig und wurde oft mit einfachem Marketing verwechselt. Durch die deutsche Wiedervereinigung und die Sonder-AfA-Abschreibungsmöglichkeiten erlebte die Branche einen beispiellosen Boom. Gutachten für Privatanleger mussten im Akkord verfasst werden, während Regularien und Compliance-Anforderungen fast noch Fremdwörter waren.

    Nach Stationen bei der Allianz und Aberdeen Asset Management, wo er internationale Erfahrung zwischen Frankfurt und London sammelte, wechselte Beyerle schließlich zur IVG Immobilien AG. Die IVG war zu dieser Zeit die größte börsennotierte Immobiliengesellschaft Deutschlands. Doch das ambitionierte Großprojekt „The Square“ am Frankfurter Flughafen und eine zu optimistische Markteinschätzung führten das Unternehmen in eine dramatische Phase.

    Aufstieg, Krise und die Insolvenz-Lektionen bei der IVG

    Die Zeit bei der IVG beschreibt Thomas Beyerle als eine der härtesten, aber auch lehrreichsten Phasen seines Berufslebens. Als das milliardenschwere Unternehmen in die Insolvenz rutschte, erlebte er die Mechanismen des Insolvenzrechts und den harten Verdrängungskampf mit internationalen Hedgefonds aus nächster Nähe. Es ging um nackte Zahlen, Schuldenübernahmen und die Frage, wie ein scheinbar unzerstörbares, ehemals staatliches Unternehmen abgewickelt wird.

    Aus dieser Krise nahm Beyerle elementare Einsichten für seine heutige Arbeit als Analyst mit:

    • Krisenkompetenz: Das theoretische Wissen des Insolvenzlehrbuchs live in der Praxis zu erleben, schärfte sein Risikobewusstsein.
    • Bedeutung der Fertigstellung: Immobilienprojekte müssen unter allen Umständen zu Ende gebaut werden, um einen Totalverlust zu vermeiden.
    • Menschliche Komponente: Insolvenzen bedeuten immer auch private Schicksale und Existenzängste für die Belegschaft.

    Catella als Karriere-Anker und unternehmerisches Spielfeld

    Nach der IVG-Insolvenz fand Thomas Beyerle vor knapp zehn Jahren eine neue berufliche Heimat bei Catella. Als schwedisches Family Office bietet Catella eine völlig andere Kultur als die bis dahin gewohnten deutschen Konzernstrukturen. Die Organisation zeichnet sich durch eine extrem flache Hierarchie, hohe Eigenverantwortung der Manager und eine partnerschaftliche Partizipation am Eigenkapital aus. Beyerles Hauptaufgabe lag darin, ein kohärentes, internationales Research-Netzwerk in fast einem Dutzend Ländern aufzubauen.

    Durch diese strategische Arbeit gelang es ihm, der zuvor stark fragmentierten Gruppe ein einheitliches Gesicht zu geben. Jedes Land liefert heute Daten nach denselben Standards ab, wodurch eine starke, verlässliche Marke im B2B-Sektor geformt wurde. Die schwedische Philosophie des "Unternehmen-Zulassens" statt des starren Durchregulierens erwies sich dabei als entscheidender Erfolgsfaktor für das dynamische Wachstum der Gruppe.

    Der Erfolg des „Hausmeister-Podcasts“ und B2B-Influencing

    Ein Meilenstein für Beyerles persönliche Markenpräsenz war die Gründung des legendären „Hausmeister-Podcasts“ während der Coronapandemie. Zusammen mit Andy Dietrich und Andreas Schulten etablierte er ein lockeres Content-Format, das die Immobilienwirtschaft ohne Blatt vor dem Mund analysierte. Der Name war Programm: Angelehnt an die lockeren Gespräche von Hausmeistern während der Frühstückspause, besprachen die drei Moderatoren komplexe Marktentwicklungen auf Augenhöhe mit ihren Zuhörern.

    Nach über 50 erfolgreichen Folgen und Spitzenwerten bei den Klickzahlen entschieden sich die Macher jedoch für ein bewusstes Ende auf dem Höhepunkt. Beyerle vergleicht diesen Schritt gern mit dem sportlichen Abgang von Philipp Lahm. LinkedIn blieb jedoch sein wichtigstes berufliches Sprachrohr, auf dem er im Zweitagesrhythmus aktuelle Analysen, Presseberichte und pointierte Marktkommentare veröffentlicht.

