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    Real Estate Lounge · 18. Dezember 2024

    Unternehmensberatung für Startups: Jens-Peter Schulz

    18. Dezember 2024 37 Min. 5 Min. Lesezeit
    Das Problem mit der Perfektion: Wie Startups schneller raus auf den Markt kommen

    Kapitel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein Angel-Investor agiert oft wie ein Mäzen in der Kunst und investiert primär in die Gründerpersönlichkeiten statt in starre Excel-Prognosen.
    • Deutsche Startups scheitern häufig am Perfektionismus, da sie das Produkt überoptimieren, anstatt frühzeitig in den Vertrieb zu gehen.
    • Beim B2B-Vertrieb in der Immobilienwirtschaft müssen Entscheider auf C-Level abgeholt werden, um Ängste vor technologischen Disruptionen zu nehmen.
    • Digitale Zwillinge schaffen im zweiten Lebenszyklus von Immobilien, Schiffen und Flugzeugen die notwendige Datenbasis für ESG-Maßnahmen.
    • Bürokratische Hürden bei staatlichen Fördermitteln in Deutschland lassen sich am besten durch die Zusammenarbeit mit erfahrenen Profis bewältigen.
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    Unternehmensberatung für Startups: Erfahre von Investor Jens-Peter Schulz, wie Gründer schneller am Markt starten und agil wachsen. Jetzt reinhören!

    Der Angel-Investor als moderner Kunstmäzen

    Jens-Peter Schulz definiert die Rolle eines Angel-Investors völlig neu. Anstatt starr auf Excel-Tabellen und kurzfristige Gewinnprognosen zu blicken, sieht er sich vielmehr als Mäzen in der Kunstwelt. Ein erfolgreiches Investment setzt für ihn voraus, dass er sich in das Geschäftsmodell verliebt und den Gründern echten strategischen Mehrwert bieten kann. Er investiert ausschließlich eigenes Kapital und bringt seine jahrzehntelange Erfahrung sowie ein starkes Netzwerk ein.

    Besonders junge Gründer verfügen meist nicht über die Kontakte, um in der etablierten Immobilienwirtschaft Fuß zu fassen. Hier greift Schulz als Mentor unter die Arme und ebnet durch seine eigene Reichweite auf LinkedIn und in der Branche wichtige Wege. Sein Investment-Ansatz basiert auf der Philosophie „Buy what nobody wants and wait“, also antizyklisch zu agieren und geduldig Werte zu entwickeln.

    „Der Angel-Investor nach meiner Definition ist so eine Art Mäzen in der Kunst. Man fördert jemanden und hat sich auch ein bisschen verliebt.“ — Jens-Peter Schulz

    Am Ende des Tages wird immer in Köpfe und nicht in unveränderliche Strategien investiert. Gründer müssen agil bleiben und bereit sein, das Produkt radikal zu korrigieren, sobald sich Zielgruppen, Marktbedingungen oder Regionen verschieben.

    Die Vorhersage von Immobilientrends durch Big Data

    Technologie verändert die Art und Weise, wie die Immobilienbranche Trends erkennt, grundlegend. Wo früher jahrzehntelange Erfahrung notwendig war, können junge Analysten heute mithilfe sozioökonomischer Daten Entwicklungen präzise vorhersagen. Das beste Beispiel hierfür ist die Identifikation kommender Trendviertel durch digitale Indikatoren.

    Der typische Zyklus eines Trendbezirks lässt sich heute digital exakt abbilden:

    • Die Vorhut: Zuerst eröffnen Kunstgalerien und alternative Gastronomiebetriebe in einem noch günstigen Viertel.
    • Die Pioniere: Junge Kreative und Hipster beleben den Bereich und sorgen für mediale Aufmerksamkeit.
    • Die Kommerzialisierung: Co-Working-Anbieter und globale Marken wie Adidas eröffnen ihre Flagship-Stores.
    • Die Gentrifizierung: Gutverdienende Bürger verdrängen die ursprüngliche Szene, während die Mieten steigen und Galerien aufgrund der Kosten weiterziehen müssen.

    Dieser Wandel lässt sich durch moderne Datenanalysen grafisch auf Karten darstellen. Investoren müssen sich somit nicht mehr nur auf ihr Bauchgefühl verlassen, sondern können die städtische Entwicklung gezielt antizipieren und analysieren.

    Humboldt Capture und der Wert digitaler Zwillinge

    Das von Schulz unterstützte Startup Humboldt Capture widmet sich der Digitalisierung physischer Großprojekte. Durch die Erstellung digitaler und optischer Zwillinge von Immobilien, großen Containerschiffen und sogar Flugzeugen schafft das Unternehmen eine präzise Entscheidungsgrundlage für das moderne Asset Management.

