
Wie meistern Sie die Projektentwickler-Krise? Prof. Dr. Michael Becken analysiert die aktuelle Lage und zeigt strategische Lösungswege im Podcast.
Der renommierte P5-Kongress hat sich in der Immobilienwirtschaft als ein etabliertes, alternatives Format bewährt. Prof. Dr. Michael Becken unterstreicht im Gespräch die gelungene Mischung aus kleiner, hochspezialisierter Fachtagung und großer Publikumsmesse. Diese Plattform ermöglicht einen extrem dichten und inhaltlich fundierten Austausch zwischen hochkarätigen Akteuren und Speakern.
Besonderen Wert legen die Veranstalter auf die Nähe zu den Branchenexperten in praxisorientierten Workshops. Abgerundet wird die Veranstaltung durch das passende Maß an Entertainment. Prominente Redner wie Joschka Fischer, Günther Oettinger oder Adi Goldmann bereichern das Event mit politischer und gesellschaftlicher Relevanz, was den Teilnehmern neue Denkanstöße liefert.
Der Vortrag von Prof. Dr. Michael Becken befasst sich mit der brisanten Fragestellung, wie sich ein Projektentwickler in der gegenwärtig angespannten Marktphase strategisch verhalten sollte. Becken kündigt im Interview schmunzelnd an, dass er inhaltlich zwar für eine eher ernste Stimmung im Saal sorgen wird, diese jedoch durch das nachfolgende Programm gekonnt abgefedert wird.
Im Anschluss an seine Präsentation betritt ein professioneller Comedian die Bühne, um die anwesenden Akteure der Bau- und Immobilienwirtschaft nach der ungeschönten Krisenanalyse wieder aufzumuntern. Dieser Wechsel aus harter, analytischer Branchenrealität und humoristischer Auflockerung spiegelt die aktuell notwendige Resilienz wider, die Marktteilnehmer im aktuellen Zyklus dringend benötigen.
Für Projektentwickler zeichnen sich in der aktuellen Krise laut Becken nur zwei tragfähige Überlebensstrategien ab. Die erste Option setzt voraus, dass Unternehmen im vergangenen Boomzyklus vorausschauend agiert und wesentliche Liquiditätsreserven aufgebaut haben.
Wer über ausreichend Kapital verfügt, kann die aktuelle Durststrecke ohne Not überbrücken. Diese Entwickler sind in der glücklichen Lage, den Markt in Ruhe zu beobachten, um die besten neuen Einstiegsgelegenheiten zu nutzen. Denn historisch betrachtet entstehen die lukrativsten Entwicklungschancen stets in schwierigen Phasen.
„Es gibt nur zwei Wege – entweder man hat Reserven aus dem letzten Zyklus, oder man sucht sich neue Geschäftsmodelle.“ — Michael Becken
Für Entwickler ohne nennenswerte Kapitalpolster bleibt nur der radikale Schwenk nach vorn. Sie müssen sich gezwungenermaßen ein neues, operatives Geschäftsmodell erschließen, um laufende Fixkosten zu decken und das mühsam aufgebaute Team nicht entlassen zu müssen.
Wer in der Krise als Projektentwickler sein tägliches Brot verdienen muss, findet im sogenannten Service-Development ein tragfähiges Betätigungsfeld. Das eigene, bauliche Fachwissen wird dabei als Dienstleistung für externe Bestandshalter angeboten. Dies hilft Bestandshaltern, ihre Immobilien effizient durch die Krise zu steuern.
Insbesondere institutionelle Eigentümer und klassische Bestandshalter stehen derzeit vor drängenden Herausforderungen, für die ihnen das operative Know-how im eigenen Haus fehlt. Projektentwickler können hier als externe Dienstleister und Sanierungsmanager fungieren, um das Überleben alternder Portfolios zu sichern.
„Die besten Projektentwicklungsopportunitäten entstehen meistens in Krisenzeiten.“ — Michael Becken
Ein zentraler Hebel für das Service-Development liegt in der Transformation von Bestandsgebäuden hin zu verlässlichen ESG-Standards (Environmental, Social, und Governance). Durch die veränderten gesetzlichen Vorgaben geraten immer mehr Eigentümer unter Handlungszwang, da unrenovierte Gebäude dramatisch an Wert verlieren.
Projektentwickler bringen genau die Fähigkeiten mit, die für diese komplexen Sanierungen vonnöten sind. Sie koordinieren Planer, steuern Baugenehmigungsverfahren und behalten die Baukosten im Blick. Auf diese Weise lässt sich das veränderte regulatorische Umfeld nutzen, um krisensichere Sanierungskonzepte im Auftrag Dritter umzusetzen.
Die aktuelle Krise unterscheidet sich in ihrer Dynamik fundamental von früheren Marktkorrekturen. Grund dafür ist die beispiellos schnelle und abrupte Zinswende der Zentralbanken. Im vergangen Zyklus dachten viele Akteure, das extrem billige Geld würde dauerhaft anhalten, was zu einer gewissen Verwöhnung des Marktes führte.