    Die vier goldenen Regeln des B2B-Markenaufbaus

    Als einer der meistzitierten Akteure der deutschen Fachpresse kennt Thomas Beyerle die Mechanismen erfolgreicher Markenbildung im B2B-Sektor genau. Er warnt vor kurzfristigen Marketingaktionen und betont, dass eine echte Marke nur durch Substanz und kontinuierliche Arbeit entsteht.

    „Zahlen sind die DNA einer Botschaft. Erst durch Regelmäßigkeit wird aus einer Botschaft wirklich eine starke Marke.“ — Thomas Beyerle

    Für Unternehmen, die sich oder ihre Produkte erfolgreich am Markt positionieren möchten, empfiehlt er vier zentrale Grundsätze:

    • Externe Expertise nutzen: Beauftragen Sie eine professionelle Kommunikationsagentur für die neutrale Aufbereitung Ihrer Botschaften.
    • Eigene Daten als Fundament: Nutzen Sie exklusive Marktdaten und fundiertes Wissen aus dem eigenen Haus statt austauschbarer PR-Floskeln.
    • Geduld und Zeitbudget einplanen: Geben Sie Kommunikationskampagnen mindestens zwei Jahre Zeit, um messbare Effekte zu erzielen.
    • Authentizität wahren: Reden Sie vor Mikrofonen und Kameras nicht anders als im direkten, persönlichen Gespräch unter Kollegen.

    Branchen-Analysen und die Grenzen künstlicher Intelligenz

    In Zeiten von algorithmenbasierten Prognosetools verweist der Professor und Analyst gern auf die Grenzen moderner Technologien. Künstliche Intelligenz wie ChatGPT sei zwar ein hervorragendes Werkzeug für repetitive Arbeiten, schnellen Textentwurf oder einfache Standardpräsentationen. Im volatilen Marktumfeld stoßen die Algorithmen jedoch schnell an ihre Grenzen.

    Beyerle erklärt die Achillesferse der Technologie wie folgt:

    • Mangelnde Krisenhilfe: KIs können nur historische Daten der letzten ansteigenden Marktzyklen auswerten und daraus lernen.
    • Keine Abwärtserfahrung: Algorithmen besitzen kein Gespür dafür, wie sich Märkte bei drastischen Zinseinbrüchen und Rezessionen real verhalten.
    • Fehlendes Transferwissen: Die wichtige kreative Transferleistung zwischen historischer Erfahrung und unvorhersehbaren politischen Ereignissen bleibt dem Menschen vorbehalten.

    „Die künstliche Intelligenz ist noch doof, weil sie keine Erfahrungswerte für fallende Märkte besitzt.“ — Thomas Beyerle

    Zukunftsprognose: Warum die Babyboomer den Absturz verhindern

    Trotz der aktuellen Krise und den durch die Zinswende veränderten Rahmenbedingungen blickt Thomas Beyerle optimistisch in die Zukunft der Immobilienwirtschaft. Die Zeit der billigen Kredite ist zwar vorerst vorbei, doch die Nachfrage nach Wohnraum bleibt in den deutschen Ballungsräumen ungebrochen. Ein massiver, oft unterschätzter Treiber der kommenden Jahre ist der demografische Wandel – genauer gesagt die Generation der Babyboomer.

    Diese Generation geht nun gut versorgt in den Ruhestand und verfügt über enorme Kaufkraft. Sie vererben gigantische Vermögenswerte an die nachfolgenden Generationen, was zu einem stetigen Kapitalstrom in den Sachwert Immobilie führen wird. Zudem gibt es einen spürbaren Trend älterer Menschen zurück in die urbanen Zentren, wo sie moderne, barrierefreie Stadtwohnungen nachfragen.

    ESG-Transformation und die Forderung nach staatlichem Handeln

    Beim Megatrend ESG fordert Beyerle mehr Pragmatismus und ein starkes Eingreifen des Staates. Die gesetzlichen Vorgaben zur energetischen Sanierung überfordern viele private Eigentümer und sorgen für eine abwartende Haltung bei Investoren. Statt den Markt mit bürokratischen Fördertöpfen und ständig wechselnden Standards zu verwirren, müsse der Staat selbst aktiv werden und mit Steuergeldern geförderten Wohnungsbau realisieren.

    Gleichzeitig sieht er in ESG jedoch eine historische Chance:

    • Wertentwicklung: Energetisch sanierte Immobilien bieten langfristige Risikosicherheit und stabile Erträge.
    • Transformation: Die Umstellung von bloßer CSR-Gefälligkeit zu messbaren ESG-Kennzahlen professionalisiert die gesamte Branche.
    • Storytelling: Nachhaltigkeit bietet die perfekte Grundlage, um emotionale und zugleich wirtschaftlich fassbare Geschichten rund um ein Gebäude zu erzählen.