    Der Bedarf im Markt ist gigantisch, da im zweiten Lebenszyklus von Immobilien oft keine verlässlichen Pläne mehr existieren. Umbauten, wechselnde Verwaltungen und mangelnde Digitalisierung führen dazu, dass der Ist-Stand von Gebäuden völlig unklar ist. Hier setzt die Technologie an und liefert schnelle, präzise und millimetergenaue Planungsdaten.

    „Das Thema Disrupten der Immobilienwirtschaft kann ich nur davor warnen. Die Immobilienwirtschaft an sich möchte nicht disruptet werden, sondern die will Verbesserung.“ — Jens-Peter Schulz

    Mit über 150 potenziellen Use Cases konzentriert sich das Startup auf gewerbliche Kunden ab einer Größenordnung von 100.000 Quadratmetern. Dies vereinfacht den Vertrieb und ermöglicht es, direkt mit Entscheidern auf Augenhöhe zu verhandeln.

    Die Perfektionsfalle: Warum Perfektionismus Startups bremst

    Ein zentrales Problem deutscher Startups ist der übermäßige Hang zur absoluten Perfektion vor dem eigentlichen Marktstart. Während amerikanische Unternehmen Produkte oft frühzeitig auf den Markt werfen und direkt am Kunden testen, versuchen deutsche Ingenieure, jedes Detail im Vorfeld zu optimieren. Dies verzögert den wichtigen Markteintritt massiv.

    Das Beispiel aus der Praxis der Mikroelektronik-Industrie bei Texas Instruments veranschaulicht dieses Problem. Deutsche Ingenieure neigen dazu, etablierte, funktionierende Prozesse eigenmächtig verbessern zu wollen. Dies führt jedoch oft zu Inkonsistenzen in der Produktionskette, da nachfolgende Kollegen nicht über die Änderungen im Detail informiert werden.

    Deshalb gilt für junge Startups die Devise:

    • Vertrieb priorisieren: Das Produkt muss nicht perfekt sein, um erste Umsätze zu generieren.
    • Prozesse einhalten: Klare Strukturen schlagen endlose und unkoordinierte Detailoptimierungen.
    • Kundenfeedback nutzen: Erst die tatsächliche Nutzung am Markt zeigt, welche Features wirklich gebraucht werden.

    „Auch wenn das Produkt noch nicht fertig ist, man muss halt raus in den Vertrieb.“ — Jens-Peter Schulz

    Vertriebsstrategie: Den richtigen Ansprechpartner finden

    Viele PropTechs scheitern nicht an ihrer Technologie, sondern an einer unzureichenden Vertriebsstrategie. Ein häufiger Fehler ist es, technische Abteilungen direkt zu kontaktieren. Dort stößt man oft auf Widerstand, da Mitarbeiter befürchten, durch die neue Software wegrationalisiert zu werden.

    Um diesen psychologischen Widerstand zu umgehen, muss der Vertrieb strategisch auf C-Level ansetzen. Dem CEO oder CFO muss klar aufgezeigt werden, welche signifikanten Einsparungen an Zeit, Geld und personellen Ressourcen die Innovation mit sich bringt. Erst wenn der Druck zur Veränderung von oben kommt, kann eine erfolgreiche Implementierung neuer Tools gelingen.

    Die Trennung von Innovation und Mutterschiff

    Wenn etablierte Konzerne eigene digitale Initiativen oder Startups gründen, sollten diese unbedingt räumlich und organisatorisch vom Kernunternehmen separiert werden. Die Erfahrung aus der Einführung des Internets um das Jahr 2000 zeigt, dass traditionelle Abteilungen neue Technologien anfangs oft belächeln oder fürchten.

    Die Gefahren einer zu engen Verflechtung im Alltag sind vielfältig:

    • Demotivation in der Kaffeepause: Etablierte Mitarbeiter bremsen junge Wilde durch Skepsis und negative Erfahrungen aus.
    • Kulturkonflikte: Starre hierarchische Konzernstrukturen kollidieren mit agilem Start-up-Denken.
    • Bürokratische Hürden: Konzerndefinierte Freigabeprozesse blockieren die notwendige Flexibilität im Keim.

    Eine innovative, kleine Einheit gedeiht am besten abseits des Mutterschiffs, wo sie eigene Fehler machen und sich ohne den alltäglichen Konzerndruck entwickeln kann.