Der plötzliche Zinsanstieg traf die hoch verschuldete Branche daher wie ein Schock und wirkte sich unmittelbar auf geplante Investitionen und Transaktionen aus. Die Auswirkungen waren in kürzester Zeit in allen Teilbereichen des Marktes spürbar, weshalb die aktuelle Marktbereinigung von vielen Akteuren als extrem schmerzhaft und abrupt wahrgenommen wird.
Im Vergleich zur globalen Finanzkrise im Jahr 2008 zeigt die aktuelle Krise ein völlig anderes Gesicht. Damals verlief der wirtschaftliche Abschwung nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers deutlich langsamer und gleichmäßiger über einen längeren Zeitraum hinweg.
Der Markt konnte sich damals schrittweise an die neuen Rahmenbedingungen anpassen. Heute hingegen sorgte das abrupte Ende der Niedrigzinsphase für einen sofortigen, harten Stillstand im Transaktionsbereich. Dieser unmittelbare Stopp hat viele Projektentwickler unvorbereitet kalt erwischt und lässt kaum Spielraum für langwierige Anpassungsprozesse.
Obwohl auf dem P5-Kongress bereits vorsichtiger Optimismus laut wurde, geht Prof. Dr. Michael Becken nicht von einer schnellen Entwarnung aus. Eine spürbare Erholung des Marktes zeichnet sich in den meisten realistischen Prognosen erst für das Jahr 2026 ab.
Für die eigentliche Baubranche steht das Schlimmste sogar erst noch bevor. Da Projektentwickler neue Planungen komplett gestoppt haben, leeren sich die Auftragsbücher der Bauunternehmer zeitverzögert. Diese spüren den Auftragsmangel erst mit einer typischen Verzögerung von 12 bis 18 Monaten in voller Härte.
„Wenn die Entwickler die Segel streichen, dann trifft es 12 bis 18 Monate später den Bauunternehmer.“ — Michael Becken
Die Immobilienkrise zwingt die gesamte Branche zu schmerzhaften Anpassungsprozessen und fordert alte Geschäftsmodelle heraus. Dennoch verdeutlichen die Analysen von Michael Becken, dass der Markt nicht dauerhaft stillstehen wird. Wer die Krise übersteht, sei es durch finanzielle Reserven oder durch den Einstieg in die ESG-Bestandstransformation, wird gestärkt aus ihr hervorgehen.
Das typische Auf und Ab des Immobilienzyklus zeigt, dass gerade am tiefsten Punkt des Marktes die Grundlagen für die profitabelsten Projekte der Zukunft gelegt werden. Mutige Entscheidungen und eine pragmatische Neuausrichtung sichern jetzt das Überleben, um beim nächsten Aufschwung optimal positioniert zu sein.
Passend dazu: Baukosten senken: Pro Bauherr-Gründer Dr. Peter Burneckel
Er beschreibt den Kongress als gelungenes Format zwischen kleiner Fachtagung und großer Messe, das einen sehr dichten Austausch mit den Speakern in Workshops und ein hochkarätiges Entertainment bietet.
Prominente Persönlichkeiten wie Joschka Fischer, Günther Oettinger und Adi Goldmann bereicherten die Veranstaltung als Gastredner.
Sein Vortrag widmet sich der Frage, was ein Projektentwickler in der Krise tun kann, und analysiert die verbliebenen strategischen Handlungsoptionen.
Entweder zehren sie von Eigenkapitalreserven aus dem letzten Boomzyklus und warten auf neue Marktchancen, oder sie bieten ihr fachliches Know-how als Dienstleistung an.
Ohne Kapitalreserven können Entwickler die aktuelle transaktionsarme Marktphase nicht überbrücken und müssen sich zwingend neue Geschäftsmodelle zur Deckung ihrer Fixkosten suchen.
Sie können ihr technisches und planerisches Spezialwissen als kostenpflichtige Dienstleistung für überforderte Bestandshalter anbieten, die vor Sanierungsaufgaben stehen.
Sie fungiert als stabiler Auftragstreiber, da Bestandshalter ihre Portfolios dringend dekarbonisieren müssen und dafür die operative Umsetzungskompetenz von Entwicklern einkaufen.
Die Zinswende wirkte sich extrem schnell und schmerzhaft direkt in der Immobilienbranche aus, während der Abschwung nach der Lehman-Pleite deutlich langsamer und gedämpfter verlief.
Nach Einschätzung des Experten wird eine spürbare Erholung des Marktes noch auf sich warten lassen und voraussichtlich erst im Jahr 2026 einsetzen.
Weil Bauunternehmen noch laufende Aufträge abarbeiten. Der aktuelle Baustopp der Entwickler schlägt sich erst nach 12 bis 18 Monaten in leeren Auftragsbüchern nieder.
Das Transkript für diese Folge wird derzeit vorbereitet.