    „Glaubwürdigkeit entsteht nur, wenn man Dinge realistisch einschätzt – aber man muss dabei überdurchschnittlich optimistisch bleiben.“ — Thomas Beyerle

    Ausblick und persönlicher Masterplan

    Zum Abschluss des Gesprächs gibt Thomas Beyerle der Branche den Rat, das Jammern einzustellen und den Blick nach vorne zu richten. Der Markt passe sich derzeit rasant an das neue Zinsumfeld an. Durch die hohe Verfügbarkeit von digitalem Datenmaterial und beschleunigten Transaktionsprozessen werde sich die Immobilienwirtschaft deutlich schneller erholen als in vergangenen Krisen der 90er-Jahre.

    Persönlich plant Beyerle, in den kommenden Jahren kürzerzutreten, sobald seine jüngere Tochter die Ausbildung beendet hat. Er möchte das Feld rechtzeitig für jüngere Talente räumen und sich gemeinsam mit seiner Frau dem Reisen widmen. Bis dahin wird er jedoch weiterhin aktiv als Professor in Biberach lehren, den frisch gegründeten IRECC-Ethikrat unterstützen und der Branche als einer ihrer prägnantesten Vordenker erhalten bleiben.

    Häufige Fragen

    Wer ist Prof. Dr. Thomas Beyerle?

    Prof. Dr. Thomas Beyerle ist Head of Group Research bei Catella, Dozent und Professor an der Hochschule Biberach sowie einer der profiliertesten B2B-Influencer der deutschen Immobilienwirtschaft.

    Was war das Thema von Thomas Beyerles Doktorarbeit?

    Beyerle promovierte über den Finanzplatz Frankfurt im internationalen Vergleich mit Tokio, London und New York, kurz vor der Ansiedlung der Europäischen Zentralbank (EZB).

    Welche Lehren zog Beyerle aus der Insolvenz der IVG?

    Er lernte die realen Mechanismen von Abwicklungen, Gläubigerrechten und den Umgang mit Hedgefonds kennen. Seine wichtigste bauliche Erkenntnis war, dass unfertige Großprojekte wie 'The Square' unter allen Umständen beendet werden müssen.

    Wie unterscheidet sich Catella von anderen Konzernen?

    Catella ist im Kern ein schwedisches Family Office mit stark dezentralen Strukturen. Die Landesgesellschaften und Manager agieren hochgradig autonom und sind oft mit eigenem Kapital an den Projekten beteiligt.

    Was verbirgt sich hinter dem 'Hausmeister-Podcast'?

    Ein während der Pandemie von Thomas Beyerle, Andy Dietrich und Andreas Schulten gegründeter Audio-Podcast. Er behandelte Immobilienthemen im lockeren Plauderton und wurde nach 50 Folgen auf dem Quotengipfel beendet.

    Warum verzichtet Catella in diesem Jahr auf das IZ-Karriereforum?

    Aufgrund budgetärer Disziplin und da das Unternehmen aktuell im Einstiegsbereich nur sehr punktuell offene Stellen anbietet. Beyerle möchte keine falschen Erwartungen bei Bewerbern wecken.

    Wie nutzt Thomas Beyerle Social Media für sein Branding?

    Sein Hauptkanal ist LinkedIn, wo er etwa alle zwei Tage rein geschäftliche Analysen teilt. Private Inhalte grenzt er strikt ab; Instagram nutzt er ausschließlich für Urlaubs- und Reisefotos.

    Welche vier Regeln empfiehlt Beyerle für erfolgreiches B2B-Marketing?

    Unternehmen sollten eine externe Agentur engagieren, die Kampagnen auf mindestens zwei Jahre anlegen, verlässliche interne Daten als Basis nutzen und in ihrer Außenwirkung authentisch bleiben.

    Warum werden die Babyboomer die Immobiliennachfrage stützen?

    Durch den kommenden historischen Vermögensübertrag (Erbschaften) und eine hohe eigene Kaufkraft wird ein erheblicher Teil dieses Kapitals in wertbeständige Sachwerte wie Immobilien fließen.

    Wo liegen laut Beyerle die Schwächen von KI im Immobilien-Research?

    Künstliche Intelligenzen basieren auf Daten laufender Boom-Phasen. Sie besitzen keine Erfahrungswerte oder logische Programmierung für echte Marktabstürze und unvorhersehbare Krisen.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.