    Das bürokratische Drama deutscher Fördermittel

    Fördermittel können für junge Unternehmen einen Segen darstellen, entwickeln sich in der Praxis jedoch oft zum bürokratischen Albtraum. Der staatliche Dschungel aus Anträgen, Nachweisen und Verordnungen kostet Gründer wertvolle Kapazitäten, die eigentlich in den Vertrieb und das Produkt fließen sollten.

    Selbst Kleinstförderungen über das BAFA verlangen penible Nachweise wie exakt formatierte Dokumente und lückenlose Belege. Schulz berichtet von Beispielen aus der Denkmalförderung, bei denen Behörden alte Beweisfotos von Sofas unter dem Dach verlangen, um eine historische Wohnnutzung anzuerkennen. Gründer sollten daher von Anfang an mit teuren, spezialisierten Profis zusammenarbeiten, da fehlerfreie Anträge im Endeffekt Zeit und Nerven sparen.

    Der internationale Blick: Deutschland vs. Saudi-Arabien

    Während in Deutschland überbordende Regulierungsvorschriften und endlose Genehmigungsverfahren den Fortschritt lähmen, zeigen Regionen wie Saudi-Arabien, Singapur oder Dubai, wie schnelle wirtschaftliche Transformation funktioniert. Großprojekte mit Millionen Quadratmetern Fläche entstehen dort dank klarer staatlicher Visionen in Rekordzeit.

    Zwar schützt die deutsche Gründlichkeit vor unüberlegten Fehltritten, doch bremst sie gleichzeitig radikale Visionen komplett aus. Ein Abbau der über 3.600 Bauvorschriften in Deutschland um nur 10 Prozent würde der kriselnden Immobilienbranche bereits massiven Aufwind verleihen und den Weg für technologische Innovationen ebnen.

    Passend dazu: Immobilienkrise 2024: Dominik Benner über den Turning Point · Venture Capital im Immobilienmarkt: DeepImmo-Story

    Häufige Fragen

    Was macht einen Angel-Investor im PropTech-Bereich aus?

    Er versteht sich oft als Mäzen, der Gründern als Mentor Türen öffnet und Kapital bereitstellt, anstatt nur Excel-Tabellen zu analysieren.

    Warum scheitern deutsche Gründer oft am Marktstart?

    Sie neigen zu extremem Perfektionismus und verbringen zu viel Zeit mit der Produktentwicklung, anstatt frühzeitig in den Vertrieb zu gehen.

    Wer sollte bei großen B2B-Kunden in der Immobilienbranche adressiert werden?

    Der Vertrieb sollte sich an das C-Level (CEO/CFO) richten, da technische Abteilungen oft Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes durch neue Software haben.

    Was ist die Kernfunktion von Humboldt Capture?

    Das Startup erstellt hochpräzise digitale und optische Zwillinge von großen physischen Assets wie gewerblichen Immobilien, Schiffen und Flugzeugen.

    Warum sind digitale Zwillinge für den ESG-Prozess wichtig?

    Sie dokumentieren den exakten Ist-Zustand älterer Immobilien und ermöglichen damit präzise Sanierungs- und Energieplanungen für den zweiten Lebenszyklus.

    Welche Rolle spielen sozioökonomische Daten für Immobilieninvestments?

    Digitale Daten können Trends wie Gentrifizierung vorhersagen, indem sie beispielsweise die Ansiedlung von Galerien oder Espresso-Bars in Vierteln frühzeitig kartografieren.

    Wie bewertet Jens-Peter Schulz deutsche Fördermittel?

    Als bürokratischen Kraftakt. Obwohl die Töpfe existieren, ist die Beantragung extrem kompliziert, weshalb er rät, teure, aber spezialisierte Profis hinzuzuziehen.

    Sollten digitale Abteilungen direkt im Mutterschiff eines Konzerns angesiedelt werden?

    Nein. Er rät dazu, junge digitale Keimzellen räumlich und organisatorisch abzukoppeln, damit sie nicht von der Skepsis etablierter Mitarbeiter ausgebremst werden.

    Welche Vorteile bieten internationale Märkte wie Saudi-Arabien für Startups?

    Sie bieten enorm große Projektvolumen, weniger Bürokratie im Vergleich zu Deutschland und finanzstarke Wachstumsumgebungen mit klarer Zukunftsvision.

    Wie stark beteiligt sich ein Business Angel an Startups?

    Die Beteiligungsquote variiert stark. Laut Jens-Peter Schulz reicht die Spanne je nach Phase und Mehrwert von einem Prozent bis hin zu einer Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent.

    Transkript

    Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.